Austausch: Halter mit (vollständig) unverträglichen Hunden

  • @SamuLeo: Ich denke nicht, dass er das 'vermisst' - denn genau das, was Du beschreibst ist eigentlich Stress für den Hund. Ein Hund strebt i.d.R. eher danach, dass es eine Führung gibt - denn selbst die Führung übernehmen bedeutet sehr viel Verantwortung und bei unsicheren Hunden auch Überforderung.

    Für die Bindung könntest Du auch schauen - ob ihr 'gemeinsam' schnüffeln könntet - also dass Du z.B. was 'findest' und ihm das zeigst und dann darf er es fressen.
    So, dass ihr ein 'Team' bildet.
    Oder wenn Du Leckerchen in einen Baum steckst und mit ihm dann guckst, wo denn was zu finden ist... .

    Ich denke immer - der stete Tropfen... höhlt den Stein... - also auch, wenn Zoey auf einmal wieder eine echt schlechte Phase hat... versuche ich einfach durchzuhalten.
    Das kostet natürlich Kraft und ist nicht einfach, kenn' ich echt sehr gut... .

    Wenn er aber schon Spiele mag und mitmacht - ist doch super! Da kannst Du ja schon einen Fuß in der Tür. :)

  • Wir sind umgezogen (1 Dorf weiter |) ) und am Freitag war ich auf einem Auffrischungskurs Aufbau Abbruch.
    Hat der Kröte gut getan, mal wieder so eine begleitete Auffrischung - es schleichen sich doch gerne mal Fehler ein.


    Auf jeden Fall, seit dem Umzug letzte Woche kein gepöbel. :hurra:
    Gestern konnten wir sogar Kreuzen auf 3m (eigentlich ist das schon unter ihrer Wohlfühldistanz).

    Ich wäre so happy, wenn jetzt endlich ein weiterer Knoten geplatzt wäre. :dafuer:


    Eigentlich habe ich ein Wochenendtraining für Ende März gebucht gehabt, aber wenn das jetzt so bleibt, dann sag ich das ab :applaus: .

  • Huhu!
    Ich komm im Moment kaum dazu hier mitzulesen. Mag aber gern, auch so verspätet jetzt noch kurz antworten:

    Leo wollte gar nicht aus dem Auto, er hat gezittert und war sehr ängstlich. Er kennt die Strecke und weiß wohl noch das wir dort immer auf viele Hunde treffen.
    ...
    Ich dachte wenn er merkt das keiner kommt wird er ruhiger.....war aber nicht so.
    Er war mega ängstlich, kaum ansprechbar hat nirgens genschnuppert und hat in den 40 Minuten die wir gelaufen sind nicht einmal gepieselt. Er wollte nur heim.
    ...
    Ob wir das mit der Bindung je hinbekommen weiß ich auch nicht.....


    Ich kenne es von Ayu auch, dass er an Orten wo er stressige Erlebnisse/zu nahe Hundesichtungen hatte über Monate hinweg, ohne das nochmal etwas passiert, angespant und schwer ansprechbar ist.

    Das krass schlimmste was ihm bei mir passiert ist war, dass er hier auf der Insel angegriffen und in Kopf und Hals gebissen wurde. Bis dahin hab ich sehr ehrgeizig und mit schnellen Erfolgen mit ihm an seinem Hundeproblem gearbeitet. Das hab ich auch danach noch ein paar Tage weiter versucht, versucht irgendwie dort wieder anzuknüpfen wo wir schonmal waren.
    Aber Ayu wollte einfach keines Falls mehr in ihm als hundereich bekannte Gegenden und schon überhaupt nicht mehr auf die Insel (bis dahin immer unser Gassigebiet).
    Er machte seine Angst und Überforderung so deutlich, dass ich es nicht übersehen oder ignorieren konnte. Er presste sich quer vor mich an meine Beine, wenn es in die schlimme Richtung gehen sollte. Sein ganzer Körper flehte förmlich umzukehren. :verzweifelt:
    Also hörte ich auf ihn. Wir kamen lange Zeit kaum bis auf, oder gar über die Inselbrücke und wenn dann laaange nur nachts, in völliger Ruhe.
    Wir gingen so weit, wie Ayu klarkam. Mal ein Haus weit, dann zwei, und saßen zig Stunden auf Treppenstufen.. Er schaute und futterte. Mehr ging hier in der Gegend nicht mehr ohne ihn massiv zu stressen.

    Was ich aber eigentlich mit all dem sagen will: Mein Eindruck ist, dass genau dieses auf ihn hören, seine Angst ernst nehmen und unsere Wege nach ihm und seinen Möglichkeiten komplett umverlegen, ihm massig Vertrauen zu mir gegeben hat. Ich dachte schon vorher, er habe eine ganz gute Bindung zu mir. Aber in dieser Zeit machte sie einen riesigen Satz. :herzen1:

    Keine Ahnung, ich nehme an es gibt Wege um schneller bestimmte Trainingsziele zu erreichen, als den den wir seit dieser Zeit gehen. Man weiß es nicht.
    Mir aber auch gleich!
    Ich will Ayu nicht überfordern!
    Ich will genau diesen lockeren, fröhlichen Hund, der er ist, wenn wir den Abstand immer so einrichten, dass er wirklich gut klarkommt.
    Wir haben enorm viel mehr Nähe zueinander dadurch gewonnen. Jede Wanderung ist schön für uns beide.
    Das will ich. Das ist mir das wichtigste.
    (Mein Ehrgeiz in ehren ;) Aber er ist nicht Ayus Problem. :D )
    Wir werden auch wieder intensiver trainieren als in letzter Zeit. Aber das was zwischen uns in dieser Ruhe gewachsen ist, ist so kostbar und schön. Ich werde mich sehr bemühen seinem gewachsenen Vertrauen gerecht zu werden und es nicht zu gefährden.

    Hm, jetzt klingt das so pathetisch. Sorry! Das wollte ich nicht. Bitte versucht meine eiligen Sätze nüchterner zu lesen. xD

    Noch etwas um die Langsamkeit zu verbildlichen: Ayu fand das dicht gedrängte Wohngebiet hier gruselig. Alles 30er Zonen Spielstrassen voller parkender Autos und Kinder und Katzen und... Sehr unübersichtlich.
    Wir haben es uns ewig langsam ertastet. Wenn er nicht mehr locker im Fuß neben mir gehen konnte, bin ich mit ihm stehen geblieben und habe ihn schauen lassen, bis er wieder beruhigt genug war. Er lehnte sich dann an mich, ich legte den Arm um ihn und er schaute. Sonst nichts. Ayu fand ja auch Menschen doof. Aber in dieser Zeit hat seine Art hier zig Herzen gebrochen und nun lächeln die meisten dort wenn sie ihn sehen. Sie bewegen sich freundlich un behutsam auf ihn zu/ um ihn herum und das macht es ihm wiederum ziemlich leicht.
    Seine Gräuschepanikausbrüche wurden zu Geräuschangst und ...sind heute, nach gut 1,5Jahren, die er bei uns lebt, praktisch ganz verschwunden. Ohne Mühe. Ohne absichtlich daran zu arbeiten. :ops:
    Wir sind schneckenlangsam. Vermutlich. Aber es gibt keinen Druck mehr in meinem Kopf und damit auch nicht für Ayu. Es kommt, wenn es kommt. Es geht voran. Es ist schön so wie es heute ist!

    Ich halte diesen Weg nicht für das Patentrezept. Es ist halt unserer und ich mochte ihn an dieser Stelle teilen. ;)

    Alles Gute @SamuLeo ! :winken:

  • Ich mache fleissig meine Tagebuch-Eintragungen für Vicky, ihre "Noten" schwanken hin und her.

    Aber irgendwie gibt sie mir trotzdem Rätsel auf:
    WILL sie zu andern Hunden oder hat sie Angst und geht deshalb so vehement und aggressiv (beisst) nach vorne?

    Gestern begegneten wir u.a. einer Labrador-Hündin hier aus dem Quartier, die Hündin war also nicht völlig fremd für sie. Der HH wählte jedoch einen andern Weg und ging voraus, ich konnte Vicky ablenken und beruhigen. Trotzdem fiepte und zog sie energisch hinter der Hündin her, wollte immer wieder umdrehen und an der Gabelung denselben Weg nehmen, den die Hündin genommen hatte.

    Sie kam mir also nicht vor, als ob sie denken würde "ufff, Gefahr gebannt, sie ist weg", sondern im Gegenteil "ich WILLLLL aber unbedingt zu Mira!" Weshalb? Um sich mit ihr zu prügeln?

    Ich kann ihr Verhalten ja nicht "testen" und sie einfach laufen lassen... aus anderen Situationen weiss ich aber, dass sie bei Freilauf zu einem fremden Hund hinrennt und sich kläffend auf ihn stürzt und auch zubeisst.
    Vor 2 Wochen hing sie mal wie eine Löwin auf der Gazelle auf dem Rücken eines Beagles und wollte ihn "zerfleischen"... so sah es jedenfalls aus. Mit ihrem filigranen Köpfchen hat sie jedoch nicht viel Beisskraft, d.h. sie hat noch nie einen Hund verletzt, aber die Absicht zählt.

    Ja, was denn jetzt? Hat Vicky Angst oder ist sie einfach schlicht aggressiv?
    Wie gesagt mit ihr bekannten Hunden geht es auf gemeinsamen Spaziergängen gut, da kümmert sie sich kaum um die andern und geht ihres Weges.

  • Ich würde das mal bei einem Trainer für verhaltensauffällige Hunde testen lassen.

    Mir hat das damals viel weiter geholfen zu wissen, aus welcher Motivation der Hund das tut.
    Da kann man auch die Reaktionsreihenfolge besser abschätzen (nächste Eskalationsstufe).
    Für dich vielleicht auch wichtig, welche Managementvariante du wählen musst.


    Schon alleine das sie auf dem Beagle hängen konnte. Wie hat den der Beagle reagiert?
    Wie reagierst du da?
    Von einem souveränen Hund hätte sie sich einen ordentlichen Einlauf abgeholt (zu recht!).
    Andere Hunde als Gewöhnung nutzen ist das eine, aber das sollte nie auf kosten des anderen Hundes passieren.

    Dieses anschliessende Hinterherlaufen, kann vielleicht auch nachschnüffeln sein. Alma macht das auch und die ist Unsicherheitsmotiviert. Weil sie ja keinen Kontakt haben will und soll, lass ich sie immer nachschnüffeln. Das ist wie indirekter Kontakt und auch ein wenig den "Feind abklären".

  • Ja, vielleicht sollte ich das wirklich mal in Betracht ziehen. Ich mache mich mal auf die Suche nach einem mobilen Trainer.

    Es ist bei ihr nur teilweise Hinterherschnüffeln (tut sie auch immer), aber bei Mira war es wirklich ein "Dringend-Hinterher-Wollen" mit fiepen und abdrehen. Sie kletterte sogar eine Böschung hoch, weil sie auf den andern Weg wollte, eben der Labbi-Hündin hinterher.

    Beim Beagle-Zwischenfall waren wir alle überrumpelt, denn das war ein Ferienhund, der normalerweise nicht an dieser Hausecke steht. Er war vom Gebüsch verdeckt, wir waren also alle überrascht und nicht auf die Situation vorbereitet.
    Auch der Beagle bellte natürlich heftig. Ich pflückte Vicky von seinem Rücken weg und ignorierte sie anschliessend. Sie maulte aber noch auf dem ganzen Heimweg (das war nur 50 m von unserem Haus entfernt, spielte vermutlich auch noch eine Rolle).

  • Also... das hinterherziehen kann natürlich auch sein "Jetzt verpasse ich der Ollen mal richtig was und zeige es ihr!" - das merke ich bei Zoey auch z.T. - wobei sie eben hauptsächlich wirklich definitiv unsicher ist.
    ABER sie kann eben auch anders und rumort dann ordentlich in Rage herum - meistens fühlt sie sich provoziert durch irgendwas.

    In der schlimmen Phase bellte sie einfach los, wenn auch ein Hund ignorierend an ihr vorbeiging...

    Zoey schnüffelt grundsätzlich auch immer nach und starrt z.T. hinterher.

    Wir sehen halt so viele Dinge nicht, die Hunde aber wahrnehmen... . Wer markiert wo, wer gehört zusammen etc. ...
    ich erkläre es mir einfach so, dass manche Hunde sich z.B. echt 'nicht riechen' können - sich aber wahrnehmen.

    Zoey z.B. dreht ja z.T. völlig durch und hat nen Iro und knurrt, wenn sie nen Erzfeind riecht - der nirgends für mich zu sehen ist.
    (Dann ist sie so aufgeladen, dass sie teils auch jmd. anbellt, der des Weges kommt - denn die Energie 'muss ja raus' - wenn ich es nicht rechtzeitig schaffe, sie abzulenken)

    Manchmal denke ich auch - wenn Zoey "sicher/selbstbewusster" wäre, hätte sie das hinterherkläffen usw. gar nicht nötig sondern wäre sich ihrer selbst bewusst und ihrem 'Stand'.

    Souveräne Hunde haben sowas ja gar nicht erst nötig hinterherzumotzen... .

  • Ja, was denn jetzt? Hat Vicky Angst oder ist sie einfach schlicht aggressiv?

    Die Frage hatte ich bei Ayu zu Anfang auch.
    Einerseits ists für ihn rassebedingt nicht so leicht auszuweichen. Andererseits wurde aber auch deutlich, dass er nur so "zwanghaft" nach vorn ging, wenn die Entfernung zu seinem Grusel für ihn zu klein war. Dann gab es in seinem Kopf nur noch die Option des Angriffs. Hatte er mehr als damals 130 Meter Abstand, war seine Körpersprache eine ganz andere! Immernoch angespannt, hoch aufmerksam, aber nicht schlicht auf Angriff gebürstet, sondern auch nach rückwärts.

    Ich finde es ebenfalls eine gute Möglichkeit, einen in diesem Bereich kompetenten Trainer drauf schauen zu lassen.

    Außerdem mag ich die DVDs "Das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes" empfehlen. Ich glaub die lohnen sich einfach für jeden und grad bei solchen Fragen, find ich sie super.
    Und bei Ayu hat mir viel gebracht ihn zu fotografieren und ihn mit mir fotografieren zu lassen. In ganz unterschiedlichen Situationen und mir dann die Bilder später im Detail anzusehen.
    Es ist immernoch verblüffend für mich wie viel ich so überdeutlich sehe, was mir in der Bewegung, in der Situation entgeht.

  • Hi

    Heute hab ich es endlich mal wieder geschafft mit Leo alleine Gassi zu gehen.
    Samu hat es ziemlich erwischt mit Magen-Darm. Deshalb hab ich ihn mit meinem Mann losgeschickt für eine kleine Runde und ich bin mit Leo losgelaufen.

    Ich hab mit seiner Lieblingstrecke an gefangen und er hat sich nicht einmal nach Samu umgeschaut und er war ziemlich entspannt und sehr gut ansprechbar.

    Da heute das Wetter nach langer Zeit mal wieder gut war durften wohl die "Gutwetterhunde ;) " auch mal wieder raus. Also wir haben gleich auf einem Gartengrundstück (umzäunt) einen Rottweiler angetroffen. Ich hab Leo hochgenommen aber er war diesmal nicht so gut zu beruhigen....allerdings weiß ich auch warum....ich hatte selbst etwas Angst und das merkt er sofort :ugly:
    Ich hab dann überlegt was ich mache hab ihn weiter beruhigt und hab all meinen Mut zusammengenommen und bin fest entschlossen vorbei gelaufen. Das kam wohl bei Leo an....er blieb ruhig auf meinem Arm.

    Hab dann ein paar Minuten später eine Bekannte getroffen die mir sagte das der Rottweiler vom Besitzer mit Leinenschlägen erzogen wird und sein vorheriger Rottweiler schon Menschen und Hunde verletzt hat. Also wenn ich den das nächste Mal sehe..... :flucht:

    Wir haben noch einige Hunde hinter Zäunen getroffen und ich hatte Leo gut im Griff....das wichtigste scheint wohl für ihn zu sein das ich ihm erstmal Zeit zum beruhigen gebe bevor ich vorbei laufe....also alles immer langsam angehen.

    Was mich auf jeden Fall schonmal freut ist das er ohne Probleme und mit Freude allein mit mir Gassi gegangen ist! :applaus:

  • @SamuLeo Da hattet ihr doch einen erfolgreichen Spaziergang!
    Das freut mich für euch.


    Gib dir und Leo die Zeit zu beruhigen (die Zeit den Hund an die Konfliktsituation zu gewöhnen nimmt man sich viel zu wenig im Alltag, weil man denkt blooooss schnell durch. Es hilft oft mehr sich der Situation bewusst zu werden.) und dann tief durchatmen und entschlossen am anderen Hund vorbei mit Leo auf dem Arm.
    Das kommt gut, wirst sehen :gut: .

    - - - - - - -

    Wir sind jetzt 13 Tage pöbelfrei :hurra: :hurra: :hurra:
    Gestern hatten wir nen pöbelnden Chi am Gartenzaun und Alma hat nicht mal geknurrt. Geguckt, abgewendet und Kekse abgeholt.
    Ich will das es so bleibt.... BITTE!!!! :gott:

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!