Alltag mit meinem Junghund

  • Hallo liebe Forum-Mitglieder,

    ich erhoffe mir ein wenig Input zu dem Alltag mit meinem Junghund Mischka, er ist ein im Mai 2025 geborener Havapoo aus einer Hobbyzucht. Er kam erst mit 21 Wochen zu mir, nachdem alle Geschwister bereits ausgezogen waren. Er kannte nur Garten und die dort lebenden Hunde. Also seine Mutter und eine andere Hündin. Spaziergänge, Auto fahren,Fellpflege oder Umweltreize waren neu für ihn. Haushaltsgeräusche und Menschen waren ihm vertraut.

    Er von Anfang an sehr aufgeweckt, mutig und selbstständig, leider auch sehr ballfixiert und kannte keine Grenzen. Grenzen wurden dort offenbar eher durch Anmeckern gesetzt. Trotzdem mochte ich ihn sofort sehr. Rückblickend bin ich wohl in typische Ersthundehalter-Fallen getappt.

    Eine Trainerin kam drei Tage nach seinem Einzug, aber ich habe mich gegen weitere Stunden bei ihr entschieden, denn eine Situation war sehr belastend: Sie setzte ihn in den Auslauf, weil ich berichtete habe das er den nicht gut annimmt. Er bellte, steigerte sich rein und klemmte sich die Pfote ein, bekam Panik und entleerte die Analdrüse. Mir wurde gesagt, er würde nur aus Frust bellen und ich müsse das aushalten und trainieren. Auch Leinenimpulse wurden zum trainieren der Leinenführigkeit eingesetzt. So wirklich verstanden habe ich mich bei ihr nicht gefühlt. Ich möchte fair und verständnisvoll mit ihm umgehen.

    Ich merke, dass ich durch viel Lesen und Social Media ( leider beschäftige ich mich übermäßig mit dem Thema Hund) oft gegen mein Bauchgefühl handle, aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei wünsche ich mir eigentlich Bindung durch Vertrauen und gemeinsames Lernen.

    Mischka ist sehr vokal,und reagiert stark auf Grenzen, mit Bellen und Hochfahren. Impulskontrolle ist sehr gering. Einmal habe ich ihn in einer Gefahrensituation angeschnauzt, da hat er vor Angst gepinkelt. Grenzen setzen fällt mir generell schwer, körperlich oder einschüchternd möchte ich nicht arbeiten.

    Ich bin mit Hunden aufgewachsen, aber er ist mein erster eigener. Unser Tagesablauf ist noch unstrukturiert, ich finde die richtige Balance aus Aktivität und Ruhe schwer. Ich arbeite teils im Homeoffice, teils im Büro, dann ist er in HuTa, bei meiner Mutter oder bei meinem Freund.

    Mittlerweile geht es morgens raus und dann gibt’s Frühstück und ich arbeite, mittags wieder raus und dann Mittag, ich arbeite weiter und Nachmittag oder frühen Abend wieder raus und essen und dann eine letze Runde vor dem schlafen gehen.

    Spaziergänge sind schwierig einzuschätzen: mal geht Beschäftigung, mal kippt dadurch alles, besonders wenn dann noch ne Begegnung dazu kommt. Auch die Länge der Strecke ist sehr unterschiedlich deswegen. Als Beschäftigung mag er Suchen, Apportieren, Nasenarbeit. Tricks sind wegen hoher Erregung bei Futter schwer. Anfangs habe ich ihn wohl überbeschäftigt (ständig Kong, Schnüffelmatte etc.).
    Die Umgebung hier ist sehr reizintensiv (Hunde, Fahrräder, Menschen). In ruhigen Gegenden oder im Wald ist es toll, auch Freilauf klappt gut, er ist aufmerksam und sein Rückruf ist gut. Derzeit allerdings mit großem Radius. Er prescht nur so davon, ich glaube weil sich viel Druck anstaut. Ich versuche, täglich Freilauf oder lange Schlepp zu ermöglichen und ca. wöchentlich Hundekontakt. Hundebegegnungen sind schwierig, weil er früh angespannt ist, nach vorne geht, bellt und fiept, vermutlich Frust. Meist halte ich Abstand, drehe um, trage ihn oder lasse ihn Leckerlis suchen. Ich möchte ihn nicht einfach weiterziehen oder bedrängen.
    Verträglich ist er aber, da haben wir kein Thema.
    Leinenführigkeit ist sehr mühsam, er zieht stark, kurze Leine war Stress pur, daher ist er meist an der Schlepp. Aber wenn er drüber ist, rennt er bis zum Ende, wartet, rennt wieder los. Ein Resultat aus der Übung am Ende der Leine zu warten. Ich versuche, ruhig zu gehen, ihn schnüffeln zu lassen und mein Tempo zu halten, aber es ist sehr anstrengend und frustrierend. Manchmal breche ich Spaziergänge deswegen auch ab. Ich habe jetzt einen Rückdämpfer geholt, Geschirr benutze ich fast ausschließlich, da Halsband noch nicht geht.

    Zuhause kommt er schlecht zur Ruhe, folgt mir ständig, schläft fast nur, wenn ich auch liege oder sitze. Wegschicken stresst ihn, je mehr ich es versuche, desto hektischer wird er und klemmt erst recht an mir. Oft läuft er rastlos herum, sucht Beschäftigung und beobachtet mich viel. Auch wenn auf Papier alle Bedürfnisse erfüllt sind.
    Alleinbleiben geht gar nicht, er bellt durchgehend. Wachsamkeit hat sich etwas reduziert, kommt aber bei Überforderung zurück.

    Alles, was mit Festhalten, Warten, Abbruch, usw. zu tun hat, fährt ihn extrem hoch. Impulskontrollübungen verschlechtern sogar Alltagsdinge wie Warten an Türen. Ihn „machen lassen“ ist kurzfristig oft das kleinere Übel.

    Ich glaube, sein ständiges Folgen habe ich ungewollt gefördert, weil ich ihn anfangs aus Angst nie allein ließ und immer im Blick hatte. Aktiv ignorieren fällt mir schwer, weil ich seine Bedürfnisse ernst nehmen will, aber dadurch sind wir beide ständig aufeinander fixiert.

    Interessanterweise kann er in der HuTa, im Auto oder bei anderen Menschen kurz alleine bleiben und wird oft als ruhiger, lieber Junghund beschrieben. Bei meiner Mutter ist es meist auch gut. Er ist sehr klug, zugewandt und wir haben auch schöne Momente, aber ich wünsche mir für uns beide mehr Entspannung und Sicherheit. Ne vertraute Gelassenheit.

    Ich suche aktuell eine neue Trainerin. Die Situation belastet mich sehr, weil ich ihm Grenzen aufzeigen möchte, aber nicht anschreien oder einschüchtern will, aber auch nicht ständig angebellt, angesprungen oder gezogen werden möchte. Mir fehlt die Höflichkeit bei ihm und mir die Fähigkeit, sie ihm stressfrei zu vermitteln. Ich möchte seine und meine Bedürfnisse besser vereinen, durch mehr Klarheit, Vorhersagbarkeit, bessere Kommunikation und konsequentes, aber faires Handeln. Oft fühlt es sich an, als mache ich gleichzeitig zu viel und zu wenig.

    Gesundheitlich ist er durchgecheckt. Kurz nach dem Einzug hatte er eine Gastritis, vermutlich Stress und Geflügelunverträglichkeit. Jetzt bekommt er selbstgekocht Rind, Kartoffel, Möhre. Nebenbei Monoprotein-Leckerlis und Rinderkauartikel. Trockenfutter ging nicht gut, zu häufige matschige Haufen und Sodbrennen. Hunger hat er gefühlt immer.

    Zusammengefasst wünsche ich mir einen ausgeglicheneren Alltag mit mehr schönen gemeinsamen Erlebnissen. Ich bin bereit, an mir zu arbeiten, denn aktuell ist viel Stress und Frust dabei.

    Ich freue mich über Input, Mut, Bestärkung und Tipps. Danke fürs Lesen und entschuldigt, falls der Text etwas springt.

    Liebe Grüße

  • Danke dir!!

    Ja, sind es wirklich, aber ich bin optimistisch, dass ich uns dadurch einen schöneren Alltag ermöglichen kann!

    Ich möchte anmerken, das sich niemand aus meinem Umfeld beschwert oder aus der Nachbarschaft, oder mir nahelegt einen Trainer hinzuzuziehen, aber es ist mein Anspruch und das Zusammenleben und mein Wunsch das ganze besser anzugehen.

    Besonders Maria Rehbergers Arbeit bewundere ich sehr, leider ist sie zu weit weg, aber hier gibt es eine Trainerin die nach dem Konzept von „Sprich Hund“ und „Trainieren statt dominieren“ arbeitet, bei der habe ich mich mal vorgestellt und hoffe das wir dort lernen können.

  • Das Wichtigste:

    Mach dir keinen Druck.
    Eines nach dem anderen angehen und sich über Fortschritte freuen.

    Nicht Perfektion erwarten, weder von dir, noch vom Hund. Weil dann lässt du alles offen für gute Entwicklungen

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!