Hund ist zu brav

  • Dieses Problem hätten viele gerne und es ist ja auch keines in dem Sinne, ich trau dem Frieden halt nicht.

    Auf unsere Situation bezogen kann man ohnedies eher nicht sinnvoll ferndiagnostizieren, aber mich interessieren Eure Erfahrungen:

    Kam bei erwachsenen Second Hand Hunden in/bei/nach der Eingewöhnung nochmal ne dratische Veränderung bereits erlernter Kommandos etwa, eine Art Flegelphase oder partielle Taubheit?

    (Hintergrund:
    Der Neuzugang ist seit 10 Wochen hier. Keinesfalls ein Fersenkleber von Begin weg, sondern wär gleich auf Ausflug gegangen, hätt ich ihn gelassen.

    Ein eher junger Windhundrüde, nur Tierheimerziehung in Fremdsprache, der aber mittlerweile im (ja, gesicherten) Freilauf auf Name+Komm oder Pfeife hört, dass ich jedes Mal vor Erstaunen fast umfall. Keine Angst - keine Illusion, ihn vom hetzen weg pfeifen zu können, aber für die paar Wochen Training bin ich echt baff - und misstrauisch. Bleibt das jetzt wirklich so?

    Bisher hatte ich entweder abrufbar by nature Hunde oder Abrufbarkeitskompromisshunde, aber bei dem jungen Mann staubt es fast, so gut hört der nach etwas Training . Ich trau dem Frieden nicht. Aber ich hab, weil noch nie nötig gewesen, auch vorher nie konsequent Rückruftraining gemacht. Aber kann ders jetzt echt oder pfeift er mir demnächst was?)

  • Hi!

    Kann so bleiben, muss aber nicht. Grad Tierheimhunde verändern sich in der Regel nochmal im Wesen, sobald sie sich eingelebt haben. Je nach Hund kann das zwischen 4 Monate bis durchaus 1 Jahr dauern (nach meiner Erfahrung).
    Ich würd also durchaus vorsichtig sein. 10 Wochen ist nicht viel Zeit für einen Hund, der länger im Tierheim saß.

  • Toll, ich wünsche dir, dass es so bleibt. Und ich denke, wenn er jetzt die Erfahrung macht, dass zu dir zu kommen sich lohnt, bleibt das ja vielleicht tatsächlich so. Und er scheint ja bereits zu dir eine Bindung zu haben, echt schön zu lesen, freut mich richtig.

    ALso meine alte Hündin aus dem Tierschutz war erst nach gut eineinhalb Jahren wirklich angekommen. Ok, sie kannte bereits ab Tag 3 den Weg zum Gartentor, aber die Sicherheit, ihr Vertrauen, das festigte sich erst mit der Zeit. Und da hat sie sich dann auch mal getraut alleine was zu entscheiden. Fand ich aber trotzdem gut.

  • Hi!

    Kann so bleiben, muss aber nicht. Grad Tierheimhunde verändern sich in der Regel nochmal im Wesen, sobald sie sich eingelebt haben. Je nach Hund kann das zwischen 4 Monate bis durchaus 1 Jahr dauern (nach meiner Erfahrung).
    Ich würd also durchaus vorsichtig sein. 10 Wochen ist nicht viel Zeit für einen Hund, der länger im Tierheim saß.

    Hey, ja, das denk ich grundsätzlich auch

    (Er ist nicht mein erster Zweithandhund. Der letzte Rüde war anfangs nahezu im Dauer-bei-Fuß, was mich in der falschen Annahme bestärkte, ich sei Tophunderzieherin. Sein Radius wurde bald deutlich größer und selektive Taubheit setzte auch ein. Nun, ich hab damals mit ihm nicht gearbeitet, weil er zu Beginn eh so folgsam in jeder Hinsicht war.

    Der neue Bursche zog anfangs recht große Kreise und aktuell viel kleinere und gibt sich musterschülerhaft. Er wird aber auch wesentlich ernsthafter "gearbeitet"

    Was wirklich sein wird, wird sich zeigen. Übermut und tiefes Vertrauen in die Abrufbarkeit ist nach so kurzer Zeit besser nicht angebracht.

    Interessierte mich eher so grundsätzlich, wer welche Erfahrungen gemacht hat. Nicht zuletzt auch mit Hinblick auf Leute, die diese Erfahrungen noch nicht gemacht hat.

    (Hab ich doch selbst vor nicht allzu langer Zeit jemanden insgeheim milde belächelt, der nach 8 Wochen sicher war, dass sein (Wind)hund problemlos abgeleint werden kann und nur gedacht: "Lass uns in 6 Monaten nochmal reden... Ertappe mich aber gerade dabei, auch ein wenig berauscht davon zu sein, was nach so kurze Zeit schon alles sooo gut funktioniert und das macht mitunter...nunja...übermütig)

  • Sehr interessant, von einem derartigen "Problem" habe ich hier im Forum noch nie gelesen ;)

    Ich spekuliere nur: Vielleicht steigt mit steigender Selbstsicherheit des Hundes dann doch auch das mal-nicht-Befolgen von Befehlen. Unter Umständen ist er jetzt noch etwas unsicher, will bloß alles richtig machen und gehorcht deshalb so gut. Wie gesagt, nur Spekulation.

    Da du nach Erfahrungen gefragt hast: Mein TS-Rüde hielt Befehle Zeit seines Lebens eher für Empfehlungen. Anfangs war er einfach oft mit allem überfordert oder ängstlich und nicht aufnahmefähig, später lag es eher an Sturheit.
    Er brauchte so ca. 6 Monate um anzukommen, in der Zeit änderte sich Verhalten aber nur zum Besseren. Einiges änderte sich aber auch danach noch. Beispielsweise ließ seine anfangs super-tolle Verträglichkeit mit wirklich jedem Hund nach. Diese fand ich anfangs so klasse und erlebte ich bei keinem anderen Hund (wir wurden auch oft gelobt), später war er zwar trotzdem noch verträglich, hatte jedoch auch Erzfeinde und gehasste Hunderassen. Ich hatte den Eindruck, dass es mit stärkerem Selbstbewusstsein zusammenhing.

    Vielleicht hast du eben einfach auch einen toll gehorsamen Hund. Spätestens mit Einsetzen des Altersstarrsinns in vielen Jahren wirst du dann vielleicht doch noch in den "Genuss" von Nicht-Gehorsam kommen :D Ich freue mich, wenn du in ein paar Monaten nochmal berichtest, wie es sich entwickelt hat!

  • Kann sein, dass der Hund so bleibt, kann aber auch sein, dass er sich noch etwas verändert mit wachsender Selbstsicherheit.

    Meine zwei sind auch aus dem Tierschutz. Beide blieben vom Grundcharakter her gleich. Der Rüde hat sich natürlich noch ordentlich entwickelt, war er doch beim Einzug erst 6 Monate jung. Die Hündin idt ein wenig mutiger und selbstbewusster geworden.
    Aber das grundlegende Wesen war halt von Anfang an da.

  • Meine TS Hündin ist jetzt in der 3ten Pupertät :ugly: (und das kastriert) und das mit 5 |) :pfeif: .

    Wir hatten im Laufe der Eingewöhnung wirklich mehrere Entwicklungssprünge: 3 Wochen, 3 Monate, 9 Monate, 1.5 Jahre....
    Die grösste Flegelphase war so zwischen 3-9 Monaten. Bis zum dritten Monat war sie was zu uns kommen anging auch Speedy. Gerufen, umgedreht und mit einem Affenzahn zu uns. Tjaaaaa dann so ab 3 Monaten fing dann das testen an :roll: ....
    Noch jetzt nach 1.5 Jahren verändert sie sich und macht (nennen wir es mal nett) Entwicklungsschübe.


    Man muss dazu aber sagen, sie ist ein eher unsicherer Hund.
    Wir haben natürlich als Ersthundehalter etwas gebraucht um zu lernen sie richtig zu führen und haben stark an ihrer Unsicherheit und ihrem Selbstbewusstsein gearbeitet. Sowas passiert nicht von heute auf morgen und "erklärt" das sie Phasenweise doch immer mal wieder was neues Ausprobiert.

  • Oh, schön, so viele Beiträge.


    Bin beruhigt - heut funktionierte es mal nicht so gut.

    Eichhörnchensichtung vor geplantem Freilauf im Hundepark. Kam ewig nicht runter und suchte sichtlich Ersatzbeute. Hab mich entschlossen den Park zu wechseln, nicht, dass der Herr noch auf die Idee kommt, den Zaun zu ignorieren.

    30min später war er immer noch etwas adrenalingekickt und war erstmal intelligenzmäßig sehr eingeengt. Eine Sprintrunde und viel markieren später, setzte die Hörfähigkeit doch wieder ein.

    Haben dann auf Sparflamme weiter geübt, Superpfiff gab's heut keinen, auch wenn die Taschen voller Leberpastete und Sulz waren, den versuch ich möglichst seriös zu konditionieren. Das "Komm" verwässert man sich ja gern mal.

    Übrigens: Jagdtrieb ist zb etwas, das sich schon deutlich verändert im "Ankommen im neuen Daheim". Bisher 3 Eichhörnchensichtungen, wo Hund sich in der Reaktionsintensität sukzessive steigerte. Auch Katzen werden mittlerweile starrer angeschaut, als ihm per Katzentest prognostiziert wurde.

    Ich mag dieses Entdecken neuer Seiten ja ansich..

  • Es gibt so Hunde.. mein verstorbener Hund, ein Schnauzer-Mix, kam als 8jähriger aus einem polnischen Tierheim zu uns. Er lebte nochmal 8 Jahre und war der liebste Hund der Welt.
    Er hat mir wirklich nicht einen Tag Ärger gemacht. Klar, die Grundkommandos musste er erst lernen, aber das ging fix und er hat sie immer zu 100% ausgeführt. Nie nicht gehört, nie Ärger mit anderen Hunden gemacht, immer nur lieb und problemlos.
    Ok, er hat ins Auto gekotzt, aber niemand ist perfekt.
    Ich konnte gar nicht glauben, wie er so sein kann nach 8 Jahren Tierheim, aber manchmal denke ich, er wollte diese 2te Chance wirklich voll nutzen und nichts falsch machen. Dadurch, dass er so unkompliziert war, konnte er dann auch überall dabei sein, mit in den Urlaub fahren etc.

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