Verträgliche Hunde und gar keine Sozialkontakte?

  • Ich war mit Benni jeden Sonntag in der Welpen- und später Hundetrainingsstunde, habe mich mit Leuten aus dem Forum zum Gassi getroffen und Benni hatte täglich Kontakt zu Artgenossen (19 Uhr war immer große Hunderunde auf dem Feld). Genutzt hat es "nix". Mit der Pupertät gingen die Probleme, das beißen, schnappen und das maßregeln anderen Hunden gegenüber los.

    Siehe oben.

    Kinder spielen, Erwachsene eben oft nicht. Das ist normal, und rassetypisch und individuell eben unterschiedlich gewichtet.

    Bloss weil ich ein Kind in den Kindergarten schicke, muss das später auch nicht ein Mensch werden, der den ganzen tag "spielen" will.

  • Ja, der Artikel der Hochschule ist interessant aber eben auch sehr allgemein und eher auf die Anfangsprägung bezogen.

    Der Artikel bezieht sich auf die dort angegebenen Quellen, in denen die einzelnen Aussagen abgehandelt werden.
    Und so, wie ich den Artikel lese, resultieren Unverträglichkeiten erwachsener Hunde aus einer fehlenden oder Fehlprägung im Welpen- und Jungehundealter, weshalb auf diesen Punkt ausführlicher eingegangen wird.

  • Hunde “brauchen“ m.M.n. nicht zwingend Kontakt zu anderen Hunden, egal welche Rasse. Normal reicht der Kontakt zu “seinen“ Menschen völlig aus. Dazu wurde er ja gezüchtet.
    Soziale Interaktion finden wenn, dann eh nur im eigenen Rudel statt und ein fremder Hund ist nie gleich Kumpel oder Freund, sondern immer erstmal ein fremder Hund, der abgecheckt werden muss (das berühmte “Hallo“ sagen)
    Aber m.M.n. spricht auch nichts gegen Kontakte zu anderen Hunden. Wenn die Hunde signalisieren, dass sie es geniessen, Spass dran haben oder es ihnen schlicht und einfach egal ist. Pino und ich gehen öfter mit anderen Hunden und Haltern spazieren. Aber eher, weil ich und die anderen Menschen gerne mal soziale Kontakte geniessen. Unseren Hunden ist das egal. Ab und zu haben sie auf diesen Gängen mal Kontakt zueinander (in Form von Spielen, toben usw.) Aber die meiste Zeit macht jeder für sich sein Hundeding.
    Also ich glaube Hunde brauchen das nicht zwangsläufig, “freuen“ sich aber manchmal über eine kleine Abwechslung.
    Aufzwingen würde ich keinem Hund den Kontakt. Manchmal denke ich, dass genau dadurch erst unverträglichkeiten erzeugt werden.

  • Sozialkontakt ist doch nicht zwangsläufig spielen. Sozialkontakt ist doch hauptsächlich gemeinsam schnüffeln, Dinge erkunden und Hund sein. Dass kann ich als Mensch nicht ersetzen.
    Ich hab einen zweiten Hund geholt, weil meine Hündin nicht so verträglich mit fremden Hunden ist und wir teilweise nur selten die bekannten Kontakte ermöglichen konnten. Sie war viel glücklicher und ausgeglichener, wenn wir eine Runde zusammen mit Freund drehen konnten. Ich bin für sie auch der Hauptkontakt aber ohne ihren Kumpel möchte sie auch nicht mehr sein. Und wenn sie Freunde trifft, spielt sie auch nicht viel mit denen aber gemeinsam im Rudel Spuren verfolgen und Zeitung lesen ist einfach cool. :D Von daher- selbst wenn es zu sowas Studien geben sollte, man muss nicht allem glauben. :pfeif:

  • Das mit den Sozialkontakten unterliegt genauso der Mode wie alles andere in der Hundehaltung:

    Als ich in den Siebzigern anfing, wäre niemand auf die Idee gekommen, seinen Hund für "Sozialkontakte" einfach in andere brettern zu lassen - man ging erstmal davon aus, dass fremde Hunde unverträglich sind, sicherte sie entsprechend und sprach mit dem Halter. Sprach nichts dagegen, durften sie sich beschnuppern, und oft ergaben sich Gassifreundschaften daraus - aber "Sozialkontakte" als Pflicht gab's nicht. Wenn man die gerne wollte, wurde man oft ein bißchen schräg angesehen, weil's nicht normal war. Lief für uns aber super, selbst mit Dreierrudel haben wir viele nette Hunde kennengelernt.

    Zwanzig Jahre später, ziemlich genau mit dem Aufkommen der Hundeschulen, hatte sich das Blatt völlig gewendet - da ließ jeder jeden Hund in jeden rasseln, Motto "Die müssen das unter sich ausmachen, und sch*** auf die Folgen, Hunde brauchen das". Wer das nicht wollte, wurde sehr schräg angesehen, weil Vorsicht ja nicht normal war, Hunde brauchen...usw. Eine Vorgehensweise, mit der mein kerniger junger Airedale im Handumdrehen zum Mobbingopfer wurde.

    Dann, mit dem Hundepädagogik-Boom, gab's Sozialkontakte nur noch pädagogisch überwacht. Sprich: dasselbe wie oben, aber noch mit fachkundigen Kontakten vom Rüpel-Frauchen garniert: "Der sozialisiert Ihren jetzt mal richtig - das brauchen Hunde!" Mittlerweile hatte ich einen kleinen Hund, hab mir für den einen großen Bodyguard ausgeliehen, als es zu schlimm wurde, und so sind wir unbeschädigt durch diese Zeit gekommen. Ich war inzwischen, nach dem Fiasko mit dem Airedale, ohnehin sehr vorsichtig mit "Hunde brauchen...." geworden.

    Inzwischen scheint das Pendel ja wieder ein bißchen in Richtung "Hund muß nicht unbedingt mit jedem" zurückzuschwingen, was ich für sehr begrüßenswert halte. Praktisch macht sich das hier noch nicht bemerkbar - aber vielleicht kommt das ja noch? Und vielleicht sind wir eines Tages ja wieder beim andere Extrem?

    Ich laß mich überraschen - und mach inzwischen, was ich für den jeweiligen Hund am sinnvollsten finde.

  • Wir haben versucht:

    • Welpenstunde/Hundeschule
    • Hundetreffen
    • Gassigänge mit anderen HH und deren Hunde

    Mein Hund will/wollte das nicht.

    Er kann trotzdem mit Hunden kommunizieren hat aber null Interesse an anderen Hunden.

    Da ist es mir egal, ob andere sagen "das gibt es nicht oder das ist nicht OK".

    Grundverkehrt wäre es wohl ihn zu zwingen.

  • Ich bin ja gespannt, ob er das wirklich komplett so meinte. Also auch auf Welpen und Junghunde bezogen. Dass diese keine Sozialisation brauchen?

    Erwachsene Hunde brauchen wirklich sehr oft gar keine anderen Hunde. Das ist ein ganz anderer Schuh.

    Viele denken auch, dass ihr Hund sich ach so sehr freut, dabei fiddelt er vor lauter Stress nur und wäre bestimmt glücklicher ohne Kontakt. Sehe das ständig und die Hunde tun mir nur leid. Aber die freuen sich ja so.

    Ich persönlich muss sagen: wir haben so viele sch*** Erfahrungen gemacht inkl. mehrerer Verletzungen, sodass kein zukünftiger Hund von mir mit fremden Hunden Kontakt haben wird.

    Balou ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen, seit er keinen Kontakt zu fremden und bekannten Hunden mehr hat und ich alles regle. Er läuft nahezu perfekt an der Leine an Hunden vorbei, pöbelt nicht, kann Futter nehmen etc. Würde ich ihn entscheiden lassen, würde er zu jeden Hund hinrennen und ihn anmucken. Nein, da vertraue ich nicht darauf, was mein Hund will. Er hat seine vier Freundinnen, die wir ab und zu zum gemeinsamen Spaziergang treffen (da interagiert er kaum) und den Rüden meiner Eltern, mit dem 0 agiert wird. Lou ist zufrieden und bräuchte vermutlich gar keine Hunde, um glücklich zu sein. Trotzdem hat er mindestens einmal pro Woche Kontakt, meist eher 2-3 mal.

  • Bei nächster Gelegenheit wird gefragt, versprochen. Seine Hunde sind auch nicht unverträglich oder so, ich denke mal, sie fallen in die Kategorie "Kann, aber muss nicht mit fremden Hunden." Er fand aber schon auch, dass mein Hund eigentlich nicht unbedingt seinen Sammy brauchen würde.

  • Hast du evtl schonmal daran gedacht, dass das Ganze nichts mit "nicht gönnen" (als wäre das grundsätzlich etwas super tolles..) zu tun hat? Nein, ehrlich gesagt bin ich wirklich noch nie auf die Idee gekommen. Tatsächlich gehe ich davon aus, dass ein Hund ein soziales Wesen ist und als solcher auch Artgenossen braucht. Sicher muss es nicht spielen sein, oder jeden anderen fremden Hund beschnüffeln, aber innerhalb eines Hundelebens denke ich schon, dass soziale Kontakte wirklich notwendig sind. Natürlich muss man auch definieren, was einen "sozialen Kontakt" ausmacht. Allerdings bin ich kein Kynologe oder sonst irgendwie superschlau, ich orientiere mich halt an meinem Bio-Studium und diversen normalen Hundebüchern und Dokus und sonstwie gelesenen Sachen.
    Wissenschaftlich fundiert dürfte wohl sein, dass ein adulter Hund eher weniger das Bedürfnis hat sich ausserhalb seines Verbundes (Rudel darf man ja nicht mehr sagen.. Echt nicht?) ständig mit fremden Hunden auseinanderzusetzen. Ausnahmen bilden hierbei vor allen Dingen die Individuen/Rassen, bei denen gezielt auf infantiles Verhalten selektiert wurde und die (je nachdem) niemals den normalen Erwachsenenstatus erreichen. Dass Fremdhunde durchaus sehr viel Stress machen können, sehe ich ein, klingt auch irgendwie logisch. Ich bin ja Ersthundehalterin und habe einen Podengo portugues-Mix, der auch im Rudel zur Jagd verwendet und auch auf besonders soziales Verhalten hin gezüchtet wird. Ich gehe wahrscheinlich auch einfach zu sehr von meinem Hund aus...

    Viele denken auch, dass ihr Hund sich ach so sehr freut, dabei fiddelt er vor lauter Stress nur und wäre bestimmt glücklicher ohne Kontakt. Sehe das ständig und die Hunde tun mir nur leid. Aber die freuen sich ja so. Irgendwie klingt das jetzt für mich schon so, als wär ich zu blöd, Freude und Stress bei meinem Hund nicht auseinander halten zu können, vielleicht bin ich bei deiner Formulierung ein bisschen empfindlich. Dass man aber vielleicht dem "ich freu mich so - Hund" auch Grenzen setzen muss, weil es ihm sonst zu viel wird, das kann ich nachvollziehen und werde das bei meinem Hund auch mal beobachten. Ich will ja auch nicht, dass sie zu viel Stress abkriegt.

    Hunde wie der kleine Opi von @02wotan kenne ich auch - die gehen an anderen Hunden vorbei, als würden sie nicht existieren. Die gibt es natürlich auch hier und bemerkenswerterweise lässt meine Duna diese Hunde auch (fast) immer links liegen.

    Ich finde dieses Thema sehr interessant, allerdings auch sehr emotionsgeladen und auch oft sehr geprägt von den Erfahrungen, die halt jeder so macht. Wie überall gibt es wohl auch hier keine Patentformel.

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