Unser Zweithund ist da. (...aber wie lange noch?) Hilfe!!!

  • Hallo zusammen.

    Ich bin neu hier und meine Frau und ich haben derzeit quälende Unsicherheiten zu bewältigen, ob das mit unserem Zweithund "etwas werden" kann.?

    Vorher kurz zur Konstellation: Ersthund = Zwerg-Pekinese; 13 Jahre; Rüde; kastriert; 4,5 kg.
    Zweithund = Tibet-Spaniel; 2 Jahre; Hündin; kastriert; 5,5 kg.

    Also, unser Ersthund "Georgie" lebt seit 7 Jahren bei uns und war bislang natürlich "unser Kindel". Das Schicksal (mit diesem Wort würde ich jetzt mal die Geschichte um das Kennenlernen unserer Zweithündin abkürzend benennen) wollte es nun, das unsere einäugige (Herkunft Ungarn) Zweithündin "Betty" zu uns gefunden hat. Wir dachten, einerseits können wir einem weiteren Tierchen, was zudem ein kleines Handicap (hat also nur noch ein Auge) hat ein liebevolles und geordnetes Zuhause bieten und andererseits unserem älteren Herrn auf seine alten Tage mit einer artgleichen Partnerin noch eine Freude bereiten.

    So, das erste Kennenlernen verlief auf neutralem Boden und verlief ohne jegliche merkbare Aggressionen von beiden Hunden.

    Zu Hause angekommen ging aber der Ärger los. Zweit-Betty darf sich unserem Erst-Georgie oftmals nicht auf unter 1m nähern. Passiert dies doch einmal, wird Betty von unserem Georgie zunächst mit den Augen anvisiert (soll wohl in der Hundesprache eine Drohung sein...) und dann blitzschnell massiv körperlich angegangen, wobei unser Georgie dann mit Vehemenz versucht, in Betty reinzubeißen. Unser Georgie geht dabei kräftig nach vorn und versucht immer wieder Bisse in die Seite von Betty anzubringen. Betty hingegen wehrt sich nicht sofort, sondern erst beim zweiten oder dritten Schnappversuch geht ihr Mäulchen in Richtung Georgie.

    Bereits mehrmals (ca. 1xpro Tag) habe ich eine durch mich in dieser Situation befürchtete, handfeste Beißerei durch Wegziehen unseres Rüden beendet, wobei ich gestern zudem auch mal den so genannten "Alpha-Wurf" bei unserem Rüden angewandt habe. Georgie lag dann auch sehr verwundert und wieder sichtlich beruhigt, ohne festgehalten werden zu müssen, einige wenige Sekunden am Boden und hat dann auch nicht noch einmal Ärger angefangen. Diese Situation geschah gestern, während dem mehr oder minder gemeinsamen Warten auf die Fütterung, welche dann natürlich mit einigem räumlichen Abstand voneinander durchgeführt wird.

    Da wir nun sehr schmerzvoll reflektieren, dass wir unserem Georgie über die Jahre wohl nicht sonderlich viel Respekt beigebracht zu haben scheinen, fragen wir uns nun deshalb, ob ein artgleicher Partner durch unseren Georgie überhaupt jemals akzeptiert werden wird, ganz zu schweigen von dem Wunsch und/oder der Hoffnung, dass unser Georgie die Betty vielleicht sogar als Bereicherung seines Lebens ansehen könnte???

    Betty ist eine sehr sehr ruhige, liebe und absolut unaufdringliche Hündin und beginnt unserem Georgie bereits schon aus dem Weg zu gehen. Annäherungsversuche an unseren Georgie hat fast vollständig eingestellt. Georgie ignoriert Betty zudem ebenfalls, bis eben auf manche dieser arglosen Momente von Betty, wenn dich diese doch einmal räumlich annähert (obwohl sie nicht direkt unseren Georgie ansteuert...).

    Wir haben unseren Zweithund Betty nun (und lacht jetzt bitte nicht allzu laut...) seit 1 Woche.

    Meine Fragen wären also nun:

    1. Wie lange müssen wir diese oftmals gespannte Lebenssituation (diesen Kriegszustand!!!) in der unser Rüde die Hündin ggf. angreifen und bekämpfen will, als harmoniesüchtige Hundehalter noch aushalten, bis sich bei unserem Georgie eventuell einmal Akzeptanz oder gar Zuneigung zu unserer Betty einstellen könnte?

    1.1 Könnte es auch passieren, dass die beiden Hunde niemals zueinander finden?

    2. Soll ich (auch handfeste!) Auseinandersetzungen eher zulassen? (Gemäß dem weit verbreiteten Argument: Die müssen das unter sich ausmachen!) Oder soll ich weiterhin als Alpha-Tier gegenüber unserem Georgie auftreten und ihn bei Aggressionen von ihm gegenüber Betty immer wieder auf die Seite legen?

    Wer also eine solche oder eine so ähnliche "Lebenskrise" schon bewältigt hat, oder auch aufgeben musste... Bitte beschreibt eure Erfahrungen oder gebt uns bitte Tipps für das weiter Training der Zusammenführung!

    Wir lieben unsere Betty schon sehr und wollen unbedingt ein glückliches Leben zu viert erreichen!

    Grüße.

  • Oje ihr Armen. Das klingt ganz schön anstrengend und so habt ihr euch das bestimmt nicht vorgestellt.

    Reagiert euer Kleiner generell so auf sie, oder nur wenn es bei euch ist, also um euch und den Kontakt zu euch geht?
    Georgie scheint seine Ressourcen verteidigen zu wollen und es nicht allzu toll zu finden, dass er die plötzlich mit jemandem anderen teilen soll.

    Bitte verabschiede dich jedoch trotzdem von dem Alphatier Gedanken, der ist vollkommen veraltet und wird euch so nicht weiter helfen. Und bitte nehme den "Alphawurf" aus deinem Repertoire, auch der ist eher Humbug und sorgt nur dafür, dass dein Hund sich unverstanden fühlt. Aus seiner Sicht macht er nichts falsches. ER scheint Betty ja sogar sehr deutlich "anzusprechen" bevor er los legt. Vielleicht hat sie aber auch etwas Probleme das zu erkennen wenn sie in ihrer Sicht durch die Behinderung eingeschränkt ist.

    Ich glaube schon, dass man so etwas in den Griff bekommen kann, es sollte jedoch mal von einem Fachmann angeschaut werden, der etwas mehr dazu sagen warum und in welchen Situationen Georgie so reagiert.

    Ich drücke euch die Daumen für euer Vorhaben.

  • Moin,

    na ja, stell Dir mal vor, Deine Liebste käme mit einem anderen Mann an und würde meinen, "Du das ist der Hans, der lebt ab heute bei uns......" Das ist zwar doch noch etwas ganz anderes als unter Hunden, aber so ein klein wenig...... geht es in die Richtung.

    Georgie war halt lange Einzelhund und das offensichtlich auch sehr gern. Er hatte kein Defizit oder hat etwas vermisst und plötzlich ist da ein anderer Hund, viel jünger, agiler, munterer - und er fürchtet um seine Stellung und seine Ressourcen.

    Es kann sein, das die beiden nie Freunde werden..... aber DAS klären sie nicht unter sich selbst, sondern das wird Eure Aufgabe sein. Bei meinen beiden hat es schon einige Zeit gedauert, bis klar war, wer wo hingehört und wer wem was zu sagen hat, allerdings gab es keine ernsten Beißereien, sondern nur Kompenzgerangel.

    Mit Respekt hat das von Seiten Geogies aus, aber nichts zu tun. Wirklich nicht und Du solltest ihn auch nicht auf den Rücken legen, die meisten vergessen immer, das Hunde sich in solchen Momenten von selbst auf den Rücken legen und nicht geworfen werden, sie verstehen das überhaupt nicht..... es macht ihnen nur Angst oder bringt sie in Wut und stört Euer Vertrauensverhältnis. Zudem ist er auch nicht mehr der Jüngste.....

    Wichtig ist einfach, das jeder Hund einen sicheren Rückzugsort für sich selbst hat, an dem der andere nichts zu suchen hat. Und das beide das Komando "Korb" kennen und sich darauf einlassen, so dass Du sie trennen kannst. Ansonsten würde ich sie vor allem nicht unbeobachtet allein lassen und abwarten.... Wenn sie sich angehen, dazwischen gehen und klar ansoagen "SO nicht!" aber ruhig und gelassen, ohne Rückenwurf und sonstiges. Das ist schon natürliches Verhalten, aber Du darfst es umlenken oder abbrechen.

    Ob das etwas wird, lässt sich noch nicht sagen.

    Sundri

  • Hallo Oli,

    Du musst den Hunden einfach mehr Zeit geben.
    Das ist ganz natürlich, dass der Ersthund dem Neuankömmling erstmal Grenzen absteckt.
    Mehr sehe ich nicht hinter dieser Beschreibung von Dir:

    Zitat

    Zu Hause angekommen ging aber der Ärger los. Zweit-Betty darf sich unserem Erst-Georgie oftmals nicht auf unter 1m nähern. Passiert dies doch einmal, wird Betty von unserem Georgie zunächst mit den Augen anvisiert (soll wohl in der Hundesprache eine Drohung sein...) und dann blitzschnell massiv körperlich angegangen, wobei unser Georgie dann mit Vehemenz versucht, in Betty reinzubeißen. Unser Georgie geht dabei kräftig nach vorn und versucht immer wieder Bisse in die Seite von Betty anzubringen. Betty hingegen wehrt sich nicht sofort, sondern erst beim zweiten oder dritten Schnappversuch geht ihr Mäulchen in Richtung Georgie.

    Dein Hund versucht nicht, in Betty "reinzubeissen". Wenn er beissen wollte, hätte er das gemacht. Das ist ein heftiges Warnschnappen bzw. Wegschnappen.

    Betty scheint die Grenzen ja auch zu akzeptieren. Du schreibst, sie hält mittlerweile Abstand. Genauso soll es sein.

    Laß bitte diesen "Alphawurf" und ziehe Deinen Rüden nicht weg in solchen Situationen.
    Der Alphawurf macht Dich nicht zum Rudelführer, sondern zerstört das Vertrauen.
    Das Wegziehen könnte Dein Rüde als Angriff von Deiner Seite werten.

    Besser wäre es, wenn Du mit Deinem Körper zwischen die Hunde gehst. Das verstehen Hunde, es ist ein "Splitten", welches Konflikte vermeiden soll.

    Zitat

    Betty ist eine sehr sehr ruhige, liebe und absolut unaufdringliche Hündin und beginnt unserem Georgie bereits schon aus dem Weg zu gehen. Annäherungsversuche an unseren Georgie hat fast vollständig eingestellt. Georgie ignoriert Betty zudem ebenfalls.....

    Hier zeigt sich, dass die beiden Hunde sich arrangieren. Sie verstehen die Hundesprache besser, als Du. Darum würde ich möglichst wenig eingreifen.

    Während Du das Futter zubereitest, würde ich die Hunde räumlich trennen die ersten Wochen. Da kann es immer wieder Konflikte geben. Beim Füttern natürlich auch. Die leeren Futterschüsseln würde ich wegstellen. Nach ein paar Wochen kann man auch anfangen, dieses Trennen wieder aufzuheben.

    Keine Sorge, das wird schon. Ich finde, die beiden haben sich in der einen Woche schon gut arrangiert. Das gegenseitige Ignorieren unter den beiden Hunden ist erstmal eine gute Voraussetzung für ein späteres Akzeptieren.

  • Vielen Dank für die bis jetzt schon eingegangen Tipps und Deutungen meiner Situationsbeschreibungen. Den Alpha-Wurf werd' ich nun natürlich lassen. Macht mir ohnehin keinerlei Freude so arg eingreifen zu müssen.

    Ihr meint also, da gibt es ein Licht am Ende des dunklen Tunnels....?

  • Hy, ich hatte vor vier Jahren selbiges Problem. Allerdings zwischen Rottweiler und Pekinese. Nur kurz ein paar Fragen:

    Dürfen die Hunde aufs Sofa? Aufs Bett?
    Hat jeder ein eigenes Körbchen/Decke?

  • Zitat

    Ihr meint also, da gibt es ein Licht am Ende des dunklen Tunnels....?

    Ja, das gibt es. Sogar viel Licht!

    Oft ist es so das man als Halter, wie du ja geschrieben hast, möchte das sich die Hunde gut verstehen.
    Aber überleg doch mal, wenn ein Kind ein Geschwisterchen bekommt läuft da auch nicht alles glatt, im Gegenteil. So ist es bei den Hunden auch, erstmal muss klar gemacht werden wo die eigenen, persönlichen Grenzen sind. Die ersten Wochen sind also meist anstrengend.
    Dann begintn die Phase des Annäherns, des Begreifens "Der/Die bleibt hier, na gut, wenns denn sein muss kann ich ja mal gucken ob die vielleicht doch irgendwie okay ist...."

    Das einzige was ich als Halter regeln würde ist: Fressen. Möglichst getrennt, der Napf des anderen ist für beide tabu!
    Körbchen/Liegeplätze: Jeder Hund sollte 1 Platz haben für sich alleine. Da darf der andere dann auch nicht drauf. Sozusagen als Rückzugsort.
    Kauzeug/Leckerchen: Geklaut wird nix. Ich entscheide wer was bekommt.
    Spielzeug: Muss man gucken. Es kann gut sein das die beiden durch Spielzeug zusammen finden, falls George noch spielt.


    Wenn meine beiden spielen siehts oft so aus:

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    Ist aber alles nur Spiel. Und grade der Whippet knurrt, kläfft und jault gerne beim Toben, sieht immer aus wien Hundekampf.
    Dabei lieben sich meine beiden jungen Rüden heiß und innig, die prügeln sich eben aus Spaß herum ohne sich wehzutun, natürlich! Sind halt wie alle Jungs...

  • Zitat

    Ihr meint also, da gibt es ein Licht am Ende des dunklen Tunnels....?

    Auf jeden Fall.
    Ich habe hier immer wieder Pflegehunde aus dem Tierschutz, die ich in mein eigenes Hunderudel integrieren muss.

    Da läuft es ähnlich ab, wie Du es beschreibst. Es werden von den vorhandenen Hunden mal mehr, mal weniger Grenzen gesteckt.
    Ich mische mich nur selten ein. Oft reicht ein warnendes "Hey", wenn der neue Hund zu sehr begrenzt wird.

    Du musst bedenken, Dein Hund hat 7 Jahre als Einzelhund gelebt. Da braucht er einfach etwas Zeit.

  • @littlefelia:Es gibt mehr Körbchen als Hunde und Betty hält sich von Georgies Körbchen fern. Aufs Sofa dürfen alle, aber unser alter Rüde will das nur sehr selten bis gar nicht. Betty ist meistens auf einem ohnehin freien Stück der Couch.

  • In der Zwischenzeit hat Aoleon schon sehr gut geschrieben, worauf ich mit den Fragen hinauswollte.

    Zitat

    Das einzige was ich als Halter regeln würde ist: Fressen. Möglichst getrennt, der Napf des anderen ist für beide tabu!
    Körbchen/Liegeplätze: Jeder Hund sollte 1 Platz haben für sich alleine. Da darf der andere dann auch nicht drauf. Sozusagen als Rückzugsort.
    Kauzeug/Leckerchen: Geklaut wird nix. Ich entscheide wer was bekommt.
    Spielzeug: Muss man gucken. Es kann gut sein das die beiden durch Spielzeug zusammen finden, falls George noch spielt.

    So hatte ich es auch geregelt. Jeder Hund hat seinen Korb. Überflüssige Körbchen weg. So, dass es in jedem Zimmer zwei Körbchen hat. Und jedes ist einem Hund zugewiesen. Und nur dieser Hund darf da rein. Fressen ebenso. Jeder hat sein eigenen Napf, und auch nur dieser Hund darf da seine Nase reinstecken. Bett und Sofa würde ich für beide verbieten. Zumindest am Anfang (ich weiss, das ist schwer ;) )

    Keine Sorge, ich dachte auch, das wird NIE was. Und doch ist heute alles super! :smile:

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