Belohnung/positive Bestärkung bei NICHT verfressenem Hund?

  • Hallo!

    Ich habe ein kleines Problem und hoffe, ihr könnt mir ein paar Tipps geben :)

    Wir (junges Paar) haben seit zwei Tagen eine Mischlingshündin aus dem Tierheim (ist wohl auf jeden Fall Deutsch-Drahthaar, also Jagdhund drin). Sie ist ein Jahr alt und eine Seele von Hund. Hat sofort begriffen, was ihre Decke ist und legt sich genau da hin, wenn wir reinkommen. Hat uns kein einziges Mal in die Wohnung gemacht (obwohl sie bisher nur Zwinger kennt), sondern nur draußen und lässt unseren Kater sogar aus ihrem Napf fressen, der direkt neben der Decke steht. Die Näpfe sollen eigentlich mal in der Küche stehen, aber sie traut sich noch nicht durch die ganze Wohnung. Sowieso ist sie immer platt, wenn wir vom spazierengehen kommen, wir konnten auch sofort mal die Wohnung ohne sie verlassen um mal kurz zum Rewe zu gehen, sie schläft fast nur, wenn wir zuhause sind.

    Sie versucht beim Spazierengehen nicht, vor mir zu laufen und wenn uns fremde Hunde entgegenkommen, weicht sie aus, wenn sie angepöbelt wird und freut sich, wenn der andere freundlich ist. Wasser findet sie herrlich.

    Wir werden sicher viel Spaß mit ihr haben, aber: sie ist nicht verfressen! Null! Die meisten Leckerli rührt sie nicht mal an. Das war schon im Tierheim so. Komplett unbestechlich, die Gute ;)

    Auch ihr Trockenfutter steht meist eine Weile, bis sie es frisst, nach dem dreistündigen Spaziergang gestern war es die Rohfleisch-Hundewurst, die endlich mal begeistert verputzt wurde, aber die kann ich nicht immer dabei haben, dazu ist die zu matschig ;)

    Unter Berührungen zuckt sie immer erstmal zusammen, bis sie es genießt. Wenn sie merkt, dass man auf sie “einwirkt”, also Geschirr an oder aus, Pfoten nach dem Spaziergang abtrocknen, bevor es ins Haus geht, wirft sie sich auf den Boden und rollt sich halb auf den Rücken.

    Wie sollen wir sie positiv bestärken? Wie ihr Dinge wie “Sitz” beibringen, wenn ein Leckerli über ihrem Kopf sie überhaupt nicht interessiert? Die meisten Ratgeber stellen auf Leckerli als Belohnung ab und Schmuseeinheiten dauern zu lange, bis sie sie genießt, als dass sie diese als Belohnung für die vorherige Aktion verstehen würde.
    Sie erschreckt sich des öfteren, weil sie noch so wenig kennt, wir bemitleiden sie dann nicht, aber wenn sie dann das nächste mal ruhig an z.B. einem Motorrad vorbeigeht, ist es schwer, ihr zu zeigen, dass das gut war :(

    Für einen Tipp wäre ich echt dankbar, ich möchte meine tolle Hündin so gerne so loben, dass sie es versteht :)

    Liebe Grüße,

    Lena mit Hanni

  • Die Maus ist doch erst zwei Tage bei Euch.
    Da hat sie andere Sorgen als fressen. ;)
    Meine ältere ist jetzt mittlerweile supergierig nach Belohnungen beim arbeiten. Aber als ich sie übernommen habe, hat sie draußen gar nichts angenommen.
    Das kommt mit der Zeit.

  • Lass sie doch erst mal richtig bei Euch zu Hause ankommen! Du musst jetzt noch nicht mit ihr Dinge üben und ein dreistündiger Spaziergang ist wahrscheinlich für sie viel zu lang - nicht nur für den Körper, sondern ganz sicher für ihre Sinne! Stell Dir vor, was in dieser langen Zeit alles für Eindrücke auf sie einwirken!

    Für später, wenn sie eine Weile bei Euch lebt und weiss, dass sie bleiben darf (!!!!) können "nichtverfressene" Hunde Freude an Leckerchen bekommen, wenn die Stückchen nicht ins Maul gesteckt sondern über den Boden vom Hund weggerollt werden! Das nachrennen, suchen und aufnehmen macht den allermeisten, auch absolut nicht verfressenen, Vierbeinern viel Spass! Ich habe in meiner Hundeschule etliche Hunde, die erst so Freude am Leckerchen bekommen haben und jetzt richtig toll bestätigt werden können!

    Ich wünsche Euch viel Spass mit dem neuen Familienmitglied!

    Liebe Grüsse Irène

  • Bei Maya kam die Freude an Leckerchen auch erst später. Auch heute heißt Leckerchen bei ihr: "Was so gut riecht und Frauchen so gut schmeckt, muss was tolles sein!" Also Käse oder Belag vom Brötchen etc.
    Aber wenn es ums Loben geht, nehm ich kein Leckerli, sondern das altbewährte "Fein!!!!" so 7 Oktaven höher. :lol: Da merkt man richtig, wie sie forscher und zufriedener voranschreitet... :D

  • Der arme Hund ist erst seit 2 Tagen bei Euch. Neue Leute, neue Umgebung, sie weiß nicht, wie Ihr auf was reagiert. Sie pennt den ganzen Tag, weil die gesamte neue Situation sie so herausfordert und anstrengt.

    Wenn ein Hund im Streß ist, wird er nicht (viel) fressen. Das würde erklären, warum der Hund noch recht zurückhaltend ist und nur gerade futtert, wenns Bäuchle schon heftig knurrt. Ist einfach noch unsicher.

    Ansonsten gibts hunderttausend Möglichkeiten, den Hund zu bestätigen: verbales Lob mit ruhigem Tonfall. Ihm das geben, was er gerade möchte. Das kann Schutz vor fremden Hunden oder Menschen unterwegs sein, im Gegenzug zu einem Hinsetzen am Rand, während diese passieren.

    Das kann auch sein, einfach aufzuhören, ihn "anzugrapschen". Der Hund ist noch ganz fremd, er mag es nicht, von Leuten angefaßt zu werden. Das bringt den Hund in Streß, weil er es eigentlich nicht mag, sich aber nicht zu wehren traut, weil er Euch noch nicht kennt. Ich würde warten, bis er von alleine kommt und um Kontakt bemüht ist, sich anlehnt etc. Dann könnte es auch eine Belohnung sein, nach dem Geschirr-Anziehen den Körperkontakt zu beenden und einfach nur rauszugehen, wo der Hund Pipi machen kann o.ä. Also das Beenden des Körperkontakts oder das Rausgehen selbst als Belohnung fürs Stillstehen und Berührung-Dulden beim Geschirranziehen. Hat der Hund Hunger und setzt sich auf Dein Kommando vorher hin, ist wiederum das Futter im Napf die Bestätigung.

    Will der Hund zu einer Person hingehen, laß ihn sich z.B. hinsetzen oder freu Dich über den Blick zu Dir, und gib dann als Bestätigung die Freigabe, zum anderen Hund zu gehen.

    Das alles sind sogenannte funktionelle Bestärker, alles, was der Hund gerade möchte, ist die beste Bestätigung, die er überhaupt kriegen kann. Hast Du Besuch, und der Hund zieht sich ins Körbchen zurück, weils ihm zu viel wird, ist die beste Bestätigung, ihn im Körbchen in Ruhe zu lassen.

    Du kannst auch gucken, was der Hund sonst gern mag: einen Ball holen, mit Dir ne Runde rennen, Zerrspiele, einen Gegenstand apportieren - was macht er so den lieben langen Tag daheim? Auch schnupperndürfen in der Wiese kann eine Bestätigung sein, z.B. für einen gelungenen Abruf: dann einfach wieder gehenlassen zum Schnuppern, aber nicht WEGschicken von Dir, sondern halt z.B. darauf aufmerksam machen, daß die Wiese interessant ist (indem ich ein Leckerli reinwerfe oder so - er muß es ja net futtern, aber er schnuppert dann halt).

    Auch, wenn der Hund mit Dir mitgehen darf, kann das eine Belohnung sein. Wenn z.B. meine Biene mal Ruhe gibt, nachdem sie ein Klingeln angezeigt hat, darf sie aufstehen und mir in die Küche folgen o.ä. Also Nähe zulassen als Bestärker (also nur, wenns der Hund haben will - wenn er das noch nicht mag, dann natürlich nicht, war jetzt nur ein Beispiel von uns! Nicht, daß Du jetzt nen Hund, der vielleicht lieber im sicheren Körbchen bleiben möchte, mit Gewalt mit in die Küche schleppst *gg Für Bienchen ist es halt das Höchste, dabei sein zu dürfen.).

  • Lass Sie erst einmal richtig ankommen :)
    Zum einsetzen unterschiedlicher Belohnungsvarianten gibts u.a. hier was zu lesen:
    http://markertraining.de/immer-nur-leckerchen/
    http://markertraining.de/verschiedene-b…-und-aufwerten/
    Eine Belohnung ist immer das was der Hund in der Situation am meisten möchte und das sind nicht immer Leckerchen (wobei ein futtermotivierter Hund das "Training" natürlich etwas "erleichtert") :)
    Lobst du sie denn auch verbal? Meine alte Hündin war anfangs nur mit Stimme zu motivieren und hat das als Bestätigung empfunden, wenn ich Sie "freudig" gelobt habe :"Klasse toll gemacht", "Feine Maus" etc. später kamen dann auch andere Belohungsmöglichkeiten dazu, nachdem ich Sie etwas beobachtet habe und geschaut habe wo ihre Interessen liegen und das dann für uns genutzt habe.

  • Mach dich doch einfach frei von dem " ich muss den Hund unbedingt belohnen" Ding.
    Zeig ihr in Ruhe euren Alltag. Es kann sich noch vieles ändern während der Eingewöhnung.


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  • Den Vorschreibern ist eigentlich nicht viel zuzufügen außer dass ich so Sachen wie Rückruf erst durch richtig gute Belohnung gefestigt habe - die Suche nach einem Gegenstand auf der Rückspur.
    Hund kennen lernen und schauen was den Hund belohnt ist sehr wichtig (und dauert mit unter auch lange).

  • Hui, erstmal danke für die vielen Tipps in der kurzen Zeit :) !

    Leckerlis wegrollen könnte tatsächlich funktionieren, fliegende Sachen interessieren sie garnicht, aber was sich über den Boden bewegt, wird gespannt beobachtet und ist ganz spannend....

    Keine Sorge, ich versuche noch nicht, sie auf "Sitz" zu trainieren, uns ist nur schon bei den "Beschnupper-Spaziergängen" im Tierheim aufgefallen, dass sie von niemandem, nicht mal von den ihr bekannten Mitarbeitern Leckerli nimmt und ich wollte mir schon mal ein paar Tipps holen, bevor ich damit anfange. Und ich zerre sie auch nicht durch die Wohnung, sondern lasse sie auf ihrer Decke in Ruhe, außer zum rausgehen ;)

    Ich bin schon total froh, dass sie fast nie an der Leine zieht (nur, wenn sie etwas ausweichen will, was ihr Angst macht), sondern ständig nach mir guckt. Aber sie verwirrt mich auch etwas, wenn sie dann wedelnd zu mir kommt und dann wieder wegzuckt... Sie ist halt meine erste eigene und ich möchte alles richtig machen :) deshalb frag ich ja ;)

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