"Trösten" oder nicht?

  • Ich unterstütze meinen Hund immer, wenn er unsicher ist, oder Angst hat. Diese Unterstützung sieht manchmal so aus (Tierarzt), dass ich ihm Körperkontakt biete, ohne ihn mit Worten zu "besänftigen". Wenn ich ruhig bin, wird er auch ruhig und lässt alles mit sich machen.

    Ich gehöre zu den bösen Hundehaltern, die ihren Welpen schon von Anfang an gezeigt hat, dass z. B. laut Geräusche was völlig normales sind. Hab z. B. eine Pfanne auf den Boden fallen lassen, Welpe schaute verdaddert, und ohne ihn dabei anzusehen, bin ich ganz ruhig zur Pfanne hin und hob sie auf. Als wäre es völlig normal, dass sowas passiert.

    Milo kam zu uns, als er 11 Wochen alt war. Am 12.12. . Da ging in der Nachbarschaft schon die Post ab mit Böllern und Raketen. Wäre ich auf seine Reaktion (Aufschrecken) eingegangen, dann hätte er heute vermutlich Schiss vor Böllern etc. Aber, da ich ihn ignorierte und einfach meinen Mist weitergemacht habe, hatten wir nie "Probleme" mit Krach.

    Lediglich am Silvesterabend, drei Wochen nach Einzug von Milo, war er dann schon ein wenig aufgeregt, sprang auf die Couch und verkrümelte sich ganz dicht an meiner Tasche. Da bin ich dann schon mal hin, setzte mich neben ihn ganz nah, aber beachtete ihn nicht weiter. Ein paar Minuten später, ist er mir dann auf den Balkon gefolgt und wolle selber gucken, was da draußen los ist.

    Als er kastriert wurde, simmulierte er total. Und ober offensichtlich. Ich konnte durch das Küchenfenster beobachten, wie er im Garten ganz normal pinkelte....stand aber mein Mann, oder ich daneben, dann "konnte" er ja nicht mal normal laufen, tat total leidig etc. So habe ich ihn motiviert z. B. zu seinem Fressnapf zu kommen, um zu fressen (den ersten Tag habe ich ihn noch gefüttert, weil er mit der Tröte "nicht dran kam". Denkste! Und wie gut das funktioniert hatte! Hat zwar Zuspruch gebraucht und etwas gedauert, aber, als er schnallte, er ist ja gar nicht soooo eingeschränkt, gings stetig bergauf. Am Dritten Tag hat er sich, trotz Tröte normal verhalten.

    Hätte ich da "eidi-deidi" gemacht, hätte ihm das überhaupt nicht geholfen :D

    Ich sag immer: "So viel, wie nötig. So wenig, wie möglich". Und damit sind wir persönlich am besten gefahren.

    Unsere Familien-Dackeldame war ein einziges Geräusche-Wrack. Weil meine Mum sie bei jedem Geräusch betüddelte, streichelte, ihr Bussis gab, sie umarmte...das volle Programm....

    Mit Sicherheit gibt es auch Hunde, die einfach ein Naturell haben, das sehr empfindsam ist und an das man nicht heran kann, nicht mit ignorieren, nicht mit betüddeln etc. Denke aber schon, dass es in den meisten Fällen so ist, dass man als Halter nur richtig reagieren muss, um seinem Hund Sicherheit vermitteln zu können, auf dass er die Angst vor gewissen Dingen verliert, oder gar nicht erst entwickelt.

  • Ich hatte letztens folgende Situation:
    Rüde missachtet wiederholt die Individualdistanz meiner Hündin, die warnt, droht und schnappt ihn ab.
    Der aufdringliche Rüde fiept und rennt zu seinem Frauchen.
    Wird von ihr empfangen, aber nicht nur auf Wunden untersucht, sondern in den höchstens Tönen bemitleidet, dass diese böse Hündin ihn verhauen hat.
    - Lernt der Hund so, dass er den Rüffel zurecht kassiert hat, weil sein Verhalten aus Hundesicht unhöflich/respektlos war?
    Er lernt: Ich geh mal ärgern, und wenn ich was kassiere, rette ich mich zu Mama - oder nicht?

    2. Gedanke:
    Meine Hündin Joy kommt aus dem Tierschutz. Sie hat gelernt, mitleidig zu gucken, weil dann alle lieb sind zu ihr, sich langsamer bewegen, in die Hocke gehen usw. Wenn jemand sagt: "Och, guck mal, die hat Angst" - macht sie erst recht einen Rundrücken und Dackelblick!


    Ich bin auch dafür, einen Hund zu bestärken, wenn er Angst hat, im Sinne von: da sein, Fels sein, Halt geben. Aber eben nicht betüddeln im Sinne von bemitleiden.
    Ebenso bei Verletzungen oder beim TA: Ich motiviere meinen Hund, sich besser zu fühlen, spreche ihn eher aufbauend, pushend an als "och herrje, komm mal her, du Armer".

    Man könnte auch die These aufstellen, dass das Bemitleiden vor allem der Mensch braucht, nicht der Hund :p

  • Zitat


    Ich gehöre zu den bösen Hundehaltern, die ihren Welpen schon von Anfang an gezeigt hat, dass z. B. laut Geräusche was völlig normales sind. Hab z. B. eine Pfanne auf den Boden fallen lassen, Welpe schaute verdaddert, und ohne ihn dabei anzusehen, bin ich ganz ruhig zur Pfanne hin und hob sie auf. Als wäre es völlig normal, dass sowas passiert.

    Nicht "wäre" - es ist normal! ;)

    Hunde trösten sich auch gegenseitig. Ich kenne eine Irish Setter Dame, die ängstlichen Hunden die Lefzen leckt, wenn die gerade vor irgendwas Angst haben.
    Ich finde es schön, dass der Trend des verkrampften Ignorierens langsam wieder abzunehmen scheint. Das hier sagt eigentlich schon alles:

    Zitat

    Ich tröste nicht im Sinne von "gutschi gutschi. Ach du armer Kleiner!" Sondern ich halte den Hund fest, geb ihm Nähe und strahle einfach nur Ruhe und "Alles ist ok" aus. Den letzten Satz sage ich vllt auch laut.
    Meine Hunde reagieren auf Körperkontakt sehr gut, werden ruhiger und es gibt ihnen Sicherheit.

    Das finde ich total schön. Bei uns wird gerade das Dach gemacht und Ylvi ängstigt der Baulärm etwas. Sie sucht dann meine Nähe und zittert auch mal. Wenn ich sie fest in den Arm nehme und ein bisschen kraule, hört sie auf zu zittern und entspannt sich.
    Ich wäre ja schön blöd, wenn ich das ignorieren würde.

  • Ich bin damals in die Hundehaltung mit dem Vorsatz gestartet Ängste, sofern sie auftreten sollten zu ignorieren.

    Ich habe einen sehr umweltunsicheren Hund bekommen, der die einfachsten Dinge scheinbar nicht kannte. Müllsäcke am Straßenrand oder komisch geschnittene Bäumchen im Vorgarten. Hätte ich da seine Unsicherheiten ignoriert, wäre es sicher heute eine Katastrophe mit ihm spazieren zu gehen. Gott sei Dank habe ich mich letztendlich auf mein Bauchgefühl verlassen und nicht auf irgendwelche Bücher in denen dieser Ignoranztipp sicher heute noch drin steht.
    Poco hat sich alles was ihm Angst gemacht hat mit meiner Unterstützung aus der Nähe ansehen dürfen. Die angstmachenden Dinge sind ihm heute völlig egal.

    Meine Rosie sucht in Momenten der Angst aktiv meine Nähe. Ich wäre herzlos wenn ich sie wegschicken würde. Eine Zeitlang hatte sie ein Problem mit großen Fahrzeugen (Busse, Lastwagen etc) und duckte sich richtig weg wenn einer kam. Mittlerweile haben wir das im Griff und auch da durfte sie immer meine Nähe suchen wenn sie sich fürchtete.

    Das gleiche gilt bei Schmerzen. Wenn einer Schmerzen hat (was GsD nur sehr, sehr selten auftritt) darf er ganz nah bei mir sein, weil es scheinbar tröstet.

    Meine Hunde sind keine Hunde die vor Silvester oder Gewittern Angst haben. Aber hätten sie es, dürften sie sehr wohl zu mir kommen und sich ihren Trost (in Form von Körperkontakt) abholen.


    Ich brächte es gar nicht fertig einen schreienden Welpen minutenlang zu ignorieren, ehrlich gesagt. Da hat man entweder Nerven aus Stahl oder ist im Grundwesen schon sehr unterkühlt.

  • Zitat

    Ich hatte letztens folgende Situation:
    Rüde missachtet wiederholt die Individualdistanz meiner Hündin, die warnt, droht und schnappt ihn ab.
    Der aufdringliche Rüde fiept und rennt zu seinem Frauchen.
    Wird von ihr empfangen, aber nicht nur auf Wunden untersucht, sondern in den höchstens Tönen bemitleidet, dass diese böse Hündin ihn verhauen hat.
    - Lernt der Hund so, dass er den Rüffel zurecht kassiert hat, weil sein Verhalten aus Hundesicht unhöflich/respektlos war?
    Er lernt: Ich geh mal ärgern, und wenn ich was kassiere, rette ich mich zu Mama - oder nicht?


    Ich würde mich eher fragen: Was lernen die Menschen daraus?

    Das Gerechtigkeitsding ist "Menschensache".
    FÜr mich ist der Rüde einfach frech und ich hätte keine Lust ihn zu erziehen oder von meiner Hündin erziehen zu lassen, nur weil sein Frauchen meint: Der tut nix muss mal spielen.

    Solche Teams umkreise ich weitläufig.

  • Zitat

    Folgendes: in der HS wurde Junghund von älterem Rüden gemaßregelt...dieser lief laut schreiend (er hatte aber keine einzige Schramme) zum Besitzer, der ihn tröstete (streichelte,auf ihn einsprach)Daraufhin wurde der HH von der Trainerin ermahnt, er solle das lassen u. ihn ignorieren. Das sehe ich anders...wenn mein Hund schutzsuchend zu mir kommt, dann ignoriere ich ihn doch nicht, oder? Also, bei mir kommen auch "tröstende" Worte oder Streicheln zum Einsatz...kommt halt auch auf die Situation an...wenn Eddy meint, er müsse mal den Larry raushängen lassen u. pöbelt einen anderen an, der dann daraufhin eine Ansage macht...dann ignoriere ich das Ganze auch schon mal...

    Ich könnte mir heute noch in der Arsch treten, dass ich den Leuten die solchen Mist von sich geben anfangs Glauben geschenkt habe. Resultat war dann eine Hündin, die bei Angst oder Unsicherheit im Zweifelsfall die Flucht ergriff statt bei mir Schutz zu suchen.
    Meine Hunde dürfen und sollen bei Angst und Unsicherheit immer zu mir kommen und werden dann beschützt. Beim Tierarzt dürfen sie wenn sie mögen bei mir auf dem Schoß sitzen während wir warten und wenn unsere Hündin bei einer Hundebegegnung Angst hat, kommt sie im Zweifelsfall auf den Arm, wo sie sofort entspannt und die Welt für sie wieder in Ordnung ist.

  • Zitat

    Ich könnte mir heute noch in der Arsch treten, dass ich den Leuten die solchen Mist von sich geben anfangs Glauben geschenkt habe. Resultat war dann eine Hündin, die bei Angst oder Unsicherheit im Zweifelsfall die Flucht ergriff statt bei mir Schutz zu suchen.
    Meine Hunde dürfen und sollen bei Angst und Unsicherheit immer zu mir kommen und werden dann beschützt. Beim Tierarzt dürfen sie wenn sie mögen bei mir auf dem Schoß sitzen während wir warten und wenn unsere Hündin bei einer Hundebegegnung Angst hat, kommt sie im Zweifelsfall auf den Arm, wo sie sofort entspannt und die Welt für sie wieder in Ordnung ist.

    ...In der HS wurde ich auch ermahnt, meinen Hund nicht zu trösten. Habe mir eine andere Hundeschule gesucht .... Zwischen meinen Beinen ist für mein Hund eine Schutzzone, hier darf kein Hund/Kind oder was sonst noch, in die Schutzzone (ca. 1m - was ich halt mit meinen Händen abschirmen kann) rein - Punkt! Es kommt auf den Hund darauf an, ob er eine solche Schutzzone braucht oder nicht. Ich hatte vorher ein DSH, der wollte und brauchte keine Schutzzone - auch nicht als Welpe. Es kommt auf den Charakter des Hundes an ...

  • Zitat


    Meine Hunde dürfen und sollen bei Angst und Unsicherheit immer zu mir kommen und werden dann beschützt. Beim Tierarzt dürfen sie wenn sie mögen bei mir auf dem Schoß sitzen während wir warten und wenn unsere Hündin bei einer Hundebegegnung Angst hat, kommt sie im Zweifelsfall auf den Arm, wo sie sofort entspannt und die Welt für sie wieder in Ordnung ist.

    So handhabe ich das auch Katrina :)
    Es kam zwar nicht oft vor in den vier Jahren seit ich Yard habe aber trotzdem hatten wir schon wenige Male die Situation dass ein größerer Hund auf uns zugestürmt kommt (Besitzer hält es nicht für nötig abzurufen).
    Ich lasse dann Yard die Entscheidung, denn er kann den Hund besser einschätzen als ich. Oft baut er sich dann vor mir auf, streckt die Brust raus - das scheint dem fremden Hund zu sagen "he mach mal langsam" denn die stoppen dann und warten ab bis Yard sich ruhig nähert.
    Falls sie das ignorieren bzw Yard sogleich bei mir Schutz sucht, habe ich kein Problem damit ihn hoch zu nehmen und find es recht bescheiden, dass es Leute gibt die darüber den Kopf schütteln - natürlich meist die, die selbst einen 40kg Hund an der Leine haben der so schnell von niemandem umgehauen wird....


  • Wenn sich Milo draußen vor irgendwas erschreckt, evtl so , dass er sogar mal wufft (bellen kann man das nicht nennen :headbash: ) dann schau ich nach, was ihn verstört hat, in 90 % der Fälle, ist es irgendein Gegenstand, der dort normalerweise nicht liegt/steht. Oder, Skulpturen in einem Park, in dem wir das erste Mal spazieren gehen. Da ignoriere ich nie, sondern gehe auf den Gegenstand zu, rufe Milo zu mir und lege sogar die Hand auf den Gegenstand etc. Und dann ist auch gut. Das sind jedoch Gegenstände. Ein Unwetter ist nichts, was ich meinem Hund zeigen kann. Ich kann es nicht berühren, oder ihn dorthin führen, es ihm zeigen. So ist mein Verständnis, dass man bei Geräuschen eher ignoriert, so tutl, als wäre (verzeihungl, ich wurde darauf hingewiesen... es IST nichts. :lol: Deutsche Sprache, schwere Sprache )Wenn der Hund sich natürlich unterm Tisch in den Boden graben möchte, dann würde ich ihn schon motivierend zu mir rufen und ihn auf etwas anderes lenken. (Allerdings nicht so, wie eine Freundin meiner Mutter, die sich am Silvesterabend zu ihrem Welpen unter den Tisch gelegt hat und ihn eine Stunde lang mit "feini-feini", krauli-krauli besänftigen wollte....) Nähe bieten, absolut! Aber, für mich bedeuten Streicheleinheiten Bestätigung und Bestärkung.....wenn mein Hund ein Häuflein Elend ist, zitternd unterm Tisch kauert, dann wäre es nicht meine Vorangehensweise, ihn noch darin zu bestätigen indem ich seine Angst "bestreichle".....aber, das sehen manche so, andere so..... bei unserer Dackeldame ist das nach hinten losgegangen...deshalb wollte ich das bei meinem eigenen Hund nicht so handhaben. Und wir fahren absolut perfekt damit. Liegt aber vielleicht auch an unserem Hund, der sich einfach dann auf mich einlässt und nicht "zu" macht.....

    Wenn mein Hund Schmerzen hat, dann bekommt er keine Sonderbehandlung von mir. Ich schone ihn, bin da für ihn. Er darf zu mir kommen, wenn ihm danach ist, darf meine Nähe spüren, aber, von mir würde niemals ein "Aaaaarmer Miiiiiiiiiiiiilooo, mei, bist Du ein AAAAAAAAAAAAAAAAARMER" tätschel-tätschel..... kommen. Vielleicht auch, weil ich selber Mitleid nicht abhaben kann. Mitleid macht die Situation nicht besser. Verständnis und motivierende Worte oder Handlungen, hingegen schon.

    Ich nehme da sehr gerne dieses Sprichwort: "Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben."

    Das ist jetzt auf den Hund übertragen extrem sinnbildlich, schon klar...aber, wenn ich für den Moment meinen Hund Trost spende, indem ich Mitleid mit ihm habe, dann kann er sich zukünftig nicht viel davon kaufen. Zeige ich meinem Hund, dass er mit nur ein wenig Unterstützung meinerseits, das Ding selber rockt, so wird er stärker aus der Situation rausgehen und beim nächsten Mal anders darauf reagieren.

    Vielleicht bin ich auch zu romantisch und völlig verkehrt...aber, bei uns funkt das.

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