Denken in komplexen kausalen Zusammenhängen?

  • Hallo zusammen,

    seit gestern treibt mich eine Frage um und ich dachte, ich frage hier einfach mal, wie ihr das seht. Kurz zum Hintergrund: Ich mache mit Newton seit gestern eine Zusatzausbildung im Bereich Tiergestützte Pädagogik. Das Institut, das diese Zusatzausbildung anbietet, arbeitet mit einem anderen Ansatz, als den wir aus unserer Hundeschule kennen.

    So, nun zur Frage. Am besten ich schildere mal das von der Dozentin vorgebrachte Beispiel. Die Situation: Zwei Rüden treffen sich im Hundefreilauf-Gebiet. Der eine Rüde bekommt vom anderen eins auf die Mütze. So, nach diesem Vorfall, so die Dozentin, denkt sich der unterlegene Rüde "Weil du (also der HH) mich hier hergebracht hast, bin ich in diese für mich unangenehme Situation gekommen. Kann ich dir so noch weiter vertrauen?"

    Meine Frage ist nun, haltet ihr es für möglich, dass Hunde in so komplexen kausalen Zusammenhängen denken können?

    Ich habe mir noch keine abschließende Meinung über diese Aussage gebildet, und bin erstmal gespannt, was ihr so dazu meint.

    Liebe Grüße,
    Rafaela

  • Find ich zwar nicht besonders komplex, aber dass Hunde SITUATIONSbezogen lernen ist doch längst klar.
    Dass der Hund, der eine schlechte Erfahrung gemacht hat, dies SO verknüpfen KANN ist nicht ungewöhnlich. Manchen Hunden reicht 1 Mal, anderen is es egal...

  • Ich finde das genannte Beispiel zu komplex - ich glaube kaum dass ein Hund das so schlussfolgern kann/wird.

    "Herrchen ist schuld weil er mich an diesen Ort, wo mir was schlimmes passiert ist, gebracht hat" - ne, viel zu umständliche denkweise.

    Ich bezweifel auch dass Hunde so denken "der hat Schuld".

    Ebentuell würde er - bei mehreren solcher Erfahrungen einfach "denken" - Herrchen ist nicht in der Lage mich vor Gefahren (bösem Hund) zu beschützen.
    Also, Rudelboss soll sich kümmern - tut dies aber nicht = vertrauensverlust.
    Aber dazu ist das Beispiel nicht genau genug beschrieben.

    Und ich denke für die meisten Hunde müssten viele solcher Erfahrungen zusammen kommen, um einen merklichen Vertrauensverlust zu spüren.

  • Ich bin mir sehr sicher, dass das ein völlig falscher Trugschluss ist.

    Was der Hund daraus lernt, kann unterschiedlich sein. Wenn er zu Recht eins auf die Nuss bekommen hat, dann lernt er, dass er nächstes Mal ruhiger und respektvoller ist. Oder er lernt, fremde Hunde sind doof. Oder, wenn er zu seinem Menschen gegangen ist, der den anderen aber nicht vertrieben hat, dass sein Mensch ihn nicht schützt.

    Aber die o.g. Schlussfolgerung halte ich für ausgemachten Humbug. Ehrlich jetzt.

  • Ich meine mich zu erinnern, dass dieses Institut einer eher fragwürdigen Trainingstheorie anhängt?
    Davon abgesehen, klingt die Überlegung für mich aber erst mal nicht komplett verkehrt.
    Es ist wurde in diesem Beispiel zwar beim "Übersetzen" vermenschlicht, bzw. komplizierter gemacht, als es ist, aber ich denke schon, dass der Hund ein generelles Gefühl dafür kriegt, ob der Halter ihn nur in Situationen schmeißt, in denen ihm nichts passiert - und deshalb mit Halter im Rücken auch buchstäblich durchs Feuer gehen würde. Oder eben auf der anderen Seite das Gefühl kriegt, dass der Halter oft falsche Entscheidungen trifft und dass man sich nie sicher sein kann, in welche missliche Lage er einen als nächstes dirigiert.

  • Das setzt aber voraus, dass er sich an den Halter wendet... oder dieser ihm schon gezeigt hat, dass er ein Ansprechpartner ist, wenn es um Konflikte geht. Woher soll der Hund das denn sonst wissen - er glaubt ja er muss es alleine tun.

  • Danke schon mal für eure Beiträge.

    Eine Meinung gebildet habe ich mir immer noch nicht. Aber ich habe mir mal ein "menschliches Analogon" überlegt:

    Eine Freundin lädt mich abends zu sich zum Filmabend ein. Auf dem Rückweg von dort werde ich ausgeraubt.

    Denke ich mir dann "Du (also meine Freundin) bist schuld, dass ich jetzt ausgeraubt worden bin."? Ich finde diese Überlegung (aus menschlicher Sicht) völlig unlogisch. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Fertig. Mit meiner Freundin oder der Örtlichkeit an sich, hat das doch gar nichts zu tun. Oder sehe ich das falsch?

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