Kontrollwahn oder Hütetrieb?

  • Hey ihr,

    wir haben folgendes "Problem":

    [Hintergrundinfos: Diego ist ein 2 jähr. Schäferhund-Mix. Wir haben ihn jetzt ein gutes Jahr, er kommt aus dem Tierheim und wurde von seinen Vorbestitzern angebunden vor dem Supermarkt ausgesetzt]

    In der Wohnung läuft Diego nicht hinter uns her, liegt auch mal in nem anderen Zimmer, alles super :smile:

    Wenn mein Freund, Diego und ich zusammen spazieren gehen, dann kann er es nicht leiden, wenn wir uns trennen.
    Bsp. 1: Wir sind auf dem Hundeplatz und mein Freund trainiert mit ihm. Ich stehe am Rand. Diego ist vollkommen fahrig, unkonzentriert und will die ganze Zeit zu mir (andersrum genauso)
    Bsp. 2: Diego ohne Leine. Mein Freund läuft weg, Diego rennt hinterher und stoppt ihn. Renne ich dann weg, stoppt er mich wieder... usw. Rennen wir beide gleichzeitig weg, rennt er Bögen, um uns einzukreisen.
    Bsp. 3: Einer hat Diego an der Leine und der andere geht zB in den Supermark. Diego wird vollkommen unruhig und freut sich waaaaaaaaahnsinig, wenn der verloren geglaubte wieder auftaucht.

    Das waren jetzt drei Beispiele und die Frage, die sich mir stellt: Ist das ein Hütetrieb oder versucht er, uns zu kontrollieren? (Oder leidet er doch an Verlustangst?)

    Vielen Dank für eure Hilfe :smile:

  • Unser Golden Retriever hatte dieses Verhalten auch als er so ca. 1-2 jährig war. Er war schlicht gestresst und konnte nicht damit umgehen, dass jetzt einer weg geht, einer hier bleibt etc.

    Wurde besser je erwachsener er wurde.

    Wenn er sich auf dem HuPla so benimmt, würde ich ausser Sichtweite gehen, bzw. von Anfang an gar nicht mit rein gehen. Evt. kann er sich dann besser konzentrieren.

  • Klingt für mich nach Kontrolle verlieren. In der Wohnung weiß der Hund, wo du bist, dort muss er nicht zwangsläufig hinterherlaufen, er hört dich ja. Daran würde ich es also nicht festmachen.

    Zitat

    Bsp. 2: Diego ohne Leine. Mein Freund läuft weg, Diego rennt hinterher und stoppt ihn. Renne ich dann weg, stoppt er mich wieder... usw. Rennen wir beide gleichzeitig weg, rennt er Bögen, um uns einzukreisen.

    Wie läuft er zwischen euch hin und her? Mit großen Sprüngen, kommen die Vorderbeine zeitgleich bei euch auf dem Boden auf, schnauft der Hund auffallend laut, pieselt er in eurer Nähe, wenn ihr wieder zusammen lauft?

    Zitat

    Bsp. 3: Einer hat Diego an der Leine und der andere geht zB in den Supermark. Diego wird vollkommen unruhig und freut sich waaaaaaaaahnsinig, wenn der verloren geglaubte wieder auftaucht.


    Freut er sich eher unterwürfig oder springt er den Wiederkehrenden einfach mal dynamisch an?

  • Na, das wär ja super, wenn sich das einfach so legen würde. Habt ihr das speziell trainiert?


    Zitat

    Klingt für mich nach Kontrolle verlieren. In der Wohnung weiß der Hund, wo du bist, dort muss er nicht zwangsläufig hinterherlaufen, er hört dich ja. Daran würde ich es also nicht festmachen.


    Wie läuft er zwischen euch hin und her? Mit großen Sprüngen, kommen die Vorderbeine zeitgleich bei euch auf dem Boden auf, schnauft der Hund auffallend laut, pieselt er in eurer Nähe, wenn ihr wieder zusammen lauft?

    Das werde ich am Wochenende mal zusammen mit meinem Freund austesten, da kann ich dir spontan keine Antwort drauf geben.

    Zitat


    Freut er sich eher unterwürfig oder springt er den Wiederkehrenden einfach mal dynamisch an?


    Es springt den Wiederkehrenden an, aber nicht dynamisch. Als wir ihn bekommen haben, hat er immer alles und jeden angesprungen, aber nicht so kräftig (also aus dem Springt - "hier komme ich - mäßig"), sondern er steht dann, stellt sich auf die Hinterbeine und legt einem die Vorderbeine auf die Schultern. Verstehst du wie ich das meine? Mittlerweile haben wir ihm das schon ganz gut abgewöhnt, aber wenn sich waaaahnsinnig doll freut, gibts noch Rückschläge.

  • Ich find das normal.
    Bandit wird auch unruhig, wenn einer von uns nicht mehr zu sehen ist, einen anderen Weg nimmt oder Ganz schlimm ist es, wenn wir uns unterwegs trennen.

    Der Hund weiss ja nicht, dass mein Freund jetzt zur Arbeit fährt, für ihn ist er schlichtweg verloren gegangen.

    Und das löst Stress aus.
    Deswegen vermeiden wir das.

    Die Sache mit dem Supermarkt ist ja eher ne Übungssache, wenn der Hund die Erfahrung macht, dass der andere sofort wieder kommt, ist er auch nicht mehr so aufgeregt.
    Hat sicherlich auch was mit der Persönlichkeit zu tun, aber auch mit den Erfahrungen, die er insgesamt bereits gemacht hat.

  • Meine macht das auch ... das ist denke ich schon ne art verlustangst/ressourcenkontrolle

    wenn ich in den supermarkt gehe und jemand wartet mit ihr draußen dann begrüßt sie mich wie nach 30 Jahren Kriegsheimkehr ... meine Schwester aber genauso und die ist nicht Bezugsperson :ops:

    irgendwie habe ich das gefühl, dass sie es nicht ganz verkraftet, wenn jemand das "rudel" verlässt .. wenn ich spazierengehe und jemand zweites ist dabei und geht dann für sie unvermittelt weg dann glotzt sie noch ewig, wo die person hinwill ... ist schon so ne art kontrollverlust der situation denke ich ...

    in der hundeschule damals war es auch so: wenn ich bei spaziergängen weiter hinten war, hat sie sich dauernd umgedreht ... war ich vorne hat sie gezogen wie ein ochse

    ich denke, dass ist ne art "ressourcenverteidigung" (da fallen auch menschen drunter) ... das muss man üben ... mittlerweile geht es bei uns weil ich kein großes aufheben drum mache und einfach gehe und wenn ich wiederkomme anspringen abblocke oder sie einfach "mitnehme"

    meine kommt aber auch aus dem tierschutz, da könnten andere hintergründe (verlustängste) dahinterstecken ... keine ahnung, vllt. wurde sie so "ausgesetzt" ... ick wees es nüsch

  • Ich finde da jetzt nicht ungewöhnliches dabei, viele Hunde verhalten sich ähnlich. Es ist völlig normal, dass Hunde am glücklichsten sind, wenn ihre wichtigsten Bezugspersonen zusammen und bei ihnen sind. Mit mehr Sicherheit und Erfahrung wird sich die Situation am Hundeplatz bessern - Konzentrationsfähigkeit muss trainiert werden.

    Ich finde es immer schade, wenn das natürliche Sicherheitsbedürfnis des Hundes, der ja komplett von seinen Menschen abhängig ist, als Kontrollwahn ausgelegt wird.

  • Zitat


    Ich finde es immer schade, wenn das natürliche Sicherheitsbedürfnis des Hundes, der ja komplett von seinen Menschen abhängig ist, als Kontrollwahn ausgelegt wird.


    Ich lege sein Verhalten nicht als Kontrollwahn aus, mich haben nur die Gründe interessiert, wieso er sich so verhält. Ich bin froh zu hören, dass es vollkommen normal ist =)

    ... gesendet von unterwegs...

  • Zitat

    Unser Golden Retriever hatte dieses Verhalten auch als er so ca. 1-2 jährig war. Er war schlicht gestresst und konnte nicht damit umgehen, dass jetzt einer weg geht, einer hier bleibt etc.

    Wurde besser je erwachsener er wurde.

    Das selbe hier ...

    ... Max hat "geschrien", wenn einer von uns weggegangen ist, obwohl er im häuslichen Bereich weder Kontrollwahn hatte noch Probleme von uns getrennt zu sein.

    Auch hier war es im Alter von so 1-2 Jahre und hier ging es weg. Er ist jetzt fast 5 Jahre und jetzt schaut er der Person die geht nur noch nach aber es streßt ihn nicht mehr.

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