Während des Frühstücks

  • Armer Walter, so sehr ich deine Geschichten liebe, stimmen mich diese letzten sehr traurig. Lese ich doch hier eindeutig Verzweiflung heraus.

    Noch nicht einmal im Traum läßt dich das DF in Ruh. Im Wachen und im Schlafen bist Du umgeben von Usern und Mods. Man läßt dich nicht zur Ruhe kommen und das in dieser Zeit, die die Besinnliche heißt.

    Dein Fan Nr. 2 versichert dir ihr tiefes Mitgefühl und hofft, daß es auch für dich wieder ruhige DF-lose Nächte geben wird.

    Lieben Gruß

    Gaby

  • Ich lach mich scheckig und so sehr ich auch ruhige Nächte wünsche, so mächtig freue ich mich
    auf Teil 3 des Albtraums.
    Das Forum lässt einen in diesen Tagen nicht los.

    In Vorfreude auf den nächsten Lachflash, Sanny

  • Hier kommt der dritte und letzte Teil:


    „Also bin ich zur nächsten Station, der Rechtsabteilung gelaufen. Als ich die Tür öffnete legte sich ein Schleier aus Staub und Erhabenheit auf meine Lungen. Bis auf einen großen Sekretär, an dem Caro saß, bestand der riesige Raum nur aus bis zu Decke reichenden Regalen, die randvoll mit Akten gefüllt waren. Ich bekam das Ablage-System erklärt und wurde umgehend losgeschickt um Papiere zu vernichten und Dokumente zu holen. Ich beschaffte mir etwas Kurzweil bei der staubigen Arbeit, indem ich lauthals ein Medley aus Rockklassikern intonierte.
    Als ich Caro mit einer Fliegeralarm-würdigen Version von Led Zeppelins Immigrant Song erfreuen wollte, griff sie zum Klebeband und klebte mir kurzerhand den Mund zu.
    Nun gab es nicht allzu viel für mich zu tun, deshalb machte ich, um mir die Zeit zu vertreiben, ein paar Klimmzüge am Türrahmen. Leider war die Zarge genauso muffig, verstaubt und brüchig wie der ganze Raum und als ich mich zum siebten Mal hochziehen wollte, krachte dröhnend der Rahmen zusammen, woraufhin die lärmempfindliche Moderatorin mich einfach vor die Tür setzte.

    Da stand ich nun auf dem Flur und versuchte vorsichtig das Klebeband von meinem Mund zu
    entfernen, was gar nicht so einfach ist, wenn man einen „Drei-Musketier-Bart“ trägt.
    Gerade als ich ein kleines Eckchen des Bandes gelöst hatte, tauchte „Staffy“ fröhlich summend neben
    mir auf. Sie sah mich an, lächelte, und riss das Pflaster mit einem Ruck ab. Vor Schreck und weil es sauweh tat, zuckte ich zurück und knallte mit dem Hinterkopf vor die Wand, an der ich langsam herab rutschte. Leicht angeekelt schüttelte „Staffy“ das haarige Klebeband von den Fingern, sagte, dass ich mich nicht so anstellen solle, und schlenderte leise singend davon. Ich atmete ein paar Mal tief durch und überlegte wo ich mich rasieren könne. Da in der Abteilung „der Papierkorb“ am wenigsten Publikumsverkehr herrscht, machte ich mich auf den Weg dorthin. Der bewusste Papierkorb muss laufend geleert werden und diese Arbeit obliegt einzig und allein den MOD-Azubis. Das mit alten Threads und verkorksten Beiträgen vollgestopfte Ding ist entsetzlich schwer. Man muss den riesigen Korb aus seiner Halterung ziehen, durch einen leeren ersetzen und den vollen zum Papiercontainer schleppen.“
    „Ihr hattet einen eigenen Container?“
    „Nee, drei. Und die wurden täglich geleert.“
    „Hui, da kommt aber viel Unfug im DF an, was? Na und wann gab es was zu essen? Überhaupt wie sah die Kantine aus? Hatte jeder Gast seinen eigenen Napf? Und standen auch ein paar Schüsseln mit Wasser herum? Und wurden die Menschen auch gebarft? Und gab es auf der Herrentoilette ein Pissoir oder Bäume und Laternenpfähle?“
    „Mach Dich nur witzig, Du gefühlloses Frauenzimmer.
    Also, nachdem ich wochenlang die Papierkörbe geleert hatte,
    versuchte ich einen Blick in den streng geheimen internen Bereich zu werfen.
    Als ich das richtige Stockwerk erreicht hatte, bemerkte ich, dass die Tür zum Allerheiligsten nur angelehnt war und schlüpfte blitzschnell hinein.
    An den Wänden der internen Aufenthaltsräume hingen überall Bilder
    von sonnenüberfluteten Sandstränden, auf denen sich verschiedene Moderatorinnen
    von athletischen, sonnengebräunten Jünglingen Longdrinks mit Schirmchen servieren ließen.
    An einer Tür hing ein Poster mit der Aufschrift: „Pupertät, ebend rosafarbend“.
    Gerade als ich einen weiteren Raum erkunden wollte, hörte ich wie eine Stimme „Du Rotzbengel“ rief und eine Hand packte mich am Ohr und zog mich quer durch den internen Bereich hinaus auf den Flur. „Sarah1982“ hatte mich entdeckt und strafversetzte mich augenblicklich ins „Probleme, Kritik, Wünsche, Anregungen und natürlich auch Lob“ Stockwerk.
    Dies war der Ort an dem man seine Mitgliedschaft beenden konnte. Dort formierten
    sich schon viele DFler zu einer langen Schlange. Alles Menschen die ich sehr gern hatte, wie
    „Schnauzermädel“, „Susami“, „Knautschgesicht“, „Quebec“, „dieSchweizer“, „Network“
    „Rotti-Frauchen“, „Blackbetty“ , „Balljunkie“ und etliche andere. Und
    sie alle hatten ihre Kündigung in der Hand. Wenn ein minderhirniger Stoffel wie ich
    Moderator werden würde, so befürchteten sie, würde das Niveau derart unterirdisch werden, dass man Kilometer tief bohren und einen Förderturm aufbauen müsse, um noch einen oder zwei Hauch Qualität retten zu können. Mein Einwand, dass man nur selbst
    einige gute Texte schreiben müsse um den Laden aufzuwerten, ging im Lärm der Buhrufe unter.
    Tja, und dann wachte ich endlich auf. Schweißnass und nach Atem ringend.“
    „Ja, ganz prima Liebster, dürfen wir jetzt endlich essen?“


    Nun fällt der Vorhang.
    Das war meine letzte (Frühstücks-)Geschichte.

    Vielen Dank an alle die tapfer mitgelesen haben,
    noch etwas mehr Dank an die, die mit einem
    mutmachenden Posting die Geschichten
    vorangetrieben haben.

    Viele Grüße

  • Liebster Walter,

    ich möchte dir meinen Dank aussprechen für die wundervolle Unterhaltung und deinen unverwechselbaren Humor, der mich so oft zum Lachen gebracht hat!

    Ein kleiner Funken Hoffnung glimmt in meinem Inneren, dass wir vielleicht im neuen Jahr eine weitere Geschichte lesen dürfen!

    Ach ja, noch eins:
    Du bist ein toller Mod, egal, was deine Träume sagen :smile:

    LG
    Dein Fan Nr. 19

  • Zitat

    Dort formierten
    sich schon viele DFler zu einer langen Schlange. Alles Menschen die ich sehr gern hatte, wie
    „Schnauzermädel“, „Susami“, „Knautschgesicht“, „Quebec“, „dieSchweizer“, „Network“
    „Rotti-Frauchen“, „Blackbetty“ , „Balljunkie“ und etliche andere. Und
    sie alle hatten ihre Kündigung in der Hand.

    :bussi:

    Zitat

    Nun fällt der Vorhang.
    Das war meine letzte (Frühstücks-)Geschichte.

    irgendwann fällt für jeden der vorhang. ;)
    walter, deine geschichte war prima. ich habe viel gelacht - vor allem zwischen den zeilen :hust:

    ich wünsche dir alles gute.
    gruß marion

  • Ein perfekter Abschluss, wie ich finde.

    Von mir aus könnte es noch ewig so weitergehen mit den tollen Frühstücksgeschichten und den wirren Träumen :D
    Aber man kann ja nicht alles haben, ich bedanke mich für die tollen Texte hier, die einem viel Freude bereitet haben!

    Dein Fan Nummer Vier.

  • Oh Walter,

    was für eine wirklich wahre DF-Vorweihnachtsgeschichte (oder eine, die es werden wollte)! Vielen Dank, dass ich mich an deinen Frühstückstisch versetzt fühlte und durch die ganzen Seiten meine Bauchmuskeln trainieren durften!

    Es war einfach wunderwar und daher bitte ich um


    ZUGABE


    und applaudiere stehend!

  • Lieber Walter,

    leider ist zwischen Deinen letzten Zeilen viel Trauriges zu lesen...

    Der Vorhang fällt und Du bedankst Dich bei den mutmachenden Usern, auch mir hast Du immer wieder Mut gemacht ;)

    Auch ich wünsche Dir alles Liebe und Gute, bewahre Deine Energie!

    Ganz liebe Grüße
    Leo

  • Lieber Walter,

    ich konnte die letzten drei Fruehstuecksgeschichten nicht mit dem so gewohnten Lachen begleiten. Mich haben deine Worte so traurig gestimmt. Ich weiss, die Menschen, das Leben allgemein, alles aendert sich. Leider aber nicht immer zum Besseren.

    Ja, Du hast Recht, ich habe die Kuendigung in der Hand, ob ich sie abgebe, dass wird sich sicher bald zeigen.

    Ich weiss nur eins, ich werde dich sehr vermissen.

    Walter, ich nehme dich in Gedanken in den Arm und druecke dich ganz fest.

    Lieben Gruss

    Gaby

  • oh das finde ich schade, dass du mein fitnesstraining jetzt boykottierst aber ich hätte eine idee.

    wie wäre es denn mit gute nacht geschichten oder abendliche sofagespräche oder mitternachtsträumereien.

    na wäre da nicht was dabei?

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