Erziehung ohne Leckerlies
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Ich glaube, hier ging es nur um die Frage: Ist es MÖGLICH, Hunde ohne Leckerlies zu erziehen.
Und die Antwort ist ganz klar: JA!
Aber sowas von - wofür haben wir denn bitte eine Stimme bekommen?
In den Vor-Leckerli-Zeiten (also bis vor ungefähr zehn Jahren) war es stinknormal, überwiegend per Stimme & Blickkontakt zu arbeiten, und ich seh da eigentlich keinen Riesenunterschied.
Das einzige, was sich geändert hat: ICH hab es natürlich leichter, wenn ich öfter mal cash bezahle, weil ich mir dann ein paar Übungs-Wiederholungen sparen kann. Aber die Bindung des Hundes hängt sicher nicht davon ab.
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Hi,
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Ob es einem gefällt oder nicht. Auch Strafe ist nunmal Bestandteil von Lerntheorien. Und um nochmal zum Thema Nachhaltigkeit zu kommen: negativ verstärktes Verhalten ist löschungsresistenter als positiv verstärktes Verhalten.
Aber eigentlich geht es ja darum, ob man ohne Leckerlies erziehen kann. Natürlich kann man das, denn Kekse sind nunmal nicht der einzige Bestärker, den es gibt. Aber in meinen Augen ist Erziehung schon ein bisschen mehr, als nur zu belohnen, wenn etwas richtig gemacht wurde, um Verhalten zu formen. Natürlich ist das Thema operante oder instrumentelle Konditionierung sehr einfach zu greifen und vieles lässt sich damit ganz wunderbar erklären.
Aber auch der wesentlich komplexere Bereich des sozialen Lernens gehört nunmal zur Lernpsychologie und ich denke, es ist zu kurz gedacht, wenn man glaubt, dass in Lernsituationen lediglich Belohnung, Strafe und lernendes Individuum eine Rolle spielen. Ob es uns passt oder nicht: wir befinden uns mit den Hunden nunmal in einer Beziehung und damit wird auch meine Haltung und die Interaktion, völlig losgelöst von der verabreichten Belohnung, mit in den Lernprozess mit einfließen.
Ein Hund der mich beispielsweise anknurrt, weil er seinen Knochen behalten möchte, obwohl ich ihm das bekannte Kommando Aus gegeben habe und ich entferne mich als Reaktion darauf, hat definitiv etwas gelernt. Nun könnte man sagen: klar, es hat sich für ihn gelohnt. Er wird das Verteidigen nun öfter zeigen. Ich denke aber, dass die Auswirkungen viel umfassender sind. Zum einen findet auch immer eine Bewertung meiner Person statt, dass sich zu einem Persönlichkeitsbild formt, welches auch in anderen Situationen eine Rolle spielen wird und zum anderen sind Hunde nicht so blöd, dass sie nicht in der Lage sind Verhaltensweisen auf andere Situationen zu übertragen.
Konditionierungsprozesse existieren. Das steht wohl nicht zur Debatte. Aber alles nur darauf zu reduzieren, ist zwar ein einfacher Erklärungsansatz, wird aber meiner Meinung nach bei weitem nicht der Komplexität von Lernprozessen gerecht.
Viele Grüße
FrankKommen se mal bei der Tante Manu und lassen se sich ma knuddeln ^^
Super Beitrag
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Kommen se mal bei der Tante Manu und lassen se sich ma knuddeln ^^
Wahren Sie bitte meine Individualdistanz

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Die Klapperbüchse, die so oft im Gespräch ist, ist nichts anderes.... und von der halte ich nichts.
Sundri
Guten Morgen,Sundri, kannst du mir das erklären? Ich sehe da den Unterschied zum Aquarienkies nicht so ganz.
Ich verfolge diesen Thread sehr interessiert mit. Ich denke, es gibt sehr viele Beispiele bei denen man beobachten kann, dass eine Erziehung (keine Dressur) wunderbar ohne Leckerchen durchführbar ist. Ein Beispiel: Ich beobachte viele Obdachlose mit ihren Hunden, mein Eindruck ist, dass die Hunde eine sehr gute Bindung zum Halter haben, sich nach ihm richten, aufs Wort hören.
Ich denke jeder sollte den Weg gehen, mit dem er sich am sichersten fühlt, das ist nämlich wohl das was der Hund am meisten schätzt.
In meinen Augen hat konsequent sein, eine gute Bindung und Auslastung in der Erziehung mehr Vorrang als Leckerchen.Grüße, Johanna mit Luke
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Die Klapperbüchse, die so oft im Gespräch ist, ist nichts anderes.... und von der halte ich nichts.
Sundri
Guten Morgen,Sundri, kannst du mir das erklären? Ich sehe da den Unterschied zum Aquarienkies nicht so ganz.
Ich verfolge diesen Thread sehr interessiert mit. Ich denke, es gibt sehr viele Beispiele bei denen man beobachten kann, dass eine Erziehung (keine Dressur) wunderbar ohne Leckerchen durchführbar ist. Ein Beispiel: Ich beobachte viele Obdachlose mit ihren Hunden, mein Eindruck ist, dass die Hunde eine sehr gute Bindung zum Halter haben, sich nach ihm richten, aufs Wort hören.
Ich denke jeder sollte den Weg gehen, mit dem er sich am sichersten fühlt, das ist nämlich wohl das was der Hund am meisten schätzt.
In meinen Augen hat konsequent sein, eine gute Bindung und Auslastung in der Erziehung mehr Vorrang als Leckerchen.Grüße, Johanna mit Luke
Moin,
feiner Kies der ins Gebüsch rasselt, um den Hund herum - ist etwas komplett anderes, als eine rasselnde scheppernde Büchse, die neben den Hund knallt. Warum mit Kanonen schießen, wenn es ein Papierbällchen tut?
Mag sein, die Idee ist die gleiche, aber die Ausführung ist eine ganz andere, die Wahrnehmung des Hundes sicher auch. Kies, der über den Hund fällt (wir sprechen hier von wirklich feinem Kies, der hautsächliche Geräusche macht, keine Steine - eher Regentropfen....) hat auch eine andere Wirkung wie ein Gegenstand. Die Konzentration der Geräusche um den Hund hat andere Folgen als ein großes Teil, das bei so manchem Hund ein wirkliches Erschrecken samt Satz nach vorn oder sonstwohin hervor ruft. Darum sollte es bei meiner Methode aber nicht gehen, ich wollte nicht, das mein Hund zu mir zurück kommt.... ich wollte nur, das er mein "Nein" mit sofortiger Folge (Kies) verknüpft und sein Handeln unterbricht.
Mein Hund hat mich nicht werfen sehen, er hatte ja den Jogger im Auge..... von daher kam alles völlig unvorhergesehen, da er "nein" kannte - aber nicht gehört hat, kam meine Reaktion genau in seinen ersten Satz hinein und, dieser Kies roch nach mir, ganz sicher gehörte das auch dazu, denn ich hatte ihn ja schon eine Weile in meiner Tasche und damit auch herum gespielt.... er konnte also einordnen, das ich auch von ferne (er war ja noch klein) Möglichkeiten hab, auf ihn einzuwirken. Für einen Jagdhund, der selbstständig arbeiten soll, auf große Entfernung, ein unverzichtbares Wissen
.Ich sehe zu viele Hunde, die durch die Klapperbüchse geräuschempfindlich und schreckhaft geworden sind.... die zusammen zucken, wenn im Haushalt etwas runter fällt, das aber sollte unbedingt vermieden werden. Vielleicht mag ich die Büchse auch nicht, weil sie viel zu oft falsch angewendet wird? Ich denke, im Haus kann man auf solche Dinge gut verzichten.
@ Schnappi 42 - ich unterschreib Deinen Post.....
Sundri
P.S. in unserer jagdlichen Ausbildung haben wir gelernt, den Hund während des Lernens mit Leckerchen zu unterstützen und diese später weg zu lassen, das gemeinsame Jagen soll Belohung genug sein. Ist es auch, im Jagdbetrieb ist für Leckerchen oft keine Zeit.... der Hund ist begierig, weiter zu laufen und arbeitet aus Spaß an der Freude, er darf tun, was sein Wesen ausmacht. Oftmals will er auch keines....
Ich hab`s trotzdem bei behalten, ich hab den Eindruck es verstärkt den Gehorsam in Nichtjagdzeiten ungemein.... und daran sehe ich nichts illegitimes. Für nen viertel Frolic macht sich mein Hund zum Kasper

Aber, mein Zweithund hatte für Leckerlies draußen überhaupt nichts übrig, kein Blick, egal was es war, na da bliebt mir nichts übrig, als ihn draußen ohne zu erziehen. Das ging auch ganz prima..... heute allerdings, hat er Leckerchen für sich entdeckt und da wir noch am üben sind, was Freilauf angeht (schrieb ich ja schon an anderer Stelle) bekommt er hin und wieder eines, wenn er nur an mir vorbei kommt. Er ist ungeheuer klug und ich will nicht, das er lernt, "pfiff - ich komme - bekomm ein Leckerchen - und schwupps angeleint" der wird das so umsetzen, das er dann nicht mehr kommt - also bekommt er jedes Mal im Freilauf, wenn er zu mir kommt, ein Leckerlie, ich mache das nach Gefühl - mein Ziel ist schon, das ich das irgendwann lassen kann, aber noch nicht.... das kommt ganz auf meinen Hund an. Meine Freundin macht es bei ihm auch so, er soll sich von ihr berühren lassen, falls er mal wieder abgängig ist.... es gibt die Leckerchen auch nur aus der hohlen Hand, damit man ihn berühren kann.
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Wahren Sie bitte meine Individualdistanz

Nein
ZitatEin Beispiel: Ich beobachte viele Obdachlose mit ihren Hunden, mein Eindruck ist, dass die Hunde eine sehr gute Bindung zum Halter haben, sich nach ihm richten, aufs Wort hören.
Sehe ich auch und hatte sogar mal den Schneid die darauf anzusprechen
90% der befragten arbeiteten über "Friss oder stirb" war der Hund brav wurde gelobt war der Hund nicht brav gabs auf die Nuss -
ob ich kies nehm, wasser oder ne büchse..für mich alles das gleiche.
es hängt ja auch vom hund ab wie er drauf reagiert.
wenn ich von meiner ausgehe, die würd nur blöd gucken wenn da was im gebüsch rascheln würde.wenn ne büchse neben die fliegen würde, gäbe es nen kurzen schreck moment, dass wärs aber auch schon.
lerntechnisch würds bei ihr nix bringen...beim boxerbub reichte ne raschelnde tüte um ihn zu ängstigen, da wären steine oder steinchen die um ihn herum fliegen das todesurteil gewesen..
worauf die dicke aber reagiert ist ein händeklatschen oder aufstampfen mit dem fuss, dazu ein verbales lauteres kommando und die weiss das frauchen jetzt pös wird

ob obdachlosen hunde es so viel besser haben und nur mit luft und liebe erzogen werden...mag ich bestreiten.
die hunde auf den bauernhöfen meiner verwandten haben auch gehört, haben sie mal was verbrochen gabs eins mit der mistgabel... -
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Ich beobachte viele Obdachlose mit ihren Hunden, mein Eindruck ist, dass die Hunde eine sehr gute Bindung zum Halter haben, sich nach ihm richten, aufs Wort hören.
Wobei ich da gehört habe, dass die Abhängigkeit vom Halter um einiges stärker ist. Die Hunde sind meist den ganzen Tag unterwegs, bekommen unregelmäßig zu fressen und wenn der Obdachlose es sich nicht leisten kann gibt es eben gar nichts zu fressen. Einige Leute hab ich getroffen, deren Hunde dürfen ums Verrecken nichts von der Straße fressen. Andere kaufen ihrem Hund ne Dose vom Discounter, machen die auf und das wars. Der Hund MUSS sich selbst drum kümmern.
Ja, "Friss oder Stirb" gilt da und die Fluktuation der Hunde ist zuweilen wohl recht hoch. Aber die Ansprüche sind auch anders als bei uns Normalo-HH. Leine und/oder MK in den öffentlichen VK sind bei Obdachlosen-Hunden selten zu sehen... -
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johanaa hat geschrieben:Ich beobachte viele Obdachlose mit ihren Hunden, mein Eindruck ist, dass die Hunde eine sehr gute Bindung zum Halter haben, sich nach ihm richten, aufs Wort hören.
yep, gibt's hier auch, einen top spurenden Rottweiler. Liegt normalerweise frei und brav an Herrchens Füßen, wenn der auf der Parkbank sitzt - und falls er sich doch mal unerlaubt erhebt, klatscht ihn die Lederleine kräftig auf den Rücken, notfalls noch gefolgt von einem herzhaften Tritt.
Ich lach mich immer weg, wenn einige der Schleppleinen & Leckerchen-Halterinnen, die das noch nicht gesehen haben, seelenvoll davon schwärmen, was dieser Hund doch für eine Traumbindung zu seinem Herrchen hat, und so ganz intuitiv in seiner Nähe bleiben will....
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Ich würde jetzt nicht behaupten, dass die Beziehung eines Hundes zu einem solchen Obdachlosen, wie es hier beschrieben wurde, erstrebenswert ist.
Der Hund hat ja fast schon keine andere Wahl, als brav zu sein, aber ist das denn wirklich das, was wir uns vorstellen? Hunde, die sagen wir mal sehr hart angefasst werden oder auf die enormer Druck ausgeübt wurde, sind dennoch recht anschmiegsam an deren besitzer. Hunde denken ja nicht: Hier gehts mir schlecht, hier hau ich ab. Sie gelangen viel mehr in so ein Abhängigkeitsverhältnis.
Und sorry, aber wenn es als gute Beziehung geadelt wird, weil mein Hund lieb und brav neben mir liegen bleibt, weils sonst was setzt und zwar ordentlich, dann hab ich lieber nen Clown, dem ab und an mal was mit ihm durchgeht und dessen Beziehung zu mir eine Keksbeziehung ist
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