Leckerlis und Will to please

  • Kein Hund tut mAn irgendwas von dem, was wir unseren Hunden beibringen, aus Liebe zu seinem Menschen. :ka:

    :ironie2:


    Ach was! Die Bindung muss nur gross genug sein, dann tut ein Hund alles für seinen Besitzer, inkl. nicht jagen.

    Weil nur wenn keine echte Bindung besteht, jagt ein Hund nicht!.

    Jawohl, ja!



    :ironie2:

  • Zb wenn ich jetzt Sitz im Alltag abfrage ohne große Ablenkung, belohne ich dann bei der Hälfte der Fälle nur mit verbalen Lob und sonst mit Leckerli und weitergehen dürfen, oder schnuppern, etc. oder wie ist da so das Verhältnis bei euch?


    Und ich hatte eben zusätzlich noch die Sorge, dass wenn der Hund nur/ zu viel mit Leckerlis belohnt wird, dass er sich dann irgendwann über verbales Lob nicht mehr freut, weil er sozusagen enttäuscht ist, weil er ein Leckerli erwartet. Aber ihr meint, da muss ich mir keine Sorgen machen, oder?

    Du siehst das mMn zu streng und zu theoretisch und du vergisst, dass da sehr viele Parameter mit rein spielen.


    Ich habe zB derzeit zwei Hunde. Für den einen ist die beste Belohnung Futter, dann Beute und dann Lob. Für den anderen ist die beste Belohnung Beute, dann Lob und Futter nimmt er teilweise nicht mal an (beim Arbeiten), teilweise ganz gerne (beim Tricksen).

    Dazu kommen noch andere Belohnungen, die aber beispielsweise vom Hund situationsbedingt anders gewertet werden. Für den einen ist das ins Gesicht schlecken dürfen, für den anderen Anspringen.

    Mein allerzackigstes und sicherstes Kommando ist aber Platz bei Hund 2 auf dem Fahrrad. Und während ich das Platz zwar sehr sorgfältig aufgebaut habe, hat er am Rad noch NIE eine Belohnung außer vielleicht ein 0815 Lob bekommen. Trotzdem bremst er da aus vollem Galopp mit dem Bauch am Boden, derzeit eingehüllt in eine Staubwolke, dass er niesen muss.

    Warum? Weil ich sonst anhalte und darauf bestehe, dass er es macht. Das will er aber nicht, er liebt das rennen am Rad, also haut er die Bremsen rein wie noch was damit es so schnell wie möglich weiter gehen kann. Da ist das weiter fahren die Belohnung.


    Du siehst, dass deine Frage also ziemlich unmöglich zu beantworten ist. Weil unterschiedliche Belohnungen für unterschiedliche Hunde in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Bedeutungen haben.


    Grundregel ist einzig je besser und zuverlässiger der Hund etwas ausführen soll desto besser (passend) und regelmäßiger die Belohnung.

    Das von dir erwähnte anleinen belohne ich zB nur beim Welpen um zu zeigen was ich will. Später gibt es dafür nichts mehr oder höchstens wenn ich eh noch was in der Hand habe. Warum auch, ich verlange ja nicht wirklich was außer den Kopf nicht aus der Schlinge zu drehen. Für wichtige Kommandos, Tricks oder UO Training gibt es dafür bis zum bitteren Ende und auch oft/immer etwas. Bei ersterem weil sie wichtig sind, bei zweiteren wegen Präzision und weil genau gearbeitet werden muss, bei letzterem um die Motivation auf dem nötigen Level zu halten.


    Also mach dir nicht so einen Kopf. Wenn der Hund die Zusammenarbeit verweigert oder wenig Motivation zeigt belohnst du zu wenig (andere Möglichkeiten wie Fehler ignoriere ich mal), wenn er nur noch an dir klebt oder keinen klaren Kopf mehr hat zu viel oder zu hochwertig (wieder exklusive anderer Fehler), dazwischen hat man meist einen sehr großen Ermessensspielraum, v.a. weil zu viel Belohnung relativ schwer ist.


    Schau dir also den Hund an, probier rum bis es für euch so passt.

    Und ignorier dieses überholte irgendwann muss der Hund es auch ohne Belohnung machen. Das stimmt insofern, dass er es auch mal aushalten können muss wenn man keine Belohnung hat oder nur eine minderwertige, aber meist versteht man daruter ja eher, dass man nie wieder belohnen muss und das ist so einfach falsch. Und ich kenne keinen gut erzogenen und freudig hörenden Hund der nicht regelmäßig belohnt werden würde.

  • Ich halte gar nichts von Futterbelohnung. Bei einem Welpen vielleicht gerade noch eventuell, um etwas neues beizubringen. Meinem Hund habe ich zum Beispiel "rechts" und "links" beigebracht, indem ich die Leckerlis jeweils in die gewünschte Richtung gehalten und ihn bzw. sie dorthin gelockt habe.

    Ansonsten hat Futter für mich den Zweck der Ernährung. Schmecken soll es, aber es soll keine weitere Funktion haben. Ich möchte kein Leckerliautomat sein, sondern ich will, dass sich mein Hund über meine Anerkennung freut. Und das tut er auch.

    und ein Leckerlie kann nicht eine Form von Anerkennung sein?

    Ich hab zwei Hunde. Der eine reagiert wunderbar auf verbales lob und Einen der direkt die Motivation verliert wenn er nicht -auch noch- mit Futter belohnt wird:
    Bin ich deswegen ein "Leckerlieautomat", weil ich meinen Hund seinen Vorlieben nach belohne? thinking-dog-face

    Leckerli ist für mich keine Anerkennung, sondern Nahrung.

    Bei dem Hund, der ohne Futter unmotiviert ist, tippe ich mal darauf, dass er das so gewöhnt ist. Vielleicht wäre er motivierter, hätte man ihn nie mit Futter belohnt. Ja, wahrscheinlich bist du für den ein Leckerliautomat: "Was muss ich machen, damit da ein Keks rauskommt.Kommt kein Keks raus, kann ichs ja sein lassen. Oder ich schaue, was auf der Wiese Fressbares rumliegt und belohne mich selbst. Lob alleine ist nix, weil mir Frauchens Meinung eigentlich egal ist."

    Muss ja jeder selber wissen wie er das macht. Aber mir gefällt diese Art und Weise nicht. Ich will auch keinen Hund, der mir an der Hosentasche "klebt", weil er weiß, dass da Futter drin ist. Ich will, dass er auch ohne Hilfsmittel auf mich hört und auch ohne "Schönfüttern" mit anderen Hunden auskommt.

  • Jetzt Mal direkt gefragt. Warum sollte er das tun?


    Ha! Auf die Frage habe ich gewartet. Die stellt Rütter bei solcher Gelegenheit immer. Da würde ich ihn fragen: Wenn deine Frau dich bittet, den Müll rauszubringen, bringst du dann den Müll nur raus, wenn sie dir ein Stück Kuchen zuwirft oder machst du das auch so? Und wenn du das auch so machst, warum machst du das?

  • Das ist das Prinzip von Aufbau eines Markersignals (wie Clicker), wenn man das aber nicht immer wieder aufläd, verliert das eine Erwartungshaltung.

    Genau so sollte ein Markersignal nicht verwendet werden, denn an einen Marker ist IMMER die eigentliche Belohnung geknüpft. Wenn man die weglässt, verpufft der Marker ganz schnell. Bei manchen Hunden kann er dann sogar zum Frustauslöser werden.


    Man stelle sich das so vor: Man arbeitet auf dem Feld und bekommt seinen Lohn täglich bar in die Hand. Das wird immer über eine Glocke angekündigt, dass man es sich jetzt abholen kann. Und dann irgendwann ertönt die Glocke, man latscht hin und es gibt nix ... das Gefühl, was man dann hat ist Freude? Wohl eher nicht. Frust wird sich auftun. Das heißt beim Hund - das, was ich eigentlich belohnen möchte, strafe ich sogar, indem ich ein mieses Gefühl erzeuge.

    Mal eine Frage dazu: Wie schaffe ich denn dann den Wandel weg vom Leckerli hin zur sozialen Belohnung? Irgendwann möchte ich ja bspw. nicht mehr jedes Mal einen Keks in den Hund schieben wenn er sich mir an der Leine zuwendet etc? Ich bin jetzt davon ausgegangen, dass man irgendwann einfach immer mal wieder das Leckerli durch ein verbales Lob ersetzt. Kann es dann auch zu der "Entwertung" des Markers kommen?

  • Bindung Mensch zu Mensch soll identisch sein mit Mensch zu Tier?

    Nicht in jeder Hinsicht natürlich. Aber in der, die uns hier interessiert, ist das vergleichbar.

    Der Mensch, der auf die Bitten seiner Freunde/Partner/Eltern reagiert, macht das, weil ihm deren Wünsche und Meinung nicht egal sind. Und auch der Hund macht das, weil er seinem menschlichen Freund gefallen will.

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