Hundeerziehung nur mit positiver Verstärkung

  • Hallo,

    mich würde einmal interresieren wie man folgendes Problem mit Gewaltloser Erziehung die nur über Positive Verstärkung arbeitet (also hinzufügen eines angenehmen Reizes) wie es so manche Hundeschulen bewerben lösen könnte.

    Folgendes hat sich vor ein paar Wochen bei uns zugetragen:

    Wir haben einen ca 4 Jahre alten Rüden übernommen weil es mit der Erziehung beim vorbesitzer nicht so ganz geklappt hat. Der kerl ist schon ein paar Wochen da und hat sich auch ganz gut eingelebt. Nun ist er aufs Sofa gesprungen und beim runtertun droht er mir durch Knurre und Lefzenanheben.

    Wie könnte man hier positiv verstärkte Grenzen setzen?

    Das soll bitte keine "der schlägt seinen Hund" vs "wattebauschwerfer" werden sondern ich frage aus reiner neugierde wie man es noch lösen könnte halt nach der methode positive verstärkung.

  • Guten Morgen,

    ich würde dem Hund Kommandos für "Rauf" und "Runter" beibringen und die Couch gleich als Übungsobjekt benutzen.
    Ganz zwanglos, als würdest du jeden anderen Trick lehren.

    Wenn da die richtige Motivation geschaffen werden kann, sollte es später eigentlich kein Problem mehr sein, ihn von der Couch zu schicken. Kennt er dann ja, macht Spaß und lohnt sich ;)

    Liebe Grüße

  • Hallo :)

    Ich würde mich fragen: Warum knurrt/droht der Hund?

    Ist ihm der Sofaplatz so wichtig? Hat er vielleicht Gelenkprobleme und kann dort besonders angenehm liegen? Fühlt er sich dort besonders sicher? Geht es ihm um die erhöhte Liegeposition (Überblick)? Kann ich ihm das auch anders bieten, was ihm da so wichtig ist (oder das Sofa freigeben?)

    Hat er Angst vor mir gehabt? Hat er diesbezüglich irgendwelche miesen Erfahrungen gemacht? Habe ich aus irgendeinem Grund in dem Moment besonders bedrohlich auf ihn gewirkt? Habe ich ihn irgendwie erschrocken? Wenn ja, wie kann ich verhindern, dass ich noch mal auf meinen Hund so wirke? Was braucht er, damit mir das nicht noch mal passiert? Und/Oder: Wie kann ich ihm erklären, dass ich keine Bedrohung für ihn bin, nur weil ich vielleicht eine Geste/Körperhaltung/Blick/Stimme habe/verwende, die er aus früheren Erfahrungen negativ verknüpft hat?

    Wenn grundsätzlich das Sofa tabu sein soll, wäre es unfair, das Sofa zum üben zu benutzen. Lieber einen Platz zum üben nehmen, den der Hund eigentlich benutzen darf.

    Na ja...und zum Schluss noch eine persönliche Bemerkung: Ohne Kontaktliegen auf dem Sofa wäre ich mit meiner "Problemhündin" sicher nicht da, wo ich jetzt bin. Das ist eine unserer wichtigsten Trainingssessions: Stundenlang zusammen auf dem Sofa liegen und entspannen ;). Ich finde das ein wesentliches Argument für die Sofabenutzung von Hunden. Ich akzeptiere aber natürlich absolut, wenn jemand das nicht möchte... ist nur als Anregung gedacht.

    Lieben Gruß

    Kirsten

  • Kann man da nicht den Hund eine Alternative anbieten um ihn auch aus dieser Situation zu holen (sich selbst natürlich auch)? z.B Distanz vergrößern,den Hund freundlich rufen und ihn dann belohnen fürs kommen? Schliesse mich Kirsten an auf jedenfall zu überdenken was da in der Situation geschehen ist und reflektieren.

  • Erziehung durch rein positive Verstärkung mag bei manchen Hunden funktionieren, aber der Hund zeigt dir grade deutlich dass du bei ihm damit auf Granit beißt. Ich würd mich nicht verarschen lassen, aber muss ja jeder selber wissen.

  • Hat der Hund dich schon in anderen Situationen angeknurrt? Futter, Spielzeug etc pp?

    Und was heißt denn "beim runtertun"?

    Bei mir und Oma hieße das: "Jill?! :suess: Könntest du mal vom Sofa aufstehen? Nein?! Bitte steh doch mal auf."

    Bei anderen kann das ja heißen, am Halsband fassen und vom Sofa schicken....am Fell fassen...sich über den Hund beugen und ihm tief in die Augen schauen "Runter da!"....weißt du, was ich meine?

    Arbeiten über Strafe ist nicht zwingend gewaltätig =)

    Ansonsten bin ich mal auf weitere Ideen gespannt.

  • Hi,

    Eigentlich völlig einfach.
    Du nimmst n Stück Wurst und rufst ihn freundlich. Dann bekommt er die Wurst.

    Ich würde so allerdings niemals mit einem Hund arbeiten.
    Warum? Wenn der Hund lernt, dass er für das runtergehen vom Sofa eine Futterbelohnung bekommt, wird er - wenn er etwas intelligent ist - in Zukunft öfter auf dem Sofa liegen, um fürs runterschicken belohnt zu werden.
    Das ist kontraproduktiv, wenn der Hund eigenltich gar nicht aufs Sofa soll.
    Und bei einem Hund, der mich auf dem Sofa angeknurrt hat, würde ich das Sofa prinzipiell erstmal für tabu erklären.

    lg,
    Sanne

  • Ok dann doch mal ein bisschen weiter ausholen :)

    Der Hund durfte nach einer eingewöhnungszeit aufs Sofa und darf immernoch da wir auch gerne Kuscheln :)
    In anderen bereichen gibts kein Knurren oder drohen und es war auch das erste und einzige mal.

    Ein Komando für runter hat er nicht, kennt aber Zeigegesten da ich viel mit denen arbeite wenn der Hund z.b. links/rechts laufen soll, aus der Küche oder auf seinen Platz soll und halt in dem fall eingesetzt zum räumen des sofas.

    Das "runtertuen" sah also bei mir so aus: Hund gerufen (wollten Gassi gehen) er kam nicht und ist weg aufs sofa gehüpft, also hingegangen seitlich zu ihm gestellt und mit der Zeigegeste eine bewegung von Ihm richtung Boden gemacht. Daraufhin das Drohen seinerseit. Ich habe dann meine Hand auf seinen Nacken/Schulterbereich gelegt und die Geste nocheinmal ausgeführt worauf er dann Runter ist und dabei kurz das Maul geleckt hat, der rest anleinen und so zum Spazieren gehen war problemlos.

    Mich würde halt interresieren wie man soetwas positiv ohne konflikt lösen kann da man sicher auch mal an einen Hund gerät der sich sicher nicht so leicht beeindrucken lässt.

    Zwar ist das Komando nicht extra beigebracht sondern im täglichen Umgang miteinander erlernt aber ich denke er wolte sich mir bewusst entziehen und hat deshalb verweigert.

    Wenn ich nun ein neues Positives Komando für runter aufbaue und er kann es im alltag, wenn er sich aber versucht zu entziehen und aufs komando droht wie kommt man dann da weiter oder ist hier auch die grenze der positiven verstärkung erreicht wie man auch eine bei strafe hätte ?

  • Hallo noch mal :)

    Dann war das Problem doch schon vorher da: Der Hund wollte nicht zu dir kommen/nicht angeleint werden/nicht nach draußen gehen. Er ist der Situation ausgewichen auf das Sofa (wo er sich offensichtlich dann wohl sehr sicher fühlt) und das "vom Sofa schicken" könnte den Effekt gehabt haben, ihn aus seiner "Schutzzone" zurück in eine unangenehme Situation (rausgehen) zu schicken.
    Dafür spricht ja auch, dass er sonst nie so ein Verhalten gezeigt hat.

    Dementsprechend würde ich meine Fragen von oben weiter nach vorne verlegen: Warum hatte der Hund Angst zu dir zu kommen/angeleint zu werden/raus zu gehen?

    Lieben Gruß

    Kirsten

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