Verträgliche Hunde und gar keine Sozialkontakte?

  • Je mehr ich über die Beiträge nachdenke, desto klarer wird mir, warum Rosi null Bock auf z.B. Ballspielen hat(ihr Vorgänger war in der Hinsicht mehrfacher Olympiasiege) oder überhaupt Interesse hat über das normale Maß hinaus was lernen zu wollen. Der Straßenhund steckt einfach zu tief drin. Anderen Hunden wird freundlich begegnet, im Rudel ist sie das Alphatier(was andere akzeptieren) und unterbuttern lässt sich die kleine Rennmaus nicht mal von einer Dogge! Das gute ist eben das sie keine wie auch immer gearteten Macken von der Straße mitgebracht hat!

  • Esui, deswegen sind diese Hunde auch so unglaublich selbstständig. Ein warmes Bett, regelmäßig Futter- coole Sache aber sie brauchen ihre Freiheit. Mein Nepi brauchte beim Spaziergang immer mal Phasen zum "streunern", Momente, wo er in einem weiteren Radius als üblich sein Ding machen konnte. Hat man ihm die verwehrt war er regelrecht bockig und unlaunig- sonst eigentlich ein absoluter Sonnenschein- und hat sich bei nächster Gelegenheit in Luft aufgelöst. Da konnte man gucken und aufpassen, wie man wollte, plötzlich war er vom Erdboden verschluckt. :ka: Und spätestens nach ner halben Stunde wieder da. Glücklich und zufrieden. |) Außer er kam bei Kindern vorbei, dann konnts länger dauern. An Straßen hat er selbst abgewartet und geguckt usw- der brauchte mich nicht aber was ich ihm zu bieten hatte (ein weiches, warmes Bett und Futter :D ) , hat er schon gern mitgenommen. Und manchmal hat er aus Sympathie für mich auch mal was getan, was er eigentlich als unnütz eingestuft hat. :lol:

    Und ne ich sag ja nicht, dass wer nen psychischen Schaden hat, nur weil er spielt. Ich denke, der Grund, warum es vei Haushunden mehr vorkommt als bei erwachsenen Straßenhunden, ist der erlernte Faktor. Sie werden von anderen fern gehalten, wenn diese ernsthafter werden, tw früh kastriert- die lernen Spiel wahrscheinlich eher als "normale" Kommunikation, werden nie richtig erwachsen. Müssen sie ja auch nicht.

  • Das ist wohl das Erste, was einem in den Kopf kommt, wenn man darüber nachdenkt - ging mir genauso.
    Ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern ist, aber dort wo ich mich rumgetrieben habe musste augenscheinlich kein Hund hungern, eher im Gegenteil. Garküchen und Touristen scheinen genug abzuwerfen. Einzig Räude war häufiger mal ein Problem, sonst waren die Hunde fit - also Energie und Zeit für Spielerei wären da gewesen.

    Das Hunde sich um ihre nächste Mahlzeit oder um ihre allgemeine Sicherheit "sorgen", glaube ich nicht.

    Kann ich so bestätigen. Ich habe (vor allem in den Städten) höchst selten mal Hunde gesehen die aussahen, als würden sie sich um ihr Futter Gedanken machen müssen. Teilweise waren sie sogar ziemlich dick |)
    Dort ist es, schon aus religiösen Gründen, total normal Tiere zu füttern, wenn man es sich irgendwie leisten kann. Es gibt wirklich viele Einheimische die Straßenhunde füttern und meine Verwandtschaft hat z.B. "ihren" Straßenhund, der in den kühleren Monaten einen Mantel bekommt und zum Tierarzt geht, wenn offensichtlich etwas nicht okay ist.
    Allgemein habe ich nicht gesehen das irgendein Straßenhund schlecht behandelt wurde.
    Das Argument, die Spielen ja nicht weil sie im ständigen Überlebenskampf sind zieht da nicht.


    Im übrigen hat auch niemand gesagt, dass ein Hund der spielt ein "psychisches Problem" hat. Aber man muss schon mal irgendwie anerkennen das ein ausgewachsener Hund, der Fremden gegenüber in Spiellaune ist stark juveniles Verhalten zeigt, dass bei einem Caniden eigentlich nicht vorgesehen ist.

  • Dann wäre es ja nachvollziehbar, dass Straßenhunde nicht spielen. Die haben andere "Sorgen".

    Mit ihrem Nachwuchs spielen sie ja, aber nur wenn es sein muss. Das scheint recht gut zu funktionieren.
    Vermutlich nimmt da keiner mit 15 Wochen die Bude auseinander oder wird zum neutorischen Hackenbeisser.

  • Meine Duna ist ja auch ein spanischer Straßenköter (3 Jahre alt) und hat erst Monate nach dem Einleben langsam Spielen gelernt. Anfangs konnte sie noch nicht mal mit einem Kauknochen was anfangen, nur "schnell Verschlingbares" war für sie interessant.
    Heute spielt sie liebend gern - Rennspiele, Ballspiele, Raufen mit mir, Zerren, Schnüffelkiste, etc.

    Auffallend war, dass sie auch zu Anfang wirklich toll mit anderen Hunden umgegangen ist, und jetzt, nach vielen Begegnungen vor allem auch auf der Hundewiese wirklich unglaublich schlechte Manieren angenommen hat: sie fixiert andere Hunde schon von weitem, springt plötzlich auf sie zu (die erschrecken natürlich furchtbar) oder rast aus weiterer Entfernung auf sie zu, nur um dann 4-5 m vor ihnen stehen zu bleiben (Hund und Halter erschrecken), etc.

    ...und sie bettelt fremde Leute um Leckerlis an (auf der Hundewiese)...

  • Ich kann nur von meinen Erwachsenen, intakten Hunden berichten die hier in der Gruppe leben.

    Hudson hat vor 8 Jahren das letzte mal mit einem Hund gespielt. Er ist an anderen Hunden nur an deren Status interessiert und ob sie läufig sind. Niemals würde, oder hat er mit fremden Hunden gespielt und selbst hier in seiner Gruppe spielt er nicht.

    June intakte Hündin findet fremdhunde prinzipiell doof. Sie spielt mit genau drei Hunden. Ihrer Schwester, mit der sie aufgewachsen ist, die bei einer guten Freundin lebt und sie spielt mit Reeba und Nevis. June läuft easy mit bekannten Hunden in Gruppen mit, aber nimmt dort null Kontakt zu den anderen Hunden auf, einzig in ihre hundegruppe mit der sie lebt, zeigt sie Interesse.

    Reeba, intakte Hündin mag fremdhunde nicht. Sie spielt nur und ausschließlich mit June. Alle anderen Hunde ignoriert sie, weicht aus, oder hält sie sich auf abstand. Sie läuft problemlos in hundegruppen mit, allerdings nur in Gruppen wo keine wilden Spiele stattfinden, sondern eher ruhig gegangen wird. Junes Schwester ist ein bisschen die Ausnahme. Mit der läuft ree auch mal mit, aber richtig spielen und dabei wirklich mit dem Hund interagieren, tut Reeba nur mit June.

    Nevis, 7 Monate alter Junghund, lebt im Rudel und man erkennt jetzt schon, dass er immer weniger Interesse an anderen fremden Hunden hat. Ich kann ihn problemlos von anderen Hunden abrufen, ausgelassen spielen, selten und wenn dann mit June. Er läuft problemlos in hundegruppen mit und bedrängt oder belästigt die anderen Hunde sehr selten. Er wird von den Hündinnen auch auf ein sehr angenehmes Maß runtergeregelt und lernt Dinge wie, im respektvollen Bogen, mit schwanz unten und gesenktem Kopf, entspannt und ohne gefiddel irgendwo vorbei zulaufen. Für einen junghund, die ja oft ziemlich durch die Gegend ballern und aufgedreht rumspielen usw. fällt Nevis oft durch seine Ruhe und Gelassenheit auf. Ja, er hat Interesse an anderen fremden Hunden, aber es wird immer weniger.

    Ich kann nun natürlich nicht sagen, wie jeder meiner Hunde als einzelhund wäre, oder wenn sie früh kastriert worden wären. Juveniles Verhalten zeigt hier schon der junghund immer weniger, die erwachsenen Hunde gar nicht mehr. Ich denke Fremdhunde bräuchten meine alle nicht (Hudson nur zum abchecken), mit bekannten Hunden eine Runde entspannt gassi zu gehen, ohne dabei viel miteinander zu tun zu haben, ja, das finden sie ok. Freuen sich beim Treffen aber eher ausgelassen über die befreundeten Menschen und eher weniger über die Hunde. Nur bei junes Schwester Liesl freut sich June wirklich sie zu sehen. Die beiden lieben sich sehr und haben eine ganz besondere Beziehung zueinander.

    Ach ja, zu fremdhunden haben meine sehr wenig Kontakt. Hudson und Nevis schon eher manchmal, June und ree haben keinen. Er fehlt ihnen aber auch nicht. Wobei sie ja auch ausreichend soziale Kontakte haben. Ihre Gruppe hier zuhause umfasst im Moment 6 Hunde. Dazu noch die befreundeten hundegruppen von Freunden von mir mehrmals die Woche.
    Wobei diese gassitreffen für mich stattfinden und nicht für dir Hunde, die bräuchten das nicht.
    Ich denke, intakte, erwachsene, sozialisierte Hunde brauchen hundekontakte nicht wirklich. Kommt sicher auf die Rasse und das Wesen an. Vielen Erwachsenen Hunden reichen ihre Menschen völlig. Trotzdem muss man seinen Hund ja nicht isoliert halten.

    Lg

  • Ich antworte mal nur auf den Eingangspost:

    Mein Hund ist unverträglich, es gibt daher grundsätzlich gar keinen Hundekontakt. Ich kann nicht sagen, ob ihm das fehlen würde oder nicht (wenn er verträglich wäre), aber was dh definitiv sagen kann: ihm fehlt es mal so richtig mit vollgas rennen und Gas geben zu können.

    Beim normalen Gassi sieht er keinen Grund/Sinn zum rennen und beim spielen mit mir hat er auch nicht so richtig die Möglichkeit minutenlang mit Vollgas durch die Gegend zu flitzen.

    Er ist nicht vollkommen unverträglich und spielt mit Hunden denen er ausnahmsweise nicht an die Gurgel will durchaus Rennspiele. Öfters Rennspiele zu machen würde ihm sehr gut gefallen und sehr gut tun. Da das nur mit Hunden so richtig möglich ist, würde ich sagen, dass ihm zumindest vor diesem Hintergrund Hundekontakt fehlt. Zum allgemeinen Sozialkontakt mit einem anderen Hund der nicht rennen mag, kann ich nichts sagen.

  • Auch wenn Straßenhunde nicht spielen, haben sie doch Sozialkontakt. Je nach Vorliebe mehr oder weniger.

    Grundsätzlich ist es doch völlig normal für erwachsene Säuger, nicht zu spielen. Erwachsene Pferde spielen auch nicht oder selten (mal abgesehen von Wallachen, die durch die Kastration oft ein Junghengst-Spielverhalten behalten) und man würde daraus nicht ableiten, dass sie besser ohne Sozialkontakt dran sind.

    Ich spiele auch nie, aber ich habe ganz gern Kontakt zu anderen Menschen.

    Auch wenn mir mein Hund oft lieber ist - aber daraus leite ich nicht ab, dass ausschließlich interspezielle Kontakte besser wären - weder für mich noch für den Hund.

  • Meine Hündin hat nur sehr selten Kontakte zu anderen Hunden mit denen sie "spielen" kann. Das war jetzt in den 10 Monaten seit ich sie habe 4-5x der Fall, dass sie mit einem anderen Hund rennen/spielen konnte. Ich weiß jetzt gerade auch gar nicht, wann sie zum letzten Mal Leinen-Schnüffel-Kontakt zu einem anderen Hund hatte, ist schon wieder einige Zeit her. Sehen tun wir dagegen häufiger andere Hunde, die kommen uns halt dann auf der anderen Straßenseite entgegen oder wir latschen hinterher weil wir dieselbe Straße gehen.
    Das liegt aber nicht daran, dass ich das nicht zulasse, sondern daran, dass wir nicht sehr oft auf geeignete Hunde (entweder zu groß oder er will nicht toben) treffen und wenn, dann treffen wir uns zufällig meist irgendwo im Dorf wo es nicht möglich ist, dass man die Hund frei laufen lassen kann.

    Ich glaube nicht, dass meiner Hündin dadurch irgendwas abgeht/fehlt, sie kennt es ja nicht anders. Dafür habe ich keinerlei Probleme mit ihr wenn sie einen anderen Hund sieht, sie zieht weder in die Richtung, noch "motzt" sie herum. Sie registriert den anderen Hund und dann interessiert sie sich nicht weiter dafür.

  • Meine Hündin muss Fremdhunde auch nicht haben. Und dabei ist sie von Welpenbeinen an bis sie ca. 3 Jahre alt war, 3-4 mal die Woche in einer Huta betreut worden.
    Also in einer Hundegruppe mit 15-20 anderen Hunden die frei zusammen interagiert haben. Aber vllt. liegt es auch gerade daran weil sie es in der Gruppe so gelernt hat. Sie hatte dort so 2-3 Hunde mit denen sie tatsächlich auch getobt hat. Die waren da aber auch in etwa in ihrem Alter. Also noch jung und wahrscheinlich vergleichbar mit ihren Geschwistern.
    Mit denen würde sie auch noch heute durch die Gegend fetzen.

    Ansonsten ist es bei Fremdhunden so das es sehr von dem anderen Hund abhängt wie sie reagiert.
    Auf Entfernung sind ihr erstmal alle fremden Hunde suspekt und sie baut sich gerne auf und macht auf dicke Hose-
    Bei einer direkten Konfrontation ist es dann unterschiedlich. Ich denke weil sie erst aus nächster Nähe die Signale richtig deuten kann.
    Wenn der andere Hund Unsicher wirkt, ignoriert sie ihn meist oder ist maximal je nach Sympathie freundlich interessiert. Dann ist sie die Souveräne bei der Begegnung.Wenn er aufdringlich ist, unterscheidet sie zwischen Welpen und Erwachsenen Hunden. Bei Welpen spielt sie tatsächlich auch mal kurz mit und hat merklich mehr Geduld.
    Bei Erwachsenen macht sie eine klare Ansage wenn diese Aufdringlich sind.
    Und dann hat sie mich in Situationen auch schon sehr verblüfft in denen sie in einem respektvollen Bogen um einen Hund gelaufen ist.
    Das waren dann meist die ruhigen, souveränen Hunde die Körpersprachlich signalisiert haben das sie keinen Kontakt möchten. In den Fällen ist sie deutlich unterwürfig in einem Bogen vorbeigelaufen.
    Bei einem tatsächlichen Angriff reagiert sie immer defensiv und versucht zu flüchten.

    Am liebsten sind ihr ruhige, souveräne Hunde (die Kontakt erlauben). Da merkt man bei ihr das diese Begenungen am sympathischsten sind.
    Spielen tut sie aber natürlich nicht mit diesen Hunden. Sondern nur kurz schnüffeln und dann weiter. Selbst bei Spaziergängen in der Gruppe ignoriert sie im Grunde die anderen Hunde. Deshalb mache ich das eigentlich auch kaum noch. :???:
    Ich denke das hängt auch damit zusammen das sie von Klein auf gelernt hat, das ein zusammensein in der Gruppe nicht unbedingt bedeutet das gespielt wird. Das war in der Huta ja auch nicht so.

    Ich denke (das ist natürlich nru eine Vermutung) dass das Verhalten auch mit der Sozialisation zu tun hat und wie der Hund (und in welchem Umfeld er) aufgewachsen ist. Natürlich hat es auch sehr mit dem Charakter zu tun aber ich denke dieses "nicht-spielen" kann auch daher herrühren das der Hund von verschiedenen Hunden früh lernt das ein anderer Hund nicht in erster Linie ein "Spielkamerad" ist. Meine Hündin spielt wenn überhaupt nur mit Hunden die sie schon als Welpe kannte und mit denen sie schon damals eine spielerische Beziehung hatte.

    Im Vergleich dazu kenne ich hier Hunde die schon von klein auf zum "spielen" geschickt werden. Also jede Hundebegegnung bedeutet spielen und toben. Vllt. kann es dann auch später zu einem Verhaltensmuster kommen, dass spielen zu der Begegnung dazu gehört. :???:

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