ANTI-JAGD-TRAINING oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde

  • Also das mit dem Hingehen zum Hund und dann "strafen" hab ich so verstanden:

    wenn der Hund nicht hört und ich ihn abholen gehe, kann ich ihn bestrafen.

    Wenn er mir aber doch auf halben Weg entgegenkommt, bringt das Bestrafen nichts mehr, denn dann kommt ja der Hund.

    So war es gestern bei uns auch. Momo hat nicht gehört, weil er zu weit weg war (bei uns kommt das doch leider noch vor). Ich bin auf ihn zugegangen, um ihn abzuholen. Auf halbem Weg hat er mich dann wieder wahr genommen und ist zu mir gelaufen. Da hab ich ein "fein" über die Lippen gebracht und habe sonst auch nix weiter gesagt. Aber geschimpft habe ich ihn natürlich auch nicht, weil er es ja sonst mit dem Kommen verknüpft hätte.

    Wenn ich ihn allerdings abhole und er bis zur letzten Sekunde keine Notiz von mir nimmt, weil Schafsch.... fressen besser ist, dann gibt es schon mal ein Anraunzen und dann anleinen.

  • Wir hatten grade den ersten "Reizangel-Testlauf" und es hat nicht so schlecht geklappt.

    Bei Trudi hat es super geklappt, aber da habe ich auch nichts anderes erwartet. Ich bin gespannt, wie das wird, wenn ich irgendwann mal meine Distanz zum Hund verringere...

    Für Lotte war es - ebenfalls wie erwartet - sehr schwer. Selbst gaaaanz langsame Bewegungen (ich mein wirlich so langsam, dass man selbst sich fragt, ob es sich nun gerührt hat oder nicht) waren anfangs schon zu viel. Dazu kam, dass ich keinen richtig langen Stock hatte, also superschnell das Seil einholen mußte. Aber es hat geklappt und nachdem sie verstanden hat, worumes geht, hat sie immer fein zu mir geguckt. (Jetzt muß ich es nur noch hinbekommen, den Dummy weiter zu bewegen, wenn ich Lotte das Jagdkommando gegeben habe. Oder nicht? Das ist mir wärend des Trainings völlig entfallen...)

    Ich habe nach wie vor das Problem, dass Lotte schnell "warmläuft" und dann den Dummy nicht mehr hergeben mag, bzw. ihn sofort zurück will. Ganz besonders, wenn andere Hunde dabei sind. Aber das wird auch besser.

  • Die Grundidee ist die gleiche, wie jene beim Schutzdienst im VPG. Normalerweise müsste man es "Unterordnung unter dem Einfluss trieblicher Reizlagen (Beute/soziale Agression)" nennen.

    Der Hund bekommt bestimmte, genetisch implementierte, Verhaltensmuster nicht einfach nur verboten, sondern er wird dazu gebracht, das angeborene Verhalten führergelenkt zu kanalisieren. WENN er vorher gefragt und vom Chef das OK bekommen hat.

    Und: Ja! Logisch funktionierts... schon seit Generationen.

    Gruß

  • Anfangs hats absolut gar nicht funktioniert. Missy hat nach dem Anschauen ein Tock bekommen.

    Das wurde zwei mal gemacht und beim dritten Mal hat sie kurz geschaut und ist losgedüst.

    Das mussten wir also generell wieder anders aufbauen.

    "Fragen" find ich nach wie vor eigentlich falsch interpretiert. Es ist die Manipulation ihres Jagdverhaltens. Und so, wie es mir erklärt wurde, funktionierte es einfach mal nicht. Es hat ne Weile gedauert, bis Missy dann das Anschauen nicht als Signal, loszurennen angesehen hat.

    Und Trillian: Wenn es sie momentan genug hochfährt, auch ohne wirkliches hinterherhetzen, würd ichs erstmal so belassen, dass nachm tock sofort erbeutet wird.

    Das, was du über Lotte schreibst, war mit Missy haargenau so! Das ist wirklich der Hammer... die ENtwicklung... sie hat nen Reiz wahrgenommen und ZACK... das war fast mechanisch... Bewegung hieß hinterher. Und ich konnte ganz am Anfang nicht mal den Dummy vor sie LEGEN, ohne dass sie hinwollte.

  • Ja, das mit dem Dummy hinlegen hat bei uns auch ewig gedauert. Jetzt sind wir (bei liegendem Dummy) so weit, dass wir am Dummy mit Fuß vorbei gehen können. (Natürlich nur, wenn ich zwischen Lotte und Dummy bleibe, sonst geht das noch nicht.)

    Irgendwann möchte ich sie mal zu mir rufen können, wenn der Dummy liegt. Aber das braucht noch etwas Zeit.

  • Jetzt hätte ich mal eine allgemeine Frage zum Reizangeltraining.

    Kurze Vorgeschichte: wir trainieren im Moment die Impulskontrolle so:

    wir werfen einen Ball oder ein anderes Spielzeug von Momo oder auch mal Leckerlis. Er darf erst auf Kommando loslaufen und das Leckerlie fressen bzw. den Ball holen. Das funktioniert sehr gut. Er hat sich gut unter Kontrolle, egal ob ich den Ball hoch werfe oder am Boden entlang rolle. Verlange ich von ihm noch etwas, bevor er los darf, macht er das auch (Platz, einen Trick usw.).

    Ab und zu, aber wirklich selten, kommt es vor, dass er einspringt und ohne Kommando losrennt. Aber dann kann ich ihn mit einem nein oder hey problemlos zu mir rufen. Dann hole ich den Ball und er muss sitzen bleiben als Strafe und die nächste Chance folgt erst wieder nach ein paar Minuten.

    Langsam fange ich an den Ball so zu werfen, dass er ihn suchen muss, also ins Gebüsch oder ins hohe Gras oder so.

    Momo ist auch auf jeden Fall Spurjäger, nicht Sichtjäger. Klar, wenn vor seiner Nase ein Hase hoch springt und losläuft, dann würde er auch hinterher gehen.

    Jetzt meine Frage: würde bei uns Reizangeltraining überhaupt Sinn machen? Also dass es nicht schlecht ist und nicht schaden würde, ist klar.
    Aber nachdem er sich ja schon echt super gut unter Kontrolle hat, klappt die Impuslkontrolle super.

    Oder kann man unser Training gar nicht mit den Reizangel vergleichen?

  • Also bei nem Sichtjäger ist es definitiv ein Unterschied, ob sich ein Objekt bewegt, oder ob es weggeworfen wird und dann dort liegen bleibt.

    Am bewegten Objekt können Dinge trainiert werden, die eben ein noch höheres Maß an Impulskontrolle bedürfen, als es beim Dummytraining nötig ist.

    Für usn war es irgendwann eine notwendige Steigerung und ich komme damit im Training näher an Alltagssituationen.

    Für nen Hund, der auf Sichtreize gar nicht in dem Maße reagiert, ist es vielleicht gar nicht so notwendig und entsprechend auch nicht so sinnvoll.

    Da würd ich eher über Distanzkontrolle nachdenken, irgendwann Distanzkontrolle an ner ausgelegten Fährte, etc.

    Wenn du sagst, ein wegrennender Hase wäre aber Grund für ihn abzuhauen, dann kannst du mit der Reizangel super diesen Moment trainieren, eine Art "Vorstehen" trainieren und dadurch generell eine bessere Orientierung an dir gewährleisten.

  • @ Aura:

    Zitat

    Da würd ich eher über Distanzkontrolle nachdenken, irgendwann Distanzkontrolle an ner ausgelegten Fährte, etc.

    Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen... :gut:

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