Anti-Jagd-Training: Macht das so Sinn? Hilfe? Tipps?

  • Hallo ihr Lieben,
    ich wende mich erneut mit einer wichtigen Frage an euch: Wie beginne ich am besten das aktive Anti-Jagd-Training mit meiner Hündin?
    Vorab: Maja ist jetzt 1 1/2 Jahre alt, begann erst vor wenigen Wochen wirklich sich für Wild (hier vor Allem Kaninchen) zu interessieren. Anfangs war das noch kein Problem. Sie war neugierig, ließ sich aber abrufen bzw. gut an Wild vorbei führen, ohne aufzumucken oder 'wirklich, impulsiv' hin zu wollen.
    Doch es wurde über die letzte Zeit immer schlimmer und nun sind wir auch noch in ein Gebiet gezogen, wo alle potentiellen Freilaufflächen quasi von einer Kaninchenarmada beherrscht werden.
    Fazit: Freilauf ist nur noch sehr bedingt möglich, weil sie jedem Kaninchen hinterher gehen möchte.
    Sie ist in dieser Situation bedingt abrufbar. Ist das Kaninchen außer Sicht (im Busch o.Ä. verschwunden) dreht sie auch sofort ab und kommt zurück.
    Auf weitere Entfernung lässt sie sich ohne Probleme von mir ablenken und an dem Objekt der Begierde vorbei führen, solange sie an der Leine ist. Im Freilauf klappt das, abhängig von der Tagesform auch meistens, aber eben nicht immer und sie ist dabei so unheimlich angespannt, steht schlimmsten Falls in der Leine (was sie sonst wirklich nie tut, sie ist sehr gut leinenführig) und ich bekomm' sie nicht mehr aus dem enormen Stresslevel, bis wir außer Sichtweite sind.
    Das macht Spaziergänge hier aktuell unheimlich nervenaufreibend und unschön sowie stressig nicht nur für mich, sondern auch für Maja.

    So sieht so eine Situation beim Gassigehen momentan aus:
    Kaninchen wird von Maja gesichtet.
    Maja macht sich sofort steif, fixiert das Objekt der Begierde und fängt ggf. an zu fiepen.
    I.d.R. folgt dann von mir ein kurzes 'Schau' auf das sie auch zu 98 % reagiert, nach dem Lob aber sofort wieder zum Kaninchen schaut, wir gehen dabei konsequent weiter unsere Wege, auch wenn das am Kaninchen vorbei ist.
    Das Kaninchen bewegt sich, Maja zuckt/will hinterher und steht ggf. dann auch in der kurzen Leine.
    Ich sage, abgesehen von einem freundlichen 'Schau' gar nichts zu ihr, führe sie stumm weiter.
    Nur wenige Meter nach dem Kaninchen beruhigt sie sich auch wieder und läuft normal weiter.

    Jetzt hab' ich vor kurzem damit angefangen. Sie in's 'Platz' zu bringen und die Situation mit ihr auszusitzen. Habe dann allerdings einen fiependen, total angespannten Hund an der Leine. Sie steht nicht auf, bleibt brav wo sie ist und fängt sogar an, sich nach einer Weile zu entspannen, schaut immer wieder zu mir hoch, auch wenn das/die Kaninchen noch lange nicht weg sind und fröhlich weiter Gras mümmeln.
    Jeglicher Augenkontakt, den sie in der Situation freiwillig sucht, wird von mir sofort geclickert und belohnt.

    Ableinen würde ich sie wirklich nie im Leben, wenn ich weiß, dass Kaninchen in der Nähe sind. Ich will aber auch nicht, das mein Hund jetzt sein Leben lang an der Leine bleiben muss, nur weil es hier von Kaninchen wimmelt. Ein Freilaufgebiet ohne Kaninchen gibt es in erreichbarer Nähe definitiv nicht, also muss nun gutes, sinnvolles Anti-Jagd-Training her.

    Mein Ziel: Entspannt und ohne Leine mit Maja Gassi gehen, ohne das sie den Kaninchen hinterher geht.

    Meine Frage: Wie um alles in der Welt stell' ich das an?
    & macht es überhaupt Sinn, gezielt wildreiche Gebiete aufzusuchen, mich dort eventuell sogar mit 'nem Stuhl hinzusetzen, sie fest zu machen und sie einfach nur auf die Kaninchen starren zu lassen, bis sie sich in der Situation entspannen kann? Damit sie lernt Kaninchen = Ruhe?

    Sie ist sehr gelehrig, sehr aufmerksam und eigentlich auch sehr auf mich fixiert. Sie kennt die Pfeife als Rückrufsignal und bekommt daraufhin etwas unheimlich Besonderes (Leberwurst, Fleischwurst, Möhre o.Ä.) allerdings klappt das eben auch nur bedingt und ich möchte ja nicht, das sie überhaupt hin rennt bzw. sich an der Leine so übermäßig aufregt.

    Ich würde mich über Erfahrungen bezüglich des Anti-Jagd-Trainings, hilfreiche Tipps und Meinungen sehr freuen!

  • Gerad kaum Zeit, deshalb nur kurz:
    Ein jagdmotivierter Hund wird sich angesichts einer potenziellen Beute NIEMALS entspannen...da kannst du da drei Tage mit deinem Stuhl sitzen... :D
    Das Einzige was du machen kannst und machen solltest ist den Jagdtrieb besser unter den Grundgehorsam stellen um ihn somit kontrollierbarer zu machen...
    Stichwort: Schleppleinentraining

  • Zitat

    Gerad kaum Zeit, deshalb nur kurz:
    Ein jagdmotivierter Hund wird sich angesichts einer potenziellen Beute NIEMALS entspannen...da kannst du da drei Tage mit deinem Stuhl sitzen... :D
    Das Einzige was du machen kannst und machen solltest ist den Jagdtrieb besser unter den Grundgehorsam stellen um ihn somit kontrollierbarer zu machen...
    Stichwort: Schleppleinentraining

    Ich habe schon das Gefühl, das Maja sich deutlich entspannt, wenn sie merkt das es nicht zu den Kaninchen hin geht. Ihre Haltung wird ruhiger, sie fiept nicht mehr und schaut desinteressiert in die Gegend, konzentriert sich viel mehr auf mich etc.pp.
    Zum Schleppleinentraining: Wäre nicht das Problem, wir haben mehr als genug Schleppleinen und auch schon Erfahrung im Training.
    Nur: Wie baue ich das mit Wild am Besten auf?
    Ich hab' nen 30kg Hund. Wenn die Schleppleine springt, halt' ich die mit Sicherheit nicht mehr fest, ohne von den Füßen zu fliegen.

  • Ich habe bei beiden Hunden sehr viel mit Wildkonfrontation gearbeitet, aber bei beiden war/ist es kein extremer Jagdtrieb, der alles andere vergessen lässt. Bei Lucy war es vor allem Beute- (und Fress-) Trieb, bei Grisu die Freude am Hetzen und das allgemeine spannend finden von ungefähr allem.

    Wir haben es allerdings ohne Schlepp gemacht und ein wenig die Richtung (verpöntes) "Zuckerbrot- und Peitsche". Ganz klares Abruchsignal bei jedem Ansatz (!) am Interesse am Wild und super-Fete bei Zuwenden zu mir beim Auftauchen von Wild. Bei Lucy bei Rehen war es ein kleines Döschen Katzenfutter, was für sie klasse war, wobei sie Rehe nie wirklich sooo interessant fand. Bei Hasen und ähnlichem hat sie jahrelang kein Futter annehmen können, sondern stand halt zitternd vor...... Viiiiel Impulskontrolle (Reizangel, vom hetzen des Lieblingsspielzeugs abrufen/ins Platz rufen), auch durchaus kontrolliertes "jagen" bei Mäusen und Fährten verfolgen, wobei ja dann zum einen gut Gehorsam geübt werden kann, zum andern hat man die Belohnung gleich mit dabei. Wir haben möglichst täglich wildreiches Gebiet aufgesucht (anfangs vor allem Rehe, da die halt weniger spannend waren) und jeden Tag einüben, was gar nicht geht und was ein (erwünschtes) Alternativverhalten ist. Lucy ist aber auch in dem Sinne "einfach" gewesen, dass sie Beute genau dann am spannendsten findet, wenn sie glaubt, sie kriegen (und fressen) zu können. Das heißt, mit der ersten Impulskontrolle war der Reiz dann eh schon weit genug weg, damit sie wieder entspannt wurde.

    Grisu will unter keinen Umständen Ärger mit mir und wir haben das von Welpe an mit möglichst täglich Wild geübt. Also wurde es bei ihm nie ein Problem...

    Ich persönlich würde also nicht mit ablenken, schau... üben, sondern bei einem Hund, bei dem es kein wirklich extremer Jagdtrieb ist, auch ganz klar über Konfrontation und dann hin arbeiten auf das gewünschte Verhalten mit klarem Abbruch des unerwünschten...

    Beide meine Hunde melden mir Wild: springt was vor ihnen los, wenden sie sich automatisch (!) mir zu und werden durchaus auch mal auf die ein oder andere Weise belohnt. Sehr entspannend auf Spaziergängen, denn ich brauch auf Wild gar nicht zu achten...

  • Was mir, und vielen anderen hier sehr geholfen hat war Pia Grönings Buch "Antijagdtraining".
    Das ist ein Trainingsschema mit Schleppleine das Orientierungsübungen (die haben uns wahnsinnig geholfen), Übungen zum Impulsverhalten, Umgang mit Vorstehen (also wenn der HUnd ein Tier fixiert), Übungen zur Schleppleine die den Hund auf dem Weg halten sollen, Übungen zur Pfeife, allgemeines zum Jagdverhalten und noch viel mehr enthält.
    Ich arbeite seit acht Monaten danach und seit einem Monat können mein Terrier und meine Mischlingsdame, die auch Jagdtrieb hat, ohne Leine laufen. Ohne das Buch wären wir lange nciht so weit, weil es soooo viel zu beachten und zu üben gibt.

    Aber wir werden nie verträumt und in Gedanken mit den Hunden durch den Wald laufen können. Wir machen immer noch alle möglichen Übungen aus dem Buch, Suchspiele, sonstige Übungen wie Sitz, Platz, einfach viel, damit das Appetenzverhalten, also die Suche nach Jagbarem garnicht erst auftritt.

  • Für Blickkontakt belohnen ist die eine Seite, aber ...

    Wie hast du deinem Hund bisher erklärt, daß Jagen Tabu ist !!??

    Nur belohnen wenn sie nicht jagt heißt ja nicht, daß sie es sein läßt ...

    Gruß, staffy

  • Zitat

    Für Blickkontakt belohnen ist die eine Seite, aber ...

    Wie hast du deinem Hund bisher erklärt, daß Jagen Tabu ist !!??

    Nur belohnen wenn sie nicht jagt heißt ja nicht, daß sie es sein läßt ...

    Gruß, staffy

    Bisher haben wir nur 4 Mal wirklich die Situation gehabt, dass sie hinter 'nem Tier her ist, das ich es eben nicht verhindern konnte, weil sie besagtes Tier vor mir gesehen hat und ich so schnell nicht reagieren konnte. Ansonsten hab' ich sie immer rechtzeitig zurück gerufen, bevor sie sich auf die potentielle Beute versteift hatte und sie kam dann auch.
    Bei den 4 Malen, die sie wirklich 'nem Kaninchen (und einmal 'ner Katze) nachgegangen ist hab' ich jedes Mal die Pfeife eingesetzt. Sobald die Beute dann außer Sicht war (aber auch wirklich erst dann) kam sie zurück. Ich hab sie dann weder gelobt, noch bestraft.
    Um zu verhindern, dass sie jagt, wenn sie Beute bereits gesichtet hatte, hab' ich sie konsequent am Geschirr festgehalten oder angeleint oder bin auf die Schleppleine gestiegen, wenn sie eine angelegt hatte. Mehr hab' ich bewusst bisher nicht getan, weil ich mir eben nicht zu helfen wusste.

  • Tolle neue Trainings-Tipps habe ich leider nicht, aber die Erfahrung, dass der Hund weiß, wann er an der (Schlepp-)Leine ist und wann nicht. An der Leine kommen wir ganz okay an frei herumhoppelnden Stadtkarnickeln vorbei. Die Landkarnickel während des Freilaufs sind eine ganz andere Liga.

    Außerdem kennt mein Hund den Unterschied "Viecher in Gefangenschaft" und "Viecher in freier Wildbahn". Wir gehen beispielsweise täglich an einem Hühnergehege vorbei - gar kein Problem. Ein ausgebüchstes Huhn direkt davor - die Hölle bricht los...

    Deswegen glaube ich nicht, dass die "Aussitzen"-Methode Erfolg verspricht.

  • Zitat

    Ich habe schon das Gefühl, das Maja sich deutlich entspannt, wenn sie merkt das es nicht zu den Kaninchen hin geht. Ihre Haltung wird ruhiger, sie fiept nicht mehr und schaut desinteressiert in die Gegend, konzentriert sich viel mehr auf mich etc.pp.
    Zum Schleppleinentraining: Wäre nicht das Problem, wir haben mehr als genug Schleppleinen und auch schon Erfahrung im Training.
    Nur: Wie baue ich das mit Wild am Besten auf?
    Ich hab' nen 30kg Hund. Wenn die Schleppleine springt, halt' ich die mit Sicherheit nicht mehr fest, ohne von den Füßen zu fliegen.


    Klar guckt sie vermehrt zu Dir: sie wartet auf die Freigabe, losrennen zu dürfen..... Fixieren des Wildes ist bereits die erste Stufe zum Jagen, d.h. Du gibst ihr damit Gelegenheit, das Wild zu fixieren, wenn Du mit ihr stehenbleibst oder sie evtl. ablegst, und festigst damit ein Element der Verhaltenskette "Jagen". Ich würde lieber weitergehen mit locker-flockigem "Weiter!" und leichtem Beschleunigen des Schritts, um ihre Aufmerksamkeit zu Dir zurückzuholen. ("Hupps, was rennt die plötzulich so?")

    Wie Seleipnir sagt: Schleppleine dran, bis das mit dem Kommando WEITER funktioniert.

    Dein Hund wird jetzt langsam auch im Kopf erwachsen mit eineinhalb, daher kommt jetzt der Jagdtrieb raus, zudem kennt sie so viele Kaninchen nicht, das ist natürlich aufregend.

    Kannst an der Impulskontrolle arbeiten (Ball werfen, während Hund liegenblieben soll, zur Belohnung darf er ihn apportieren o.ä.), oder Heranrufen, mitten im Lauf mit PLATZ stoppen und wieder laufenlassen etc.

    Weiterhin STOP oder PLATZ-Kommando festigen, einen Pfiff aufbauen (meine Schiedsrichterpfeife ist weiter hörbar und durchdringender als jede Stimme, daher wird die meist besser befolgt als das verbale Rückrufkommando bei meinem Jäger).

    Und eben das WEITER-Kommando als Alternative zum Fixieren der Karnickel... Wenn der Hund den kleinsten Ansatz macht, von sich aus weiterzugehen, bevor du auch nur das KOmmando gibst, umgehend Party und bestätigen.

    Evtl. selbst Leckerli/Spieli mitnehmen für unterwegs, damit Du interessant bist, weil das den Rückruf sehr erleichtert, wenn der Hund gerne zurückkommt, weil er weiß, bei Dir gibt´s evtl. ein Spiel oder Leckerli beim Zurückkommen.

    Keine Übungen machen, die den Hund hochdrehen. Je weiter er hochgedreht ist vom Spielen, desto eher wird er Dir angesichts der Karnickel "abgehen", weil die Reizschwelle dann eh schon niedriger ist, wenn der Hund auf 180 ist. Also weniger ein Zerrspiel, als ruhiges Apportierenlassen oder Leckerlisuche unterwegs.

    Wichtig: keine Chance geben, Fehler zu machen, daher die Schlepp. Wenn sie einmal gemerkt hat, daß sie abhauen KANN, wird sie´s wieder probieren.... Würdest Dir also damit das Leben nur erschweren.

    Und: jetzt NICHT dieses Gebiet meiden. Denn dann lernt sie nicht, damit umzugehen, und wird dann vielleicht an einer anderen Ecke auch mal ein Kaninchen sehen, und dann damit nicht umgehen können. Was Besseres zum Üben gibt´s eigentlich nicht, wenn man ein Gebiet hat, in dem mit Sicherheit dauernd Wild rumläuft, und dieses weiß! Solche Gebiete suche ich dann gezielt auf mit meinem Jägerli - aber nur, wenn ich in der Verfassung bin, mit ihm zu üben, d.h. immer zu gucken, ob was kommt, immer ihn in der Nähe von mir haltend (ohne Leine), immer ihn im Auge haben, immer wieder abrufend, um zu testen, wie weit er durch Wildgerüche schon "hochgefahren" ist. Spätestens wenn er sich mit dem Befolgen des Rückrufs zunehmend schwerer tut (besser: vorher!), leine ich ihn umgehend an, dann war´s mehr als genug Üben für den Tag, und verlasse das Gebiet.

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