ANTI-JAGD-TRAINING oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde

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    Was sagt ihr denn zum Jagen von Blättern und anderen Sachen, die jetzt im Herbst von den Bäumen fallen? Das tut ja nun wirklich niemandem weh und meine Hündin dreht sich immer erst zu mir um und fragt, ob sie hin darf, aber fördere ich zu sehr den Jagdtrieb, wenn ich es ihr manchmal erlaube? Außerdem scheint mir das ein Negativaspekt des Dummytrainings zu sein. Wenn irgendwo was fällt, denkt sie jetzt, sie muss sich die Stelle merken, dann auf die Freigabe warten und es dann suchen. :roll:


    Hunde mit halbwegs intaktem Jagdverhalten sind sehr wohl in der Lage, zwischen Jagdobjekten zu differenzieren, das zu lernen fängt im Junghundealter an, wenn es nicht unterdrückt wird. Genauso können sie auch lernen, was erlaubte Jagd- und Spielobjekte sind. Ich habe die Anti-Blätterjagen-Argumentation nie verstanden, alle meine Welpen durften das, und hatten total unterschiedliche jagdliche Veranlagung, von Null bis Jagdgeier hoch Zehn. Keiner hat als erwachsener Hund Blätter gejagt, es sei denn in total aufgedrehter alberner Spiellaune.

    Was du als Negativapekt des Dummytrainings beschreibst, finde ich sehr positiv. Der Hund nimmt die Umwelt aufmerksam wahr, ordnet Ereignisse wie fallende Objekte entsprechen seinem Erfahrungshorizont ein und wartet auf konkrete Handlungsaufforderung des Chefs. Was willst du denn mehr? Das ist doch toll! :gut:

    Da dein Hund etwas undifferenziert auf alles, was fällt zu reagieren scheint: wirfst du wirklich alle Markierungen mit entsprechendem Geräusch, oder vergisst du das manchmal? Eventuell liegt da der Fehler....

    Bei vielen Hunden werden nur noch Bruchstücke des Jagdverhaltens bevorzugt vererbt, manche Sequenzen wurden bewusst rausgezüchtet (meist packen und töten). Ich kann mir auch vorstellen, dass bei manchen Rassen das Differenzierungsvermögen gelitten hat, und sie daher im juvenilen Jagdverhalten stecken bleiben. Trotzdem sollten auch die mit Training fähig sein, zwischen erlaubten und unerlaubten Jagdobjekten zu unterscheiden. Andernfalls wäre ja gar kein Dummytraining möglich.

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    Da dein Hund etwas undifferenziert auf alles, was fällt zu reagieren scheint: wirfst du wirklich alle Markierungen mit entsprechendem Geräusch, oder vergisst du das manchmal? Eventuell liegt da der Fehler....

    Ahhhh, jetzt sehe ich ihn, meinen Fehler. :idea: Da werde ich in Zukunft besser drauf achten und will nichts gegen das Dummytraining gesagt haben. :ops:

  • Weiß hier eigentlich jemand, warum Hunde nicht alle "jagbaren Tiere" gleich interessant finden?

    Dass sie vor großen Tieren (Zb Reh) eher Respekt haben und diese Tiere in der Natur wegen eher geringer Erfolgsaussichten weniger jagen leuchtet mir ja ein. Aber warum findet mein Setter Hasen mega-spannend, Enten mittel-spannend und normale Vögel total(!) uninteressant??
    Da wir Enten und Vögel gleichermaßen fast täglich treffen, macht hier der Gewöhnungseffekt auch nicht wirklich sind .. :???:

  • Ich glaub fest daran, dass Hunde ein Beuteschema haben, teils genetisch vorgegeben (darauf selektiert), teils Erfahrungen. Lucy jagt, um zu fressen. Fressbares ("erlegbares") hat dabei für sie maximal Hasengröße. Rehe sind ihr egal. Grisu findet Hasen/Kaninchen/Eichhörnchen völlig uninteressant, dafür Rehe sehr interessant. Da würde ich vermuten, dass ist sein "Hütehunderbe", zumal er nicht fressen will, sondern stoppen und eingrenzen (wie man an unseren Schafen sieht). Sein Schema ist ziemlich genau Schafgroß...
    Und ebenfalls: worum geht es dem Hund? Hetzen, Fressen, Stellen... reagiert auf Spuren oder Sicht?

  • ich glaube dass wirkliche Jäger doch deutlich unterscheiden können was sich "lohnt" und was nicht.
    Meine Zwei würde nie Energie auf die Jagd nach Vögeln oder Enten verschwenden, sie wissen dass sie eh keine Chance haben (was nicht heißt dass sie Vogel oder Ente, wenn sie ihnen direkt vor der Nase landen, nicht doch töten würden). Fasane dagegen sind schon spannender, Anfangs haben sie die aufgejagd wenn sie konnten & kaum sind sie weggeflogen war vorbei. Inzwischen wissen sie dass Fasane nicht lange fliegen können und würden sie auch verfolgen.
    Kaninchen sind hier inzwischen fast schon langweilig, ganz im Gegensatz zu Feldhasen und Rehen oder Katzen und Eichhörnchen. Bei Letzteren habe ich teilweise kreischende Hunde an der Leine (zumindest wenn die Tiere z.b. lange sichtbar übers offene Feld rennen).
    Als Podenco-Mix und Galgo-Mix geht es den Zweien bestimmt nicht nur ums "Beute machen" sondern sehr viel auch ums Hetzen.
    Warum sie allerdings Eichhörnchen so schrecklich finden . . . ich glaube die rangieren bei uns auf Platz 1 der Staatsfeinde. Wenn sie einmal eins auf einem Baum entdeckt haben würden sie senkrecht den Baum hochgehen. Sogar nach 4 Wochen wissen sie noch ganz genau auf WELCHEM Baum das Tierchen saß. Schrecklich!

  • Hmm, also jetzt hab ich noch mehr Fragezeichen :???: :ops:

    Setter wurden eher zur Vögel - und teilweise Entenjagd gezüchtet und bei Enten ist die Chance sie zu erwischen gleich Null, weil sie sofort ins Wasser flüchten und sich dort wesentlich schneller fortbewegen als Herr Hund. Nach ca 10 Metern schwimmen gibt er es auf und kehrt freiwillig um, bei Hasen/Kaninchen nimmt er mich erstmal überhaupt nicht war und ist erst frühestens 5 Minuten nachdem sie aus dem Blickfeld sind halbwegs ansprechbar.

    Er würde wohl auch auf Spuren gehen, lässt sich aber da noch ganz gut rausrufen. Auf Sicht kann ich ihn bei Vögeln (falls sie ihn mal interessieren) und Schwänen quasi immer stoppen, bei Enten wenn ich ihn früh genug vorm losstarten erwische und bei Hasen habe ich absolut keine Chance, ohne Schleppleine wäre er weg. Ich denke ihm macht hauptsächlich das Hetzen Spaß, packen/töten kann ich nicht beurteilen (da natürlich nicht erlaubt), fände er aber sicher auch toll. Aber wenn ich mir meinen letzten Satz durchlese habe ich vielleicht sogar schon die Antwort - Hasen kann man hetzen, Vögel fliegen gleich weg und Enten schwimmen einem davon. Wie hilfreich ein wenig Reflexion doch sein kann :lol: :ops:


    Edit: dass er in seinem bisherigen leben vor mir bei Hasen/Kaninchen Jagderfolg hatte, kann ich nicht ausschließen. Dass das extreme Interesse auch daher kommen kann habe ich gar nicht bedacht. Vögel sind ihm wohl immer davon geflogen und Enten hat er wahrscheinlich gar keine gekannt - aber Hasen gibts ja fast überall.

  • Ich denke wenn dein Setter eine verletzte Ente im Wasser erkennen würde dann würde er diese auch interessanter finden als die "normalen" gesunden Enten. Den bei denen weiß er ja aus Erfahrung dass sie wegfliegen. Setter Apportieren doch normalerweise geschossenes oder verletztes Wild. Deiner weiß aus Erfahrung dass gesunde Enten doof sind, sie fliegen weg. Hasen dagegen flitzen davon und genau da wird es für fast alle Hunde spannend. Gerade bei den Jagdhunden gibt es wenige die nicht auf Bewegungsreiz reagieren.
    Einem Setter unterstelle ich einfach mal, wenn er im Hetzrausch ein Kaninchen erwischt, dann ist es tot.
    Ich war selbst erstaunt WIE gezielt und instinktiv meine Zwei wissen wie man Kaninchen tötet. Die packen das Kaninchen mit dem 1. Biss so gezielt dass das Kaninchen nicht mehr überleben kann, selbst wenn es noch lebend abgelegt wird. Absolut instinktiv und 100% effektiv tun sie das wofür die Rasse mal gezüchtet wurde.

  • Zitat


    Dass sie vor großen Tieren (Zb Reh) eher Respekt haben und diese Tiere in der Natur wegen eher geringer Erfolgsaussichten weniger jagen leuchtet mir ja ein.

    Könntest du das bitte mal meinem Hund erzählen?
    Rehe sind hier DAS ersehnte Hetz"objekt"!

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    Ich denke wenn dein Setter eine verletzte Ente im Wasser erkennen würde dann würde er diese auch interessanter finden als die "normalen" gesunden Enten. Den bei denen weiß er ja aus Erfahrung dass sie wegfliegen. Setter Apportieren doch normalerweise geschossenes oder verletztes Wild.


    Nein, Setter apportieren normalerweise nicht, das ist eine Zusatzaufgabe, die ihnen hier aufgedrückt wurde. Und zur Entenjagd wurden sie schon gar nicht gezüchtet. Setter wurden gezüchtet und sind daher entsprechend genetisch vorprogrammiert, Wild, und zwar genauer Federwild, aufzuspüren und dann vorzustehen. Es sind Vogelhunde. Aber niemals wurden sie gebraucht, um selbständig Vögel oder Wasservögel zu hetzen und zu "erwischen". Das Töten war und ist der Job des Jägers.

    Die Präferenzen für bestimmte Wildarten dürften genetische Grundlagen haben, welche dann durch Erfahrung modifiziert werden. Allerdings können angezüchtete Spezialisierungen wieder degenerieren, wenn nicht entsprechend selektiert wird. Genau das passiert bei Jagdhunden, die als Begleithunde gezüchtet werden. Da können dann Setter herauskommen, die Vögel uninteressant finden und in ihrem ureigensten Arbeitsgebiet unbrauchbar sind.

    Bei meiner Rhian konnte ich sehr schön die genetisch fixierten Vorlieben beobachten. Sie zeigte hier, bei Rehen und Sauen nur mässiges Jagdverhalten, ging nur auf Sicht oder Lebendwitterung. Sie hat aber nicht aktiv nach Witterung gesucht. Das änderte sich schlagartig, als sie im Urlaub erstmalig in ein Gebiet mit Fasanen und Rebhühnern kam. Schlagartig wusste sie, das ist "ihr" Wild, und ging enthusiastisch und ausdauernd stöbern. Bei ihr sind, obwohl sie aus einer Familienhundezucht stammt, die genetischen Anlagen noch weitgehend intakt.

  • Huhu, wir haben in der letzten Zeit das Training sehr schleifen lassen, das beißt uns jetzt in den Popo. Ich bin aber nach wie vor unsicher bzgl. des Zeitrahmens in dem Buch von Pia Gröning.

    Wie viele der Übungen mache ich denn wie oft? Also arbeite ich der Reihe nach zum Beispiel die Basisübungen ab und erst wenn die unter höchster Ablenkung funktionieren, gehe ich zur nächsten? Oder kann ich auf einem Gassigang mehrere Übungen kombinieren? Wie oft übe ich täglich?

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