Welche Methoden zur Appetenz-Steigerung

  • Zitat

    :D

    Tja, ist die Frage, wer g'scheiter ist! :lol:


    Nein, aber mal im Ernst: wie kann man das fördern im Welpenalter? Ohne Clicker und Leckerli?

    Haben Hunde aber auch 20000 Jahre für gebraucht. ;)
    Einen wirklichen Rat kann ich dir da auch nicht geben, außer den Welpen immer wieder vor "Probleme" stellen und ihm nicht, oder sehr spät zu helfen.
    Aber ob das der Hund/Mensch bindung so förderlich ist ?

  • Beim Thema "Appetenz" hatte ich irgendwie sofort Kröten und schwarze Punkte als Reiz im Kopf :D
    Deshalb wollte ich nochmal eine genaue Definition, jetzt bin ich aber nur noch verwirrter :???:
    Die Richtung, in die Deine Argumentation geht, finde ich sehr interessant, hat aber mMn mit Appetenzverhalten als
    "ein als Such- und Orientierungsverhalten gedeuteter Bestandteil des Instinktverhaltens" bzw. als "Handlungsbereitschaft für eine Instinktbewegung" Quelle: wikipedia wenig zu tun?

    Geht es Dir eher um gezieltes Problemlöseverhalten alleine vom Hund aus?

    Da muss ich Steffi rechtgeben, das kann man schon mittels Clickern fördern.

    Zitat

    Hmmm... das Klickern beruht ja auf Konditionierung, soweit ich das von der Theorie her weiss. :???: Wir machen das auch (wenig), aber das Appetenzverhalten steigert das m.E. nicht, es führt eher dazu, dass der Hund auf Reize vom HH "funktioniert".


    Die Verknüpfung Klick-Futter ist konditioniert, ja. Aber das "Problemlöseverhalten" des Hundes kann man dadurch gut fördern.
    Beispiel: Balto war, als er aus dem Tierheim kam, so ein Fall, wie Du oben beschreibst. der wäre wie doof stumm vor der Glastür gesessen (oder mehrfach gegen gerannt^^)
    Weil er selbstständige Aktionen zum Problemlösen einfach nicht kannte. Liebevoll hab ich ihn damals ab und zu als "Kaspar Hauser" tituliert.
    Durch das Clickern hat er gelernt, dass Aktionen von ihm zum Ziel führen.

    Grade freies Shapen (und ich meine wirklich frei, ohne von mir vorgegebene bzw gewünschte "Endhandlung") haben dazu geführt, dass er auch mal kreativ wird, mal rumprobiert und dabei oft lustige Sachen zeigt.
    Dabei gibt es von mir eigentlich keinen bestimmten Reiz, auf den er zu reagieren hat (abgesehen davon, dass er natürlich weiß, es wird geclickert, ich muss was probieren)
    Dabei bietet mir der Hund ein Verhalten, ohne dass ich vorher ein Kommando oder Sichtzeichen gebe.


    Zitat

    Das ist ja nicht unbedingt eine Frage der Intelligenz, sondern auch einfach, ob dem Hund der Weg eröffnet wurde, sich selbstständig was zu überlegen.


    Und gerade das konnte ich bei Balto gut über das Clickern einführen!
    Von Welpenbeinen an ist da bei ihm (leider) nichts oder nicht viel passiert, einiges davon konnte er aber bis heute bei uns aufholen!

  • Entschuldigung, kann nicht mehr editieren.

    Zitat

    Manche Hunde können nicht mal "Try". Wie kann man das forcieren?

    Genau so einer war Balto :D
    Anstarren war sein einziger Versuch des Problemlösens ;) und wie oben geschrieben, ist er da mittlerweile sehr kreativ- allerdings erarbeitet über Clicker und Leckerchen.

    Bei Welpen, die zu ihren Besitzern auch noch eher und schneller eine tiefe Bindung aufbauen, kann man das bestimmt auch nur über Lob und verbale Bestätigung erreichen.
    Vor allem würde ich da die Neugierde des Welpen fördern und bestärken. Heißt alle neuen Dinge erkunden, angebotene Verhaltensweisen verstärken usw.

  • Also ich muss sagen, dass ich mich jetzt mit dem Fachbegriff bzw. der Sache ansich nicht bewusst beschäftigt habe, meine aber, dass ich es im Prinzip "gefördert" habe...? :???:

    Ich habe meinem Hund viel durch "Vormachen" gezeigt, dass er jetzt auch übernommen hat.

    Z.B. wenn ein Ball unter etwas gerutscht ist wo er mit der Schnauze nicht mehr rangekommen ist. Er stand dann auch immer wie der Ochse vorm Berg da. Da es mir zu blöd war, die Sachen immer für ihn vorzuholen, da ich der Meinung war er müsste dort selbst rankommen, habe ich Folgendes gemacht:

    Mich neben ihn in Platz-Stellung daneben & verbal durch: "Platz" unterstützt.
    Meinen Arm ausgestreckt in Richtung des Balles & verbal durch: "Pfote" unterstützt.

    Er hat dann paralell mit mir mitgemacht und konnte sich denn Ball so selbst durch ranrobben und hangeln mit der Pfote angeln. :) Quasi learning by watching & doing. Hunde lernen ja viel durch Beobachtung von anderen Hunden - also warum nicht von mir?!

    Mittlerweile ist er dort recht gut drin. Setzt aber denke ich mal voraus dass der Hund versteht, dass mit "Pfote" nicht nur das Pfötchengeben gemeint ist, sondern damit bewusst seine Gliedmaße in Verbindung setzt.

  • Balto 2010:

    Das mit dem Appetenzverhalten hab ich aus einer alten "Schweizer Hundemagazin - Sonderdruck 4" Ausgabe, die ich grad lese. Ich denke, die Interpretation des Begriffes von Wiki trifft zu, denn Try and Error ist de facto ein angeborener Instinkt, der sehr gefördert oder aber eben Kaspar-Hauser-mässig zerstört werden kann (wenn auch nicht entgültig?). Meine Kleine - aus Schosshundzucht - ist ähnlich wie Du es von Deinem TH-Hund beschreibst. Ich denke mal, bei ihr kommt es von "Überbemutterung", was extrem schädlich sein kann, zur Entwicklung von Try an Error. Trotzdem hat sie gut ZOS gelernt, welches auf diesem Prinzip beruht.

    Könntest Du noch mal ein konkretes Beispiel des freien Shapens ohne Ziel nennen, damit ich das besser verstehe? Ich kann es mir noch nicht ganz vorstellen, wie du das meinst.

  • Ich denke, trial and error gibt dem Hund Erfahrung und Ideen an die Hand. Also so, daß der Hund vielleicht immer noch nicht durch reines Nachdenken auf eine Lösung kommt, es aber durchaus so wirkt, weil er z.B. verschiedene (erlernte) Strategien anwendet. Und vor allem, weil er in ganz ähnlichen Situationen schon Erfolg hatte. Dieses "ich weiß doch, das es geht!" macht - denke ich - was aus.

    Beispiel Mülleimer ausräumen. Ich kenne Haushalte, in denen immer weiter aufgerüstet wird. Erst hat der Hund den offenen Mülleimer ausgeräumt. Dann den mit Schwingdeckel und dann immer schwierigere "Sicherheitsmülleimer". Hund können dann durchaus recht schnell andere Mülleimertypen in anderen Häusern als solche erkennen und ausräumen.
    Mein Hund konnte diverse Türklinken bedienen und machte generell den Eindruck als würde es ihr nicht in den Sinn kommen, daß irgendetwas unmöglich ist - sie hat höchstens noch nicht rausgefunden, wie es geht. Ich denke, daß diese "Einstellung" zum Teil auch angeboren ist. So krass hatte das davor und danach keiner meiner Hunde.

    Ich denke, daß man vor allem die Zuversicht steigern muß. Verschiedenste leichte Aufgaben stellen, bei denen der Hund sich mit Dingen beschäftigen muß (oder Wegen - wobei da ja wieder "Dinge" den Weg versperren).

    Der Hund braucht zum einen die Motivation zum mehrfachen Probieren (also erstmal was ganz Tolles, was es recht einfach "zu gewinnen gibt") und zum anderen "Handwerkszeug" - also z.B. die Erfahrung, daß man Dinge nicht nur mit dem Maul sondern auch mit der Pfote manipulieren kann. Generellen "Pfoten - und Maulgebrauch" kann man gut clickern. Mit etwas Phantasie lassen sich da bestimmt auch Dinge basteln, die nur mit dem einen oder dem anderen bedient werden können.
    Ich denke nicht, daß es irgendwann zu spät ist aber für einen Hund, für den das "schon immer" zum Leben dazugehört, ist es eben auch die erste Reaktion auf ein Problem und er hat mehr posivite Erfahrungen und mehr erlernte Strategien auf Lager.
    Lernen durch Nachahmen kann da auch helfen. Wenn ich mit einem meiner Hunde "was mit der Pfote" clicker und mit dem anderen "was mit dem Maul" und dann die verwendeten Gegenstände wechsel, wechseln die Hunde sehr schnell auf die Strategie, die sie beim anderen als erfolgreich gesehen haben.
    Außerdem motiviert das Zugucken. "Der beschäftigt sich mit dem Ding und bekommt Aufmerksamkeit und Belohnung!" Das ist wieder so eine "Ich bin sicher, daß es irgendwie geht! Ich hab es doch gesehen!" Sache.

    Tja und ob wir das wollen? Kann auf jeden Fall nach hinten losgehen. Und generell ist ein zu kluger Hund, der zu schnell lernt, nicht leicht zu führen!

  • Sandschiffchen: ich denke, Vor- und Nachmachen ist schon die hohe Schule des Lernens beim Hund. Aber ihn darauf vorzubereiten, wäre mein Ansinnen. Und da weiss ich nicht, wie ich das bewerkstelligen kann.

    Emmakind: klar ist das ein zweischneidiges Schwert. Besonders bei einem intelligenten Hund. Dennoch reizt es mich (noch :ugly: ), weil ich einen selbstbestimmten, selbstständig arbeitenden Hund bevorzuge. Beim Beispiel mit dem Mülleimer :hust: naja, hoffe, dass er nicht drauf kommt!

    Und ganz sicher bin ich mir auch nicht, ob das so im auszuschliessenden Gegensatz steht. :???:

    Zitat

    Ich denke, daß man vor allem die Zuversicht steigern muß. Verschiedenste leichte Aufgaben stellen, bei denen der Hund sich mit Dingen beschäftigen muß (oder Wegen - wobei da ja wieder "Dinge" den Weg versperren).

    Das schreibt der Autor auch: es hängt unmittelbar mit der Bindung, aber nicht mit der Beeinflussung zusammen. Und die Bindung, so schreibt er, würde durch Leckerli geschwächt, durch Lob und Beziehung gesteigert.

    Das ist schon mal gut: Dinge in den Weg stellen.

  • Hallo,

    bin zwar nicht Balto, und weiß gar nicht ob ich deine Eingangsfrage richtig verstanden habe, weil du schreibts, Klicker und Leckerli sind schädlich (?), kannst du das, was du dazu gelesen hast, noch weiter ausführen?
    Aber ich schreib mal, welchen Unfug wir da manchmal treiben:


    Ich stell vor die Hunde eine Pilone und habe noch gar keine Idee, was wir damit machen, ich schau den Hund "erwartungsfroh" an, nach dem Motto: Mach was!
    Gefällt mir, was er macht, klick ich, und es gibt Keks, gefällts mir nicht, mach ich auch nichts.

    Das Ende der Pilone Geschichte war z. B. bei Hera

    Hund kommt zur Pilone
    pfeffert die Pilone mit der Pfote durch die Botanik
    legt sich hin und Kopf auf umgeschmissene Pilone

    bei Atze
    Hund legt sich in Sphinx-Stellung vor Pilone
    "nimmt diese in den Arm" (also eine Pfote um die Pilone gewickelt)
    und legt sein Kinn auf der Spitze der Pilone ab

    Bis auf den Klick gibt es so gut wie keine Worte oder Töne.

    Je öfter man so was macht, desto kreativer werden die Burschen, natürlich wird dann von den Hunden "Bewährtes" gerne gezeigt (Zos-Anzeige, z.B), aber das kann ich ja bestätigen oder eben nicht.

    Meinst du so was?

    VG
    arnie

    Atze ist problemlösend sehr kreativ, er kann Überraschungseier auspacken, die Schko fressen, das gelbe Plastikteil knacken, das Spielzeug kann er leider nicht zusammenbaun, das üben wir noch, aber er macht nie was kaputt

    (und ja ich weiß, Schoki ist nix für Hunde, aber sag das mal Atze)

  • Zitat


    Könntest Du noch mal ein konkretes Beispiel des freien Shapens ohne Ziel nennen, damit ich das besser verstehe? Ich kann es mir noch nicht ganz vorstellen, wie du das meinst.


    Nachdem wir das Clickern etwas etabliert hatten, also Hund weiß, Frauchen gibt Startsignal, ich muss was tun, damit es clickt und ich einen Keks abstaube ;) ließ ich Balto "probieren".
    D.h. ich hatte kein Endziel vor Augen wie z.B. der Hund soll etwas bringen, ins Maul nehmen, sich um sich selber drehen...wie auch immer.
    Sondern ich habe mich vor ihn gesetzt und ihn wirklich von sich aus ein Verhalten anbieten lassen.
    Damit es nicht ganz so schwer ist (und das ist es für unkreative Hunde durchaus!) kann man anfangs irgendein Objekt ins Spiel bringen, z.B. einen Becher, einen Stock, eine Decke.
    Und dann beginnt beim Clicker-erprobten Hund das Überlegen- was will sie haben?

    Wo ich's grade so schreibe, Du hast da durchaus recht, irgendwie ist das sicherlich Appetenzverhalten :ops:
    Die meisten Hunde werden dann erstmal Bekanntes "abspulen" im Sinne von "Sitz", "Pfote geben" usw.

    Ich habe zwar kein direktes Ziel vor Augen, aber ich will, dass er etwas Neues anbietet.
    Bei uns lag auf dem Wohnzimmertisch eine Fliegenklatsche, Balto ging zum Tisch und hat sie angestupst- CLICK

    Ich hätte genauso geclickt, hätte er sie ins Maul genommen, oder hätte er aus dem Flur einen Schuh angeschleppt- verstehst Du, was ich meine?
    Grundlage ist eigentlich nur, der Hund soll etwas Neues zeigen, was ist mir dabei egal (im Rahmen der im Haus aufgestellten Grundregeln natürlich ;) )

    Auf dem HuPla z.B. lag beim Shapen eine Decke rum, er ging hin und hat sie angestupst (DAS kannten wir ja schon),darauf folgte also kein Click. Der empörte Hund^^ stupst also nachdrücklicher, nimmt schließlich die Ecke ins Maul- Click!
    Daraus wurde übrigens ich lege mich auf die Decke, beiße in die Ecke und decke mich zu :D

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