10 Mon. - rüpelhaftes Spielen / Fixieren - Ideen?

  • Hallo,

    unser Chaot ist ja jetzt schon 10 Monate alt und herzlich willkommen zum 95. Thread "unsere Baustellen" ;) Na ja, so schlimm ist es nicht, aber gefühlt manchmal schon.

    Was mir aktuell bei Spaziergängen auffällt:

    - Wir gehen häufig ohne Leine, wann immer es möglich ist (= wenn weit und breit niemand zu sehen ist). Nehme ich ihn an die Leine, scheint er sofort zu denken: "Wo ist was los? Was ist los?", guckt sich um und zieht auch etwas nach vorne.

    - Sieht er irgendwo jemanden mit Hund, ist er gleich alarmiert und absolut auf dem Sprung - sieht er ihn ausnahmsweise bevor ich ihn sehe, rast er hin. :/ (und dann versucht er, mit dem anderen Hund rumzutoben, herrlich..)

    - sieht er irgendwo unterwegs andere Leute, Spaziergänger ohne Hund, Kinder auf dem Spielplatz, Ommas mit Gehwagen, IRGENDWEN, ist sein Körper angespannt und er starrt die an (ist das schon fixieren? Was tun?). Er ist aber wirklich null aggressiv; z. B. bei unserer Nachbarin, die ihn sehr gerne mag und die er auch "überfallen" darf (als einzige): er sieht sie, er stürmt sofort los, springt sie zwar nicht an, aber wedelt wie verrückt und ist total hibbelig und m. E. auch aufdringlich.

    - Wir gehen z. B. einen Waldweg, der etwas unterhalb eines Hauptweges verläuft. Leine ich ihn ab, rennt er ständig zu dem Hauptweg rauf um zu gucken, ob da ein bespielbarer Hund rumläuft. :muede: Angeleint ist er da total hibbelig.

    - Treffen wir einen Hund, mit dem er toben darf, ist er meistens wilder und rüpeliger (aber niemals aggressiv, dominant oder sonstiges!) als der andere und das ist mir irgendwie unangenehm. Es gibt hier EINEN Labrador, der genau so wild drauf ist wie er, alle anderen sind oft schon etwas älter und von sich aus etwas gelassener. Eine Hündin, die offensichtlich gern mit ihm über die Wiesen tobt, wehrt ihn in den Momenten schon mal ab, wenn er zu draufgängerisch ist, und dann nehmen wir ihn einen Moment raus um etwas Ruhe reinzukriegen. Liefe es weiter, würde er sie anbellen, aber ein bißchen auf Distanz gehen.

    So, die üblichen Fragen: Was tun? Ist das normal? Gibt sich das mit der Zeit? :roll: :hilfe:

    Danke und liebe Grüße von Sylvie

  • Zitat


    So, die üblichen Fragen: Was tun? Ist das normal? Gibt sich das mit der Zeit? :roll: :hilfe:

    Ja, das ist normal. Nein, es gibt sich nicht mit der Zeit. Aus dem Spiel wird irgendwann Angriff. Wenn Du Glück hast gehemmt, wenn nicht, ungehemmt. Meist geht das dann damit einher, dass sie beginnen an der Leine zu pöbeln, weil sie gefrustet sind und nicht gelernt haben, dass sie nicht jeden abchecken dürfen nach belieben.

    Was hilft: Erziehung.

    Ist jetzt zwar schon etwas spät damit anzufangen, aber Du wirst nicht drumherumkommen...

    Viele Grüße
    Corinna

  • Hallöchen :smile:
    Ich gebe Corinna da Recht! Aus dem Spiel kann/wird irgendwann ein Angriff werden.

    Da hilft nur Erziehen. Der Kerl muss lernen, dass er Frust auch mal aushalten muss.
    Soll heissen... Lass ihn nicht zu jedem Hund rennen. Übe, dass er an der Leine kein Theater macht. Sollte er Menschen anpöbeln/aufdringlich sein/usw kommt er an die Leine und bleibt da erstmal.
    Aus zu wildem Spiel würde ich ihn jederzeit rausrufen (zur Abkühlung), sonst schaukelt sich das zu sehr hoch.
    Übe ein Abbruchkommando. Das kannst Du nehmen, wenn er zu wild wird (bei uns zb "lieb sein").

    Ich würde außerdem noch Impulskontrolle üben. Dann ist die Gefahr, dass der Kerl sofort hinterher will nicht so groß und das Abrufen klappt besser.
    Sonst noch grundsätzlich Gehorsam üben und konsequent sein.
    Ihr seid halt in der blöden Pubertät :smile:

    Gönn ihm möglichst keine Erfolgserlebnisse. Zum anderen Hund rennen und ein tolles Spiel starten ist ja absolut selbstbelohnend! Genauso, wenn er die Nachbarin überfällt und dafür noch Streicheleinheiten oder Leckerchen bekommt. Ich würde die Nachbarin mal impfen ihn dann zu ignoriene und erst zu begrüßen, wenn er sich angemessen benimmt.

  • Zitat

    Aus dem Spiel wird irgendwann Angriff. Wenn Du Glück hast gehemmt, wenn nicht, ungehemmt. Meist geht das dann damit einher, dass sie beginnen an der Leine zu pöbeln, weil sie gefrustet sind und nicht gelernt haben, dass sie nicht jeden abchecken dürfen nach belieben.

    Was hilft: Erziehung.

    Ist jetzt zwar schon etwas spät damit anzufangen, aber Du wirst nicht drumherumkommen...

    Entschuldigung, wir waren in der Hundeschule von 10 Wochen bis 9 Monaten. Ich lasse ihn NICHT zu jedem Hund hin, bei weitem nicht, ich habe ihm niemals erlaubt, jeden Hund "abzuchecken" und ja, ich erziehe ihn durchaus, viele sagen sogar, zu streng.

  • Zitat

    Hallöchen :smile:
    Ich gebe Corinna da Recht! Aus dem Spiel kann/wird irgendwann ein Angriff werden.

    Naiv gefragt: Warum? Also nicht Warum im Sinne von "Wie kommst du nur darauf, das glaub ich nicht" sondern einfach nur, wieso er angreifen würde.
    Und auch hier noch mal der Hinweis: Wenn ich andere Hunde sehe, leine ich ihn IMMER an. Es passiert vielleicht maximal einmal im Monat, dass er sie schneller sieht als ich. Ehrlich.

    Ich fühle mich schon fast dahingehend verstanden, als wenn ich blind durch den Wald liefe und meinen Hund machen ließe was er will. Das ist absolut nicht so.

    Zitat

    Der Kerl muss lernen, dass er Frust auch mal aushalten muss.

    Ja okay, das muß er auch noch an anderen Stellen (siehe Alleinesein)

    Zitat

    Lass ihn nicht zu jedem Hund rennen.

    siehe oben, tue ich absolut nicht.

    Zitat

    Übe, dass er an der Leine kein Theater macht. Sollte er Menschen anpöbeln/aufdringlich sein/usw kommt er an die Leine und bleibt da erstmal.

    Er pöbelt nicht, er will "nur" unbedingt da hin. Er läuft niemals frei, wenn Spaziergänger nahen.

    Zitat

    Aus zu wildem Spiel würde ich ihn jederzeit rausrufen (zur Abkühlung), sonst schaukelt sich das zu sehr hoch. Übe ein Abbruchkommando. Das kannst Du nehmen, wenn er zu wild wird (bei uns zb "lieb sein").
    Ich würde außerdem noch Impulskontrolle üben. Dann ist die Gefahr, dass der Kerl sofort hinterher will nicht so groß und das Abrufen klappt besser.

    Ok, das leuchtet alles ein. :smile:

  • Huhu,

    könnte halt auch sein, dass alles spannender ist als du. Du sollst dich jetzt nicht zum Horst machen deswegen. Aber ihm schon Grenzen setzen und zeigen das er sich anders verhalten soll.

    Wie habt ihr das denn in der Hundeschule gehandhabt? Da konnte er doch auch nicht immer spielen und zu jedem Hund und Menschen hin wenn er es wollte. Was wurde euch gesagt wie ihr daran arbeiten sollt?

    Irgendwann kann dann doch der Frust kommen, dass er nicht so kann wie er will. Und dann fängt das Pöbeln an.
    Auch der Rückruf sitzt ja dann noch nicht richtig wenn er doch zu dem anderen Hund hinläuft.

    lg

  • Ich denke, das ist vollkommen normal.

    Ich würde einfach daran arbeiten, dem Hund neue Regeln zu vermitteln: er hat schlichtweg nicht wegzulaufen, bevor Du ihn nicht freigegeben hast. Daher nutze ich ein Freigabekommando für die Hunde.

    Speziell bei Bossi hatte/habe ich dasselbe Problem. Hier verlange ich von ihm, bevor er wegläuft, daß er mich anguckt, und darauf wartet, ob er gehen darf. Wenn er das nicht soll, sag ich "nein, bleib da", oder nehme ihn ins Fuß bzw. an die Leine (je nachdem, wie reizvoll das Gegenüber ist, wie aufgedreht er ist, und ob ich denke, daß er losstarten könnte, oder ob ich sicher bin, daß er im Fuß bleibt, wenn ich das sage).

    Habe das eingeführt, indem ich ihn, sobald sich irgendwas näherte, an die Leine genommen habe. Dann, wenn er los wollte, NEIN gesagt. Irgendwann hat er gemerkt, er kommt nicht einfach dort hin. Dann hat er angefangen, mich anzusehen - und dann kam meine Entscheidung, ein "Bleib da" oder die Freigabe nach dem Sitz und Ableinen (nach Absprache mit dem anderen HF). Inzwischen funktioniert das sehr gut, aber man muß natürlich trotzdem immer gucken, blind durch die Gegend laufen kann ich mit ihm nicht, ich muß schon aufpassen, und falls er mal nicht "nachfragt", muß ich ihn ausbremsen und ihn ins Fuß nehmen.

    Nachdem er aber bei uns fast alle Hunde im Park kennt und sich mit ihnen versteht, durfte er sehr oft nach der Freigabe zu dem anderen dann hinlaufen, will heißen, er hatte mit "nachfragen" oft Erfolg und führt dies daher recht gut aus. Hat er mal nicht nachgefragt, und ich war zu langsam zum Stoppen, bin ich dann zu ihm und demjenigen (bzw. dem Hund, wo er halt hin ist), hingerannt und hab ihn sehr nachdrücklich weggenommen und erstmal angemotzt ("Hey - ich glaub, es hakt!" oder sowas *gg), dann angeleint, und bin dahin zurückgegangen, wo er durchgestartet ist, und er mußte dann anständig am anderen Hund vorbei.

    Parallel habe ich extrem am Rückruf gearbeitet, mit viiiiel Spaß bei Befolgen des Rückrufs, anfangs auch mit Bestätigung auch nur eines Blicks zu mir, wenn ich ihn rief; während er schon unterwegs ist, lobe ich verbal schon mal, ist er da, gibt´s heute noch oft Party, Zerrspiel, Leckerli o.ä., zumindest aber ein verbales begeistertes Lob.
    So habe ich erreicht, daß ich Bossi heute auch aus dem Spiel mit anderen Hunden heraus abrufen kann, oder wenn er eben auch schon zum anderen Hund rennt, noch im Laufen abfangen kann.

    Wichtig ist halt, daß Dein Hund erstmal keine Möglichkeit mehr erhält, ohne diese "Rückfrage" und Deine Freigabe zum Erfolg zu kommen - d.h. da sind erstmal Leine und Aufpassen angesagt. Wenn der Hund nicht von sich aus mal zu Dir guckt, kannst auch damit arbeiten, ihm ein Sitz beizubringen: er sieht das Ziel (Mensch oder Hund, wo er hin will), Du gibst Sitz-Kommando, wenn er sitzt, Freigabe zum Hinrennen. So lernt er mit der Zeit, wenn er wo hinwill, muß er vorher sitzen, dann erreicht er sein Ziel - weil nur Du die Freigabe gibst (wenn Du willst *gg), nur über Dich kommt er an sein gewünschtes Ziel. Dann wrid er mit der Zeit lernen, sich bei sowas mehr an Dir zu orientieren.

    Ganz wichtig bei all dem ist, daß der Hund nicht nur dann zurückgerufen wird, wenn was ist (siehe das, was Du unterm ersten Spiegelstrich schreibst- das ist nämlich die Folge davon, wenn man den Hund immer nur ruft, wenn was kommt...), sondern ihn ganz oft ruft, aber dann nur zum Spielen/Leckerligeben, und ihn in 90% der Fälle wieder wegschickt zum Spaßhaben. Denn sonst hast ganz schnell die unerwünschte Verknüpfung "Fraule ruft, da muß was Interessantes sein" - und ihn davon noch wegzukriegen, ist schwierig, und er wird auf Deinen Rückruf grundsätzlich erstmal nicht mehr kommen, weil er weiß, dann ist der Spaß zu Ende, bevor er richtig angefangen hat. Damit machst Du Dir also den ganzen Rückruf kaputt.

    Hund rufen, loben, weiterschicken. Hund rufen, Leckerli rein, weiterschicken. Hund rufen, Zerrspiel, weiterschicken. Hund rufen, Suchspiel, weiterschicken. Hund rufen, anleinen, 1 Min. laufen an der Leine, loslassen - er darf wieder rennen. Hund rufen, Leckerli rein. Hund rufen, Leine dran, Leckerli rein, Leine ab und weiterschicken. Jemand kommt, Hund rufen und ins Fuß nehmen, Person geht vorbei, freigeben. Jemand kommt, Hund rufen, anleinen, nach 1 Minute wieder freigeben. Also immer wieder ne andere (aber fast durchweg interessante) Tätigkeit nach dem Abruf einstreuen, ganz selten das An-Die-Leine-Nehmen-und-daran-BLEIBEN machen, vom Verhältnis her. So sehen bei uns die Spaziergänge aus, und die Häufigkeit des Anleinens nach dem Rückruf. Natürlich nicht am Stück, sondern halt nur jetzt exemplarisch so vorgestellt, das Ganze ist natürlich im Laufe eines Spaziergangs verteilt. Dann kommt der Hund immer gerne, weil fast immer was Tolles auf den Rückruf folgt, dieser wird zuverlässiger, und Du kriegst die Verknüpfung weg "Fraule ruft - da kommt sicher wer". Also auch nicht immer zwangsläufig anleinen, wenn jemand kommt! Fußgehen reicht, wenn das funktioniert. Im Zweifel dann nen Bogen laufen, damit es durch den größeren Abstand dem Hund leichter fällt, im Fuß zu bleiben, und er nicht durchstartet. Aber wenn er eh ansonsten gut erzogen ist, dürfte das ja dann nicht das Problem sein.

    Hoffe, meine Beschreibung hilft Dir ein bißchen - wenn nicht, frag einfach nochmal nach....

    Viel Spaß beim Üben! ;-)

  • Zitat

    Ich denke, das ist vollkommen normal.

    Ich würde einfach daran arbeiten, dem Hund neue Regeln zu vermitteln: er hat schlichtweg nicht wegzulaufen, bevor Du ihn nicht freigegeben hast. Daher nutze ich ein Freigabekommando für die Hunde.

    Wichtig ist halt, daß Dein Hund erstmal keine Möglichkeit mehr erhält, ohne diese "Rückfrage" und Deine Freigabe zum Erfolg zu kommen )

    Mich würde interessieren was passiert wenn du nicht darauf reagierst? Also er keine Rückmeldung auf seine "Frage" bekommt?

    lg

  • Zitat


    Ganz wichtig bei all dem ist, daß der Hund nicht nur dann zurückgerufen wird, wenn was ist (siehe das, was Du unterm ersten Spiegelstrich schreibst- das ist nämlich die Folge davon, wenn man den Hund immer nur ruft, wenn was kommt...), sondern ihn ganz oft ruft, aber dann nur zum Spielen/Leckerligeben, und ihn in 90% der Fälle wieder wegschickt zum Spaßhaben. Denn sonst hast ganz schnell die unerwünschte Verknüpfung "Fraule ruft, da muß was Interessantes sein" - und ihn davon noch wegzukriegen, ist schwierig, und er wird auf Deinen Rückruf grundsätzlich erstmal nicht mehr kommen, weil er weiß, dann ist der Spaß zu Ende, bevor er richtig angefangen hat. Damit machst Du Dir also den ganzen Rückruf kaputt.

    Hund rufen, loben, weiterschicken. Hund rufen, Leckerli rein, weiterschicken. Hund rufen, Zerrspiel, weiterschicken. Hund rufen, Suchspiel, weiterschicken. Hund rufen, anleinen, 1 Min. laufen an der Leine, loslassen - er darf wieder rennen. Hund rufen, Leckerli rein. Hund rufen, Leine dran, Leckerli rein, Leine ab und weiterschicken. Jemand kommt, Hund rufen und ins Fuß nehmen, Person geht vorbei, freigeben. Jemand kommt, Hund rufen, anleinen, nach 1 Minute wieder freigeben. Also immer wieder ne andere (aber fast durchweg interessante) Tätigkeit nach dem Abruf einstreuen, ganz selten das An-Die-Leine-Nehmen-und-daran-BLEIBEN machen, vom Verhältnis her. So sehen bei uns die Spaziergänge aus, und die Häufigkeit des Anleinens nach dem Rückruf. Natürlich nicht am Stück, sondern halt nur jetzt exemplarisch so vorgestellt, das Ganze ist natürlich im Laufe eines Spaziergangs verteilt. Dann kommt der Hund immer gerne, weil fast immer was Tolles auf den Rückruf folgt, dieser wird zuverlässiger, und Du kriegst die Verknüpfung weg "Fraule ruft - da kommt sicher wer". Also auch nicht immer zwangsläufig anleinen, wenn jemand kommt! Fußgehen reicht, wenn das funktioniert. Im Zweifel dann nen Bogen laufen, damit es durch den größeren Abstand dem Hund leichter fällt, im Fuß zu bleiben, und er nicht durchstartet.


    Für diesen Beitrag wollte ich mich doch unbedingt bedanken! :)
    Auch wenn es so logisch klingt, ist das doch ein Fehler den man unbewusst immer wieder macht. Ich erinnere mich auch selber bei Spaziergängen daran den Hund regelmäßig zu mir zu rufen, auch "ohne Grund".

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