Die Sache mit der Hundeerfahrung

  • Spannend fände ich jetzt: Hat hier irgendjemand mit einem "Nicht-Anfänger-Hund" (laut DF-Standards :lol: ) angefangen? Wie waren die Erfahrungen?


    Wieso wurde es genau diese Rasse/dieser Mix? Wurden die Erwartungen erfüllt/widerlegt?

    Hier :winken:

    Mein erster Hund, den ich mit 15 bekommen habe, war mein Aussie Rüde, der Mexx. Unter den damaligen Voraussetzungen wäre sicher ein Aufschrei durchs Forum gegangen. Tja und trotzdem wars wunderbar, wir waren ein super Team und es hat einfach gepasst. Sicher hätte ich rückblickend das ein oder andere besser machen können.

    Aber ganz ehrlich? Das denkt man sich doch bei jedem Hund bzw Tier erneut. Mir gehts zumindest so. Ich lerne immer dazu und es gibt eben immer neue Herausforderungen und Themen, an denen man wächst. Als Team und als Hundehalter.


    Ich finde ja, lieber ein Hundeanfänger, der sich selbst reflektiert und gute Trainer an der Hand hat, als jemand, der seit 20 Jahren die gleichen Fehler macht und das dann Erfahrung nennt.

  • Ich hatte 4 DSH (wurden im IGP-Sport geführt und waren auch alle im Alltag toll ) und dann kam zu meiner letzten DSHündin ein Dackel dazu........und ich fühlte mich plötzlich wie der reinste Hundeanfänger weil nichts so funktioniert hat wie bei den DSH.

    Jetzt beim 3. Dackel wusste ich, wie ich mit diesem Typ Hund umgehen muss und daher ist m.E. aus Sina ein Traumhund geworden an dem ich rein gar nichts auszusetzen habe.

  • Ich finde ja die ständige aktuelle Empfehlung von Shelties sehr auffällig.... Sheltie, Spitz und Pudel sind gerade die problemlosen Dauerbrenner.

    Alle drei sind vielseitige, kleinere bis mittelgroße Hunde ohne gravierende gesundheitliche oder sonstige Baustellen, die in die Leben von vielen Menschen passen könnten.

    Wenn jemand seit nem Jahr beim Mantrailing oder IGP als Helferli dabei ist, oder total THS-begeistert ist und klare Ziele hat, oder meinetwegen auch sagt "ey, ich find Bracken geil, hab keinen Jagdschein, aber hab die Möglichkeit ihn auf Jagden führen zu lassen" - Mei, dann hat sich jemand damit befasst, weiß welche Arbeit dahintersteckt, geht auf die Bedürfnisse des Hundes ein, und dann kann es meiner Meinung nach auch gerne der Gebrauchshund sein.

    Wer seit einem Jahr intensiv mitarbeitet weiß nach der Zeit entweder, das diese Rassen nichts für ihn sind, oder eben das es passt und wird dann nicht in einem Forum um Rat fragen.

  • Wie wird Hundeerfahren definiert? Erfahrungen sind unterschiedlich und u.a. auch dem eigenem Blickwinkel (Lebensweise, Umfeld usw.) untergeordnet. Erfahren kann man ja nur das, was man erlebt hat. Haben Menschen also noch keine Erfahrung sammeln können, ist jeder Hund (ob Rasse oder Mix) darauf angewiesen, Menschen zu bekommen, welche bereit sind mit ihm zusammen einen gemeinsamen Weg zu finden. Sind Menschen nicht dafür gemacht, müssen Hunde (und das Umfeld) es immer ausbaden. Klar, die oft als Anfängerhunde genannten Begleithunde können nicht gefährlich werden bei nicht verstehen. Aber sie reagieren bei unerfahrenen, nicht passenden Menschen genauso mit nicht erwünschtem Verhalten wie jeder andere nicht Anfängerhund auch. Warum sind wohl oft Kleinhunde als Kläffer und TutNixe verschrien?


    Theoretisch müsste ich als erfahrener Hundehalter gelten bin aber letztendlich nur jemand der über eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Hunden berichten kann, ohne dass ich anderen sagen könnte, dass sie dies oder jenes machen müssen, damit das oder das garantiert klappt.


    Meine ersten Erfahrungen waren Gassihunde. In einer Zeit (Ende der 60iger) in der es den Tierschutz (vor allen Dingen Auslandshunde) wie heute nicht so gab (in meinem Umfeld) . Die Hunde, mit denen ich spazieren ging waren überwiegend aus UpsWürfen (in meinem Umfeld war in meiner Wahrnehmung gewinnbringend nur die Rassehundezucht, für einen Mix oder ohne Papiere wurde wenig bis gar kein Geld ausgegeben).


    Als ich endlich meinen ersten Hund anschaffen konnte, kam für mich auch nur ein Hund vom Züchter in Frage. Welche tieferen Gedankengänge dahinter steckten, kann ich heute gar nicht so wirklich sagen. Aber bei einem UpsWurf (oder Tierheimhund) hätte ich mich mit den mitgebrachten Eigenschaften nicht so im Vorfeld beschäftigen können, da diese ja eher nicht bekannt waren (und wohl bei einem Mix auch nicht so interessierten). Wären Schnauzer schon damals unkupiert gewesen, wäre es wohl ein Schnauzer geworden. Warum weiß ich gar nicht mehr.

    Einen Angsthund oder einen sich mit Zähnen durchsetzenden Hund, das wäre ein riesen Problem und ich völlig überfordert gewesen. Vor allen Dingen, da ich noch Zuhause wohnte.


    Später bin ich zwar immer mit der Einstellung "schaun wir mal" in die Hundeanschaffung gegangen, aber "schwierige" Hunde haben mich nie wirklich angezogen. Klar, irgendwie wäre ich dann zurecht gekommen, aber ich nehme an, die Erfahrung hätte mir dann auch gereicht um nicht noch einmal solch einen Hund zu nehmen.


    Letztendlich soll es darum auch wieder ein Hund vom Züchter werden. Und war ich mir nach Ashkii eigentlich sicher, dass ich keinen Welpen mehr haben möchte, hat sich das jetzt geändert. Nachdem ich nun mit dem 3jährigen Tierschutzhund meiner Tochter 7 Wochen spazieren gegangen bin (und zur Zeit noch um mich rum habe bis ich wieder nachhause fahre), weiß ich, dass ich keine Nerven mehr auf das Einlassen von Macken habe. Da kommen mir die Erfahrungen mit verschiedenen Hundetypen/Rassen/Mixen natürlich zugute um zu wissen wo ich meine Grenzen setze.


    Ich bin froh in einer Zeit mit dem Sammeln von Erfahrungen begonnen zu haben, in der es (immer auf mein Umfeld bezogen) viel weniger Hunde gab, bei Hundebegegnungen tatsächlich "die klären das unter sich" noch Gültigkeit hatte und es noch keine Informationsflut inkl. Hundeschulen(Überangebote) gab.


    Heute wäre ich ob der Flut an Informationen, unterschiedlichen "Fach"meinungen völlig überfordert. Meine doch eher unbeeinflussten Erfahrungen, die ich sammeln konnte, haben mich dazu gebracht heute Abstand von all den Informationen zu nehmen um nicht den Blick auf den jeweiligen Hund zu verlieren.

  • Wunderbares Statement, finde ich :nicken:


    Bis auf die Stelle

    , bei Hundebegegnungen tatsächlich "die klären das unter sich" noch Gültigkeit hatte

    (fand ich pers. noch nie gut) kann ich mich hier total wiederfinden

  • "Die machen das unter sich aus" ist mit dem was ich heute sehe nicht zu vergleichen.


    Hunde begegneten sich (wohlgemerkt, das sind meine Erfahrungen aus meinem Umfeld) immer höflich und langsam. Sie klärten den überwiegenden Teil schon aus der Ferne, aber auch beim Treffen blieb es überwiegend bei defensivem Verhalten. Wer nicht miteinander konnte, wurde ignoriert bzw. wurde ein Bogen gemacht.


    Das aufeinander zu rennen, pöbeln usw. beobachtete ich ab ca. Anfang der 90iger. Bis dahin begegnete ich überwiegend HH welche ihre Hunde kannten und deutlich signalisierten, wenn ihr Hund mit anderen nicht konnte. Und dann ging man sich einfach aus dem Weg. Klar, Deppen gab es auch damals, denen begegnete ich aber mit meinem Bearded eher selten und die wenigen Pappenheimer kannte man in seiner Umgebung dann auch, so dass man sich aus dem Weg gehen konnte.

  • Für mich gibt es keine "Anfängerrassen". Aber sehr wohl Rassen bei denen man mehr/schneller was kaputt macht und die Auswirkungen auf die Umwelt größer sind als bei anderen.


    Ein unkontrollierbarer Sheltie ist nun mal einfach ne andere Hausnummer als ein unkontrollierbarer Mali. Das grundlegende Verhalten ist ein anderes (verzogener/unerzogener Sheltie wird eher zur Kläffenden Nervensäge, der unerzogene Mali wird sich andere, weniger Umweltkompatible Macken zulegen).


    Blöderweise bin ja ICH diese Umwelt.


    Entsprechend bin ich bei einigen Rassewünschen von Haus aus skeptischer als bei anderen.

  • Das finde ich sehr wichtig. Ich finde auch unter bestimmten Umständen ist dann ein problematisches Verhalten gar nicht mehr so problematisch. Wenn ich irgendwo in der Pampa lebe, alle Zeit der Welt habe für meinen Hund (Homeoffice etc.), beim Spazierengehen keine oder nur wenig Leute treffe, keine Kinder und auch keine Kleintiere habe, dann ist der Angsthund oder HSH-Mix aus dem Tierschutz wahrscheinlich mit gutem Trainer auch für Anfänger machbar. In der Stadt in einer kleinen Wohnung mit Kind und Kegel und der Voraussetzung, dass der Hund bald Bus und Bahn fahren muss oder alleine bleiben können muss, find ich das auch für Hundeerfahrene Menschen sehr sportlich. Für den Hund auch natürlich.

  • Hm, ich habe als ersten Hund ohne viel vorherige Erfahrung einen Herdenschutzmix aus dem Auslandstierschutz. Insofern würde ich mich schwer tun damit, anderen nur kleine Wuschelhunde zu empfehlen weil die so anfängerfreundlich sind.

    Für mich war Blanca die richtige Entscheidung, auch vom Temperament und Wesen passt sie perfekt zu uns. Ursprünglich hatten wir an einen "anfängerfreundlichen" Pudel gedacht, aber ehrlich gesagt ist es so mit diesem sturen, ruhigen Wesen viel passender.

    Einen Trainer haben wir nur genau einmal zum Erstgespräch gesehen, da hat es aber nicht so ganz gepasst mit der Chemie und danach hab ich sie weitestgehend alleine erzogen. Natürlich habe ich hunderte Stunden Videos auf Youtube gesehen, tausende Seiten iM Forum und auch sonst im Internet gelesen und diverse Bücher verschlungen.

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