Mein Welpe schnappt bei Frust

  • Schubst ihr ihn herum? Fasst ihr ihn dabei an? Was macht ihr da genau?

    Wie haltet ihr ihn davon ab?

    Wir heben ihn hoch und setzen ihn am Boden wieder ab, verbunden mit einem "Nein". Wenn bisher nur seine Vorderpfoten auf der Couch sind, schieben wir diese verbunden mit "Nein" herunter. Hier kann es gut sein, dass er das "Nein" noch nicht versteht. Anschließend spielen wir entweder kurz mit ihm, geben ein Leckerli, lassen ihm Freiraum.... Sobald wir allerdings damit aufhören, geht es genauso von vorne los.

    Frust muss man lernen, und zwar in sehr kleinen Dosen. Nicht, indem man einen Welpen immer wieder blockiert, bis er explodiert, sondern durch gutes Management: Situationen so gestalten, dass er gar nicht erst regelmäßig scheitert, frühzeitig umlenken, Distanz schaffen, bevor er hochfährt. Grenzen sind wichtig, keine Frage. Aber Welpen lernen Grenzen nicht durch Durchsetzen und körperliche Gewalt.

    Hast du hier einen konkreten Vorschlag, wie wir das "umlenken" können und gleichzeitig eine Frustatrionstoleranz aufbauen können? Werde da am Samstag auch nochmal in der Welpengruppe nachfragen... dort kam der Vorschlag, dass wir ihn mit etwas kurz ablenken sollen, da er dann sein "Ziel" Couch vergessen hat. Klappt bisher aber leider nicht...

    Es kann durchaus sein, daß Ihr im Aufbau was falsch gemacht hat, so daß der Hund das Ganze als Belohnung für "sein richtiges Verhalten" versteht und deshalb natürlich auch so weiter macht. Wieso auch nicht? Es gab doch immer wieder diese schöne Bestätigung.

    Ich würde ja ohnehin eher das richtige Verhalten belohnen wollen, und nicht erst aktiv werden, sobald das falsche Verhalten gezeigt wird.

    Wie können wir das denn erkennen? Und wie würdest du in dem Kontext richtiges Verhalten belohnen? Wenn du merkst, dass er etwas "dummes" (in Anführungsstrichen, da ja nur in unseren Augen dumm) macht z.B. mit "Komm" herholen und dann belohnen?

  • Aber ganz sicher nicht! Ausser du schreibst von Saugwelpen und das waere in diesem Fall mehr als unpassend!

    Warum liest man das dann überall? Also in Büchern oder im Netz. 🤷‍♀️ Da zählt ja das ruhen dazu.

    Weiß mit allem so ist: einer bläst was ins Netz und alle machens nach und zum Schluss steht's in einem Buch.

    Wie immer liegt die Wahrheit dazwischen.

    Genau wie ich schon beim Begriff "Kommando" in Bezug auf Tiere, die grad mal 4 Wochen von der Mutter weg sind, "Plaque" bekomme, so gibts dann eben Leute, die verstehen die Welt nicht, wenn ein Tier nicht macht was sie sagen, obwohl sie doch so böse sind.

    Nein Hunde sind nicht nur 4 Stunden am Tag wach. Ja, sie dösen öfter mal.

  • Hausleine ran und jedes Mal wenn er das Sofa berührt ein ruhiges "Nein" und ihn an der Hausleine auf seinen Platz führen. Weiß er überhaupt wo er liegen soll?

    Finde es spannend dass ihr nach einem Nein mit ihm spielt. 😅

    Wenn er da liegt wo er soll würde ich ihm was zu kauen geben oder mal von weitem ruhig Loben. Aber alles was den kirre macht würde ich lassen. Also quietschen, schieben, drücken, spielen usw.

  • Mal als Beispiel:

    Wir heben ihn hoch und setzen ihn am Boden wieder ab, verbunden mit einem "Nein".

    Wenn das genau in DIESER Reihenfolge geschieht, und auch das NEIN genau so kommt, ich es aktuell verstehe, dann seid Ihr im komplett falschen Timing! Aus Hundesicht verbietet Ihr ja dem Hund, mit allen vier Pfoten den Boden zu berühren ;) und das ist jetzt nur ganz krass ausgedrückt!


    Kennt Euer Hund überhaupt ein NEIN?
    Damit fängt es meistens an. Ihr reagiert. Wenn Ihr den Hund erst hochheben und auf dem Boden absetzen müßt, seid Ihr schon viel zu spät!
    Ihr solltet früher ansetzen. Der Hund deutet sicherlich schon vorher an, daß er hochspringen will / wird. Da schon NEIN (vorausgesetzt natürlich, er kennt auch die Bedeutung dieser Vokabel) sagen. Belohnen, daß er unten geblieben ist.

    Anschließend spielen wir entweder kurz mit ihm, geben ein Leckerli, lassen ihm Freiraum.... Sobald wir allerdings damit aufhören, geht es genauso von vorne los.

    DAS ist Belohnung. Also lohnen sich die Dinge, wie auf die Couch zu springen, weil danach gibt es ja ein tolles Spiel, oder sogar Futter! Klasse!

    Darum geht es doch wieder von vorne los! Weil Ihr das bestätigt habt, wenn auch unbewußt.

  • Hast du hier einen konkreten Vorschlag, wie wir das "umlenken" können und gleichzeitig eine Frustatrionstoleranz aufbauen können?

    Frustrationstoleranz entsteht nicht dadurch, dass man wartet, bis der Frust schon richtig da ist und dann versucht, ihn irgendwie runterzudrücken oder „aushalten zu lassen“.l. Entscheidend ist, früher zu reagieren, ruhig und selbstverständlich, ohne panisch zu werden.

    Und ja, ich verstehe absolut, dass es verunsichert, wenn ein Welpe plötzlich schnappt oder beißt. Das tut weh, das erschreckt und das fühlt sich im ersten Moment einfach falsch an. Das darf man auch so empfinden. Wichtig ist nur, was man danach daraus macht.

    Je mehr Emotionen man in diese Situationen packt, egal ob Hilflosigkeit, Wut, Genervtsein,... desto größer wird das Thema für den Hund. Und dann lohnt es sich für ihn immer wieder, genau dort anzusetzen. Nicht, weil er böse ist, sondern weil Menschen sich in solchen Momenten extrem gut lenken lassen.

    Was viel sinnvoller ist, ist ein nüchterner Umgang damit.

    Ganz praktisch kann das zum Beispiel so aussehen: Der Welpe steuert Richtung Couch. Man reagiert früh, ich nutze dabei ein einfaches Ähäh, und führt ihn ruhig aus dem Zimmer. Kein Nein, kein Schimpfen, kein Drama. Im Flur passiert erst mal nichts. Man bleibt kurz dort, ruhig, neutral. Dann geht man gemeinsam wieder ins Wohnzimmer und bietet dort eine Alternative an.

    Geht der Hund wieder Richtung Couch, passiert wieder genau dasselbe. Ruhig rausführen, kurz im Flur bleiben, wieder zurück. Ohne Steigerung, ohne Emotionen.

    Wenn ihr euch nicht mehr mit den Händen an euren Welpen traut, nehmt ihr eben eine Leine dafür. Die könnt ihr auch erstmal dran lassen, dann müsst ihr nicht immer erst noch anleinen.

    So lernt der Hund nicht, dass etwas schlimm ist, sondern dass ein unerfüllter Wunsch einfach keine große Sache ist. Und genau so entsteht Frustrationstoleranz.

  • Spricht denn etwas dagegen, sich auf den Boden zum Hund zu begeben und so seinem Kontaktbedürfnis nachzukommen?
    Also vor meinem geistigen Auge sitzt ihr auf dem Sofa und der Hund will dazu, was ihr nicht wollt. Evtl. ist die Situation aber eine andere - dann hilft die Idee natürlich nicht.

    Ansonsten würde ich weder umlenken/ablenken/abstrafen was auch immer. Der Hund zeigt ein Bedürfnis an (Kontakt zu euch, weicher und sicherer Liegeplatz) und NATÜRLICH erstmal frustriert, dass das Bedürfnis nicht erfüllt wird.
    Er will euch sicher nicht ärgern oder bestrafen indem er euch beißt. Er wird dann fordernd und aktiv, da seid ihr dann gefragt, da Ruhe rein zu bringen. Das geht aber nicht, wenn man sich ärgert und genervt ist.

  • Als Ergänzung noch:

    Ich persönlich handhabe das zum Beispiel ganz anders. Einfach, weil ich keine Angst davor habe, dass ein Welpe mich beißen könnte. Bei mir gibt es dann das altbewährte „äh-äh“, danach entferne ich den Welpen von der Stelle, wo ich ihn nicht haben will. Und ja, zur Not halte ich ihn auch mal für ein paar Momente fest.

    Ich gehe dabei gar nicht auf diese kleinen Wutbürger ein. Ich nehme das nicht ernst. Ich weiß dann einfach: Okay, da war ich zu spät, nächstes Mal reagiere ich früher.

    Aber das funktioniert eben nicht für jeden so. Und gerade wenn da schon so viele Emotionen drin sind wie bei euch, ist das auch nicht hilfreich. Deshalb wäre es Quatsch, euch das als den einzig richtigen Weg zu verkaufen.

    Ich finde kleine wütende Welpen ehrlich gesagt einfach furchtbar zuckersüß und nehme das Ganze nicht sonderlich ernst. Ich habe eher Spaß daran, ihnen zu zeigen, wie die Welt funktioniert. Dass man nicht immer alles bekommt, was man gerne hätte. Und dass das auch wirklich nicht schlimm ist.

    Und ich liebe die kleine Rangelkämpfe, Hapsen und Schubsen und überhaupt. Mir macht das großen spaß, den Welpen bisher auch und gleichzeitig kann ich ganz nebenbei üben nicht nur die Energie hochzufahren, sondern eben auch wieder runter. Aber das ist wirklich noch eine Stufe zu weit für euch

  • Man liest auch überall immer noch, dass man Hunde nicht Baden sollte, dass man nur lange genug mit dem Hund laufen muss, damit man keine Krallen schneiden muss.... Ist genauso Bullshit und das Internet ist trotzdem voll damit.

    Entschuldigt.. hat zwar mit dem eigentlichen Thema nichts zutun, aber ich muss da trotzdem mal fragen..

    Woher bezieht ihr denn eure Informationen?

    Selbst Hundetrainer erzählen doch unterschiedliche Dinge, wenn es ums selbe Problem geht.

    Nur Erfahrungswerte finde ich schwierig. Jeder hat ja irgendwie auch einen anderen "Anspruch" bzw. auch ein ganz anderen Alltag. Und dann eben noch die unterschiedlichsten Rassen. 🙈

    Krallen schneiden ist tatsächlich auch so ein Thema, da habe ich die unterschiedlichsten Dinge gehört. Baden auch, da habe ich aber tatsächlich bisher nur "So oft wie nötig, aber so selten wie möglich." gehört.

  • Woher bezieht ihr denn eure Informationen?

    Ich bin Hundefriseur, habe selbst 9 Hunde plus ein Pflegehund und verlasse mich in der Regel auf Wissenschaft, meine Erfahrung und die der Tierärzte, Trainer und Physiotherapeuten, mit denen ich mich regelmäßig austausche. Hunde sind MEIN Thema, ich liebe es mich da auf dem neuesten Stand zu halten und Sachen zu lernen.

  • Mir reicht es zig Wuerfe beobachtet zu haben (auch eigene) + Gespraeche mit Experten + Beobachtung eigener Welpen (ab 8 Wochen), die einfach machen duerfen.

    Es ist das selbe wie 'die duerfen niemals Treppen laufen' oder das irgendwer mal meinte die 5-Minuten-Regel wuerde fuer jede Art von draussen-sein gelten.

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