Organische Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten

  • Hallo!

    Ich informiere mich gerade zum Zusammenhang zwischen organischen Erkrankungen und daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten - für mich als Laie ein sehr interessantes, aber auch kompliziertes Feld...
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich trotz Emmas massiver Verhaltensauffälligkeiten nie nach einer organischen Ursache gesucht habe.

    Hier nochmal kurz zusammengefasst Emmas Geschichte (die, die sie schon kennen können diesen Absatz gerne überspringen *g*):
    Mischlingshündin aus Spanien (wahrscheinlich mit großem Perro de Pastor Mallorquin-Anteil) jetzt viereinhalb Jahre alt - Vorgeschichte unbekannt.
    Mit 10 Monaten vom Tierheim in Kassel übernommen, damals mit Angst vor Regenschirmen und Plastiktüten, ausserdem pferdehetzend - diese Verhaltensauffälligkeiten verschwanden durch entsprechendes Training innerhalb von einigen Wochen bis wenigen Monaten komplett.
    Ansonsten in den ersten Monaten unauffällig, nervlich belastbar und einigermaßenn ausgeglichen.
    Nach ungefähr einem halben Jahr erste spontane Panikattacken, immer im innerstädtischen Bereich, Auslöser: Markisen, Sonnenschirme, Straßenschilder, Imbissbuden, Auslagen vor Geschäften. Innerhalb einiger Wochen Verschlechterung dahingehend, dass der Hund schon in kopflose Panik geriet, wenn sie die Innenstadt nur betreten sollte (war monatelang vorher kein Problem!).
    Trotz anschliessender intensicher Zusammenarbeit mit einem Hundetrainer und einer THP (je nach Auslöser) nur geringer bis nicht vorhandener Trainingserfolg.
    Zusätzlich zu diesen von Auslösern abhängigen Angstattacken immer wieder Angstattacken ohne erkennbaren Auslöser, auch auf den alltäglichen Spaziergängen in ruhiger Umgebung.
    Dieses Verhalten hat sich, trotz konstantem Training, bis heute kaum gebessert.
    Darüber hinaus insgesamt sehr nervös, fahrig und hektisch, teilweise wie hyperaktiv, unterbrochen von Phasen (die allerdings nicht so häufig sind) in denen sie abwesenend und depressiv mit hängendem Kopf irgendwo sitzt und vor sich hinstarrt.
    Seit ungefähr zwei Jahren deutlicher Anstieg der Aggressionsbereitschaft und Reizbarkeit, zwar nie im Umgang mit Menschen (da ist sie freundlich-zurückhaltend und teilweise sehr unterwürfig) aber mit anderen Hunden (Tieren). Sie ist sehr launisch, hat eine geringe Frustrationstoleranz und neigt dazu schon bei nichtigen Anlässen zu explodieren - ohne von anderen Hunden wirklich ernst genommen zu werden.

    Nun werden mit Sicherheit viele dieser Probleme und Auffälligkeiten auf eine mangelhafte Sozialisation in Spanien zurückzuführen sein, was mich allerdings stutzig macht ist folgendes:
    Die Probleme mit denen wir sie übernommen haben verschwanden durch entsprechendes Trainig ziemlich schnell. Bei allen später auftretenden Problemen gibt es praktisch gar keinen Trainigserfolg, außerdem entstanden sie alle spontan, wie "über Nacht".
    Doch wo sollte man ansetzen bei einem organischen Check?
    Die Schilddrüse - klar! Allerdings sprechen Emmas Symtome ja eher für eine Überfunktion, die bei Hunden ja sehr selten sein soll. Dann scheint es ja verschiedene Möglichkeiten zu geben die Schilddrüsenwerte zu überprüfen - welche sind anzuraten, welche eher nicht?
    Was könnte man neben der Schilddrüse noch überprüfen?
    Etwas problematisch für mich ist nämlich, dass ich als Student nicht die finanziellen Mittel habe, rein auf Verdacht mehrere Hundert Euro für irgendwelche Untersuchungen aufzubringen.
    Ich bin im Moment etwas verwirrt. Was meint ihr denn dazu?

  • Hallo Björn, diese Symptome kommen mir sehr bekannt vor... Oftmals ist es bei einer Schilddrüsenunterfunktion so, das die gegenteiligen Symptome auftreten. Ich hätte auch nie gedacht das Aeneas eine Unterfunktion hätte. Meine Hundetrainerin sagte auch ich sollte ihn auf Überfunktion testen lassen...

    Hier ein guter Link, wo Du alles nachlesen kannst, auch wegen der Bestimmung des Blutes.
    http://www.afghans4u.de/gesundheit/Hypothyroidism2.html

    LG Katja

  • Danke für den Link, den hab ich heute Morgen selbst schon gefunden... ;)
    Hat Aenas eine Schilddrüsenunterfunktion?
    Wie seid ihr darauf gekommen? Welche Symptome hat er denn gezeigt?
    Und für mich leider nicht ganz unwichtig, was hat denn die gesamte Diagnostik ungefähr gekostet?

  • Aeneas ging es letzten Sommer, ungefähr ab Mai immer schlechter. Er lag oft nur so rum und guckte in die Leere. Oft habe ich mich gefragt, ob er unglücklich bei uns ist. So sah er nämlich nicht aus. Außerdem sind seine Ängste immer schlimmer geworden, er hatte vor allem und jedem Angst. Er hatte kein schönes Fell mehr. Das meiste davon lag wohl eh bei uns im Haus verteilt rum... Er war unterwürfig, sogar bei Welpen mit 10 Wochen. Er ist draussen total aufgedreht, überdreht... Bei der Hundeschule absolut unkonzentriert gewesen, hat nie das gemacht was man wollte... Er hat viel gehechelt und wenig getrunken.

    Dann sind wir zum TA, da der Fellausfall nicht mehr normal war und ich habe unserer TA geschildert, wie Aeneas drauf ist und dann hat sie sofort einen Bluttest gemacht, mit dem Verdacht auf Unterfunktion... Der hatte sich bestätigt, die Werte waren schon sehr niedrig. Also sofort auf Forthyron eingestellt und alles wurde langsam wieder besser. Die Ängste haben wir mit Hundetrainer langsam wieder abgebaut und das Fell ist wieder toll.

    Jetzt lasse ich alles halbe Jahr einen Bluttest machen (ca. 30-40 € mit Labor). Damit wir sehen, ob wir mit der Dosierung gut sind.

    Und Du kennst Aeneas, er ist wie jeder andere Labbi auch... Man merkt ihm nix an!

    Ein Spaziergang, wie mit Euch, wäre nie möglich gewesen. Er hatte vor jedem Rüden Angst und ist weggerannt!

  • Hallo,

    ich würde ggf. mit einem kompletten Gesundheits Check-Up beginnen also von Kopf bis Fuß, abtasten, abhören plus Augen, Ohren, Zähne, Gelenke, Wirbelsäule usw.

    Dann eine komplettes Blutbild plus Urin- und Stuhluntersuchung.

    Beim BB ev. fragen welche Werte im spez. Fall noch zusätzlich gemacht werden können / müssen bzw. sinnvoll wären.

    Daraus müßten sich ev. organischen Ursachen zumindest abzeichnen, die man dann gezielt weiteruntersuchen kann.

    Ich würde dafür bei meiner TÄ so zw. 100,00 und 130,00 EUR bezahlen. (Ist auf jeden Fall billiger als so ins blaue hinein irgendwelche spez. US zu machen)

    Mit den besten Wünschen, dass Dir und Emma geholfen werden kann

  • Hallo Björn!

    Wende dich mal an Ute Blaschke-Berthold von http://www.cumcane.de.
    Ich beschäftige mich gerade auch mit dem Thema Schilddrüse bzw. beginne damit. Nachdem meine Kleine ca. 30 meiner Schilddrüsentabletten bestens vertragen hat mache ich mir so meine Gedanken, ob da vielleicht generell ein Mangel vorliegen könnte. Meine Trainerein meinte, dass Schilddrüsenprobleme sich beim Hund unter Umständen gaanz anders als beim Menschen äußern könnten, aber die wenigsten TÄ darüber Beschied wüssten. Also auch menschliche Überfunktionssymptome bei Unterfunktion.

    Ute forscht wohl gerade darüber, sie kann dir bestimmt mehr dazu sagen. Ich habe noch keine Unterlagen hier. Also verlier die Schilddrüse mal nichts ganz aus dem Auge. Die kann einen ganz schön durchienander bringen.

    LG Kittine

  • Es ist sogar sehr häufig, daß Unterfunktions-Hunde die Symptome einer klassischen Überfunktion zeigen. U.a. das macht auch die ganze Schilddrüsendiagnostik beim Hund so irre kompliziert.

    Pebbles Symptome waren eigentlich denen von Emma gleich. Panikattacken mit und ohne Auslöser gepaart mit einem häufigen "Leben in der eigenen kleinen Pebbles-Welt" (also Abwesenheit usw.) und Aggressivitätsbereitschaft. Genau das alles war auch Pebbles Problem. Sie hat ebenfalls eine Unterfunktion.

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