Unsouveräne Dominanzbeziehung: vermeiden oder provozieren?

  • Für mich bedeutet Dominanz, dass ein Hund immer in der Lage ist, seine Interessen durchzusetzen und zwar ruhig und souverän. Er beherrscht eine Situation, ohne aufdringlich zu werden, denn das hat er nicht nötig.

    Ich bin kein Experte, mag vielleicht total daneben liegen und wenn das so sein sollte, korrigiert mich.

    https://www.dogforum.de/ftopic13548.html

    Ich kenne nur eine Hündin, die in meinen Augen dominant ist und ich habe oft beobachtet, wie sie mit anderen Hunden um geht und das sieht nicht so aus, wie in dem eingestellten Video.
    Sie bleibt absolut ruhig, stellt sich, wenn es sein muss, quer vor den anderen Hund und zeigt mit ihrer Körpersprache, was sie will.
    Sie ist noch nie aufdringlich , aggressiv oder böse geworden

  • Dominanzverhalten wird aber sehr oft MIßverstanden.
    Ich würde das Verhalten deines Hundes einfach in kontrollkomplexe Aggression einteilen.

    Es gibt unterschiedliche Formen von Aggression:

    1. Territorial
    2. Angst
    3. Ressourcen
    4. Pathologisch
    5. Kontrollkomplex

    Letzteres entsteht meist dadurch, dass der Hund lernt "mit dem kann ichs ja machen und es passiert nichts". Darunter fällt auch wenn der Hund im Ansatz nicht schon zur Vernunft gerufen wird beim moppen und daraus ein zwanghaftes Verhalten bildet. "Du gehst da lang, ich sag was gemacht wird, du legst dich 10x hin, egal was du hast ich will das" usw.. Wenn dazu noch niedrige Reizschwelle kommt, dann hat man gleich einen Hund der von Ceasar Milan als dominant-aggressiver Hund betitelt wird, was aber ein hier irreführendes Wort ist (sogern ich Ceasar habe - aber er sollte auch ab und zu mal auf andere Experten hören).
    Bei deinem Hund wird es wahrscheinlich ausreichen, wenn Du ihn einfach korrigierst und auf keinen Fall ein fixieren und kontrollieren zu lässt. Auch würde ich es vermeiden die beiden in eine Situation zu bringen wo sie um etwas konkurrieren können (Hündin, Stock usw.). Normales spazierengehen muss da erst mal reichen.

  • Zitat

    Ihr seht das alle richtig. Es handelt sich um eine eigentlich normale Dominanzbeziehung, in der Bokey deutlich über dem Labbi steht. Nur dass Bokey wirklich viel zu frech und respektlos ist. Es geht nicht um Stressabbau o.ä. durch Aufreiten oder mobbendes Jagen oder plötzliches flippen im Verhalten. Es sind immer Situationen, die in einer normalen Beziehung ruhig und frei von Aggressionen ablaufen würden (Wechsel bester Liegeplatz, bester Schnüffelplatz, besseres Spielzeug, wer spielt mit wem etc.) Bokey kennt den Labbi schon über ein Jahr und er weiß, wieviel er sich erlauben kann. Fakt ist auch, dass Bokey Defizite durch Rumbellen ausgleicht. Also wird er bei der Begrüßung immer gleich sehr laut.
    http://www.youtube.com/watch?v=88ANxu7scAU
    Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund für dieses "Ich hau dir gleich auf's Maul"-Gehabe, da der Labbi keinerlei Anstalten macht Bokey's Position in Frage zu stellen. Ich möchte auch nicht, dass der Retriever lernt, alle kleinen gelben Hunde sind scheisse :ops:
    Ich werde mir mal einen Plan machen, wie ich die nächste Begegnung gestalte. Eigentlich mögen sich die beiden Spinner sehr und ich denke, der Labbi wäre sehr erfreut wenn das zwanglose Spiel und die Albereien von früher wieder möglich wären.

    LG

    Also, erstmal, ist dieses Verhalten völlig harmlos. Der Labbi ist 2 und wird erwachsen, insofern muss man ihn vermutlich ab und an in die Schranken weisen. Dein Hund ist ein absolut erwachsener Hund, den du wirklich als solchen behandeln und ernst nehmen solltest. Ich sehe auf dem Video ein ziemlich normales Hundeverhalten, das mich nicht wirklich stören würde. Ich schick dir mal meine Hundedame vorbei, die würde dem Labbi noch viel deutlicher begegnen, denn Labbis sind gerne aufdringlich und das mag nicht jeder Hund.

    Wenn man den Video genau beobachtet, dann sieht man, dass Labbifrauchen sehr frontal auf den Hund zuläuft. Schon alleine das würde ich lassen. Auch versucht der Labbi Beschwichtigungssignale zu verbreiten, er will sogar einen Bogen laufen und in dem Moment ruft ihn Frauchen zu sich heran. Anstatt, dass der Hund es so machen darf, wie er es eigentlich tun möchte, zwingt in Frauchen dazu, sich anders zu verhalten. Und das geht dann prombt in die Hose. Labbifrauchen sollte in Zukunft besser Bogen laufen.

    Ich würde meinen Hund so nicht liegen und gehen lassen. Mein Hund hätte zu warten, mich nochmal anzugucken und dann darf Hund gehen. Aber nur, wenn der andere Hund genauso unter dem Gehorsam steht. Aber dazu gibt es ja u. U. auch Hundeleinen.

    Wenn man nun den Video genau anschaut, geht die Verwarnung, und ich denke, der Labbi wird verwarnt, dann los, als der Labbi etwas anschnüffelt. Nun, was war das? Lag da was? Da hatte der Labbi nichts zu suchen. Fertig, aus. Die Sache ist erledigt. Ich denke, der Kontakt ist zu frontal.

    Es ist keine Begrüßung, es ist eine Verwarnung.

    Auch ist es kein Hau-dem-aufs-Maul-Gehabe. Es ist für mich schlichtweg ein Grund da, weswegen der Labbi verwarnt wird. Ihr lieben Hundebesitzer seht das nicht, sondern interpretiert das alles menschlich und du sprichst dazu von deinem Hund noch als Arschloch. Kontrolliere mal deinen Hund, wenn dich das Verhalten stört. Sag ihm, dass das so nicht geht. Ruf ihn zurück. Oder mach ne Schlepp dran und steh drauf, dann kann er erst gar nicht weg. Sag ihm, was du von ihm willst. Auf dem Video kommt gar nichts. Null. Du lässt deinen Hund gewähren und lässt ihn somit hängen.

    Der Labbi wird einen Moment lang dominiert. Ja, in dem Moment, wo er da schnüffelt. Dann ist es aber auch schon wieder vorbei. Chef ist deswegen der andere Hund nicht, es ist kein geschlossenes Rudel, die Hunde leben nicht zusammen. Man könnte es auch Grenzen testen nennen. Denn in dem Moment, wo der Labbi sich das nicht mehr gefallen lässt, kann auch nicht mehr dominiert werden.

    Es gibt eine ganz einfach Lösung für das Problem. Haltet die Hunde unter Kontrolle und lass deinen einfach nicht zu dem Labbi hin. Und Labbifrauchen kann deinen Hund in dem Moment wegschicken, Hau ab. Fertig. Lasst das Spiel kontrolliert ablaufen. Warum sich das alles geändert hat? Weil die Hunde älter werden, weil man Grenzen testen kann, weil der Labbi evtl. etwas signalisiert, was Mensch nicht sieht. Am Ende schützt dein Hund das Labbifrauchen vor ihrem eigenen Hund. Das gibt es.

    Eine noch bessere Lösung des Problems wäre allerdings, wenn ihr mal ne Weile nicht mehr zusammen spazieren gehen würdet und euch völlig euren Hunden widmen würdet.

    Übrigens, Dominanz hat was mit einschränken zu tun. Man hat keinen dominanten Hund, sondern es gibt Situationen, wo man dominiert. Ich dominiere ständig. Auch dann, wenn ein Kind auf die Straße rennen will, ein Auto kommt und ich das Kind in letzter Sekunde festhalte. Dann bin ich dominant. Und die Dominaztheorie bei Hunden gibt es nicht, ist ein Ammenmärchen. Genausowenig, wie ein Hund Chef werden will. Hierzu kann ich nur das neue Buch von Bloch empfehlen.

  • Hab jetzt mal in "Ausdrucksverhalten beim Hund" von Feddersen-Petersen nachgeblättert und prompt Bokeys

    Dominantes Verhalten
    Weg verstellen
    Festhalten
    Bewegungskontrolle
    Zwicken
    Verprügeln
    Verdrängen

    und Anzeigen von Dominanz
    High posture

    gefunden.

    Wenn ich mir aber mal die Tabelle Aktive/Passive Demut in dem Buch anschau, muss ich sagen, dass der Labbi deutlich weniger aktive als passive Demut zeigt. Er nimmt zwar Bokeys Verhalten hin, deeskaliert aber nicht von vornherein (bis auf die Begrüßung wo er albernes Verhalten als Beschwichtigung eingesetzt hat) - jedenfalls scheint/schien mir das so. Er gibt Bokey durchaus einen Grund so zu reagieren und muss in passive Demut "gezwungen" werden. Was mir einleuchtete war Bokeys Drohen bei Distanzunterschreitung, wenn es um eine Ressource ging. Der Labbi wäre, muss ich leider sagen, nicht von allein aus Bokeys Dunstkreis rausgegangen, sondern ich musste die beiden Hunde auseinandertreiben, um die Lage zu entspannen.

    Ich hab ja schon öfter gehört, dass Labbis da relativ schmerzfrei sind und öfters anecken, trotzdem hat mich die Zunahme an maßregelndem/dominanten Verhalten meines Hundes schon erschreckt!

    LG

  • wenn ihr zusammen spazieren gehen wollt, und es nur um die ersten minuten geht, in der da deiner eine dir zu heftige ansage raushaut, dann leint doch einfach die hunde an, und geht die ersten 200 meter mit den leinen an den hunden... dann haben die beiden über kleinere zeichen die sache geklärt... und dann könnt ihr die wahrscheinlich ableinen, und nix passiert, solange der labbi nich wieder zu distanzlos wird...

    und falls der labbi dermaßen stumpf in den raum des beien hundes eindringt, dann vertreib den labbi einfach.. dadurch merkt dein hund, dass du auf ihn aufpaßt, und er wird auf dauer wieder entspannter.

    denn der klärt mal eben bei der begrüßung, dass der andere ruhig bleiben soll...

  • Zitat

    Wie war denn voher die Begrüßung Seitens des Labbis (der da ja recht gelassen reagiert)?

    Retriever haben kaum Individualdistanz und so halten sie auch bei anderen Hunden keine ein. Außerdem sind sie ziemlich grobmotorisch veranlagt und reagieren wenig auf kleine Signale (weshalb Ulexa regelmäßig einen von denen in die Schranken weißt).

  • Zitat


    Wenn man den Video genau beobachtet, dann sieht man, dass Labbifrauchen sehr frontal auf den Hund zuläuft. Schon alleine das würde ich lassen. Auch versucht der Labbi Beschwichtigungssignale zu verbreiten, er will sogar einen Bogen laufen und in dem Moment ruft ihn Frauchen zu sich heran. Anstatt, dass der Hund es so machen darf, wie er es eigentlich tun möchte, zwingt in Frauchen dazu, sich anders zu verhalten. Und das geht dann prombt in die Hose. Labbifrauchen sollte in Zukunft besser Bogen laufen.

    Jupp :gut:

  • Wenn die Beiden sich gut kennen, würde ich erstmal nicht eingreifen
    eher ganz heraushalten.
    Dann würde der Labbi vielleicht einen Bogen laufen ect. und alles Weitere hätte sich erledigt.
    Er zeigt deutlich seine Unsicherheit in Wechselhaftem Benehmen.
    Einmal aufgeregtes Entgegenlaufen, angedeuteter Scheinangriff (als Spielaufforderung), kurzes Schnüffeln als Beschwichtigung, Stehenbleiben, Kopf wegdrehen.
    Man könnte den Hunden die Gelegenheit geben, aneinander zu lernen.

    Unsere Blue hat auch eine Labbifreundin (9 Monate älter als sie).
    Die Beiden kennen sich sehr lange und sind sehr vertraut miteinander.
    Sie waren nicht NUR IMMER nett untereinander, ABER sie haben ohne Einmischung gelernt, gegenseitige Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren.

  • Zitat

    Noch mal zum Thema Dominanz: ein Individuum kann nur ein Individuum dominieren, wenn dieses sich dominieren lässt.

    Jupp. Also Bokeys Verhalten wird eben maßgeblich vom Labbi bestimmt, er lässt sich dominieren und schüttelt die Anspannung danach halt wieder ab. Es geht nicht um die Begrüßung allein, es gibt so einige Situationen während des Zusammenseins, die mich halt zu diesem Schluss (Dominanzverhalten) kommen ließen. Bokey wird auch von sich aus nicht die Distanz vergrößern, er wähnt sich ja im Recht - aber der Labbi ist (mMn) zu ungenau und, wie LasPatitas schon schrieb, zu grobmotorisch, um feiner und schneller zu reagieren. Ich werde einfach Situationen, die brenzlig werden könnten, aktiv kontrollieren, Ruhe in die Sache bringen und angenehmes Verhalten doppelt belohnen :D

    LG

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