Erziehung paradox?
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Hallo,
folgendes fiel mir vor kurzem auf: In meiner Umgebung gibt es Hundehalter, die bei ihrem Hund so ziemlich alles anders machen als ich, z. B. keine täglichen Spaziergänge, keine Kopfarbeit, der Hund wird allein raus geschickt, um sein Geschäft zu verrichten, von Gassi gehen also keine Spur, keine Spiele, der eine Hund wird sogar überhaupt nicht beschäftigt sondern liegt eigentlich den ganzen Tag nur gelangweilt vor der Haustür herum - aber diese Hunde gehorchen aufs Wort, der Abruf (wenn er denn mal nötig ist) klappt auf Anhieb. Ein Pfiff genügt, und Hundi steht schwanzwedelnd vorm Herrchen.

Während ich versuche, alles richtig zu machen, d. h. eine Bindung aufbaue, meinem Hund regelmäßig Bewegung verschaffe, ihn kopfmäßig beschäftige, Kommandos übe usw. Der Abruf klappt zwar immer öfter, aber manchmal stellt Hundi die Ohren einfach auf Durchzug. Da fasse ich mir doch manchmal an den Kopf

Wie kann das sein, wenig Zuwendung - guter Gehorsam. Bin ja mal gespannt auf Eure Theorien.
LG
menschmithund
- Vor einem Moment
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Hi,
Interessiert dich dieses Thema ? Dann schau doch mal hier *.
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Das ist mir auch schon sehr oft aufgefallen, ich bin auf Antworten gespannt

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Hallo,
naja, pauschal kann man nicht sagen, dass Hunde, die weniger beschäftigt werden, besser gehorchen, aber eine mögliche Erklärung gibt es:
Ein Hund, der sehr viel beschäftigt wird, sowieso die ständige Aufmerksamkeit des Halters erhält, "pfeift" dann auf Grundgehorsam, denn Frauchen/Herrchen "wuseln" eh ständig um ihn herum und machen sich damit auch ein wenig uninteressant.
Ein Hund, der generell sehr wenig Aufmerksamkeit erhält, "freut" sich dann auf Ansprache, weil es nichts Selbstverständliches ist.So in etwa arbeiten auch einige Hundetrainer.
Indem der Hund aus dem Mittelpunkt genommen wird, die Aufmerksamkeit, zumindest im Haus, wird drastisch reduziert, der Hund teilweise sogar ignoriert, um ihn draußen wieder empfänglicher zu machen.Häufig liegt der Fehler bei vielen Haltern darin, dem Hund alles auf dem Silbertablett zu präsentieren.
Der Vierbeiner wird sozusagen übersättigt.Gruß
Leo -
Vielleicht freut sich Hund SO sehr DASS er mal beachtet wird, dass er dann kommt?
Die früheren Hofhunde hatten auch wenig zuwendung, und wussten auch was sie machen mussten...
Ich glaube auch nicht dass ein Schäfer mit seinem Border viel am Schmusen ist....bin auch sehr gespannt auf Antworten und MEinungen

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Wir sehen in diesen Fällen wahrscheinlich immer nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des Hundes. Nur, weil wir nicht sehen, dass Kopfarbeit gemacht wird, heisst das ja noch lange nicht, dass wirklich nichts mit dem Hund gemacht wird. Es gibt sicher viele Wege, die Bindung zwischen Hund und Halter aufzubauen und zu pflegen.... und es muss nicht immer unser Weg sein, der für alle richtig ist.
Gruss
Gudrun -
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Hallo,
ich würde mir daraus nun auch nicht ableiten, dass gar nix mit dem Hund machen die bessere Methode ist, aber ich empfinde sowieso, dass in Sachen Hundeerziehung/-haltung in der heutigen - fast schon extremen Hundebeschäftigungs-Zeit - weniger manchmal eben doch mehr ist....LG, Chris
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Zitat
Wir sehen in diesen Fällen wahrscheinlich immer nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des Hundes. Nur, weil wir nicht sehen, dass Kopfarbeit gemacht wird, heisst das ja noch lange nicht, dass wirklich nichts mit dem Hund gemacht wird. Es gibt sicher viele Wege, die Bindung zwischen Hund und Halter aufzubauen und zu pflegen.... und es muss nicht immer unser Weg sein, der für alle richtig ist.
Genau, auch das ist möglich.
Oder aber einige Halter beschränken sich zunächst auf das Wesentliche (Rückruf).
Bindung wird schon vorhanden sein, von Nichts kommt Nichts. -
Mir fällt dazu auch das Thema "Übersättigung" ein. Also - soziale Übersättigung. Wenn der Hund im Haus und draußen allzeit alles bekommt - vor allem an Aufmerksamkeit und Kommunikation, ist es nichts Besonderes, nichts, wofür er etwas tun muss. Ob das jetzt nun wirklich der Grund ist in den beschriebenen Fällen, kann ich nicht sagen. Dafür weiß ich zu wenig davon. Aber das Phänomen hab ich jetzt schon ein paar Mal bemerkt. Die Lösung ist sicher nicht, den Hund nur noch außen vor zu lassen "damit er froh sein kann, mal Aufmerksamkeit zu bekommen". Aber im Zweifel machts der richtige Mittelweg. Immerhin sind Hunde soziale Wesen und wollen in ihrer Gruppe dazu gehören und sich harmonisch fühlen.
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Zitat
Häufig liegt der Fehler bei vielen Haltern darin, dem Hund alles auf dem Silbertablett zu präsentieren.
Der Vierbeiner wird sozusagen übersättigt.das denke ich auch,
ein weiterer gedanke der mir beim lesen dieses Themas kam:
warum soll sich ein hund an einen binden, dessen halter sich regelmäßig für ihn "zum affen" macht und soziale dinge außen vor lässt? Manchmal ist weniger mehr, zur zeit geht ja eher der Trend dort hin, den Hund möglichst viel zu Beschäftigen, dabei lässt man aber wichtige, soziale dinge außer acht und tut dem hund fast ausschließlich über Futter und spielzeug "was gutes".
Mal ein beispiel: wie man es tagtäglich sieht.
Herrchen hat einen Ball-Wurf-Arm dabei, den er auslöst, sein Hund rennt hinter den ball her und bringt den ball zurück. herrchen hebt den Ball mit den langen Griff wieder auf um erneut den ball fort zu werfen. selten sehe ich, dass sich besitzer freuen oder ihren hund in die arme schließen, wenn er zurück kommt.der kontakt zwischen hund und herrchen wird einzig und alleine auf den blöden tennisball beschränkt.
es gibt sogar hunde, die ihren besitzer abchecken, ob er lecker oder ein spielzeug dabei hat und sich dann vom acker machen, sollte dies nicht am mann sein.
eigentlich sollte es doch so sein, dass man eine gemeinsame Basis aufbaut, eine Beziehung.
materielle dinge werden sogar in der Hundeerziehung wichtiger als soziale nähe. :/ -
Und: Rasseabhängig !
Der klassische Herden/Hofschützer wird glücklich sein, wenn er "nur" herumliegt, seine Grenzen abpatroulliert und ab und zu Aufmerksamkeit bekommt.
Übrigens hat vor 30 Jahren kaum einer seinen Hund großartig beschäftigt ;-)
Gruß, staffy
- Vor einem Moment
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