Pöbeln - aber NUR an der Leine?

  • Die Leine schränkt den Hund in der nonverbalen Kommunikation ein. Zudem begegnen Hunde dem auslösenden Objekt dadurch auf unnatürliche Art, können keine Bögen gehen oder warten und beobachten wie sie wollen, weil der Mensch das Tempo angibt.

    Meine Hündin hat traumatische Erfahrungen im Tierheim gemacht und deshalb Unsicherheiten die zu Ängsten führen. (Sie ist ohne Leine nicht netter zu Hundenund Auslösern, eher umgedreht) Aber schon allein die oben genannten Umstände können zum Pöbeln führen.

    Stell dir vor jemand anderes würde dir die Arme verbinden und dich hinter sich herführen während du ein Bewerbungsgespräch hast ...

    Eine Unsicherheit reicht. Frust wenn das CortisonLevel noch hoch ist (braucht 72h zum Abbau) kann den Hund auch beeinflussen.

  • ach krass, heißt wenn z.B. gestern was passiert ist, kann es den Hund am Tag danach was seine Unsicherheit angeht noch beeinflussen ? - verstehe ich das so richtig?

  • Woran liegt denn sowas?
    Vermittelt die Leine den Hunden das Gefühl, dass sie ihren Besitzer irgendwie "schützen" müssen ? oder wie ist das zu erkkären, dass gleiche Situationen ohne Leine meist (!) total entspannt ablaufen?

    Chilly war anfangs leinenaggressiv. Ihn regen andere Hunde im heimatlichen Umkreis auf, er wäre ohne Leine auch nicht freundlich zu ihnen, aber die Leine hindert ihn halt und deswegen ist er früher angeleint auch regelmäßig explodiert. Da konnte ein Hund auch 50 Meter entfernt sein.
    Inzwischen kann er andere Hunde angeleint im heimatlichen Umkreis akzeptieren, wobei er immer noch nicht gut gelaunt ist, aber nicht mehr pöpelt und vorbeigehen kann. Außerhalb können wir auf zb Waldwegen auch 2 Meter an anderen Hunden vorbei, es ist nicht zu 100 % entspannt, aber doch schon sehr relaxed. Es ist halt nicht normal, daß man einfach stur geradeaus aufeinander zugeht. Das findet Chilly unangeleint auch nicht toll.

  • @Mrs.Midnight
    Ja genau. Das scheint leider noch nicht so weit verbreitet zu sein. Deshalb ist es auch wichtig Lern/Stresspausentage zu machen.
    Deshalb haben manche Hunde dann von Beginn an schon einen schlechten Tag, obwohl noch nix passiert ist.

    Funktioniert bei Menschen uns Angststörungen etc ähnlich. Muss sich alles erst abbauen.

    Buchtipp Beziehung - Erziehung - Bindung, Forschung im Dienst des Mensch-Hund-Teams.
    Da geht es weniger um Trainingstipps sondern wissenschaftlich. Da ist das mit Hormonen und so weiter sehr interessant erklärt.

  • Nimo ist auch aus dem rumänischen Tierschutz, Vorgeschichte unbekannt. Er hat von Anfang an stark an der Leine gepöbelt - diverse Trainerstunden und Freilauferfahrungen haben verdeutlicht, dass es bei ihm die pure Unsicherheit und Angst sind. Sind die anderen Hunde beispielsweise noch weit weg oder er läuft frei, dann ist sein erster Instinkt, Schutz zu suchen oder sogar zu flüchten und er kommuniziert ganz klar Unsicherheit. Ist er an der Leine, will er sich die potentiellen Feinde mit vorbeugender Randale vom Hals halten. Kommt es zu Freilaufkontakten, verhält er sich sehr höflich, zurückhaltend und teilweise unsicher - respektiert ein anderer Hund das nicht, dann kann er aber auch eine Ansage machen. Mehrere ungünstige Erfahrungen mit großen, unhöflichen oder sogar mobbenden Hunden verstärken das Problem hier jedes Mal aufs Neue und machen alle bis dahin erreichten Trainingsfortschritte zunichte.

    ach krass, heißt wenn z.B. gestern was passiert ist, kann es den Hund am Tag danach was seine Unsicherheit angeht noch beeinflussen ? - verstehe ich das so richtig?

    Auf jeden Fall. Jede unangenehme Erfahrung beschert mir hier wieder wochenlanges intensives Leinenpöbeln, ganz egal wie weit wir vorher waren.

  • Es meinte tatsächlich gestern ein Herr zu mir, mit der ausflippenden Thera an der Leine / Geschirr, ich solle sie "einfach los lassen".
    Sie sei ja nur gestresst weil ich sie festhalten würde.
    Tat mir schrecklich leid :roll: ihn enttäuschen zu müssen, aber auch ohne Leine wäre mein Hund auf seinen Shih Tzu gegangen, ganz nach dem Prinzip "Ich haue drauf bevor du es tust"
    Hier ist es scheinbar DAS Vorurteil bei Leinenpöblern. Das grundsätzlich ohne Leine alles gut ist.

    - angst und erfolgreiches vertreiben des anderen hundes durch pöbeln

    Tatsächlich bei uns der Hauptgrund. Und das legt sich leider nicht einfach ohne Leine :ka:

  • Mein erster Hund (Westi) hat gerne an der Leine gepöbelt. Allerdings ist es in der Welpenzeit mehrfach passiert, dass er an der Leine ganz versunken geschnüffelt hat und dann ein unangeleinter erwachsener Hund auf ihn sprang und ihn geschüttelt oder gebissen hat. Ich glaube das war mehr so ne vorsorgliche Drohgebärde an der Leine dann später.
    Ist übrigens später auch noch passiert: Wir kommen aus dem Feld,mein Hund wieder angeleint und von hinten rasen 3 Pitbulls ran und drauf; oder wir gehen und von hinten kommt ein Irish Setter, der frei am Rad mit läuft und er packt meinen Hund. Da meinte die Besitzerin: Ihr Hund mag keine weißen Hunde....
    Manchmal haben die Hunde vielleicht gar nicht so unrecht andere an zu pöbeln.
    Bei uns in der City ist es allerdings so, dass Leinenagression die große Ausnahme ist. Die können hier alle nur an der Leine gehen und müssen von klein auf aneinander vorbei.

    Das Hunde ohne Leine nicht agressiv sind, kann ich nicht bestätigen.

  • Der Hüterich hat anfangs auch ziemlich an der Leine gepöbelt: aus Frust und Stress......
    Weil er nicht zum anderen Hund hindurfte, weil er in seiner Bewegung eingeschränkt war, die Kommunikation nicht so klappte wie er sich das vorstellte, er keine Alternativen kannte - also machte er das, was ihm in ähnlichen Situationen immer einfiel: sich in die Leine hängen, wild rumpöbeln und im schlimmsten Falle die Zähne irgendwo reinhauen :ugly:
    Schrecklich, wenn sich 32kg so in die Leine schmeissen und rumflippen....... :wuetend:

    Ich habe dann mit ihm "schnüffeln" aufgebaut - und heute ist der Satz "du darfst gleich schnüffeln" das, was ihn völlig vom anderen Hund ablenkt. Er sucht sich dann quasi mit den Augen einen Punkt hinter! dem Hund der uns entgegenkommt und steuert zielstrebig diesen Punkt an. Denn dort darf er dann die Infos über den anderen Hund sammeln, die ihn so sehr interessieren.......

    Für den entgegen kommenden Hund ändert sich dadurch ebenfalls die Situation - mein Hüterich guckt nicht ihn an sondern irgendeinen Punkt am Weg, ändert dadurch seine Körpersprache und so ist dem "Gegner" der Wind aus den Segeln genommen.

    Einziger Minuspunkt: der Hüterich fängt irre an zu ziehen und will DA! Jetzt! UNBEDINGT! hin. :wallbash: Da hab ich wohl was falsch gemacht beim Aufbau und jetzt krieg ich das nicht mehr raus bin ich zu faul um gegenzutrainieren :ops:

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