Junkieverhalten!! Wieso zum Henker soll das normal sein??

  • Vor einiger Zeit hatten wir 'woanders' mal das Thema, ob es möglich ist das Suchtobjekt umzukonditionieren vom Jagdobjekt zum Such-Objekt.
    Ein Hund, der auf ein bestimmtes Spielzeug sehr stark fixiert war sollte umkonditioniert werden auf die Zielobjektsuche.
    Die Frage war, ob und wie, ein Training zum gewünschten Erfolg führen könnte.
    Dazu gab es geteilte Meinungen und unterschiedliche Erfahrungen.

    Ich stelle mir vor, dass ein Hund, der mit anspruchsvoller Nasenarbeit ausgelastet wird, zumindest annähernd von seiner Sucht befreit wird.

  • Nein, heilen wird sich da nichts von allein, das ist mir bewusst.

    Nur weiß ich nicht, wie ich einen Hund beschreiben soll, der, wenn sie besagten Ball auch nur in weiter Ferne fliegen sieht, vollkommen nicht mehr ansprechbar wird. Ich hab ja beschrieben, dass sie sich eigtl. nicht weit von mir weg bewegt, gut im Gehorsam steht und auch an der Impulskontrolle arbeiten wir im Alltag. Aber wird etwas geworfen, setzt alles in ihr einfach aus (sie hätte auch mal den Abflug über eine Steilklippe gemacht, weil unten am Strand ein Ball flog, war aber zum Glück an der Leine). Ein Trainer, den wir zu dem Thema befragt haben, meinte, dass ihr Verhalten nicht mehr nur Sucht sein könnte, sondern eine Zwangshandlung/störung; dann müsste man Psychopharmaka anwenden, um den Hund überhaupt trainieren zu können.
    Zusätzlich ist sowas zu trainieren einfach sch...., wenn dir der Hund anschließend Mülleimer zerlegt, Bücher zerstört, auf der Suche nach Kekskrümeln Klamotten zerfetzt, mein Handy musste damals auch dran glauben. Einen Hund der, wenn er sowas nur sieht (an der Leine, kurz) anschließend so gestresst ist, will man auch nicht trainieren, auch wenn der Rest der Welt von Impulskontrolle redet. Das ist grausam, dem Hund und dir selbst gegenüber. Stattdessen wohnen wir jetzt in Alleinlage mitten im Wald, hier fliegen nur Vögel und Schmetterlinge und die machen nichts.

  • Hm unsere gibt den Ball im Spiel anderen Hunden, akzeptiert wenn andere den Ball haben und nicht her geben und hält Distanz. Es haben sogar Hunde es schon gebracht den Ball aus ihrem Maul zu ziehen :hust:

    Der Ball ist aber durchaus hoch interessant. Klar schaut die mich erwartungsvoll an und kreist um mich wenn wir einen einsamen Wanderweg entlang gehen wo ich normalerweise werfe. Sie erwartet das geliebte Spiel. Ich habe den Ball genutzt um ihr extremes Interesse an Hunden das an der Leine echt stressig wurde um zu lenken. Ich sag immer es ist ihr "Wutball" auch wenn sie nicht wütend ist^^ Heute brauche ich das nicht mehr. Habe den Ball nur noch dabei wenn ich weiß wir trainieren oder ich werfe.

    Wir haben unsere festen orte und strecken für solche Spiele. Ich beginne das Spiel, ich beende es. Wenn ich ihn einstecke schaltet sie vom Spielhund in den Schnüffelhund. Natürlich sieht sie den Ball erwartungsvoll an wenn ich ihn in die Hand nehme. Und sie trägt ihn oft auch lange, meist wenn sie ihn hoffnungslos ein gesaut hat. Sie liebt es ihn erst ins Wasser rollen zu lassen und dann danach zu tauchen.

    Sie ist aber nicht Kopflos, sie kann Unterordnung machen auch wenn der Ball wo liegt, ich kann sie vom Ball abrufen während sie auf dem Weg dorthin ist. Sie hat ihn im Haus immer zur Verfügung und holt ihn besonders bei Hundebesuch. Erwachsene Hunde jagen ihr den ab ohne das es streit gibt.

    Ich kann den Ball zwischen ca 100 Hunden am Strand werfen (Vereinsveranstaltung) alle frei laufend und nicht ein einziges Mal gab es streit. Ein mal wurde er ihr geklaut und sie stand hilflos vor dem anderen Hund da sie keine Distanzen überschreitet, ich musste diesen für sie wieder holen. Habe ich den Ball weg gesteckt wird mit Hunden interagiert auch mit Ball interagiert sie, macht mit Ball im Maul Spielaufforderungen denn sie lässt sich gerne jagen und umgekehrt.

    Ich weiß nicht? Ist unsere ein Junkie? Weil sie das Ball apportieren liebt? Ich den Ball genutzt habe um, um zu lenken in bestimmten Situationen, was ich nun nicht mehr brauche.

    Sie danach schaut wenn wir auf bestimmte strecken laufen ? Es aber auch hin nimmt und schnüffelt wenn ich den Ball in der Tasche lasse? Ihn lange trägt?

    Ist sie damit schon ein Junkie? da sie weder gestresst ist noch streit anfängt sondern sogar mit Ball im Maul Kontakt sucht sehe ich sie eher als glücklich mit dem Ding.

    Die Ablage klappt auch wenn ein andere gerade seinen DSh in den trieb auf Spieli bringt.

  • Nein @Rotti03 dein Hund ist so wie du ihn beschreibst noch weit weit entfernt von einem Balljunkie. Mein erster Hund hat auch gern Ball gespielt, sogar recht häufig. Ohne das man darüber nachdenken mußte. Wenn er Ball spielen wollte, dann spielte er damit.
    Bei Ted muss ich wirklich kontrolliert spielen. So einfach nebenbei laufen wie mein erster Hund wird er nie. Obwohl er lieb, verträglich und ganz brav ist. Er neigt einfach stark zum überdrehen. Da muss ich einfach gut aufpassen wie es ihm gerade geht.

  • aber nur spazieren

    Wieso eigentlich "Nur"?

    Das fällt mir so oft auf, überall heißt "mach was, mach was, auslastung, auslastung!" aber der heutige Alltag ist ein deutlich höhere Belastung für den Hund als noch vor 20 Jahren.
    Früher kam Besuch und der Hund wurde in den Zwinger/Keller/Schlafzimmer gesperrt. Möglichst weit ab halt. Heute bleibt der Hund dabei. Was eine Kakaphonie an Geräuschen und Gerüchen, soviele verschiedene Menschen zum Beobachten!
    Früher blieb der Hund zuhause wenn man arbeiten ging. Heute kommt er mit oder wird zum Hundesitter gebracht, also Autofahren oder gar die Öffis. Wieder Input für den Hund.
    Früher hatte man seine Gassistrecke, oft war es eh immer diesselbe. Heute hat der Hund gleich 5 Stammstrecken, dazu jedes WE nochmal woanders hin.

    Und da wird nach noch mehr verlangt?

    Der Hund an sich ist ein Nasentier. Aber wenn man den Hund durch die Wiesen schleift, hier hin, dahin, hier ein wenig UO, da ein wenig Apportieren, hier dann etwas Wald-Agility, wie soll der Hund denn mal entspannen?
    Auch mal gemächlich gehen, sich 10 Minuten an einer Stelle verschnuppern, sich hinsetzen und das Land beobachten, das können anscheinend viele Hunde nicht mehr.

    Wenn ich mit meinen Hunden unsere übliche Strecke laufe erfreue ich mich an dem bisschen Landschaft. Ich betrachte die Baumreihen hinterm Feld, atme durch, atme auf. Ich sehe meinen Hunden dabei zu wie sie mal hier mal da schnuppern, zwischendurch toben, stoppen weils da so interessant riecht... Ich erfreue mich daran wie aufmerksam sie sind, das sie beobachten was um sie herum geschieht.
    Wenn wir dann nach nichtmal ner Stunde wieder zuhause sind habe ich zufriedene Hunde die erstmal ihre Plätze suchen und dann die nächsten Stunden dösen und schlafen.
    Das ist für mich völlig normal, egal welcher Hund.
    Aber zu oft wird anscheinend ein "ruhiger Spaziergang" mit Langeweile gleichgesetzt. Nun, wir mit unseren armseligen Sinnen werden auch nie in die Welten unserer Hunde eintauchen können, leider. Aber wir wissen doch wie unsere Hunde die Umwelt erfassen, wie kann man denn dann von "nur" reden?

  • Also wir haben auch unterschiedliche strecken aber ich mache nichts auf Spaziergängen außer feste orte zum Ball werfen. Aber auch nicht immer, kommt drauf an wie die Laune ist. Bei Besuch ist sie auch dabei aber hat ihre Ecke wo sie hin gehen kann. Ich weiß ja nicht wie viele Menschen bei anderen durchs Haus toben aber bei uns kann man die die unser Haus betreten an einer Hand abzählen. Einzig Geburtstage sind Anstrengend. Und nein ich sperre den Hund nicht weg aber ich gebe Raum zum freiwilligen ausweichen.

    Ich habe trotz UO, Unterricht, Pferdestall, Fährte, Neffen udn Nichten Aktion keinen gestressten Hund. Die ist so cool die pennt während der Grillfeier auch ein. Und auf Spaziergängen kann es passieren das es neben mir plumps macht udn wauzi durchs Gras schrabbt.

    ich denke jeder Hund verträgt eine andere Menge Aktion und die art und weise.

  • Wieso eigentlich "Nur"?

    Das fällt mir so oft auf, überall heißt "mach was, mach was, auslastung, auslastung!"


    Weil es eben Hunde(rassen) gibt, denen "nur spazieren" einfach zu langweilig ist, sie sind unterfordert. Wenns dann auch noch immer die gleichen Strecken sind, verblödet Hund einfach, verkümmert ... das kann zu Verhaltensstörungen führen, das intelligente Lebewesen bäumt sich auf ... und dann hat Halter ein Problem.

    Trödelige Spaziergänge sind herrlich für Hund und Halter, da gebe ich Dir recht - mach ich auch regelmäßig mit Charly. Da treffen wir niemanden, da wird kein Dummy geworfen, nix geübt, sondern wir trotten einfach gemächlich dahin, bleiben hier mal da stehen, ich setz mich auf eine Bank und beobachte das Grün usw. er fordert dann auch nix, schnuffelt in sich gekehrt, bleibt auch mal sitzen - wir relaxen beide und genießen die Zeit und die Natur, die wir haben.

    Ich bin auch kein Halter, der meint, den Hund laufend zu bespassen, auszubilden, seiner genetischen Veranlagung her täglich zu beschäftigen. Aber Abwechslung mag nicht nur ich, sondern auch mein Hund. Und das er bestimmte Sachen aufgrund seiner Rasse besonders gut kann, nutze ich natürlich - es macht ihm riesen Freude Dinge zu apportieren - da merkt man richtig: DAS liegt ihm im Blut, dieser Eifer, das glückliche Funkeln in seinen Augen, kann durch nichts anderes erreicht werden, nicht mal durch den geliebten Hundekumpel, der zufällig des Weges kommt und mit dem er dann natürllich auch gerne spielt. Aber Dummy "einholen" - aus Fluss und Feld - ist und bleibt für Charly der Hit.

    Es wäre schade, wenn er einfach "nur" durch simples Spazierengehen beschäftigt würde, meinst Du nicht?

    Sicher gibt es Hunde, denen genügt das vollkommen - aber eben nicht allen - vorwiegend den spezialisierten Rassen nicht.

  • der normale hund aber kriegt heute eher zu viel auslasung, weil man eben neben dem gassi noch hundeschule, hundesport, training zu hause, besuch, hundebesuch, fahren in öffentlichen verkehrsmittel, restaurantbesuche, mit auf arbeit nehmen usw. macht.

    ich ganz ehrlich mache "nur" spaziergänge, wobei ich auch ein äusserst reaktiven hund habe, da wäre zusätzliches programm einfach zu viel. aber in der natur findet der hund doch immer etwas interessantes, gerüche, tiere usw...


    die symptome einer überbelastung ähneln sehr stark derjenigen einer überbelastung. das ist wirklich schwer herauszufinden wo das genau richtig liegt.

  • ich denke jeder Hund verträgt eine andere Menge Aktion und die art und weise.

    Ja. Aber dennoch ist der Ruf nach Auslastung so laut das viel zu oft das Individuum Hund dabei untergeht.

    Sicher gibt es Hunde, denen genügt das vollkommen - aber eben nicht allen - vorwiegend den spezialisierten Rassen nicht.

    Ja. Aber grade den spezialisierten Rassen würde weniger oft gut tun.
    Vor lauter "Auslastungswahn" kommen die Menschen garnicht mehr dazu mal nachzudenken. Welcher Jäger macht soviel Aufwand mit seinem Retriever?
    Welcher Schäfer macht so einen Terz mit seinem Border?

    Inzwischen ist man so weit das man den Hunden Ruhe beibringen muss. Da schütteln doch einige langjährige Rassehalter die Köpfe! Das ging früher nebenbei von ganz allein, weil eben nicht so ein "Geschiß" gemacht wurde.

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