Falsch verstandene Tierliebe

  • Man liest nicht das meiste aus der Mimik des Oberkiefers heraus...

    Weiterhin beobachtbar bleibt der Muskeltonus sämtlicher anderer Körperpartien, auch des Unterkiefers, die Muskelgrate der Augen und der Stirn, Ohrenansatz, Größe der Pupillen, Weißanteil des Auges, Ohrenstellung, aufgerichtete Tasthaare, Konsistenz des Speichels, Schuppenbildung, Atemfrequenz, Herzfrequenz, Hechelfrequenz, Zustand der Zunge (angespannt, seitlich aufgerollt, locker..) und noch zig andere Sachen ermöglichen es, eine Aussage über den Stresslevel und inneren Zustand des Hundes zu treffen.

  • Zitat

    Man liest nicht das meiste aus der Mimik des Oberkiefers heraus...

    Weiterhin beobachtbar bleibt der Muskeltonus sämtlicher anderer Körperpartien, auch des Unterkiefers, die Muskelgrate der Augen und der Stirn, Ohrenansatz, Größe der Pupillen, Weißanteil des Auges, Ohrenstellung, aufgerichtete Tasthaare, Konsistenz des Speichels, Schuppenbildung, Atemfrequenz, Herzfrequenz, Hechelfrequenz, Zustand der Zunge (angespannt, seitlich aufgerollt, locker..) und noch zig andere Sachen ermöglichen es, eine Aussage über den Stresslevel und inneren Zustand des Hundes zu treffen.

    Und genau darüber hat Otto Normalhundehalter ja so viel Kenntnis. Und trotzdem muss der nunmal entscheiden. Ganz ehrlich, meiner Meinung nach kann man seinen Hund noch so gut kennen, in so einem FALL wie beschrieben hätte ich meine Probleme damit das zu entscheiden. Ob der Hund noch Lebensqualität hat, das sieht man doch eh erst wenn er durch alle OPs durch ist. Und was, wenn er alleine schon durch die OPs so viel leiden müsste und danach geht es ihm trotzdem schlecht????

    Und so lange ich mir nicht sicher bin dass der Hund AUF KEINEN FALL leidet, kann ich eine Erlösung mit meinem Gewissen besser vereinbaren.

  • Zitat

    Gibt es für einen Hund überhaupt wirkliche Lebensqualität ohne Geruchssinn?


    Für mich wäre DAS die entscheidende Frage. Der Geruchssinn ist für Hunde weitaus wichtiger als Gehör oder Sicht. Wenn ich mir vorstelle, meine Nasentiere hätten keine Möglichkeit mehr, ihre Umwelt so wahrzunehmen, das Tor zur Umwelt ist verschlossen, ihr Lebensinhalt nicht mehr da......

  • Naja, Geruchssinn...für viele Menschen ist hören und sehen am Wichtigsten, aber auch taube und blinde Menschen lernen damit zu leben.

    Das Leben ist zum Genießen da und solange ein Individuum das kann, ist für mich alles ok.
    Ich meine schon, dass ich bei meinen Tieren ein Gespür dafür habe und ihnen zuhören kann ob es noch ok ist.

    Und ich bin hier weder für noch gegen Einschläfern (jetzt, wo ich das mit dem Wurm und dem Tumor weiß, tendiere ich eher zu Einschläfern, vom Gefühl her, da ich schon einige Chemopatienten begleitet habe und es immer eine wirklich schwere Zeit war.)

    Mir gehts eher darum, dass man wegen der fehlenden Schnauze nicht den Besitzern unterstellen kann, dass sie das Wohl des Tieres nicht mehr sehen. "Falsch verstandene Tierliebe" ist ja schon eine recht harte Unterstellung.

    Übrigens, noch zu den Kurznasenzuchten. Da gehts ja darum, dass vieler Meinung nach nicht wissentlich und absichtlich so etwas herbeigezüchtet und verstärkt werden soll, sondern eine andere Richtung eingeschlagen werden soll.
    Weil man es in der Hand hat (als Züchter zB).

    Dieser Unfallhund hat seine Schnauze verloren und hier wird ab dem Zeitpunkt nachgedacht, wie es weitergeht.
    Im Zuchtfall präventiv.

  • Egal wie man sich entscheidet, man weiß nie was wirklich im Sinne des Tieres ist.
    Man kann nur vermuten und versuchen sich in die Lage des Tieres zu versetzen, aber selbst dann weiß man nicht was das Tier will. Es geht auch nicht anders, da man das Tier nicht fragen und das Tier nicht mit einem reden kann.

    Die Körpersprache und das Verhalten sind nur Momentaufnahmen und sagen nichts über den Allgemeinzustand aus, zumal jeder Mensch die Signale anders deutet bzw. wahrnimmt. Je mehr man mit einem Tier emotional verbunden ist, umso verklärter ist der Blick und die Gefahr besteht die Realität unbewusst zu verleugnen.

    Deswegen ist es meiner Meinung nach oberste Priorität, sich als erstes mit sich selbst und dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und zu reflektieren. Wenn man die eigenen Wünsche/Emotionen ausblenden und rational denken kann, ist eine Basis für eine so verantwortungsvolle und schwere Entscheidung geschaffen. Aber selbst dann weiß man nicht, ob die Entscheidung die man trifft auch die richtige ist.

    Am Ende kann man nur versuchen sich hinein zu fühlen und sollte unter Berücksichtigung der professionellen Zweitmeinungen frei von den eigenen Emotionen abwiegen, was wohl im Sinne des Tieres wäre. Ist die Entscheidung dann gefallen, bringt es nichts sich anschliessend mit der Frage "Was wäre wenn ich mich anders entschieden hätte?" zu quälen, denn das spielt dann keine Rolle mehr. Egal wie man es dreht und wendet, die Entscheidung hat immer einen faden Beigeschmack und wirklich sicher kann Mensch sich nie sein.

    Deswegen finde ich es wichtig, das man die Entscheidungen anderer nicht verurteilt, sondern sie einfach respektiert. Jeder Mensch tickt, fühlt und handelt anders und wenn jemand der Meinung ist sein Tier einschläfern zu lassen, sollte man das einfach respektieren. Man muss es natürlich nicht gut finden und kann seine Meinung dazu sagen, aber dabei sollte man nicht vergessen, das alles im Leben(auch Entscheidungen) mindestens zwei Seiten und mehrere Blickwinkel hat.

    Wer die Entscheidung "Euthanasie - ja oder nein?" schon einmal treffen musste, hat eh einen sensibleren Blick für derartige Themen. Und der weiß auch, wie schwer so eine Entscheidung ist - schliesslich entscheidet man über Leben und Tod. Abschliessend noch ein paar Wörter zur Lebensqualität - die sich nicht klar definieren lässt. Jeder von uns versteht unter Lebensqualität etwas anderes, da jeder einen anderen Blickwinkel hat und andere Maßstäbe setzt. Im Kern sind sich wahrscheinlich alle halbwegs einig was Lebensqualität bedeutet bzw. was man darunter versteht - aber letztendlich definiert jeder anders und für den einen setzt sich das Gerüst aus 4 Grundpfeilern zusammen und für den anderen z.B. nur aus zwei.

    Die Lebensqualität ist immer individuell und hängt von den persönlichen Bedürfnissen, den Trieben und der eigenen Persönlichkeit ab - egal ob bei Mensch oder Tier.
    Man kann natürlich tagelang im Forum drüber diskutieren, aber am Ende bleibt eh jeder bei seiner Meinung und hat wertvolle Kraft&Zeit aufgebracht. Diese Kraft&Zeit könnte man meiner Meinung nach sinnvoller(Ansichtssache ;) ) einsetzen, z.B. um den Menschen hier im Forum beizustehen/ Mut zu machen, die gerade vor derartigen Entscheidungen stehen oder sie gerade treffen mussten. Aber das muss jeder selber entscheiden, genau wie "Euthanasie - ja oder nein?"... ;)

    Gruß Basti

  • der geruchssinn ist aber für uns menschen net so wichtig wie für das nasentier hund.
    kein zeitung lesen mehr, keinen anderen hund mehr riechen können usw. ich glaub da kann man seh- oder hörvermögen leichter kompensieren als den verlust des geruchsinns.

    wenn man bedenkt was hunde alles riechen können und dann einen zu haben der noch net mal sein futter riechen kann...find ich traurig und hab mitleid mit dem hund.

    für mich ists bischen widersprüchlich was hier einige von sich geben. in einem thread wird ein tier als massiv eingeschränkt in seiner lebensqualität angesehen, nur weils keine bömmel mehr hat oder wegen seinem jagdtrieb an der leine bleiben muss oder weils ne platte nase hat. andererseits ists vollkommen okay wenn ein tier ohne gliedmassen oder sinnesorgane leben muss...da ist dann lebensqualität plötzlich vorhanden?
    ich verstehe es echt nich....

  • Zitat

    der geruchssinn ist aber für uns menschen net so wichtig wie für das nasentier hund.
    kein zeitung lesen mehr, keinen anderen hund mehr riechen können usw. ich glaub da kann man seh- oder hörvermögen leichter kompensieren als den verlust des geruchsinns.

    wenn man bedenkt was hunde alles riechen können und dann einen zu haben der noch net mal sein futter riechen kann...find ich traurig und hab mitleid mit dem hund.

    für mich ists bischen widersprüchlich was hier einige von sich geben. in einem thread wird ein tier als massiv eingeschränkt in seiner lebensqualität angesehen, nur weils keine bömmel mehr hat oder wegen seinem jagdtrieb an der leine bleiben muss oder weils ne platte nase hat. andererseits ists vollkommen okay wenn einem tier ohne gliedmassen oder sinnesorgane leben muss...da ist dann lebensqualität plötzlich vorhanden?
    ich verstehe es echt nich....


    Willkommen im Club

  • Ich weiß nicht, wer was wann wo sagt und sich widerspricht. Ich persönlich sehe ziemlich wenig Tierquälerei hier im Forum :D

    Ich versteh auch fast alle Sichtweisen hier, ich persönlich würde aber wohl einen rumscharwenzelnden Hund, der frisst und trinkt und spielt (bzw tut was er sonst auch immer getan hat, auch wenn vielleicht eine oder zwei Verhaltensweisen fehlen), motiviert ist, schmust etc und dem einfach etwas Knochen fehlt, nicht einschläfern.

    Bei einem Nasen-verfallenen Hund würd ich wohl anders denken (mein Corey zB), aber bei nem Hund wie meinem Monty, der höchstens 20% von der Schnüffelaktivität Coreys zeigt, wär ne fehlende Nase nun das kleinste Problem. Eine Chemotherapie für mich persönlich schon, für fast jeden Hund.

    Deswegen können das nur die Besitzer entscheiden, aber da sind wir uns ja auch alle einig.

    Ich finde die Diskussion hier übrigens gar nicht so schlecht und kraftverschwendend.
    :smile:

    Verschiedene Sicht-, Denk- und Fühlweisen kennenzulernen kann einen nur voran bringen in dem gemeinsamen Willen für die Hunde das Beste zu finden.

  • Zitat

    :verzweifelt:

    Ich find zwar Bastis Post und Gedanken wieder mal sehr gut, aber in diesem Falle: no way, dieser Hund hätte schon längst von seiner Qual erlöst werden müssen! Falsch verstandene Tierliebe und Egoismus!

    Vor diesen Hintergrund wäre die Entscheidung für mich auch klar!

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