Verträgliche Hunde und gar keine Sozialkontakte?
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Mia kommt ja aus Rumänien und wurde dort auf der Straße geboren. Sie ist in meinen Augen ein durchaus sozialer Hund. Sie hat einige Hundefreundschaften, die sie sehr genießt und lebt auch problemlos mit Zweithund zusammen. In den knapp 1 1/2 Jahren mit Zweithund gab es nie einen ernsthaften Konflikt, auch nicht um Ressourcen.
Sie gehört tatsächlich zu den Hunden, die einfach keine Fremdhundkontakte wollen. Sie will einfach nicht hallo sagen..
Wir hatten das mal in einem Auslaufgebiet in Mannheim. Uns kam ein unangeleinter Hund entgegen, sie war auch frei. Der andere blieb in einiger Entfernung freundlich wedelnd und einladend stehen und Mia? Läuft einfach in einem Bogen um ihn rum und würdigt ihn nicht mal eines Blickes..Für sie sind aufgezwungene Hallo-sagen-Kontakte einfach nichts. Sie will das nicht, sie braucht das nicht.
Umgekehrt hat sie ja ihre festen Hundekumpel und dadurch natürlich auch Kontakt zu Artgenossen (auch schon vor dem Zweithund).Aber wieso sollte ich sie denn zwingen, dass sie zu Fremdhunden losen Hallo-sagen-Kontakt aufnimmt, wenn sie das doch einfach gar nicht will?
Man kann sie übrigens auch problemlos mit neuen Hunden vergesellschaften. Also es ist nicht so, als würde sie nur ihre Stamm-Mannschaft um sich dulden.
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Schaut man sich in anderen Ländern das Leben von Straßenhunden an, so ist das auch da häufig so, dass die anderen Hunde existieren, aber die meisten erwachsenen Hunde ausser zur Fortpflanzung sehr selten überhaupt interagieren.
Ist das so?
Mir sind die "Pizzahunde" von Bloch in Erinnerung, der bei seinen Beobachtungen zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen kommt.Meine Hunde haben auf den ersten Blick auch nicht viel miteinander am Hut. Sie spielen selten miteinander, sie liegen nicht eng zusammen und machen oberflächlich nicht den Eindruck, "beste Freunde" zu sein.
Tatsächlich läuft aber eine ganze Menge zwischen beiden:Sie suchen sich, wenn sie an getrennten Orten geschlafen haben und aufwachen. Sie bewachen gemeinsam, beschützen und warnen einander und schicken sich abwechselnd, je nach Situation und Notwendigkeit, vor. Sie trösten sich und stehen sich im wahrsten Sinne des Wortes bei. Sie schnüffeln und erkunden draußen zusammen, markieren gemeinsam und gehen Spuren nach. Sie fragen einander per Blick, ob sie Kauartikel, Spielzeug oder die Näpfe tauschen können. Sie beschnuppern sich und zeigen mir oft, bevor ich es bemerke, dass etwas mit dem jeweils anderen nicht in Ordnung ist. Sie beobachten sich, tauschen Blicke aus, nehmen Rücksicht, schätzen sich gegenseitig ab, schauen sich Tricks voneinander ab und tricksen sich gegenseitig aus. Sie stiften einander zu Blödsinn an und reagieren auf die Stimmung des jeweils anderen. Sie motzen sich an, setzen Grenzen, vertragen und vermissen sich.
Die Kommunikation zwischen beiden läuft so fein ab, dass ich als Mensch nicht ansatzweise dazu in der Lage wäre, sie zu ersetzen und häufig sehe und verstehe ich erst rückblickend, was los ist.
Viele ihrer Bedürfnisse (wie z.B. Spiel, Kontaktliegen, direkte Zuwendung) erfülle ich als Mensch. Viele können sie aber nicht mit mir ausleben, weil ich eben kein Hund bin und gar nicht ihrer Art entsprechend, also art-gerecht reagieren könnte. Und ich glaube nicht, dass die Qualität des Kontaktes zwischen beiden mit der von flüchtigen Begegnungen mit Fremdhunden zu vergleichen ist, weil sie sich kennen, zusammengewachsen sind und sich auch tatsächlich etwas "zu sagen haben".Ich glaube nicht, dass man Hunden mit Schubladen und Extremen (gar kein Kontakt/ wahlloser Kontakt zu Fremdhunden/ nur Mehrhundehaltung ist artgerecht) gerecht wird, sondern dass die Wahrheit, ganz ausgewogen, irgendwo in der Mitte liegt.
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Ich bin der Meinung, dass es wie immer auf das einzelne Individuum ankommt.
Benni findet andere Hunde (sofern sie nicht groß und schwarz sind) grundsätzlich toll. Schnüffeln, freuen, manchmal völlig aufdrehen. Alles gut. Manchmal auch einfach ignorieren.
Aber im Freilauf gäbe es sofort Ärger. Denn so kurz und übertrieben sich Benni freut, so schnell will er wieder seine Ruhe.
Eine Freilaufgassirunde wäre zum Beispiel kein Problem, wenn ihn alle anderen Hunde auch ignorieren und ihn in Ruhe lassen. Dann würde er hin und wieder mal an anderen Hunden schnüffeln und ansonsten sein Ding machen. Nur zu viel toben dürften die anderen Hunde nicht, da Benni dann maßregeln wollen würde.
Reine Leinenspaziergänge oder ruhige Hunde, die einfach so mitlaufen, sind optimal.So etwas findet man nur recht selten. Daher hat Benni keine Spielpartner und Sozialpartner. Mir scheint, dass ihn das allerdings nicht stört.
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@Esiul: Ich hab jetzt auch auf die Schnelle nichts Wissenschaftliches gefunden, finde die Frage nach dem "Brauchen" aber spannend.
In meiner Familie gab es seit 50 Jahren keinen Einzelhund mehr, feste soziale Kontakte sind also unter unseren Hunden garantiert. Von daher habe ich persönlich die Situation noch nicht erlebt, dass ein Hund gar nicht mit Artgenossen konfrontiert wird. Was ich bei meiner verstorbenen Hündin beobachtet habe, war eine generell starke Bindung zu einzelnen Vertretern anderen Spezies - nicht unbedingt nur zu Hunden. Aber so ist sie eben auch aufgewachsen. Kaninchen, Mäuse, Katzen, Hühner, Gänse, Enten, Wellensittiche, Kanarien, Tauben und zwei bis drei Hunde. Sie hat oft andere Tiere adoptiert und als sie mal "nur" drei Katzen um sich aber keine sonderliche Bindung zu ihnen hatte, war sie regelrecht depressiv. Aber genauso extrem wie dieser Einzelfall ist, könnte ich mir vorstellen, gibt es ebenauch das andere Extrem. Also Hunde, die das einfach nicht nur nicht wollen, sondern auch für ihr Wohlbefinden überhaupt nicht brauchen, jemals einen anderen Hund zu sehen.
Vielleicht könntest du bei Gelegenheit mal den HH fragen, woher er das hat, wie er oder die Quelle Sozialkontakte und Brauchen definieren. Das fänd ich interessant. Was ich zu meinem physischen Überleben brauche sind ja auch erstmal nur Luft, Wasser, Nährstoffe, Regenerationsphasen und Schutz vor Extremtemperaturen. Ob es mir allein damit auch psychisch gut geht ist ja ne ganz andere Geschichte.
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Auszug aus einer Stellungnahme der Tierärztliche Hochschule Hannover zum Maulkorb- und Leinenzwang:
Fehlen jetzt soziale Kontakte (sozialer Erfahrungsentzug, Deprivation), so sind die betreffenden Tiere später vielfach nicht mehr in der Lage, normale soziale Beziehungen zu entwickeln. Dies trifft im Hinblick auf den Sozialpartner Mensch und auf Artgenossen zu. Nach Hart u. Hart (1991) ist die Neigung mit anderen Hunden zu kämpfen, Ausdruck einer nicht erfolgten Sozialisation, bei der der Hund hätte lernen müssen, durch Drohgebärden und Unterwerfungsgesten Konflikte beizulegen, ohne wirklich zu kämpfen. Deprivation in dieser sensiblen Phase führt außerdem zu Fehlentwicklungen des Gehirns, die im späteren Leben zu verstärkten Angst- und Aggressionsreaktionen in Stresssituationen führen können.
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Nicht nur für die soziale Entwicklung des Junghundes sind Auseinandersetzungen mit Umweltreizen und Sozialpartnern (Menschen und Artgenossen) wichtig, sondern auch für das Wohlbefinden des erwachsenen Hundes.
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Aus Ethologie und Verhaltenstherapie weiß man, dass drastische Veränderungen der Lebensbedingungen die häufigste Ursache für sog. "Aktualgenetisch erworbene Verhaltensstörungen" sind. Bei der Genese dieser Störung spielt neben einer reizarmen Haltung (eingeschränkte Bewegungs- und Spielmöglichkeit) auch die begrenzte oder fehlende Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Artgenossen eine große Rolle. Die Folge ist Frustration, eine Motivationslage, die entsteht, wenn ein Tier daran gehindert wird, eine bestimmte Verhaltenssequenz zu vollenden oder überhaupt auszuüben. Häufig äußert sich diese erworbene Verhaltensstörung in Apathie oder in Aggressivität gegen Menschen und Artgenossen.Quelle: Stellungnahme zum Maulkorb- und Leinenzwang nach Nds. GefTVO
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Ich wundere mich über das S/W Denken. einiger Schreiber.
Zwischen "Jedem Hund Hallo Sagen" und "Kein Kontakt zu Artgenossen" liegen Welten.
Einen Welpen/Junghund ohne Kontakt zu Artgenossen aufzuziehen, finde ich tierschutzwidrig (wie so manche andere "Methode" auch). Bei erwachsenen Hunden ist es einfach sehr individuell.
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Wir können unseren Hunden in menschlicher Gesellschaft nur sehr eingeschränkt bieten was Wölfe und in Rudeln lebende Strassenhunde leben und das wollen wir ja auch gar nicht, sonst hätten wir keine Haushunde.
Dass Hunde ständig miteinander spielen und toben müssen, sehe ich auch nicht.
Intakte, souveräne, erwachsene Hunde tun es meistens nicht.
Die sind aber auch nicht die Regel bei den heutigen Ansprüchen an Hundehaltung.LG, Friederike
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Ja, der Artikel der Hochschule ist interessant aber eben auch sehr allgemein und eher auf die Anfangsprägung bezogen.
Ich war mit Benni jeden Sonntag in der Welpen- und später Hundetrainingsstunde, habe mich mit Leuten aus dem Forum zum Gassi getroffen und Benni hatte täglich Kontakt zu Artgenossen (19 Uhr war immer große Hunderunde auf dem Feld). Genutzt hat es "nix". Mit der Pupertät gingen die Probleme, das beißen, schnappen und das maßregeln anderen Hunden gegenüber los.
Sicherlich hat ein Teil meine Unerfahrenheit verursacht und sicherlich kann ich einen Teil auch auf die 8 Wochen "Stallaufzucht" schieben, aber ein großer Teil ist eben auch Charakter. -
Ich wundere mich immer, wenn Sozialkontakt mit "Spielen und Toben" gleichgesetzt wird.
Mein Hund spielt und tobt so gut wie nie mit anderen Hunden, seit er erwachsen ist. als Junghund dafür umso mehr, und bekam auch täglich die Gelegenheit dazu.
Ich habe als Kind auch täglich mit anderen Kindern gespielt. Heute tue ich das nicht mehr, spiele eigentlich NIE fangen, im Sand, Verstecken oder Ball... aber trotzdem lege ich Wert darauf, mit anderen Menschen Kontakt zu haben.
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Ich denke es kommt da auf das einzelne Individuum und/oder die Rasse an.
Hätte dieser Herr meinen Neo (oder auch meine Willow), wäre er wahrscheinlich hochzufrieden.
Besonders Neo braucht einfach keine anderen Hundekontakte (mit seinen Damen Willow und Smilla ist das was anderes - die sind sein Harem, sein ein und alles).
Er hat schon in der Welpenschule nicht ein einziges Mal mit den nderen spielen wollen - stattdessen wollte er mit mir etwas machen und so sind wir eben in den Spielphasen die Geräte abgegangen, die er schon gehen konnte.
Es kommt selten vor dass er wirklich mal eine fremde Hundedame so toll findet, dass er eine leichte Spielaufforderung macht.
Generell sind Perros eher etwas rassistisch veranlagt - andere Perros oder Lockenhunde werden einfach schneller integriert und mit ihnen schneller interagiert.
Allerdings sind es super Mehrhundehalterhunde, denn da sind sie sehr sozial veranlagt - was zur Familie gehört wird in der Regel geliebt.
Selbst die Hündin meiner Schwiegereltern (von klein auf bekannt) wird bei Besuch fest ins Rudel integriert und bei Bedarf auch vor Fremdhunden in Schutz genommen.
Nur Hundekontakt draußen mit Fremdhunden brauchen sie nicht unbedingt, obwohl sie auch kein Problem haben, in großen Gruppen mitzulaufen. Sie machen dann halt meist ihr Ding oder suchen sich höchstens fein säuberlich 1-2 bestimmte Hunde zum Spielen aus. Aber toben mit jedem? Das macht nicht jeder Perro.Ach ja, meine finden Fremdhunde (leider) sowas von nicht dazugehörig, wenn alle drei zusammen unterwegs sind, dass jeder erstmal total nervig laut gewarnt wird, dass er nicht dazu gehört.
Das geht mir schon auf die Nüsse - leider habe ich noch kein Patentrezept dagegen gefunden.
Nachdem dem Fremdling aber eindringlich erklärt wurde, dass er nur allein ist und eigentlich nicht dazu gehört, während sie ja zu dritt sind und eine Einheit bilden, ist es überhaupt kein Problem sie nach ein paar Metern abzuleinen und gemeinsam spazieren zu gehen. Sie kennen auch Wanderungen in großen Gruppen.
Nur interagieren sie da meist nur miteinander, selten mit Fremdhunden.
Außer Smilla, die spielt dann doch schon mal mit anderen und ist die Einzige, die eine wirklich feste Kumpeline hat. - Vor einem Moment
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