Herdenschutzhunde an der Herde und technischer Herdenschutz

  • Sollten hier jemals Tiere einziehen, die Nachwuchs bekommen, wäre das etwas, was sehr eng von mir begleitet werden würde.
    Der Hund in dem Video macht im Grunde gar nicht sooo viel falsch - er schützt die verwundbarsten Mitglieder der Herde, nur eben vor dem Falschen, dem Muttertier. Bei intakten Hündinnen muss man doppelt aufpassen, je nach Stand der hormonellen Lage. Würde derselbe Hund ein verletztes/krankes Schaf vor Bedrängen durch andere Herdenmitglieder schützen, gäbe es Applaus. Der Grat, auf dem die Hunde wandeln, ist schmal und klar brauchen sie, wenn sie noch jung sind, immer wieder Hilfe/Unterstützung durch den Hirten.

    So plötzlich wie das Video abbricht, gehe ich mal getrost davon aus, dass der Hirte da eingegriffen hat. Der Umgang mag dort etwas robuster sein, aber so doof, einem lt. Beschreibung noch jungem Hund dieses Verhalten durchgehen zu lassen, wird niemand sein. Lämmer wegen nicht aufgenommenen Kolostrums zu verlieren oder wegen mangelnder Bindung ans Muttertier, kann sich dort niemand erlauben. Genausowenig wie verletzte Mutterschafe.


    ....

    Was nicht dabei steht, ist, dass die Herde hinter einem erst kürzlich von der LWK kontrolliertem Herdenschutzzaun steht - der angreifende Wolf hat also Herdenschutzmaßnahmen überwunden, andere Schäfer in dieser Region setzen bereits HSH ein, da ist ein "nur" Zaun entsprechend der leichtere Weg:

    https://www.ndr.de/nachrichten/ni…,zeven-104.html

  • In den Original-Ländern werden meist Rüden eingesetzt, niemand kann sich erlauben mehrere Tagesetappen vom Dorf weg zu sein und die Hündin wird plötzlich läufig.
    Theoretisch kann man eine sicher zauntreue Hündin im Herdenschutz einsetzen, auch wenn sie läufig ist. In hiesigen Breitengraden mit vielen schlecht hörenden, freilaufenden Spaziergänger-Hunden ist das aber nicht empfehlenswert. Manche Tierhalter machen es dennoch. Meist geht es gut, manchmal gibts dann lustige Mixe.

    Hier gibts den Verhüterli-Zwinger, in dem McYassi während der Läufigkeit von den Rüden getrennt ist, wenn ich nicht unmittelbar dabei bin. Im Sommer lümmelt sie dann im Offenstall-/Auslaufbereich rum, während die Rüden und Rinder auf der Weide sind. Im Winterbetrieb wechsel ich die Hunde ab.

    Läufigkeit ist aber einer der wenigen Momente im Leben eines Herdenschutzhundes, die den Herdenschutz an 2. Stelle rutschen lassen können.
    In wilderen Ländern gibt es immer wieder Berichte über Verpaarungen von HSH mit Wölfen, egal wie rum da die Geschlechterverteilung ist.

    Wie man damit umgeht als HSH-Halter, muss man selbst herausfinden, da spielen ja auch betriebliche Gegebenheiten eine Rolle.

  • Mit Geflügel und Rindern kenne ich mich zu wenig aus. Ich wollte damit nur sagen, dass das im Verhaltensrepertoire von Schafen eher nicht vorkommt. Da ist es so, dass kranke Tiere bis zu einem gewissen Grad maximal unauffällig in der Herde leben und, wenn sie spüren, dass sie dem Tode näher sind als dem Leben, aktiv aus der Herde herausgehen und sich einzeln versuchen irgendwo zu verstecken.

  • Das ist dort nicht der erste Wolfsangriff trotz HSH:

    2024

    https://www.ndr.de/nachrichten/me…,wolfmv100.html

    https://www.ostsee-zeitung.de/lokales/rostoc…JMXVNCCAIQ.html

    2025

    https://www.ndr.de/nachrichten/me…fswald1846.html


    Was willste da noch machen als Tierhalter?
    Noch mehr Hunde? In unseren Breitengraden schwierig und betriebswirtschaftlich muss man diese enormen Kosten erstmal wieder reinwirtschaften, das können kleinere Betriebe gar nicht. Da braucht auch niemand mit Herdenschutzförderung kommen - gefördert wird nur die Anschaffung, nicht der Unterhalt der Hunde.

    Und auch TA-Kosten werden nicht vollumfänglich ersetzt, wenn ein HSH so schwer verletzt ist, da gibt es - nach den GOT-Erhöhungen eher lächerliche - Obergrenzen für.

    Das wäre für mich einer der Fälle, in denen ich für einen Abschuss dieser Wölfe stimmen würde. Irgendwann muss auch mal gut sein mit dem Aufrüsten der Tierhalter und man muss dabei bitte immer auch den Standort Deutschland bedenken, der vieles an "richtigem" Herdenschutz unmöglich macht. Da muss es Grenzen geben, die Wölfe nicht überschreiten dürfen. Wer das tut, muss weg. Und schafft damit Platz für die Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen akzeptieren und mit denen eine Koexistenz möglich ist.

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