Zusammenleben Hunde und Katzen - hat es eine Zukunft?

  • Liebes Forum,


    ich brauche mal einen Rat hinsichtlich unseren Hunden und dem Zusammenleben mit Katzen.


    Bei uns sind vor einem Jahr 3 besitzerlose Streunerkatzen aufgetaucht. Wir haben sie nach und nach kastrieren lassen, und jetzt leben sie bei uns. Zwei davon leben noch draußen in der Scheune, einen kranken Kater haben wir ins Haus genommen. Er bekommt in wenigen Wochen, nach einer Zahn OP, auch wieder Freigang.


    So weit, so gut.


    Wir haben aber auch noch zwei Hunde, und einer davon jagt Katzen und rastet bei ihrem Anblick ziemlich aus. Der andere ist eigentlich ganz katzenfreundlich, lässt sich aber dann mitreißen und wird auch unfreundlich.


    Der Kater ist seit Juli im Haus. Hunde und Kater sind durch Babygitter und ein Netz getrennt. Wir haben gehofft, dass mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt eintritt. Sie leben jetzt doch schon ein halbes Jahr unter einem Dach. Bodo, der Katzenjäger, klebt aber nach wie vor ständig mit der Schnauze am Gitter, wenn er merkt, dass der Kater in der Nähe ist. Er ist noch immer maßlos aufgeregt, fiept und winselt. Es gibt zwar kleine Fortschritte, er ist inzwischen halbwegs ansprechbar und lässt sich vom Gitter wegholen, mit viel Überzeugungskraft. Aber von einem friedlichen Nebeneinander sind wir nach wie vor meilenweit entfernt.


    Ich frage mich jetzt, ob das ganze überhaupt eine Zukunft hat oder ob ich mich für die Katzen doch um einen Platz umschauen soll. Bei den minimalen Fortschritten dauert es wahrscheinlich 30 Jahre, bis Bodo die Katzen in Ruhe lässt.


    Wenn sie da bleiben, werden wir wohl ewig aufpassen müssen, dass sie sich nicht in die Quere kommen. Ich weiß auch nicht, was Bodo machen würde, wenn er mal eine erwischt, möchte es auch nicht so weit kommen lassen.


    Oder gibt es noch irgendwas, was ich versuchen kann? Intensives Anti-Jagd-Training? Ich versuche Bodo mit strengem Abbruchsignal schon klarzumachen, dass Jagen der Katzen unerwünscht ist, und er lässt sich mit Leckerlis ganz gut motivieren. Aber sein Jagdtrieb ist da einfach extrem stark.


    Danke für Tipps und Ratschläge :smiling_face:

  • Bevor es hier ganz untergeht, mal ganz vorsichtig so meine Ideen.

    Ich selbst habe sowas nicht durchgemacht. Freunde von mir hatten mal ein ähnliches Problem gehabt, durch Zufall an Katzen gekommen, und dann zu Hause einen "katzenfressenden Hund" gehabt.



    Bei denen hat es geklappt.

    Der Hund hatte verstanden, daß er die Katzen in Ruhe lassen mußte.

    Aber, es erforderte halt auch Arbeit. Denn draußen waren Katzen nach wie vor "Freiwild" gewesen, während die "eigene Katze" okay war.



    Später, mit anderen Hunde, anderen Katzen, die Wohnung war immer mit so Türgitter geschützt. Die Katzen konnten sich frei bewegen, durch die ganze Wohnung, und das Türgitter hielt die Hunde im Raum. Das war halt nur eine zusächtliche Sicherheit. Erziehung, wie beim ersten "katzenfressenden" Hund fand dennoch statt.




    Ich würde zum Beispiel das hier:

    Bodo, der Katzenjäger, klebt aber nach wie vor ständig mit der Schnauze am Gitter, wenn er merkt, dass der Kater in der Nähe ist.

    nicht zulassen. Es ist aktiv doch im Prinzip schon der erste Schritt zur "Jagd".

    DAS schon im Ansatz unterbinden, ja erst gar nicht zulassen.

    Ich würde nichts abbrechen wollen, denn dann ist es ja schon zu spät!, sondern dahin gehen, dem Hund einfach bestimmte Aktionen zu verbieten! Im Ansatz! Du wirst also schon viel, viel früher reagieren müssen.

    Der Hund kann und hat sich zu benehmen!



    Das ist zwar keine Garantie, daß aus diesem Hund und den Katzen noch "beste Freunde" werden können, aber der Hund lernt zumindest, daß diese Vierbeiner ebenfalls "Familie" sind und dazu gehören. Er kann die akzeptieren.

    Ich würde ohnehin die Gitter an den Türen lassen wollen, so daß sich die Katzen immer noch in anderen Räumen zurückziehen können, bei Bedarf, und der Hund nicht hinterher kann.


    Und den Katzen, für den gleichen Raum mit Hund, die Gelegenheit geben, daß sie so eine Art gesicherten "Catwalk" haben, also an der Wand entlang eine Art Sims haben, mit Klettermöglichkeit, (zu einem) Katzenbaum und Co., oder zumindest zu einem Rückzugsort im gleichen Raum, wo der Hund ohnehin nicht hin darf, oder auch kann.

  • Ich würde nichts abbrechen wollen, denn dann ist es ja schon zu spät!, sondern dahin gehen, dem Hund einfach bestimmte Aktionen zu verbieten! Im Ansatz! Du wirst also schon viel, viel früher reagieren müssen.

    Der Hund kann und hat sich zu benehmen!


    Genau das.


    Ich habe zwar auch keine Erfahrung mit eigenen Katzen, aber wir haben gefühlt hunderte in der Nachbarschaft, und meine beiden Hunde gehen steil.


    Es ist tatsächlich so, dass es eine wirkliche Verbesserung erst gab (übrigens auch bei Wild draußen im Wald), wenn ich bereits auf der ersten Stufe des Jagdverhaltens eingegriffen habe.

    Und das ist die Orientierung in Richtung des "Zielobjekts".

    Ich habe das immer gemarkert und bei mir belohnt und irgendwann den Marker herausgezögert, sodass die Hunde sich meist automatisch gleich zu mir orientiert haben, wenn sie etwas sahen, was sie gerne jagen würden.

    Man muss da aber echt gute Übungssituationen haben und punktgenau agieren.


    Draußen auf der Straße ist es jetzt immer öfter so, dass sie eine Katze sehen und sich dann mir zuwenden, weil wir das so geübt haben. Welten entfernt von der Eskalation, die es noch vor einigen Monaten gab.

  • Ich danke euch für eure Einschätzungen und Antworten! :smiling_face:


    Ich würde nichts abbrechen wollen, denn dann ist es ja schon zu spät!, sondern dahin gehen, dem Hund einfach bestimmte Aktionen zu verbieten! Im Ansatz! Du wirst also schon viel, viel früher reagieren müssen.

    Damit hast du sicher recht. Bisher hatte ich damit allerdings nur mäßigen Erfolg, weil ich quasi nicht hinterherkomme. Das Verbot hält eine halbe Minute, dann treibt es ihn wieder zum Gitter. Ich schaffe es leider nicht immer, rechtzeitig einzuschreiten.


    Da es aber schon Verbesserungen gibt, habe ich noch etwas Hoffnung. Das Miauen triggert ihn z.B. kaum noch. Anfangs ging er die Wände hoch, wenn der Kater mauzte, jetzt lässt es ihn fast schon kalt.


    Ich verstehe, dass ich einfach dranbleiben muss und vor allem, dass da noch mächtig viel Arbeit auf uns zukommt ...


    Ich würde ohnehin die Gitter an den Türen lassen wollen, so daß sich die Katzen immer noch in anderen Räumen zurückziehen können, bei Bedarf, und der Hund nicht hinterher kann.


    Die Gitter bleiben auf jeden Fall. Wenn wir tatsächlich mal soweit sind, dass wir eine Begegnung zulassen, dann kriegt er natürlich auch noch den Maulkorb drauf plus Leine.


    Und das ist die Orientierung in Richtung des "Zielobjekts".

    Dass er sich gleich vorab umorientiert hab ich bisher noch nicht geschafft, erst wenn ich es ihm sage. Das ist aber auch in sämtlichen anderen Situationen so, ob es um Begegnungen oder Jagdverhalten draußen geht ... da der Hund extrem reizoffen ist, haben wir damit ziemliche Probleme. Ich bin eigentlich schon mächtig froh, dass es mit Abbruchsignal halbwegs klappt.


    Nebenbei war ich doch noch unschlüssig, ob dieses Zusammenleben nicht einfach doch automatisch zu einer gewissen Gewöhnung führt. Deshalb habe ich es bisher auch zugelassen, wenn er zumindest ruhig neben dem Gitter lag und nur geguckt hat.


    Naja, wie auch immer. Ich gebe noch nicht auf. Der Kater kriegt ab nächster Woche Freigang, das wird die Situation etwas entspannen.


    Was ich noch probieren werde: Habe gesehen, dass gemeinsames Füttern empfohlen wird. Der Hund soll dadurch verstehen, dass die Katze zum Rudel gehört.

  • Was ich noch probieren werde: Habe gesehen, dass gemeinsames Füttern empfohlen wird. Der Hund soll dadurch verstehen, dass die Katze zum Rudel gehört.

    Ich glaub so Zeug gehört ins Reich der Mythen und ein Rudel bilden Hund und Katze gleich dreimal nicht.


    Eure Situation erinnert mich ein bisschen an unsere Hündin wenn wir Freunde mit Katzen besucht haben. Monatelang waren die Katzen beim Besuch nur im "Katzenzimmer" sogar hinter verschlossener Tür und meine Hündin saß ungelogen jedesmal den ganzen Abend vor der Tür und hat "gewartet". Sie hätte das tagelang durchgezogen. Sie wusste ja ähnlich wie euer Hund gar nicht was man von ihr will und ich wusste nicht dass dieses Lauern bereits extrem selbstbelohnend ist. Erst ernst gemeinste Abbrüche in Kombination mit direkte Katzensichtungen später positiv zu makern haben zur lang ersehnten Entspannung gesorgt. Die Katzen waren sowieso immer auf der "dritten Ebene" (würde ich euch auch Empfehlen, damit die Katze IMMER ne Ausweichmöglichkeit nach oben hat nebst Türgitter), und ab da als meine Hündin endlich verstanden hat, dass es kein Katzenragout gibt konnten wir auch die Tür offen lassen ohne Probleme und sie schaffte es sich abzulegen und sogar zu dösen. Hätten wir das rein über die Gewöhnung gemacht säße sie immer noch vor der Tür haha.


    Ganz zu beginn stand sie übrigens kreischend auf 2 Beinen in der Leine allein vom Geruch her 😵‍💫 dabei ist sie sogar mit Katzen aufgewachsen...

  • Nun, auch wenn ich den Thread erst spät sehe, ich persönlich mag keine Katzen. Aber meine Frau und unsere jüngste. Und als die Streuner zu uns kamen, haben sie die freundlich aufgenommen.

    Wir haben auch zwei Hunde, aber eigentlich nie ein Problem zwischen den beiden gehabt. Klar, manchmal hat der große versucht eine Katze zu jagen, aber wenn die nicht wollte ist sie auch nicht gelaufen und dann war sie für ihn uninteressant.

    Zum Rudel: Ich kann in dem Fall nur für Katzen sprechen, aber als mein Schäfer von seiner Magendrehung-OP zurückkam und apathisch in der Garage hinter dem Auto lag, war immer eine der Katzen bei ihm. Als hätten sie auf ihn aufpassen wollen. Und als er starb, waren sie auch bei ihm.

    Was haben wir getan um Hund und Katze aneinander zu gewöhnen? Nichts.

  • Selbst wenn du mit sehr viel Arbeit und Geduld deinen Hund dazu bringen kannst, in deiner Gegenwart und unter deiner direkten Aufsicht die Katzen zu tolerieren, hast du noch lange nicht gewonnen. Auch wenn er sich scheinbar völlig daran gewöhnt hat und den Katzen keine Beachtung mehr zu schenken scheint. Denn sobald du den Rücken kehrst oder nicht anwesend bist, gibst du in Hundeaugen deinen Anspruch auf die (Beute) Katzen auf, und der Hund hat dann quasi "legal" freie Hand - nach allgemeiner Hundeetikette.

    Dasselbe Prinzip hat man ja auch bei der oft gestellten Fage, wie man Hunden klarmachen kann, daß Bett oder Sofa auch dann tabu sind, wenn keiner draufsitzt oder hinschaut. Das ist extrem schwer bis unmöglich zu vermitteln.


    Falls du dir also das Endziel gesetzt haben solltest, daß Hund und Katzen sich irgendwann auch ohne Aufsicht vertragen, das sehe ich bei euch nicht als realistisch an.

  • Das Verbot hält eine halbe Minute, dann treibt es ihn wieder zum Gitter. Ich schaffe es leider nicht immer, rechtzeitig einzuschreiten.

    Daß es am Anfang ein wenig dauern kann - geschenkt!

    Da wirst Du wirklich aus den Augenwinkeln alles "im Auge behalten" müssen, und jedes Zucken in Richtung Katze unterbinden.

    Sollte der Hund trotzdem in Bewegung Richtung Tür kommen können, würde ich das anfangs eventuell mit einer Hausleine unterbinden wollen.


    Es ist ja nicht so, daß der Hund sich nicht frei bewegen darf. Das sollte und darf er auch.

    Nur eben keine Aktion in Richtung Katze, auch wenn diese sich hinter der Tür befinden. DAS unterbinden. In allen anderen Richtungen ist es ja egal. Schließlich soll der Hund ja auch "seine Freiheiten" haben.

    Und diese Bereiche werden ja auch größer, sollte der Hund richtig agieren, quasi als "Belohnung". Bis dahin ist es aber ein Prozeß.


    Dieser darf dann halt auch nicht durch "kleine Erfolge" wieder zerstört werden.

    Wenn Du nicht einschreiten kannst, also rechtzeitig, dann mit Hausleine und eventuell sogar zusätzlichen Absperrung arbeiten, damit der Hund kapiert, daß es eben "bis hierhin" und nicht weiter wirklich ernst gemeint ist.


    Ich verstehe, dass ich einfach dranbleiben muss und vor allem, dass da noch mächtig viel Arbeit auf uns zukommt ...

    Jep.

    Und in diesem Fall ist wirklich Konsequenz und Selbstdisziplin wichtig!

    Nur so kann es zu einem Erfolg werden.

    Er muß nicht unbedingt Katzen "lieben", und wird auch draußen sicherlich die weiterhin "zum Fressen" finden, wohl aber kann er lernen "Familienmitglieder" zu tolerieren.

    Im Prinzip ja schon auch das, was man im normalen Alltag auch macht. Denn es wird ja auch immer Menschenbesuch geben, die der Hund nicht mag, oder es gibt einen neuen Erdenbürger, und da setzt man ja auch mit der Erziehung an.

  • Wir hatten das umgekehrte - als der Hund einzog, waren vier Katzen hier, und es lief von Anfang an völlig problemlos.


    Ich hab das jetzt gerade gelesen und ich hätte uns den Stress nicht antun wollen. Euer Hund muss seit Monaten - und, wie sich das so liest, noch viele weitere Monate - Stress aushalten, weil ihr ihm da einen großen Trigger hingesetzt habt.

    Der Kater (was hat er eigentlich? Wie alt ist er ungefähr?) wird sich vermutlich nie unbeschwert in seinem Zuhause bewegen können, weil da eben ein unfreundlich gesinnter Jäger im Haus lebt… wäre es da nicht für alle Beteiligten einfacher, dem Kater ein neues Zuhause zu suchen?

    Es klingt nicht so, als hättet ihr euch jetzt mit speziell diesem Kater irgendeinen Lebenstraum erfüllt, so dass das unbedingt klappen muss - er ist (nicht falsch verstehen, wir halten lauter TH-Ladenhüter-Tiere) halt irgendeine Katze, die durch Zufall bei euch gelandet ist.


    Ich fände für mich - wenn für den Kater realistische Vermittlungschancen bestehen - eine Vermittlung logischer als die nächsten acht Jahre Hab-Acht-Stellung im eigenen Haus…

  • Danke euch nochmal für eure Antworten.


    Erst ernst gemeinste Abbrüche in Kombination mit direkte Katzensichtungen später positiv zu makern haben zur lang ersehnten Entspannung gesorgt.


    Es ist schon mal hilfreich zu hören, dass es bei anderen auch geklappt hat. Mit Abbruchsignal und Belohnung konnte ich inzwischen erreichen, dass er sich zumindest umorientiert. Aber es ist noch ein weiter Weg.


    Die letzten Tage habe ich es ein wenig beobachtet - dass ich ihn wirklich in jeder Situation unter Beobachtung habe, wird leider nicht funktionieren. Also zwischendurch gibt es Momente, wo er allein ist und dann vor dem Trenngitter oder Terrassentür lauert, ob er was von der Katze mitkriegt. Oder wenn ich grad bei der Katze bin.


    Naja, es ist, wie es ist.


    Ich fände für mich - wenn für den Kater realistische Vermittlungschancen bestehen - eine Vermittlung logischer als die nächsten acht Jahre Hab-Acht-Stellung im eigenen Haus…

    Das ist unser Plan B, falls wir nicht weiterkommen. Allerdings, wie du sagst, hier bei uns gehen die Tierheime und Vereine über von Streunerkatzen. Der Kater ist zwar sehr liebenswert, aber scheu, und seine Chancen auf einen tollen Platz stehen nicht sehr gut.


    Wir werden ihn nicht einfach wieder auf die Straße setzen, soviel steht fest.


    Realistisch ist wahrscheinlich, sich darauf einzustellen, dass wir Bodos Jagdtrieb nicht so schnell in den Griff kriegen. Der Kater kriegt entsprechende Rückzugsgebiete, und ich hoffe, dass er sich dann auch wieder mehr draußen aufhält, wenn er kann. Dann hat der Hund auch nicht mehr so viel Stress, und wir werden eben alle lernen müssen, mit der Situation irgendwie umzugehen und zu leben.

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