Antibiotika-Verbot für Tiere - neuer Rückert-Artikel

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  • Es täte mir leid, wenn es so ist, dass Du hier weg bist. Und ja, ich habe den Beitrag gelesen. Und geschätzt, es ist für mich verdammt schwer, da Infos zu finden.

    Und ich hoffe darauf, dass sich die Einschätzung von leiderHundelos erfüllt. Hoffe, nicht glaube …

  • Ich habe absolut keine Ahnung was in der Schweinemast was und wie eingesetzt wird. Ich bin kein Freund der Massentierhaltung. Ich bin seit etlichen Jahren Vegetarier und versuche nachhaltig und bewusst einzukaufen. Ob man in der Mast die Mengen an AB benötigt kann ich nicht beurteilen und finde jeden Schritt zu einer Verbesserung bzgl. der Gesundheit und Haltung dieser armen Geschöpfe mehr als unterstützenswert! Ganz klar dafür, dass hier strenger reglementiert wird und AB nicht wie Bonbons in die Viecher gesemmelt wird.

    ICH behandele jedoch Kleintiere. Hunde, Katzen ... die Viecher, die man auf dem Sofa hat. Familienmitglieder. Indivudelle Fälle.

    Und die Aussicht darauf, dass man irgendwann vor der Situation steht, wo ein wirklich krankes Tier ein Medikament benötigt, dass man theoretisch einsetzen könnte und das dem Tier das Leben rettet, es aber jetzt aufgrund dieser Verordnung komplett untersagt ist, find ich gelinde gesagt katastrophal!

    Soll ich den Besitzern dann sagen "ja sorry, vor 6 Monaten hätten wir eine Therapie gehabt, aber jetzt schauen wir mal beim Sterben zu." Unvorstellbar.

    Den Zustand, den du oben mit dem Antibiogramm beschreibst, ist doch ohnehin schon der Ist-Zustand. Fluorchinoline NUR mit Antibiogramm. Ebenso Cephalosporine der neuen Generation.

    Es ist ja nicht so, als ob in der (Kleintier)Tiermedizin aktuell völlig unreflektiert Reserve-AB im Tier landet.

  • Das Bundesamt für Risikobewertung hat 2014 dies hier unter dem FAQ-Punkt "Wie häufig sind MRSA bei Nutztieren verbreitet sind, die Ursache für Infektionen bei Menschen?" geschrieben:

    Nach einer Anpassung des Infektionsschutzgesetzes[1] besteht seit Juli 2009 für Nachweise von MRSA aus Blutkulturen in Deutschland eine Meldepflicht. In den Jahren 2010, 2011, 2012 und 2013 wurden dem Robert Koch-Institut 3755, 4227, 4485 bzw. 4373 Fälle gemeldet (Stand 17.09.2014). Diese Nachweise machen aber nur einen kleinen Teil der Gesamtnachweise aus. Der auf den Nutztier-assoziierten CC398 zurückzuführende Anteil dieser Fälle liegt hier bei ca. 2 % und ist als moderat zu bezeichnen. In Regionen mit hoher Tierdichte stellen CC398 MRSA mit 10 % mittlerweile einen erheblichen Anteil der MRSA-Nachweise beim Menschen dar.

  • Bedeutet das dass zumindest bis 2013 höchstens 10%, aber überwiegend deutlich weniger auf Nutztiere zurückzuführen ist? Woher kommen dann die 90+ Prozent?

    Zu diesem einen Erreger. Zu u. A. dieser Frage eine FAQ Liste des RKI von 2019:

    RKI - Krankenhausinfektionen und Antibiotikaresistenzen

    Der Passus zur Folge von Antibiotikaeinstz in der Landwirtschaft dort besagt:

    Der Anteil des Einsatzes von Antibiotika bei landwirtschaftlichen Nutztieren am Resistenzproblem beim Menschen lässt sich gegenwärtig noch nicht genau beziffern und kann auch bei den einzelnen für den Menschen bedeutsamen Erregern, Resistenz(gen)en und Tierarten unterschiedlich sein.

    Es ist unstrittig, dass bestimmte resistente Bakterien oder ihre Resistenz­gene aus dem Bereich der Landwirtschaft (wie etwa der Tiermast) auf den Menschen übertragen werden können. Genauere Daten gibt es für den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, MRSA. Der bei konventionell gehaltenen Masttieren (Schweine, Rinder, Geflügel) vorwiegend als Besiedler weit verbreitete Livestock-assoziierte MRSA CC398 (LA-MRSA CC398) besiedelt vor allem Menschen mit beruflichen Kontakten zu diesen Tieren und tritt auch als Infektionserreger bei Menschen auf. Dementsprechend gibt es in Deutschland regionale Unterschiede. In Regionen mit einer hohen Dichte an Mastanlagen stieg der Anteil von LA-MRSA CC398 unter allen MRSA aus Infektionen beim Menschen auf rund 10% an.

    Bei mehrfachresistenten Darmbakterien ist die Situation weniger klar. Diese Bakterien bilden Enzyme, die sogenannten Extended Spectrum Beta-Lacta­masen (ESBL), die eine wichtige Gruppe von Antibiotika unwirksam machen können. Studien zeigten eine Verbreitung über alle Altersgruppen von 4-8% ESBL-bildenden Escherichia (E.) coli im Darm der Allgemeinbevölkerung in Deutschland. Die molekulare Typisierung der Resistenzgene zeigte, dass die Hälfte dieser resistenten E. coli eine ESBL-Variante bilden, die fast aus­schließ­lich beim Menschen vorkommt und durch den Antibiotikaeinsatz im ambulanten Bereich und im Krankenhaus selektiert werden kann. Circa 5% der humanen ESBL-E.-coli stammen vom Tier, wie vegleichende Erbgutanalysen zeigen. Der Anteil der E. coli mit ESBL-Varianten, die sowohl beim Menschen als auch beim Tier bzw. Tierprodukt vorkommen, liegt bei 25-30%. Eine Aufnahme über (ungekochte) Lebensmittel wäre somit möglich, weshalb der Küchenhygiene besondere Bedeutung zukommt.

    Ausführliche Informationen zum Thema Lebensmittelsicherheit und Antibiotikaresistenzen sind beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) abrufbar (www.bfr.bund.de > A-Z Index > Antibiotikaresistenz). Beim BfR ist auch ein Verbrauchermerkblatt zum Thema Schutz vor Lebensmittelinfektionen zu finden.

    Für den Erwerb ESBL-bildender Bakterien spielen auch Auslandsreisen eine Rolle. Mehrere Studien zeigten, dass bis zu 30% der Reiserückkehrer aus Regionen mit hoher ESBL-Prävalenz (z.B. Asien und indischer Subkontinent) mit ESBL-bildenden E. coli kolonisiert sind. In einer Untersuchung schieden mehr als die Hälfte von Asien-Reiserückkehrern nach Deutschland, die an Durchfall litten, ESBL-E.-coli mit dem Stuhl aus.

    Problematisch ist, dass nicht nur resistente Stämme weitergegeben werden, sondern auch die Resistenzgene zwischen verschiedenen bakteriellen Spezies ausgetauscht werden können. Welche Rolle der Austrag resistenter Bakterien und ihrer Resistenzgene aus Mastanlagen (z.B. Gülle, Immission von Staub) als Reservoir von Antibiotikaresistenzen hat, ist noch Gegenstand von Untersuchungen. Es ist sicher, dass die Humanmedizin durch breite Anwendung von Antibiotika eigene Resistenzprobleme schafft. In der Deutschen Antibiotikaresistenzstrategie (DART) stehen daher sowohl die Landwirtschaft als auch die Humanmedizin im Mittelpunkt.

    Eine ausführliche Darstellung der Bedeutung von LA-MRSA und ESBL-bildenden Enterobakterien (insbesondere E. coli und Klebsiella pneumoniae) bei Masttieren für den Menschen ist auf der Antibiotikaresistenzseite des RKIabrufbar.

    Stand: 15.05.2017“

  • Ich bin gerade aus allen Wolken gefallen, als ich das gelesen habe.

    Ich hab hier in Österreich absolut gar nix davon mit bekommen bzw. gehört oder gelesen!

    Auch österreichische Zeitungen und Nachrichten bringen nix davon, hab gerade extra danach gesucht.

    Also wenn das so kommt,….. Wahnsinn.

    Da fehlen mir die Worte.

  • Nach meinem Verständnis (ich kann total falsch liegen, ich habe eigentlich gar keine Ahnung) ist also bisher vollkommen unbekannt ob sich ein Antibiotikaverbot in der Vet.Medizin wirklich so weit auswirkt dass es der Menschheit mehr wie einen kleinen Zeitgewinn erbringt. Vielleicht ist auch der menschliche Antibiotikakonsum für die meisten Resistenzprobleme verantwortlich.

  • Ich bin gerade aus allen Wolken gefallen, als ich das gelesen habe.

    Ich hab hier in Österreich absolut gar nix davon mit bekommen bzw. gehört oder gelesen!

    Auch österreichische Zeitungen und Nachrichten bringen nix davon, hab gerade extra danach gesucht.

    Also wenn das so kommt,….. Wahnsinn.

    Da fehlen mir die Worte.

    Ich habs der Kronen Zeitung gemeldet. Mal sehen ob die was bringen.

  • Nach meinem Verständnis (ich kann total falsch liegen, ich habe eigentlich gar keine Ahnung) ist also bisher vollkommen unbekannt ob sich ein Antibiotikaverbot in der Vet.Medizin wirklich so weit auswirkt dass es der Menschheit mehr wie einen kleinen Zeitgewinn erbringt. Vielleicht ist auch der menschliche Antibiotikakonsum für die meisten Resistenzprobleme verantwortlich.

    Es geht ja nicht um ein generelles Antibiotikaverbot, sondern um eine Einschränkung der Vergabemöglichkeiten generell und die Reservierung bestimmter Antibiotika (Reserveantibiotika) nur für den menschlichen Gebrauch. Als Reserveantibiotika gelten, so weit ich es verstanden habe (siehe Dossier des MKI) grob die Wirkstoffe, die gegen multiresistene Keime beim Menschen greifen, gegen die andere Antibiotika nicht mehr greifen.

    Und um die Wirksamkeitssicherung dieser speziellen Präparate dadurch, dass sie so limitiert wie möglich eingesetzt werden, geht es. Die Empfehlung dazu kommt von der WHO.

    Die Frage „ob“ die umgesetzt werden soll, ist gesetzlich schon beantwortet. Aktuell steht „nur“ die Frage an, welche Präparate es sein sollen und nach welchen Richtlinien die ausgewertet werden sollen.

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