Wie viel "kämpft" ihr mit euren Terriern?

  • Genau diese diskutierereien sind der Grund warum hier nie wieder ein Terrier einzieht (Ausnahme mein dogsharing Terrier).
    Es hat mich einfach zu sehr genervt, jeden Tag grundlegendes erneut zu verdeutlichen.

    Ich trainiere soviel es geht positiv. Strafen gibt es dennoch.
    Meine aussies sind in Bezug auf motivation und mit dem Menschen zusammen arbeiten zu wollen, easy über verschiedenes zu belohnen.

    Das kelpie nicht. Sie mag weder Spielzeug (keine Bälle, kein zergel nix), sie mag nicht angefasst werden draußen, sie mag draußen keine Nähe und Futter zieht auch nicht wirklich.

    Sie ist ein Freigeist, sie liebt es zu rennen, hatte als Welpe einen Ca. 150 Meter Radius um mich und findet Kooperation mit Mensch nur dann freiwillig ok, wenn dies dem ausleben ihres Triebes entspricht. Wie will man einen solchen Hund belohnen bzw. trainieren?

    Das ausleben ihres Triebes ist hüten oder jagen. Das geht nicht immer. Ich habe sie erst wirklich unter Kontrolle gebracht, als ich ganz klare Grenzen gesetzt habe und deren Überschreitung geandet habe. Seitdem ist sie viel offener, zugänglicher und hat eine Mega Bindung zu mir bekommen. Vorher kam ich an sie einfach nicht richtig ran, jetzt hört sie aufs Wort, kann überall frei laufen und ich bin der einzige Mensch, der ihr wirklich wichtig ist. Sie akzeptiert noch eine gute Freundin von mir und meine Vermieterin, ansonsten niemanden und nichts.

    Sie ist mein Wildling und am besten fährt man mit ihr, wenn man nicht versucht sie zu verbiegen. Dafür ist sie mittlerweile absolut kooperativ, denn sie weiß, egal wie weit weg sie ist, entziehen wird nicht geduldet. Und nein, sie hat keine Angst vor mir.

    Lg

  • @Aoleon
    Ich weiß nicht, ob du jetzt nur von Hamilton sprichst oder allgemein von Hetzhunden. Denn Whippets allgemein kann man ja scheinbar schon dazu bringen anzuzeigen bzw. den Moment, in dem sie Wild entdecken und bevor sie losrennen zu verlängern.
    Natürlich geht es nicht mit jedem (wie bei allem eben), aber allgemein zu sagen, das geht bei Hetzern nicht, wäre falsch.
    Verbote und Vermeidung allein machen ja noch keinen kontrollierten Jagdtrieb aus. Den größten Anteil hat wohl das gezielte Training bis zum St. Nimmerleinstag.

    Also Leine werfen wenn es schon passiert ist, hätte bei Janosch auch nicht geholfen. Den hab ich ja ein paar mal, weil ich auch hilflos war in dem Moment ordentlich gepackt wenn er in meinem Hosenbein hing. Hat ihn null interessiert.
    Strafe hilft sehr wenig bis nix, wenn sie erst dann kommt wenn der Hund schon durchstartet/pöbelt o.Ä. Die muss bei den Ansätzen kommen und wenn du einen Schreckreiz aufgebaut hast, dann reicht der und es ist nichts körperliches nötig. Schreckreiz ist aber auch eine fiese Sache, weil das leicht fehlverknüpft werden kann und je nachdem wie man es macht, den Hund ständig Angst haben lassen kann, dass ihm gleich der Himmel auf den Kopf fällt. Ich hab ihn deshalb immer vorgewarnt und er wusste auch, dass das von mir kommt.

    Für uns wars unter den Umständen die richtige Maßnahme, auch wenn ich lieber drauf verzichten würde.

    Du meinst man sollte strafen bevor der Hund das falsche Verhalten zeigt, also quasi, wenn er gerade erst daran denkt?
    Ich glaube, das kann ich nicht. Es fühlt sich für mich falsch an.

  • Ja, so mein ich das. Nur dann ist Strafe wirklich wirksam. Und ich bin der Meinung, wenn strafen dann richtig. Und das ist dann "richtig", wenn du es nicht 10x wiederholen musst.
    Also wenn der Hund pöbelt, dann bringt es nicht viel, wenn man straft wenn der Hund eben pöbelt, sondern nur dann wenn man straft wenn der Hund dazu ansetzt, fixiert, schneller schnauft. Je nachdem.

    Schön finde ich das auch nicht, aber je nach Problem notwendig.

  • @Aoleon
    Ich weiß nicht, ob du jetzt nur von Hamilton sprichst oder allgemein von Hetzhunden. Denn Whippets allgemein kann man ja scheinbar schon dazu bringen anzuzeigen bzw. den Moment, in dem sie Wild entdecken und bevor sie losrennen zu verlängern.
    Natürlich geht es nicht mit jedem (wie bei allem eben), aber allgemein zu sagen, das geht bei Hetzern nicht, wäre falsch.
    Verbote und Vermeidung allein machen ja noch keinen kontrollierten Jagdtrieb aus. Den größten Anteil hat wohl das gezielte Training bis zum St. Nimmerleinstag.

    Ich schreib ja immer von meinem Hund, bzw meinen Hunden.
    Ich weiß das es kontrollierbare Whippets gibt, aber das ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Darum find ich das "Kann jeder Hund lernen" auch so gefährlich, denn nicht jeden Hund kann man zu allem bringen. Das endet dann schnell in einer sehr unguten Schleife aus Frust für Hund und Halter.

    Und wenn man einen Hund wie Hamilton hat, für den eben keine Belohnung wertig genug ist, dann kann man sich dusselig trainieren, es bringt nichts. Weil es dem Hund scheißegal ist.
    Ich werde ihn nie wirklich kontrollieren können. Also, nicht ohne Starkzwang und das ist nicht mein Ding.
    Also arbeite ich mit dem was er braucht, das ist Reibung und Stabilität.

    Und allein damit sind wir soweit das er bei der letzten Kaninnchensichtung tatsächlich gezögert hat, leider hatte ich da gepennt und nicht reagiert. Aber das er überhaupt erst wartet feier ich schon als Erfolg!
    Wir treffen sehr, sehr selten auf Kaninnchen, weil ich eben zu relativ sicheren Uhrzeiten gehe. In den 4 Jahren jetzt 3 mal, da ist auch nicht viel mit Training.

    Und im endeffekt arbeitet jeder mit Vermeidung. Den Hund ablenken ist auch eine Vermeidung, dem Hund ein Alternativverhalten auftrainieren ist nichts anderes als ihm zu verbieten Verhalten A zu zeigen, wenn Verhalten B gewünscht ist.
    Ob man das nun durch ein "Nein", eine Strafe oder ignorieren tut ist ziemlich egal.


    Du meinst man sollte strafen bevor der Hund das falsche Verhalten zeigt, also quasi, wenn er gerade erst daran denkt?
    Ich glaube, das kann ich nicht. Es fühlt sich für mich falsch an.

    Ich weiß nicht wie AnjaNeleTeam das meint, aber ich denke da sofort an das warnende "Äh äh..." oder "Denk nichtmal dran!" das ich nutze.
    Übrigens bei Kind und Hunden. :lol:
    Es gibt da einfach nen gewissen Blick wo ich genau weiß das derjenige nun etwas tun will was er nicht soll. Da gibts die Warnung das ich es sehe, wobei ich das nicht als Strafe empfinde.

  • Ja genau so mein ich das. Und das ist eben schon eine Strafe, weil der Hund ja erst lernen muss, dass dem "äh äh" was negatives folgt. Also stellt man mit dem "äh äh" später was negatives in Aussicht, droht quasi. Man kann ein Abbruchsignal zwar auch positiv auftrainieren, aber im häufigsten Falle ist es eher negativ auftrainiert und dafür muss man den Hund ja nicht schlagen o.Ä. Konsequent anleinen reicht ja schon.

  • Und im endeffekt arbeitet jeder mit Vermeidung. Den Hund ablenken ist auch eine Vermeidung, dem Hund ein Alternativverhalten auftrainieren ist nichts anderes als ihm zu verbieten Verhalten A zu zeigen, wenn Verhalten B gewünscht ist.
    Ob man das nun durch ein "Nein", eine Strafe oder ignorieren tut ist ziemlich egal.

    Nein - das stimmt so nicht.

    Man kann ohne zu Strafen oder Meideverhalten zu erzeugen, Alternativverhalten erarbeiten, welches der Hund von sich aus zeigt und ihn dann Umlenken, auf eine Aktion, die bedürfnisbefriedigend belohnt.

    Beispiel: Mein Terrierknallkopf hat inzwischen ohne Verbot, ohne Strafe, ohne Meideverhalten zu erzeugen, ohne irgendwas zu vermeiden, gelernt, anzuzeigen, bevor er losstarten würde.
    Bei hoppelnden Kaninchen (wenn sie nicht direkt unter seiner Nase hochhüpfen) klappt das super, ihn zu loben, er bleibt ansprechbar und dann bekommt er den Hinweis, dass sein Futterbeutel in die andere Richtung fliegt, den er hetzend apportieren darf.
    Bei Rehen ist die Spanne, in der er vorsteht noch kürzer und Umorientierung fällt ihm noch etwas schwerer - aber im Vergleich dazu, wie wir angefangen haben, als er schreiend und um sich beißend in der Leine hing, alleine bei einer Spur, geschweige denn Sichtung - ist das für den ein guter Fortschritt.
    Würde ich mehr mit ihm alleine, ohne die Ömmi unterwegs sein, wären wir schon weiter.

    Bedürfnisorientiert belohnen ist wichtig.
    JEDER Hund hat seine Vorlieben - ein hetzender Hund willlaufen, hetzen - auch das kann man gezielt einsetzen, auch Ersatzobjekte.
    Der Hund lernt so, dass Selbstkontrolle auch zum Erfolg führt.
    Natürlich ist ein Futterbeutel erstmal kein adäquates Ersatzobjekt für Lebendbeute. Das erarbeitet man sich im Zuge des Trainings.

    Ich kenne Windhunde, die Rennen laufen und in feier Wildbahn gelangweiltechtem Wild hinterhergucken. Möglich ist vieles - nicht alles, klar.
    Die Grenzen sollte man respektieren.
    Aber zwingend Strafreize anwenden muss man nicht.

    Impulskontrolle kann man auf unterschiedlichste Weise erreichen.
    Die Reizschwelle kann man erhöhen, die Frustrationstolleranz ausbauen, die Motivation umlenken - alles bedürfnisorientiert, ohne das Wesen zu verbiegen, sondern sogar im Gegenteil: Anstatt gegen ein Verhalten, mit dem Verhalten arbeiten.

  • Ja genau so mein ich das. Und das ist eben schon eine Strafe, weil der Hund ja erst lernen muss, dass dem "äh äh" was negatives folgt. Also stellt man mit dem "äh äh" später was negatives in Aussicht, droht quasi. Man kann ein Abbruchsignal zwar auch positiv auftrainieren, aber im häufigsten Falle ist es eher negativ auftrainiert und dafür muss man den Hund ja nicht schlagen o.Ä. Konsequent anleinen reicht ja schon.

    Ähm nein. Das ist die Ankündigung einer Strafe, also eine Warnung, aber keine Strafe an sich. :???: Quasi so wie der Clicker eine Belohnung ankündigt, selbst aber keine Belohnung ist.

    Natürlich kennen meine Hunde das. Beispiel bei Frodo - das Aufnehmen von sämtlichem Müll draußen. "Lass es" ist sein Abbruchkommando. Das habe ich positiv aufgebaut und wenn möglich auch versucht durch Alternativverhalten durchzusetzen (Anbieten seines geliebten Kautaus). Wenn er beides ignoriert hat, hab ich eben gehandelt und ihm das Teil eben abgenommen, was sicher nicht immer angenehm war.
    Dadurch hat das vorige positive Abbruchkommando eine neue Bedeutung bekommen. Es ist zur Warnung für etwas Negatives geworden. Das Wort allein ist aber deshalb noch keine Strafe.

    Also natürlich habe ich schon gestraft, aber ich strafe im Normalfall nicht bevor der Hund ein Verhalten zeigt, sondern lasse ihm erst die Möglichkeit von sich aus ein anderes Verhalten zu zeigen. Übergeht er meine Warnung, handle ich eben.

  • Wenn ein Signalton/Wort konditioniert wird, schüttet der Hund beim Ertönen des Signals, dieselben Hormone aus, die er ursprünglich bei der Belohnung /der Strafe ausgeschüttet hat.
    Es erzeugt also dieselbe Empfindung, bzw. wurde festgestellt, dass der Hund beim Clicksignal sogar mehr Endorphine ausschüttet, als danach beim Fressen der Belohnung.

    Konditionierung kann nur deshalb funktionieren -egal ob belohnend oder strafend, weil die Bedeutung des Signals für den Hund an den jeweiligen Reiz gekoppelt ist.
    Also wirkt das Signal moe neutral, sondern vom Charakter her so, wie konditioniert wurde: Mittels Strafe-strafend, mittels Belohnung -belohnend.

    Man kann auch zB die belohnende Bedeutung löschen, indem man strafende Reize folgen lässt usw.

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