"Trösten" oder nicht?

  • Huhu da draußen :)

    Habe heute mitbekommen wie jemand erzählte, dass sein Welpe geimpft worden wäre und danach drei Minuten gekrischen hätte. Die Besitzerin erklärte wie sie ihren Welpen natürlich ignorierte, damit er nicht noch mehr Angst hat - die Angst soll ja durch "trösten" nicht verstärkt werden.

    Wie seht ihr das?

    Ich "tröste" nicht - obwohl ich auch bezweifle dass ein Hund die Zuneigung als "trösten" und "ohje du armer armer Kleiner" interpretiert!

    Yard hat in Ungarn wohl keine gute Erfahrung mit "Tierärzten" gemacht, als er herkam hat er vor Angst auf den Behandlungstisch gepinkelt...
    Erst mit der Zeit, als er zu mir Vertrauen fasste konnte er sich ruhig untersuchen lassen.
    Ich bin ihm aber immer beigestanden, ich habe ihn beruhigend gestreichelt und an mich gedrückt. Das war für mich auch absolut der richtige Weg, denn heute lässt sich Yard 5min lange Blut nehmen ohne einen pieps, er schaut ab und an zu mir, dann sage ich ruhig etwas und er wartet weiter ab.

    Wie handhabt ihr das? Würd mich mal interessieren.

    Liebe Grüße

  • Ich schimpfe einen Welpen gar nicht erst, er versteht es ja doch nicht, was soll es also bringen!
    Und erst schimpfen, dann hinterher trösten ist pervers.
    Ein ängstlicher Hund wird unterstützt, natürlich, und nicht ignoriert.

  • Ich tröste nicht im Sinne von "gutschi gutschi. Ach du armer Kleiner!" Sondern ich halte den Hund fest, geb ihm Nähe und strahle einfach nur Ruhe und "Alles ist ok" aus. Den letzten Satz sage ich vllt auch laut.
    Meine Hunde reagieren auf Körperkontakt sehr gut, werden ruhiger und es gibt ihnen Sicherheit.

  • Ja, ich "tröste" meine Hunde definitiv! Dabei werden sie nicht mit Tüdelei überhäuft, sondern sie bekommen die Nähe die sie brauchen. Meine Hündin möchte nicht großartig angefasst werden in Stresssituationen. Ich halte einfach meine Hand an sie, das entspannt sie. Der Rüde ist da anders. Der versteckt sich bei Stress vor der Welt (meist bei mir) und bei ihm hilft nichts besser als ihn fest zu halten und dabei " Öhrchen knutschen".

    Zuhause hat er, warum auch immer, tierische Panik vor der Labeldruckermaschine. Da kommt er immer angerast und will auf meinen Schoß. Auch das gestatte ich ihm und halte ihn fest. Warum auch nicht? Hunde dürfen Angst haben, da ist es doch toll, wenn die Nähe und Zuneigung des Halters die Situation etwas angenehmer machen...

    Anfangs dachte ich auch, man dürfte Hunde nicht trösten, vonwegen Verstärkung der Angst und so. Herr Hund hat sich dann beim Surren des Druckers zitternd ins letzte Garteneck verzogen.

    Ich stell mir das gerne anhand ekner Spinnenangst vor. Stell dir vor, du musst mit einem Freund einen Gang lang. An der Wand hängt eine mega fette Spinne. Du hast solche Angst, dass du nicht dran vorbei laufen kannst. Nun läuft dein Freund ohne dich zu beachten einfach weiter. Hast du dadurch weniger Angst? Du fühlst dich vermutlich nur noch unwohler.


    Man muss aber auch unterscheiden zwischen einer kleinen Unsicherheit (" das Blatt da auf dem Weg ist irgendwie komisch") und Angst. Wenn etwas "nur" unheimlich ist, gibts ein "alles gut" und kein großes Theater. Dennoch kann man sich da verschätzen, denn wovor der Hund angst hat, entscheidet immernoch er selbst.

  • Danke ihr Lieben für eure Berichte :)

    sabarta: stimmte dir absolut zu. Gerade bei Hundebegegnungen sucht mein Rüde neuerdings sehr stark Schutz bei mir. Nicht, dass er auf einmal mehr Angst vor Hunden hätte, nein. Er vertraut mir einfach, ich habe mich für ihn als zuverlässige und vertrauenswürdige "Mama" bewiesen.
    Wenn er doch da zu mir kommt da geh ich doch nicht weg und lass ihn stehen??
    Verstehe das bei meinen nicht.

    Wobei man wie du sagst auch unterscheiden muss, kenne das von der Hündin meiner Mum, die Mülltonne die seit Wochen uninteressant ist, ist plötzlich ein gefährliches Monster. Da sage ich auch: ignorieren (den Hund) und kräftigen Schrittes am "Monster" vorbei ziehen!

  • Bei mir kommt das immer drauf an.
    Wenn Pea mal wieder meint, wegen einer Brennnessel ein gebrochenes Bein zu simulieren ( komischerweise nur dann, wenn man drauf eingeht), dann wird das ignoriert :lol:

    Bei "starken" Schmerzen oder Angst, bin ich für sie da. Wenn mein Welpe 3min kreischen würde nach dem impfen, würd ich auch da "trösten", aber eher so wie ihr (Nähe und Schutz geben).

    Wenn Pea zb auf ein lautes Geräusch reagiert/sich erschreckt, "tröste" ich da bewusst nicht. Also ich unterscheide da immer, wann ich wo und wie Aufmerksamkeit gebe. Peanut ist halt ein Hund, der gerne mal "schauspielert" und sich ganz genau merkt, wie er wo Aufmerksamkeit kriegt usw. (Zb will er hinten um die Terrasse rennen, ich sag "nein", er versuchts wieder, noch ein "nein" - er humpelt ^-^ ).

    von unterwegs..

  • ICh bin bei dem Thema unsicher.

    Ich habe schon das Gefühl, dass wenn man einen Hund, der Angst hat, zu sehr betüddelt, diese Angst zumindest nicht weniger wird.
    Andererseits möchte ich aber auch der 'sichere Hafen' für meinen Hund sein. Sie soll ja zu mir kommen, wenn sie Angst hat und nicht Irgendwohin rennen (macht sie mittlerweile auch).

    Mein Kompromiss ist es, in problematischen Situationen erst Mal gute Laune zu verbreiten. Beispiel Krach: Ich tue dann so als sei das ein grosse Spass und quietsche erfreut 'Hat es Bautz gemacht???' Ja, das wirkt in der Realität genauso bescheuert wie es sich jetzt liest, aber in Bezug auf Gewitter und Feuerwerk hat das echt super geholfen. Leckerlie gibt es evt. noch dazu.
    Auch ihre anfängliche Angst in der Welpenzeit vor Autos habe ich in der durch Ablenkung 'weggespielt'. Mach dem Motto: Ja, da ist ein böses, lautes Auto, aber guck mal hier ist mein Ärmel in den Du reinbeissen kannst, macht doch viel mehr Spass!! Das hat auch sehr gut funktioniert - auch wenn ich anschliessend etwas länger an der Bisshemmung arbeiten musste... Ich glaube Trost wäre da die falsche Strategie gewesen.

    Seit sie erwachsen ist bin ich ab und an auch ein kleines bisschen barsch und fordere eine 'Komm weiter' ein. (zum Beispiel bei gruseligen Motorrädern, die sich heimtückisch unter einen Plane verstecken) Das ist dann die Kategorie 'Stell Dich nicht so an, da is nix!' Dazu muss man aber wissen, dass mein Hund eine ziemliche Prinzessin ist, die bei einer Klette am Bauch manchmal so tut, als hätte sie ne offene Bauchwunde.

    Wenn aber Ablenkung und Aufmunterung nicht wirkt, versuche ich der Maus durch Körperkontakt Sicherheit zu geben. Eventuell kommt sie dann einfach nen Moment auf den Schoss oder ich hocke mich hin und sie kann in mich 'reinkriechen'.

  • Zitat

    Peanut ist halt ein Hund, der gerne mal "schauspielert" und sich ganz genau merkt, wie er wo Aufmerksamkeit kriegt usw. (Zb will er hinten um die Terrasse rennen, ich sag "nein", er versuchts wieder, noch ein "nein" - er humpelt ^-^ ).

    von unterwegs..


    :lol: Super!! Und ich dachte, meine Prinzessin wär ne Dramaqueen! :lol:

  • Ich bin der Meinung JA ich darf mein Hund auch mal Trösten. Natürlich muss man immer die Situation abwiegen und richtig einschätzen. Man muss natürlich aufpassen nicht im falschen Moment zu trösten, den ja man kann damit Angst noch vergrößern. Der Artikel hier bezieht sich zwar jetzt auf Silvester aber den Ausschnitt fand ich dennoch hilfreich für das allgemeine: Trost spenden ist definitiv nicht verkehrt, wenn man das “Wie” beim Trösten beachtet. Ihre Körpersprache sollte für den Hund in keiner Weise beängstigend und bedrohlich wirken. Dies könnte aber passieren, wenn Sie zum Beispiel Ihren Hund ins Gesicht starren, Sie sich für den Hund zu frontal ausrichten oder sich über ihn beugen. Ebenso kann gut gemeinter Trost, die Angst verstärken, wenn der Hund körperlich so massiv eingeschränkt wird beispielsweise durch Umarmen, Tragen oder Festhalten, dass ein Meideverhalten nicht ausgeübt werden kann, der Hund der angstauslösenden Situation trotz des wohlgemeinten Trostes, weiterhin ausgesetzt ist und der Angstauslöser dabei nicht schwächer wird. Zum Beispiel es ist 24:00 Uhr und Sie möchten sich gern das Feuerwerk mit Ihrem Hund zusammen ansehen. Sie nehmen ihn auf den Arm, weil Sie denken, so kann ich ihn trösten, ihm meine Aufmerksamkeit schenken und dann wird es schon nicht so schlimm werden. Sie zwingen ihn aber noch näher in das Silvestergeböller (Angstauslöser) hinein. Hier mit verstärken Sie seine Angst, auch wenn Sie es gut meinen, da Sie keine ihm angenehme Distanz zum Angstauslöser aufbauen und diesen nicht abschwächen

    Beim Tierarzt kann man bei Lilly schon drauf Wetten das sie Schauspielern tut. Alles ist ganz dolle schlimm und tut ja ach so weh. Das eine mal hat sie verpasst im richtigen Moment zu Jaulen, und fing erst an als die Spritze schon lange draußen war. Ich und der TA haben uns angeschaut und angefangen zu lachen. Kaum vom Tisch und Leckerli im Maul war alles vergessen. :lol: :headbash:

    Quelle: http://www.easy-dogs.net/home/blog/trai…er_benzing.html

  • Unsere Hunde meinen schon manchmal, dass sie schlauer sind als wir :D

    Auf Schauspielerei gehe ich auch nicht ein, ich verlasse dann zb einfach den Raum bzw ignoriere das.


    Dass Hunde sich untereinander ebenfalls "trösten" macht mir besonders deutlich, dass richtig eingesetzte Aufmerksamkeit in unangenehmen Situationen hilft.
    Wenn einer unserer drei sich deppert den Kopf anschlägt und darauf kurz quiekt kommen die anderen beiden sofort angelaufen und beschwichtigen bzw schlecken am Maul des Halbtoten :D
    Klar, können die ihrem Rudelmitglied ganz anders beistehen als ich es kann ABER sie ignorieren ihn auf jeden Fall nicht, sondern gehen direkt auf ihn ein!

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