Sinn und Unsinn der Schleppleine (oder Leine allgemein)
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Gast63805 -
24. September 2012 um 13:19
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Ich bin im Moment etwas hin- und hergerissen......
Entweder hab ich nen extrem schlauen oder nen extrem blöden Hund, aber zum Glück keinen Extremjäger. Sie hat nicht den Ehrgeiz es "zu Ende zu bringen".
Es ist toll auf eine Maus zu hüpfen, es ist toll, wenn man sie hat - aber sie wird weder totgebissen, noch wird ihr hinterhergebuddelt. Maus weg - na ja.
Impulskontrolle klappt super. Erst nach Freigabe hinterherrennen, im Lauf stoppen, alles super soweit.
Aber das ist was anderes, als wenn plötzlich drei Rehe wie aus dem Nichts aus dem Schilf herausrennen und unseren Weg kreuzen. Dann rennt sie hinterher, vielleicht 50 m - aber das wars, war zwar auch lustig, aber ehrgeizig ist sie zum Glück nicht.
Andere Wildtiere z.B. Fuchs, Dachs und Biber (was anderes gibts hier nicht), vor denen hat sie Angst, es wird nur gebellt. Wie beim Igel auch.
Alles was steht ist grundsätzlich uninteressant. Ne Katze auf einen Baum zu jagen findet sie gut, aber wehe die Katze bleibt stehen. Dann hüpft sie drumherum und bellt. Macht die Katze ein paar Schritte auf sie zu: "Maaamiii".
Klar könnte man mehr trainieren, aber wie? In einem Gebiet wo der Bauer schon sagt, dass der Jagdpächter so gut wie alles derschossen habe?
Ich habs irgendwo aufgegeben. Sie darf Eichhörnchen jagen - die erwischt sie eh nicht, auf den Baum kann sie nicht - und sie mir zeigen. Es wird darauf beschränkt die Hörnchen zu beobachten. Sie sitzt neben mir, wedelt, wenn sie es sieht, wir gucken gemeinsam solange ich will, dann gehen wir, sie geht mit.
Es hält sich für mich im Rahmen. Es besteht nicht wirklich Handlungsbedarf, es fehlen die Gelegenheiten zum Üben.
Und manchmal bin ich auch faul, geb ich zu. Wenn wir am Wochenende vier Stunden wandern, dann mag ich in bestimmten Gebieten nicht ständig auf der Hut sein. Egal ob ich zahlreiche Hasenbobbel sehe oder der Fluß an dem wir entlanggehen Hochwasser führt. Mich gibts halt auch noch

Vielleicht bin ich deshalb ein schlechter Hundehalter, ein bequemer - oder was weiß ich.?
Aber ich bin wenigstens einer, der Verantwortung übernehmen will: für die anderen, für den eigenen Hund.Und so schätze ich die Schleppleine sehr, sie wird auch bleiben, ist keine zeitweilige Einrichtung.
Es gibt einfach drei Arten von Gebieten:
- die, in denen wir die kurze Leine brauchen
- die, in denen wir mit der langen Leine gut zurecht kommen
- die, in denen wir uns ohne Leine bewegen können.Das kann auch während eines Spaziergangs durchaus wechseln. Vielleicht ist das nicht professionell, aber für uns beide, so denke ich zumindest, völlig in Ordnung.
Keine Ahnung, ob ich mich dafür schämen muss. Wir sind zwar weiter als die Leute, deren Hunde immer an der kurzen Leine oder immer bei Fuß gehen müssen, weiter als die, die immer mit der Flexi oder Schlepp unterwegs sind, aber eben nicht so weit, dass wir immer und überall ohne Leinen unterwegs sein können.
Für das, dass sie mein erster eigener Hund ist, den wir erst mit 10 Monaten als totale Angstnase bekommen haben, denke ich, haben wirs eigentlich ganz gut hinbekommen. Wenn es so bleibt wie es ist, ist es gut, wenn es noch besser wird, wärs ganz super. Vielleicht sieht man das anders, wenn man ein Leben lang eigene Hunde hatte, kann schon sein......
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13 Seiten über 15m Strick in zwei Tagen .....
Habe mit meinem Terriertier diese schätzen gelernt und deshalb des Thema mit Interesse durchgelesen.
Ist glaube ich fast alles gesagt. Mir fällt noch das Material ein: Wenn man(n) nur einen ollen Strick nimmt, kommt bei Schietwetter ganz schnell Frust auf wegen Dreck, kalten und nassen Händen und Knoten in der Leine auf ... -
Zitat
Wie wahr - ich würde aber noch Gehorsam voranstellen.....Okay, das gilt wie gesagt auch mit Schleppleine, aber ohne fehlt ja einfach die Absicherung.
Man übt also schön Gehorsam, Impulskontrolle, einen Hund zu haben, der schnell wieder runter kommt, gut und dann ist man im Wald und da rennt ein Reh über den Weg.
Hund rennt los und interessiert sich null dafür, dass er doch eigentlich gut hört.
Was bringt mir dann Gehorsam und Impulskontrolle, wenn Hund doch Erfolg hat und dem Reh hinterher kann?
Ich kann ihn ja nicht mehr daran hindern. -
oregano:
Redest du vom Alltag, oder von einem Ereignis, welches vielleicht 1x jährlich passiert? Ist nicht ganz unwesentlich.....Ohne SL kann der Hund, falls der schlimmste Fall eintritt, hinterher. Da muss ich dann auch aufs Maul hocken und nicht noch sinnlos hinterherbrüllen. Ich habe geschlafen, verkalkuliert, den Hund in einem unpassenden Radius gehalten, wasauchimmer. Shit happens, ich geh im Training zwei Schritte zurück und festige, was nicht gut genug war. Der Signalaufbau bricht davon nicht zusammen, wenn ich dabei nicht auf Strafe gesetzt habe. Das ist das Schöne an der positiven Bestärkung: das Prinzip funktioniert auch, wenn mal eine einzelne Wiederholung nicht klappt. Der geschilderte Fall kann auch nach 10 Jahren Schleppleinentraining eintreten, falls der Hund da noch nicht zu schwach ist, um hinterherzurennen.
Wenn man das Risiko nicht eingehen will, darf der Hund nie im Leben von der Schlepp, denn das ganz Unverhoffte kann immer passieren, und der Hund, der an der Schlepp bombenfest steht, geht ohne diese hinterher. Aber mit dem ewigen Leinenzwang richte ich mehr Schaden im Gehorsam an, als mit einem sehr seltenen unerlaubten Durchstarter.
Habe ich hingegen fast täglich Begegnungen, bei denen der Hund völlig ausser Kontrolle gerät, so ist er mit der Situation total überfordert, und ich behalte ihn da an der Leine, und verlege meine Übungen an einen Ort mit weniger Ablenkung. Wenn ich ohne Absicherung durch SL arbeite, müssen meine Kriterien strikter sein, bevor ich Ablenkung oder Distanz steigere, und ich muss eine Erfolgsquote von mindestens 95% haben, bevor ich die Schwierigkeit steigere.
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@najira

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Zitat
Was mich einfach stört, ist diese Immer-oder-Nie-Einstellung. Es gibt aber auch noch die Möglichkeit, das situationsangepasst zu handhabenGenau so handhabe ich das - je nach Situation. Tagsüber kann er frei laufen wo es möglich ist, in der Dämmerung ist er an der Leine oder an der Schleppleine, je nach dem wo wir unterwegs sind. Im Winter bei frischen Fährten ist er in der Nähe des Waldes öfters an der Schlepp, sonst ist er nämlich sofort weg. Mit der Schlepp darf er immerhin jeweils 20m ausarbeiten, dann pfeife ich ihn zurück und wir suchen die nächste Fährte.
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Ich nutze ständig Schleppleinen in meiner Arbeit.
Ich wüßte auch ehrlich gesagt nicht, wie ich selbstständigen, teilweise relativ unerzogenen, jagdtriebigen Hunden sonst klarmachen sollte was ich möchte...
Erst ne 10-Meter-Schlepp in der Hand, dann schleppend, danach ne 5-Meter-Leine, eine 3-Meter-Leine und irgendwann nur noch ein kurzes Stückchen...
Das konsequent über mehrere Wochen oder Monate (je nachdem was der Hund so zeigt) und bisher hab ich sie so alle in den Freilauf gekriegt...aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren...wirklich cool finde ich diese Schleppleinengeschichten nämlich nicht... -
Zitat
oregano:
Redest du vom Alltag, oder von einem Ereignis, welches vielleicht 1x jährlich passiert? Ist nicht ganz unwesentlich.....Ohne SL kann der Hund, falls der schlimmste Fall eintritt, hinterher. Da muss ich dann auch aufs Maul hocken und nicht noch sinnlos hinterherbrüllen. Ich habe geschlafen, verkalkuliert, den Hund in einem unpassenden Radius gehalten, wasauchimmer. Shit happens, ich geh im Training zwei Schritte zurück und festige, was nicht gut genug war. Der Signalaufbau bricht davon nicht zusammen, wenn ich dabei nicht auf Strafe gesetzt habe. Das ist das Schöne an der positiven Bestärkung: das Prinzip funktioniert auch, wenn mal eine einzelne Wiederholung nicht klappt. Der geschilderte Fall kann auch nach 10 Jahren Schleppleinentraining eintreten, falls der Hund da noch nicht zu schwach ist, um hinterherzurennen.
Wenn man das Risiko nicht eingehen will, darf der Hund nie im Leben von der Schlepp, denn das ganz Unverhoffte kann immer passieren, und der Hund, der an der Schlepp bombenfest steht, geht ohne diese hinterher. Aber mit dem ewigen Leinenzwang richte ich mehr Schaden im Gehorsam an, als mit einem sehr seltenen unerlaubten Durchstarter.
Habe ich hingegen fast täglich Begegnungen, bei denen der Hund völlig ausser Kontrolle gerät, so ist er mit der Situation total überfordert, und ich behalte ihn da an der Leine, und verlege meine Übungen an einen Ort mit weniger Ablenkung. Wenn ich ohne Absicherung durch SL arbeite, müssen meine Kriterien strikter sein, bevor ich Ablenkung oder Distanz steigere, und ich muss eine Erfolgsquote von mindestens 95% haben, bevor ich die Schwierigkeit steigere.
Merci
Gut, du hast Recht. Das ist ein Unterschied.
Ich meinte im Alltag, also dass man immer wieder mal damit rechnen muss, dass ein Wildtier in nächster Umgebung den Weg kreuzt.Beispiele:
Wenn ich hier im Wald gehe mit Fini, dann seh ich eigentlich nie ein Wildtier und sie ist auch fast nie nervös oder angespannt, weil sie etwas wittert. Zeitweise darf sie da frei laufen, je nach Umständen (Jahreszeit, Tageszeit, ihre und meine Tagesverfassung, etc.). Hier wäre es ein einmaliges Ereignis, wenn sie mir jagen geht.Wenn ich bei uns auf den Feldern gehe, sehen wir in 9 von 10 Fällen Hasen, Rehe, Fasane, etc.
Da ist praktisch immer die Möglichkeit da, dass sie mir hinterher geht, auch wenn sie am Tag davor kein Interesse gezeigt hat.
Sie sprintet kurz hinterher und sobald sie sitzt (meist noch durch die Schlepp gestoppt - 5-10m sind halt nicht viel), fährt sie relativ schnell wieder runter und wir können normal weiter gehen.
Diese Wege würde ich uns ohne Schlepp nicht zutrauen, weil ich ständig am Umgebung abscannen wäre, auch wenn Fini sich lieber den Mauselöchern am Feldrand widmet. Einmal aufschauen genügt ja in dem Fall, wenn ich Pech habe... -
Die Schlepp ist grad auch Finnis bester Freund, wegen dem Abruf ^^
..vom Handy getippt
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ZitatAlles anzeigen
Merci
Gut, du hast Recht. Das ist ein Unterschied.
Ich meinte im Alltag, also dass man immer wieder mal damit rechnen muss, dass ein Wildtier in nächster Umgebung den Weg kreuzt.Beispiele:
Wenn ich hier im Wald gehe mit Fini, dann seh ich eigentlich nie ein Wildtier und sie ist auch fast nie nervös oder angespannt, weil sie etwas wittert. Zeitweise darf sie da frei laufen, je nach Umständen (Jahreszeit, Tageszeit, ihre und meine Tagesverfassung, etc.). Hier wäre es ein einmaliges Ereignis, wenn sie mir jagen geht.Wenn ich bei uns auf den Feldern gehe, sehen wir in 9 von 10 Fällen Hasen, Rehe, Fasane, etc.
Da ist praktisch immer die Möglichkeit da, dass sie mir hinterher geht, auch wenn sie am Tag davor kein Interesse gezeigt hat.
Sie sprintet kurz hinterher und sobald sie sitzt (meist noch durch die Schlepp gestoppt - 5-10m sind halt nicht viel), fährt sie relativ schnell wieder runter und wir können normal weiter gehen.
Diese Wege würde ich uns ohne Schlepp nicht zutrauen, weil ich ständig am Umgebung abscannen wäre, auch wenn Fini sich lieber den Mauselöchern am Feldrand widmet. Einmal aufschauen genügt ja in dem Fall, wenn ich Pech habe...Das ist doch das schöne an der Schleppleine, irgendwann auch wenns über nen Jahr dauert sind auch Hasen/Fasane (naja Rehe hab ich selbst zu selten) die auf dem Weg hocken kein Problem mehr und der Hund lässt sich abrufen. Ab da wird die Schleppleine überflüssig.
Ich hab im Mai diesen Jahres mal welche gesehn, deren Hund war garnicht unter Kontrolle und jagdte Vögel übers Feld. Die sind ihrem Hund erst nach, nachdem ich denen zugerufen hatte das ich die Polizei rufe wegen Wilderei. Die haben den Hund ansonsten einfach machen lassen.
Also Schleppleine oder eine normale Leine sollten für jeden Hundehalter mit Verstand zum täglichen Gebrauch gehören. Es gibt nur ganz ganz wenig Hunde die in wirklich jeder Situation auch ohne Leine sich nicht selbst, oder andere in Gefahr bringen würden.
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