Kleinschrittiger Aufbau - mir fehlt die Phantasie

  • Guten morgen liebe Foris,


    ich merke immer wieder, dass meine Frustrationstoleranz und Geduld ziemlich zu wünschen übrig lassen und ich oft zu viel auf einmal will. Damit baue ich Lilly und mir immer so Druck auf, dass dann (gefühlt) gar nichts mehr geht. Und dann such ich fieberhaft wieder die nächste Idee zum probieren und komme logischerweise einfach nicht voran.

    Zudem find ich scheinbar das Maß nicht zwischen Stress (weil zu viel) und normaler Auslastung durch Reize unterwegs oder durch meine dilettantischen Dummyversuche.


    So hab ich es offenbar auf den Morgenrunden übertrieben und sie fleißig mit anderen Hunden rennen lassen und nun hibbelt sie bis wir endlich losgehen. :( Und frisst wieder ziemlich viel Kot unterwegs. Und was man an der Leine tun sollte konnt ich ihr auch nicht geduldig genug vermitteln.


    Aktuell sind wir also dabei erstmal das Programm runter zu fahren und scheinbar wird sie entspannter. Aber ich will mich nicht wieder zu früh freuen ....


    Konkret geht es mir darum, dass ich mich schwer tue zu Lernendes in kleinen Schritten langsam aufzubauen - ich weiß nicht wie ich Zwischenschritte "erfinde".


    Aktuell überlege ich wie ich es hinbekomme ihr zu verlitteln, dass sie in nem anderen Zimmer tagsüber schlafen kann. Zwei mal ist sie dort selbst hin zum schlafen, sonst immer Beobachterposten (oder zumindest gute Hörweite und sofortiges aufspringen wenn ich mich rege). Schicke ich sie da rein kommt sie bald nachgelaufen, mach ich das Gitter zu sitzt sie da und fiept irgendwann. An sich hat sie da drin schon viel geschlafen aber immer nur mit einem von uns.

    Wenn ich sie nun reinschicke und nach fünf Minuten wieder raushole hat sie ja mMn auch nichts gelernt außer drauf warten wieder rausgelassen zu werden. Ohne Gitter zu schließen und zurückschicken ist auch recht frustran - ich kann nicht glaubhaft vermitteln wie wichtig das jetzt für mich/sie ist. Was sind also Zwischenschritte ohne so Druck aufzubauen?


    Abbruch mittels "Nein" und ein "Aus" hat sie im Alltag mit gelernt und geht bei geringer Erregung auch unterwegs. Wie übt man das wenn sich die Situationen spontan ergeben draußen? Oder muss ich einfach öfters auch dort welche schaffen? Aber es gibt eben leider keinen sauberen Aufbau bisher, also nochmal von vorn?


    Wie schaffe ich es nicht nach drei Tagen wieder frustriert aufzugeben?

  • Was sind also Zwischenschritte ohne so Druck aufzubauen?

    Hast du mal versucht, das Gitter an dem Raum zu schließen, wo du dich aufhältst, statt sie einzusperren?


    Allgemein empfehle ich das Buch „der gelassene Hund“. Und für die Leinenführigkeit den Kurs von flying-paws.

  • Was sind also Zwischenschritte ohne so Druck aufzubauen?

    Hast du mal versucht, das Gitter an dem Raum zu schließen, wo du dich aufhältst, statt sie einzusperren?

    Das klappt wunderbar und sie kommt zur Ruhe - allerdings nur bis Futter oder nächste Spaziergangzeit in etwa ran ist, dann wird sie unruhig. Da ich sie zum Kontroletti erzogen hab (unwissentlich) wollt ich halt davon weg.


    Buch schau ich mir mal an, um den Kurs schleich ich schon rum aber bin grad noch unentschlossen wie jetzt priorisieren ...

  • Das klappt wunderbar und sie kommt zur Ruhe - allerdings nur bis Futter oder nächste Spaziergangzeit in etwa ran ist, dann wird sie unruhig. Da ich sie zum Kontroletti erzogen hab (unwissentlich) wollt ich halt davon weg.

    Dass der Hund unruhig wird, wenns gleich wieder Futter oder Gassi gibt, find ich ein Stück weit normal. Wir freuen uns ja auch auf den Feierabend, aufs Abendessen ... aber wenn du sagst, dass sie zum Kontrollieren neigt:


    Erwartungshaltung auflösen bzw. ändern. =)

    Ich hab hier auch so eine Nervensäge, die so ab 19 Uhr vor mir steht und mich anbellt, weil wir gehen doch bald Gassi! Los Mensch, beweg dich!


    Was meinste, wie dumm die geguckt hat, als ich mich zwar erhoben habe, aber den Hunden nur Futter gegeben habe? :D

    Hier gibt's das Schema Gassi-Futter-Schlafen. Weil's dann also Futter gab, war für Masha klar: ok, jetzt ist Pause. Und sie hat den Abend nicht wieder genervt. So ne Stunde nachdem es Futter gab, konnten wir ganz entspannt und ohne Generve Gassi gehen.


    Das kann man auf verschiedene Arten und Weisen herbeiführen. Wichtig ist, dass man das variiert, weil man sonst wieder für eine Erwartungshaltung sorgt. Ein generelles "Bald passiert wieder irgendwas" ist ok, ein "Oh mein Gott, gleich gibts FUTTER!1!1!!1" ist nicht ok. Ich steh hier gelegentlich zur Gassizeit auch mal auf und mach den Abwasch - finden die Hunde suuuuper langweilig und rollen sich ein, bis ich sie zum Gassi einsammel |)

    Die Hunde haben Bedürfnisse und die werden erfüllt, aber (außer in Notfällen, selbstverständlich) halt nicht immer sofort.


    Zwecks Priorisierung: schreib dir auf, was dir wichtig ist, was du mit deinem Hund üben willst und nummerier das entsprechend deiner Prioritäten durch. Ist dir Alltagsgedöns wichtiger? Dann bekommt Leinelaufen eine 1, Busfahren eine 2 und das schöne Vorsitz auf dem Hundeplatz bekommt ne 10, weil ist erstmal gar nicht wichtig für euch. Nur so als Beispiel.

  • Ich würde einen Schritt zurück gehen und ihr beibringen im selben Raum wie du zu sein und gleichzeitig zu schlafen und nicht jedes Mal aufzustehen.

    Wenn sie das nicht kann, wird das auf Entfernung in einem anderen Raum auch nicht klappen.


    Das Prinzip von „leg dich hin und Nerv nicht“ muss ja erst mal verstanden werden.


    Und dafür braucht man dann ein Kommando fürs bleiben im Körbchen.


    Das allgemeine hinterherlaufen muss durch üben verhindert werden.


    Und dein timing muss besser werden, dass du den alltag verschiedener gestaltest und erst mal nicht so viel Erwartung auf spezielle Themen erfolgt. (Futter, Spaziergang)


    Mit dem, was du in dem eingangspost als Erwartungen hast, hast du schon gefühlt hundert Schritte vorher ausgelassen.


    Im Prinzip fängt das alles ganz ganz viel früher an(Erwartungshaltung, Stimmung des Hundes in verschiedenen Situationen, Entspannung etc). Das würde hier den Rahmen sprengen das detailliert niederzuschreiben.

  • Gerade klasse Übung: Baby ist vor (und nicht wie sonst bei) dem Morgengang eingeschlafen (auf mir). Nach fünf Minuten rumtapern und fiepen liegt sie jetzt zwar mit Sichtkontakt im Flur aber immerhin auf der Seite.

    Sollte ich als positiv verbuchen, denk ich (brauch sowas grad).

    Edit: als Kind wach wurde hab ichs jerzt so aufgelöst, dass ich sie gleich aus der Ruhe heraus in den Garten geschickt hab (um weitere Erwartungsfieoerein hier drinnen zu vermeiden). Ok so?


    Wenn ich jetzt Gänge langweilig gestalte und auftretende Reize in Ruhe anschauen lasse ... würde dann sowas wie Leinentraining als Auslastung dazu taugen und ich pack die Dummies erstmal beiseite?

    Ich brauch noch Übung Stress rechtzeitig zu erkennen.

  • Geht es darum, daß Du Dich frei im Raum bewegen kannst, ohne daß der Hund da was erwartet?



    Dann bewege Dich doch einfach die ganze Zeit über, tu was, wenn eh was getan werden muß dabei, ansonsten laufe sinnbefreit herum, ständig, Hauptsache sehr viel Bewegung, ohne daß es für den Hund was Wichtiges passiert.

    Der Hund wird sich schon von alleine wieder hinlegen. "Dumme" Menschen, die Unsinniges tun, sind eh uninteressant. Aber das muß auch erst einmal gelernt werden!




    Bei meinen bisherigen Welpen war es stehts so gewesen, daß sie am Anfang zwar schon nachgelaufen waren, bis sie irgendwann mal doch von selbst einen anderen Raum zum Schlafen aufgesucht hatten, egal, ob dort meine Regenhose vom Gassi noch lag, oder ihre Lieblingsdecke, der bequeme Hundekorb, oder weil man dort einfach etwas Ruhe von meiner Hektik, weil ich halt eben Putzen mußte, haben wollte.

    Ab da kam dann halt auch von mir das bewußte bleib mal hier, während ich kurz dort bin - "Training" auf. Aber das wurde von mir nicht mit Futter belohnt, oder so. Eigentlich ist ja dieses in Ruhe schlafen können schon DIE Belohnung genug für den Hund. Und ich will ja auch nicht, daß meine Hunde in so einem Moment eine Erwartungshaltung aufbauen. Ich wollte entspannte Hunde haben, die lernen, daß es auch mal okay ist, Abstand voneinander zu haben, und zwar von beiden Seiten aus.





    Zum kleinschrittiges Aufbauen, generell, im Training:

    Immer so, daß der Erfolg sofort da ist. Immer so, daß der Hund erst keine Fehler machen kann.

    Nur auf diese Weise kommt kein Frust auf, weder beim Hund, noch beim Menschen.

    Weiß der Hund nicht, was Du von ihm willst, guckt fragend, oder wendet sich von Dir ab, dann war dieser geforderte Part von Dir schon zu schwer!

    Aber das geht bei Dingen wie Leinenführigkeit, Tricksen, Unterordnung und so. Eben, weil man das auch besonders hochwertig belohnen kann.

    Beim Schlafen, wenn möglichst noch in einem anderen Raum, kann man da nichts "aufbauen", bzw. belohnen. Das muß irgendwie von alleine kommen. :ka:

    Meist hilft es, wenn man selbst dabei ruhig in seinen Aktionen ist.

    Dabei meine ich nicht, daß man total leise sein soll, und möglichst viel schleichen. Diesen Fehler sollte man nicht machen.

    Man sollte sich normal wie möglich verhalten, mit eben den verbundenen Geräuschen, ohne gleich zuviel Krach zu machen, und eben vermitteln, daß dies eben zum Alltag dazu gehört.

  • Danke dir - das mit den vielen Schritten davor ist richtig, das ist es ja eben genau - ich tu mich so schwer diese Schritte zu benennen und dran zu arbeiten.

    Aber ja, ich habs denk ich vernachlässigt sie am aufstehen "zu hindern" wenn ichs getan hab. Egal wo sie lag. Ok, also den Schritt zurück.

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