Leine? Kenn ich nicht.

  • Spannend. Solche Hund-Halter-Gespanne wirken glaube ich auf Hundehalter und Nicht-Hundehalter gleichermaßen faszinierend.

    Spontan fallen mir da zwei "Teams" ein, die ich von Zeit zu Zeit sehe, jeweils ein Mensch mit zwei Hunden. Eimal ein Mann mit zwei Ridgebacks. Die Hunde laufen immer wenn ich sie sehe frei am Fahrrad mit, auch über Straßen und Ampeln. Wirkt soweit recht entspannt, die Hunde scheinen auch ohne für Außenstehende offensichtliche Signale zu "funktionieren".

    Das zweite Team besteht aus einer Frau, einem angeleinten Kleinhund und einem Border Collie. Der Border läuft frei, stoppt augenscheinlich zuverlässig an jedem Bordstein, pendelt aber ständig im Wahnsinnstempo so im 10-Meter-Radius zwischen der Frau hin und her. Ich seh' die meist aus dem Auto raus und krieg regelmäßig fast 'nen Herzkasper, weil der Hund absolut unkontrolliert wirkt. Das erste Mal als ich die drei sah, kam der Border über eine Ampel und um um die Straßenecke geschossen, menschliche und vierbeinige Begleitung einige Zeit später gemütlich hinterher, bzw. pendelte der Border dann wieder zurück - ich war froh, dass ich da nur Beifahrer war, weil ich als Fahrer echt versucht gewesen wäre, auf die Bremse zu latschen, weil ich den Hund im nächsten Moment auf der Straße sah. Mein Vater, mit dem ich mitfuhr, klärte mich dann aber auf, dass die immer "so" unterwegs seien.

    Und wenn der Hund schon so nah dranbleibt - wo wäre da das Problem, eine Leine dran zumachen?! Sieht es dann für das Umfeld nicht mehr so beeindruckend aus? Ist die Leine so schwer und umständlich festzuhalten? Hat für mich mittlerweile auch was arg Albernes.


    Manchmal frag ich mich auch, was die Motivation dahinter ist. Vermutlich ist es unterschiedlich - bei manchen ist es vielleicht wirklich auch einfach nur Bequemlichkeit - warum eine Leine dran machen, wenn es doch auch ohne funktioniert?
    Wobei ich bei solchen leinenlosen Stadthunden selten welche sehe, die wirklich im ein bis zwei Meter Radius, also so eine klassische Leinenlänge, um den Menschen sind. Das sind dann doch oft so 5 bis 10 Meter, die der Hund vor- oder hinterher dackelt. Und das finde ich dann wiederum sehr gedankenlos - ich versuche dort, wo (viele) andere Menschen sind, meine Hunde (an der Leine) sehr nah bei mir zu behalten - da finde ich es persönlich fast ein bisschen dreist, wenn andere für sich und ihre leinenlosen Hunde so viel Raum in Anspruch nehmen, und in Kauf nehmen, dass ängstliche Menschen z.B. dann weiträumig ausweichen müssen.

    Manchmal ist es wohl auch einfach nur Gedankenlosigkeit - ich bin teils auch sehr verwundert, dass es Eltern gibt die ihre Kleinkinder an Hauptstraßen mit dem Laufrad bis zu nächsten Straßenecke vorsausen lassen.

    Ich finde dieses Grundvertrauen in den Hund beeindruckend, kann es mir für mich aber absolut nicht vorstellen und haben eventuell auch nicht die passenden Hunde dafür.

    Ja, das macht es auch für mich so faszinierend. Dieses absolute Vertrauen in so einer Straßensituation in einen Hund zu haben muss sicher ein tolles Gefühl sein. Aber die hier auch teils geschilderten Erlebnisse machen halt auch noch mal deutlich, dass man sich zu 100% eben doch nicht verlassen kann. Und für den Hund ist das Überfahrenwerden sicher auch kein tolles Gefühl. Und wenn die Zuverlässigkeit allein aus der Sorge resultiert, sonst einfach den Anschluss zu verlieren, ist die Leinenlosigkeit für den Hund aus meiner Sicht ja auch keine besondere Freiheit.

  • Vini ist auch ein Hund, der immer super ohne Leine laufen kann.
    Wir hatten immer gut erzogenen Hunde, die auf Kommando Fuß gehen konnten. Bei Vini war es allerdings keine wirkliche Erziehung in die Richtung. Sie ist einfach so... Allereings auch nur bei mir...
    dass sie meist ohne Leine lief, hat uns im Nachhinein einige Probleme bereitet. Wie mittlerweile einige hier wissen, ist Vini seit dem letzen Frühjahr blind. Natürlich ist da das neben mir gehen ohne Leine echt schwer. Daher musste sie dann immer angeleint werden. Dadurch wollte sie dann gar nicht mehr mit gehen. Leine war ja für Sie eher eine Strafe, als eine Hilfestellung in der Situation...
    Mittlerweile hat sie gelernt, auf meine Schritte zu achten und läuft wieder viel unangeleint. Allerdings nur noch dort, wo ich das Risiko gut kalkulieren kann. Eben nicht an der Strasse oder an abhängen etc, aber das versteht sich wohl von selber.
    Ich denke aber auch, dass es viel am Hund liegt, ob er so folgt...
    Fussbgehen kann man erziehen, aber diese Bindung nicht. Bisher hatte ich das auch noch bei keinem anderen Hund...

  • Ich finde das nicht bewundernswert, sondern ich für meinen Teil finde es eher fahrlässig seinen Hund am Bahnhof/in der Nähe von Gleisen oder in der näher von Straßen frei laufen zu lassen! Meistens geht sowas am Hund aus, wenn der Hund doch mal nicht so hört wie er hören sollte. Dann wars das eben mit dem Hund. Schade um das Tier, denn das konnte nichts dafür & musste es mal wieder ausbaden. Es gibt genug Hunde die super hören, gut erzogen sind & immer auf das Herrchen Rücksicht nehmen. Es gibt aber auch genug Momente, wo Potential da ist, dass es der Hund nicht tut. Ich finde man kann das ''Offline'' ja ausleben, aber sollte eben mit gesunden Verstand (dem Hund zu liebe) die Situationen richtig einschätzen.

    Ich bin da aber sowieso sehr vorsichtig geworden, seitdem die Hund meiner besten Freundin vor meinen Augen Tod gefahren worden sind. Waren Top ausgebildete Hunde (Polizei) Die haben auch immer gehört .., bis zu diesem Tag!

  • Ich finde nicht wirklich, dass das was mit einer besonders tollen Bindung zu tun hat den Hund an jedem x-beliebigen Ort frei laufen zu lassen.

    Die Bindung oder wie auch immer man es nennen mag lebe ich mit meinem Hund im Wald und auf den Feldern aus - freue mich über jeden Blick, jedes Warten, jede Spielaufforderung und genieße jede Interaktion (was auch nicht immer selbstverständlich ist oder bei jedem einfach so funktioniert).

    Sobald es an den Verkehr geht kommt automatisch ne Leine dran, nie würde ich mir verzeihen dass er stirbt oder sich verletzt nur weil ich unser vermeintlich tolles Verhältnis überstrapaziert habe.

  • Manchmal frag ich mich auch, was die Motivation dahinter ist. Vermutlich ist es unterschiedlich - bei manchen ist es vielleicht wirklich auch einfach nur Bequemlichkeit - warum eine Leine dran machen, wenn es doch auch ohne funktioniert?
    Wobei ich bei solchen leinenlosen Stadthunden selten welche sehe, die wirklich im ein bis zwei Meter Radius, also so eine klassische Leinenlänge, um den Menschen sind. Das sind dann doch oft so 5 bis 10 Meter, die der Hund vor- oder hinterher dackelt. Und das finde ich dann wiederum sehr gedankenlos - ich versuche dort, wo (viele) andere Menschen sind, meine Hunde (an der Leine) sehr nah bei mir zu behalten - da finde ich es persönlich fast ein bisschen dreist, wenn andere für sich und ihre leinenlosen Hunde so viel Raum in Anspruch nehmen, und in Kauf nehmen, dass ängstliche Menschen z.B. dann weiträumig ausweichen müssen.

    Manchmal ist es wohl auch einfach nur Gedankenlosigkeit - ich bin teils auch sehr verwundert, dass es Eltern gibt die ihre Kleinkinder an Hauptstraßen mit dem Laufrad bis zu nächsten Straßenecke vorsausen lassen.

    Find ich sehr schön ausformuliert.


    Mich nervt zum Teil auch die selbstverständliche Dreistigkeit bei manchen. Ob das jetzt die potentielle Gefährdung des Straßenverkehrs ist oder eben in Kauf nehmen, dass Leute ausweichen müssen.

    Eines der "lustigsten" Sachen in dieser Richtung war eine Frau mit Schäferhund.(ist aber wirklich ein Extrembeispiel)
    Die Hündin hört nicht auf sie (oder sonst jemanden), läuft einfach so selbst ihre Runde. Gut. Das kenne ich schon. Hündin steckt Kopf in mein Auto und versucht sich an mir vorbeizudrängeln, um an meine Mini-Senioren-Hündin zu kommen - die ich gerade anschnallte. Ich hab den Hund aus dem Auto gedrückt und ihr die Tür vor der Nase zu gehauen. Da fuhr mich die Besitzerin an, was das soll. Ihr armer Hund. Jetzt hat der sich erschreckt.

    Die hat wirklich gesehen, dass ihr Hund in das Auto von ner fremden Person geht und fand das in Ordnung. Hätte ich jetzt Hundeangst oder ne Allergie gehabt - hey, was soll's. Und in abgemilderter Form meinen das ja viele. Ob das jetzt Hund oder Kind ist - alle haben gefälligst auf sie Rücksicht zu nehmen.

    Von der Gefährdung für die Tiere/Kinder selbst und alle am Straßenverkehr Beteiligten ganz zu schweigen. Aber Hauptsache man ist nicht wie der "Pöbel" auf eine Leine oder Handhalten beim Kind angewiesen...

  • " Mich nervt zum Teil auch die selbstverständliche Dreistigkeit bei manchen. Ob das jetzt die potentielle Gefährdung des Straßenverkehrs ist oder eben in Kauf nehmen, dass Leute ausweichen müssen."

    So seh ich das auch , diese Dreistigkeit findet man nich nur bei Hundehalter wieder ;)
    Wir waren die Tage mit Hund im Lokal, die Tischdecke ging bis auf den Boden. Hund unterm Tisch ... Die Krabbelkinder vom Nachbartisch machten sich ein Spaß während unserem Essen unterm Tisch durchzusetzen krabbeln . Nix anderes im Prinzipp :)
    Die Eltern beichteten uns als Konderfeindlich und wir würden den Hund betüteln usw

  • Das fragwürdigste was ich hier in der Stadt an einer gut befahrenen Kreuzung gesehen habe, war ein Typ im Liegefahrrad, mittlere Spur, daneben sein Hund, ebenfalls mittlere Spur.. ohne Leine.
    Ich war 2 Autos dahinter und mir ist fast das Herz stehen geblieben. Primetime und an der Kreuzung wo sie abgebogen sind fahren die Autos 4-spurig.

    In der Großstadt wo ich arbeite sieht man des öfteren solche Mensch-Hund-Gespanne ohne Leine mitten in der Rush-Hour im Straßenverkehr. Vorrangig Retriever, mittelgroße schlanke Mixe und Border Collies.

    Meine Hündin ist ebenfalls überall offline führbar, gänzlich ohne Kommandos, sie passt sich mir und meiner Körpersprache an. Aber ich würde dennoch nicht mitten im Stadtgetummel auf die Idee kommen sie so laufen zu lassen. Ehrlich gesagt sogar weniger weil ich Angst hätte das sie unberechenbar wird, sondern vielmehr weil andere Menschen natürlich nicht auf sie achten, was auch nicht deren Aufgabe ist.

    Ich persönlich sehe die Leine als reinen Schutz für meinen Hund an. Um sie zu kontrollieren benötige ich sie nicht.

    Mit Selbstbewusstsein hat das glaube ich weniger zu tun, meine Hündin ist recht unsicher und orientiert sich da einfach stark an mir. Andere Hunde die ich so sehe machen oft einen eher selbstbewussten Eindruck.
    Ich glaube viel mehr ist es davon abhängig wie eigenständig die Hunde sind.

  • diese Dreistigkeit findet man nich nur bei Hundehalter wieder

    Bei weitem nicht. Aber genauso, wie mich das bei anderen Eltern ärgert (weil ich da ja auch über einen Kamm geschoren werde), ärgert es mich bei anderen Hundehaltern.

    Find ich schade, dass es so läuft. Einfach mal Rücksicht nehmen und Grenzen anderer respektieren. Bisschen mehr kommunizieren und der ganze blödsinnige Ärger wäre deutlich weniger.

  • Dann oute ich mich auch mal als ein solcher dummer Hundehalter und gebe zu es genauso wieder zu machen beim passenden Hund ;)

    Das geht meines Erachtens vor allem vom Hund aus, und ist daher nicht mit jedem Tier möglich. Mein erster Hund war auch von dieser Sorte - das sind Hunde, die dir soweit entgegenkommen, die selbst die feinsten Signale so deuten, dass du irgendwann das Gefühl hast, sie lesen deine Gedanken und reagieren darauf.

    Exakt genau so war es bei meinem CC. Wenn wir an einer Straße entlang gelaufen sind und ich einen (!) Schritt schräg Richtung Straße gesetzt habe, hat der Hund 20-30m vor mir eingelenkt, kam auf meine Höhe zu mir und wir haben gemeinsam die Straße überquert. Das habe ich ihm definitiv nicht beigebracht, er hat es irgendwann von allein angeboten. An jeder Straße wurde stehen geblieben, bei Hunden die er kannte und es erlaubt war lief er zum begrüßen hin, bei "doofen" Hunden blieb er stehen oder kaum ins Fuß, bei unbekannten guckt er mich an. An Wegkreuzungen blieb er stehen und drehte sich ein in die Richtung die er gerne laufen wollte. Wenn ich die Zeit hatte, sind wir dann seinen Weg gegangen und wenn nicht ging es ohne Diskussion in die Richtung weiter, die ich vorgegeben habe.
    Dieser Hund lief bei mir überall frei. An normalen Straßen, auf Feldwegen, in der Berliner Innenstadt, an der Bundesstraße, auf Autobahnraststätten, in unbekannten Gebieten, im Urlaub, im Wald, auf dem Feld. Egal ob ein anderer Hund/Mensch dabei war, ob er fremd war oder gut bekannt.

    Natürlich kann man das definitiv als leichtsinnig betrachten. Aber ein gewisses Risiko besteht immer, wenn ich einen Hund ableine. Selbst wenn ich in absoluter Einöde einen sonst so gut hörenden Hund ableine, kann der 5km bis zu nächsten große Straße durchstarten und ist Matsch. Das Risiko besteht ausnahmslos immer, kein Hund ist perfekt. Aber bei diesem Hund habe ich selbst an großen Straßen, Autobahn etc das Risiko so gering eingeschätzt, wie andere es eben in der Einöde.

    Und für diesen Hund bedeutete diese Freiheit enorm viel. Wenn man die gleichen Strecken an der Leine lief, hat einen der Unterschied förmlich angeschrien. Ohne Leine war so viel mehr Freude, das kann man nicht in Worte fassen. Und wenn ich diese Freude auslösen kann und unsere gemeinsame Freiheit (wie oft, habe ich die Leine komplett zu Hause vergessen oder bewusst erst gar nicht mitgenommen) für uns realisieren kann, ist es mir dieses wahnsinnig geringe Risiko, dass er sich einmal über dieses Regeln/sein Verhalten hinwegsetzt es Wert gewesen. Und bei uns ist bis zu seinem Tod genau gar nichts passiert.


    Bei meinen beiden jetzigen würde ich im Traum nicht einmal darüber nachdenken :roll:

  • Jetzt meine Frage: Wir schafft man es so seinen Hund zu erziehen? :shocked: Finde nur ich das faszinierend? :tropf:

    Ich find's nicht faszinierend. Es ist einfach nur Training. Entweder hält sich der Aufwand in Grenzen, weil einem der Hund viel schenkt oder der Aufwand ist höher, weil der Hund sich leicht ablenken lässt. Liegt eben am Menschen und den Kriterien. Training eben.

    Ob man seinen Hund an genannten Stellen nun ableint und aus welchen Gründen, ist mir persönlich wurscht.

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