ANTI-JAGD-TRAINING oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde

  • Weil viele sagen, dass er noch jung ist und sich das echte Jagdverhalten erst später zeigt.

    Kann, muss aber nicht. Bei Splash stand das Menetekel mit 12 Wochen an der Wand geschrieben, mit 6 Monaten war unzweifelhaft klar, was ich da an der Leine hatte. Rhian konnte ich erst recht spät einschätzen, weil sie sehr differenziert auf unterschiedliche Wildarten reagiert hat, und wir hier schlicht nicht "ihr Wild" hatten. Hätten wir das früher angetroffen, wäre sie auch früher einschätzbar gewesen.

  • Weil viele sagen, dass er noch jung ist und sich das echte Jagdverhalten erst später zeigt.

    Bestätigung bekommt er immer von mir

    Gut, dass du mit dem Schlimmsten rechnest, dann wirst du nicht entmutigt und freust dich über die Erfolge. Aber wenn ihr so weitermacht, wirst du vielleicht positiv überrascht. Der 'richtige' Jagdtrieb kommt meistens zwischen der Geschlechtsreife und 1,5Jahren durch. Man merkt ganz deutlich, wenn es nicht mehr spielerisches Jagen ist, sondern ernsthafter Trieb dahinter steckt. Einfach weitermachen, sich von Rückschlägen nicht abschrecken lassen und Geduld, dann wird das. Egal, welche Rasse.


    Bei meinem Finn. Lapphund war das einfach. Ein einziges Nein hatte ausgereicht und er war nie wieder auch nur auf die Idee gekommen, irgendetwas zu jagen.

    Bei meiner Akitahündin waren das 4 arbeitsreiche Jahre, in denen leider auch Fehler passiert sind, weil Rehe und Fasane grundsätzlich dann daherkommen, wenn man denkt, die Luft ist rein und man den Freilauf testet/trainiert 😂

    Ich dachte zwischendurch, dass ich bei ihr vielleicht versage, habe aber an sie geglaubt und inzwischen läuft sie fast nur noch ohne Leine, muss mich nicht einmal mehr nach ihr umdrehen, weil ich mich verlassen kann, dass sie nicht jagd. Letztens ist ein Hase direkt vor ihr aus dem Gebüsch geschossen. Sie blickte mich nur verständnislos an, als wolle sie sagen 'wieso hat's der so eilig?'

    Und um wieder fachkundiger zu klingen 😉 selbst Hunde 'schwierigerer' Rassen und mit starkem Trieb können zuverlässige Begleiter werden

  • Oh, hier war ich ja noch gar nicht :D


    Naja, war bis Oktober auch nicht nötig, da die Hunde nicht gejagt haben.


    Jetzt habe ich eine Husky-Hündin und versuche irgendwie, einen zuverlässigen Rückruf aufzubauen und generell an der Ansprechbarkeit zu arbeiten.


    Sie geht sowohl auf Sicht als auch Nase. Hetzen ist das größte für sie.

    Bei Rehen will sie derzeit erstmal sofort hinterher, ist dann aber schneller wieder online.

    Eichhörnchen sind unsere Endgegner. Da steht sie minutenlang abwesend vor dem Baum und kann sich nicht abwenden. Anschließend starrt sie dann ständig nach oben.

    Hasen haben wir hier nicht.

    Vögel triggern mal ja, mal nein. Aber auch längst nicht mehr so krass wie zu Beginn.


    Und ihre Augen sind so viel besser als meine. Sie jagt sogar Eidechsen im Gras. Mäuse, das kannte ich, aber Eidechsen?


    Ich muss auf jeden Fall viel an mir und meiner Geduld arbeiten und daran, dass sie mehr schaut und weniger los rast und dann auch ansprechbar wird.


    Aber hey, sie ist 3 Jahre alt und erst ein halbes Jahr bei mir und mein erster jagender Hund, wir haben noch viel Zeit für Training :D

  • Weil viele sagen, dass er noch jung ist und sich das echte Jagdverhalten erst später zeigt.

    Kann, muss aber nicht. Bei Splash stand das Menetekel mit 12 Wochen an der Wand geschrieben, mit 6 Monaten war unzweifelhaft klar, was ich da an der Leine hatte. Rhian konnte ich erst recht spät einschätzen, weil sie sehr differenziert auf unterschiedliche Wildarten reagiert hat, und wir hier schlicht nicht "ihr Wild" hatten. Hätten wir das früher angetroffen, wäre sie auch früher einschätzbar gewesen.

    Da kam mir eben in den Kopf, vielleicht hat mein Junge nur Bock das echte Großwild zu jagen (also Löwen) und gibt sich nicht mit Kleinkram ab …. Hihi 😜

    Nee, aber ich werde wachsam bleiben und hoffe einfach, dass er bisschen nach seiner Mutter kommt, die auch keinen ausgeprägten Jagdtrieb hat. Wenn es krass wäre, hätte ich es vermutlich schon gemerkt, denn hier gibt es schon recht viel zu jagen, sogar Wildschweine.

  • nur kurz zum feiern:


    Mit drei Hunden allein im Wald, in beginnender Dämmerung. Ist natürlich eine große Herausforderung.

    Alma an der 30 m Schlepp, die selbstgebastelt ist und für die man eigentlich Handschuhe bräuchte weil die sehr schnell zu Verbrennungen führt.

    In meinem Kopf gehe ich Gespräche mit erdachten Spaziergänger*innen oder Jäger*innen durch und wie ich ihnen glaubhaft vermittle, dass ich die Leine halte, egal wie stark der Zug wird weil ich ein schmerzbegrüßendes und willensstarkes Ungeheuer bin. Mach ich ja auch wirklich, meine Hände erzählen am Lagerfeuer Geschichten davon.

    Während ich also so darüber nachdenke, wie viel Schmerz ich wohl wirklich bereit bin, auszuhalten ohne loszulassen, hüpft ein Reh ca 50 Meter vor uns über den Weg eine lichte Böschung hinauf.

    Alma springt sofort an, ich halte die Leine mit beiden Händen und stelle noch schnell den Fuß darauf während ich "STOP!" rufe.

    Und sie stoppt umgehend ohne dass auch nur der geringste Zug auf der Leine war. Starrt kurz, winselt, guckt mich verzweifelt an und dreht ab und kommt auf kürzestem Wege zu mir, Schlecksnack kassieren.


    Ha! Ich freu mich!

  • Und nochmal: wer hat sich von einer flüchtenden Katze perfekt abrufen lassen?

    Die beste Alma der Welt! :)


    Fremde Katze im Garten, ich halte Alma bei mir, Katze springt auf die Mauer und ich lasse Alma laufen (weil die Katze ja auch nicht lernen soll, dass sie uns da für immer in der Warteposition halten kann und wir ihr den Garten überlassen). Alma springt los, Katze trifft dumme Entscheidung und springt von der Mauer runter zurück in den Garten, Alma bellt (allerdings kein Jagdbellen, sondern eher ein "verpiss dich") und setzt ihr einen halben Schritt nach und wendet auf "EY!" auf der Stelle um die eigene Achse und rennt zu mir.


    Für alle, die hier mitlesen und die denken, dass das nie was wird: es wird!

    Es lohnt sich!

    Vor 1,5 Jahren wäre daran nicht zu denken gewesen und sie wäre nach so einem Erlebnis mindestens zwei Tage auf 180 gewesen. Und jetzt: Katze gesehen, Hetzmoment sofort abgebrochen, sofort wieder zur Ruhe gekommen und anschließend im Garten sogar gedöst.

    Also, alle Neulinge: macht weiter! Es wird! Echt!

  • Vor 1,5 Jahren wäre daran nicht zu denken gewesen und sie wäre nach so einem Erlebnis mindestens zwei Tage auf 180 gewesen. Und jetzt: Katze gesehen, Hetzmoment sofort abgebrochen, sofort wieder zur Ruhe gekommen und anschließend im Garten sogar gedöst.

    Also, alle Neulinge: macht weiter! Es wird! Echt!

    Wahnsinn! :hurra: :laola: :party:


    Wie war euer Weg? Erzähl nochmal in kurz zum hinterherlaufen :hundeleine04:

  • juhuu, nie, nie, niemals hätte ich das gedacht.

    Wir laufen um den Platz (ein gesichertes Areal mit etwa 10000qm und nem Haufen Kaninchen. Das geht meist gut ohne Leine, die bei zu hoher Aufregung dran kommt. Ich kann auf dieser Runde sehen, was theoretisch mit dem Ungetüm möglich wäre. Ganz okeer Radius, relative Entspannung.

    So, nun dödeln wir heute also rum, ab einem gewissen Abschnitt hält sich Willy lieber in meinem Dunstkreis auf, da kleiner, etwa ein Meter Radius = einfacher Gehorsam zu sein = geringere Chance getadelt zu werden.

    Ungefähr 5 Meter vor uns rennt ein Kaninchen weg, Willy macht einen Satz nach vorne, ich brülle ein kurzes "ey!" und sie hüpft angespannt zu mir zurück.

    also rennen wir schnell gemeinsam zurück zum Frühstück (weil ich keine Leckerlie dabei hatte..) uuuund nun ist sie wieder super entspannt und liegt draußen rum.


    Wunderschön :hugging_face: :hugging_face: :hugging_face: nie, nie, niemals hätte ich das gedacht!

  • Vor 1,5 Jahren wäre daran nicht zu denken gewesen und sie wäre nach so einem Erlebnis mindestens zwei Tage auf 180 gewesen. Und jetzt: Katze gesehen, Hetzmoment sofort abgebrochen, sofort wieder zur Ruhe gekommen und anschließend im Garten sogar gedöst.

    Also, alle Neulinge: macht weiter! Es wird! Echt!

    Wahnsinn! :hurra: :laola: :party:


    Wie war euer Weg? Erzähl nochmal in kurz zum hinterherlaufen :hundeleine04:

    Das war kein Hexenwerk.

    Katzen von drinnen:

    - Alma ist früher fiepend und bellend ausgerastet, wenn sie eine durch's Fenster gesehen hat und irgendwann hab ich angefangen, ihre Aufregung zu teilen und mitzujodeln, bis sie mich für eine gute Jagdkumpanin hielt

    - Dann hab ich sie immer kurz angesprochen "was ist den los? quietschiequietschi? blabla" wenn sie ihr Katzengejodel von sich gab, darauf hin kam sie ganz kurz zu mir, um mich abzuholen

    - das abholen hab ich dann irgendwann belohnt und nach und nach verlängert

    - dann hab ich nur noch das rankommen belohnt (dabei Zeit geschunden, runterfüttern) und bin ihr nicht mehr gefolgt

    - dann hatte sie irgendwann die Verknüpfung "Katze im Garten, ich geh zu Frauchen und hol mir Snacks"

    - inzwischen kommt sie einfach nur zu mir, legt sich aufs Sofa und schmust sich an


    Katzen draußen:

    - Warten am Garteneingang etabliert (mit Leckerchen)

    - "Okay!" als losschicken etabliert (und bei Frühstart Bein davor und ausgebremst)

    - Nebenbei "Langsam!" etabliert, nutze ich aber selten und sitzt noch nicht komplett

    - wenn sie nach "okay!" losschießt ab und zu mal direkt zurückgerufen und belohnt (ohne Katzenreiz)

    - wenn eine Katze im Garten war bin ich anfangs in ihre Nähe und hab sie sanft festgehalten und jede Kontaktaufnahme zu mir belohnt

    - wenn ich von Weitem sehe, dass sie eine Katze sieht (Körpersprache sehr eindeutig) rangerufen und belohnt

    - inzwischen kommt sie bei Katzensichtung (unbewegter Katzen oder solcher, die zu weit weg sind) unaufgefordert zu mir

    - Außerdem Reizangeltraining mit "Stop!" und "okay!" und "waaarte" und "aus"


    das hat hierfür wohl gereicht, obwohl's vielleicht nicht der Nonplusultra-Hundeprofiweg ist.


    Im Wald:

    - Schleppleine deutlich verlängert, um Spannung rauszunehmen (10m waren viel zu kurz)

    - trotz der nachvollziehbaren Ratschläge, den Hund nicht ins Ende der Schlepp donnern zu lassen, wenn sie hetzen will, ist das einige Male passiert. Ich habe aber in jedem Fall "STOP!" gerufen, im Zweifel war der physikalische Stop dann die Durchsetzung des Kommandos. Ich hab das Anhalten dann (nicht überschwänglich) gelobt, auch wenn es nicht freiwillige Impulskontrolle war. Aber durch die längere Leine wurden die freiwilligen Stopps häufiger, denn sie hatte ja mehr Zeit zum anhalten. Nach jedem Anhalten hab ich auf eine Minigeste in meine Richtung gewartet, idealerweise ein Blick. Aber ein Ohrzucken (auch wenn ich das vielleicht nicht immer richtig interpretiert habe) reichte mir auch, dann Rückruf (aber sehr, sehr freudig) und sehr gute Belohnung (Schlecksnack, halbe bis ganze Tube :D)

    - Stop natürlich auch in reizarmen Situationen geübt. Mit Leckerwerfen. Mit einfach gemeinsam Stehenbleiben. Mit Stehenlassen 20-40m vor mir.

    - Außerdem "raus da!" etabliert, auch fast ausschließlich über Belohnung, aber bei zu hoher Ablenkung hab ich sie auch aus dem Wegesrand gezogen/gehoben

    - ich hab mich selbst interessant für sie gemacht, immer mal kleine Übungen abgefragt, irgendwas gemacht, was ihr Spaß macht um ihren Kopf beim Spaziergang mehr an mich zu koppeln

    - bei Wechseln anzeigen gelobt, gefüttert, "weiter" geschickt


    Und so langsam trägt's Früchte :)

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