Haben Hündinnen mehr Schutztrieb als Rüden?

  • Ich auch nicht. Schutz, Wachtrieb..anerzogen? Ich weiß nicht so recht.

    MMn geht es um Verteidigung von Ressourcen, als da sind:
    Futter, Bezugsperson, Raum, Fortpflanzung, die Reihenfolge mag variieren.

    Meine Hündinnen "verteidigen" zunächst mal ihr Territorium gegenüber Fremden: "Du kommst hier zwar rein, aber nicht ohne Gebell und nur unter Aufsicht."
    Das ist rassetypisch und hier durchaus erwünscht und entwickelt sich je nach Person zu einem gelassenen bis liebevollem Miteinander.
    Futter: nur getrennt.
    Bezugsperson: meine Wenigkeit, ginge mich jemand an, gäbs schon Krawall, allerdings gehen sie nie nach vorne.
    Raum: die große Wiese, und wer da entlang geht, wird je nach Sympathie verbellt oder auch nicht.
    Fortpflanzung: das scheint mir fast das Wichtigste für sie, wenn sie sich während der Hitzen beharken.

    Und ja, ich kenne auch viele Rüden der Rasse, und bei denen hab ich das Gefühl, Mann kloppt sich wegen nüscht und geht danach mal eben ein Bier trinken, respektive an den einen Busch pinkeln. ;)

    Bei Auseinandersetzungen habe ich meine als um einiges schärfer erlebt als die Jungs, die ich so kenne. Da kennen die nix, die Weiber, das gilt es zu managen.

    Weswegen ich auch, bei aller Liebe zu meinen Hündinnen, diese Kombi nicht noch einmal wählen würde.

  • Deine Theorie kann man allerdings nicht auf Herdenschutzhunde anwenden. Wenn die loslegen, machen die das sicher nicht weil sie die Ressource Mensch für sich beanspruchen. Die meisten sind auch dafür da, völlig unabhängig vom Menschen zu arbeiten und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

    Herdenschutzhunde sind darauf selektiert ortsunabhängig alles, was Gefahr darstellt von ihren Sozialpartnern fern zu halten. Das tun sie in der Tat eigenständig. Wenn der HSH auf Schafe sozialisiert ist, sind sie seine Sozialpartner und werden verteidigt. Bei denen bleibt der Hund dann auch in der Nähe. Ist er auf Menschen sozialisiert, dann sind es diese. Das ist der eine "Typ" Hund, der bewacht. Dabei ändert sich auch der Ort.

    Dann gibt es noch den Typ, der mehr darauf selektiert wurde den Ort zu bewachen, der wichtig ist und ortstreu zu sein. Der fängt erst an territorial zu werden, wenn er den Eindruck hat, dass man dort jetzt irgendwie "wohnt oder der Ort in irgendeiner Form regelmäßig eine Rolle spielt.

    Und dann gibt es die Mischform daraus.

    Nicht sozialverträglich gegenüber Artgenossen sein, Beute zu verteidigen etc. was hier einige beschreiben, hat für mich damit gar nichts zu tun.

  • Mangels Hündin kann ich das nicht beurteilen ;)

    Aber eigentlich glaube ich, dass das am Typ Hund liegt.

    Wenn ich auf Geordy nicht erzieherisch einwirken würde, dann hätte der ja seine "Fernaufklärermacke", also wir scannen den Horizont, entdecken einen Menschen, rasen auf den geradewegs im Affentempo zu, kontrollieren einmal und kehren im gleichen Tempo zurück. Außerdem würde der auf dem Grundstück alles verbellen und am Zaun geifernd begleiten, was sich da lang bewegt. Wirklich Schutztrieb ist das nicht, eher wachen wahrscheinlich.
    Aber er tut halt schon mal vorsorglich kund, dass er da ist, so wehret den Anfängen.

    Eins ist jedenfalls klar: das hab ich ihm nicht anerzogen, im Gegenteil.

    Fin ist sowas fremd. Der würde wohl nie eine Kalorie unnütz aufs son Geplärre verschwenden. Der thront in seinem Garten und schläft oder guckt. Erst, wenn da wirklich einer durchs Tor will oder nicht in den Nachbargarten gehört oder über den Zaun greift - dann ist er da und dann macht er auch nicht son Terror, sondern präsentiert erstmal nur. Bis zum Verbellen oder Knurren muß der Mensch sich schon noch mehr Frechheiten leisten. Früher war er da auch bereit noch einen Schritt nach vorne zu gehen und ich würde das heute noch erwarten, wenn er ohne Mensch ist.
    Unterwegs ist ihm auch wurscht, was irgendwo ist. Wichtig ist ihm nur, wenn jemand direkt bei uns ist und da irgendwas nicht koscher ist.

    Das hab ich Fin auch nicht anerzogen, hat mich im Gegenteil überrascht und er darf das eben auch nur in einem erlaubten Rahmen, also bis ich übernehme.

    Na, und wenns soweit ist, dass Fin sich berufen fühlt, gibt Geordy sofort ab und hält sich im Hintergrund. Ist irgendwie wie Arbeitsteilung. Wobei ich davon ausgehe, dass es schlicht daran liegt, dass Geordy eher unsicher ist.

  • Stehe ich da mit meiner Meinung alleine, oder gibt es welche die mir da zu stimmen könnten?

    Da kann ich dir nicht zustimmen.
    Ich glaube, der Schutztrieb ist wie der Jagdtrieb angeboren. Der eine hat mehr davon, der andere weniger.
    Ich hatte einen Airedalerüden mit einem sehr ausgeprägten Schutztrieb, besonders bei Dunkelheit, und ortsunabhängig.

    Mit dem hätte ich auch an dem besagten Silvestertag durch den Kölner Hauptbahnhof laufen können, es wäre niemand näher als zwei Meter an mich herangekommen. :D
    Absolut schußfest war der auch noch.

  • Ich denke, dass Hunde keinen "Schutztrieb" haben. Dies wird den Hunden eigentlich nur angedichtet. Wenn sie etwas verbellen (verteidigen) ist es meist der "Futterautomat"=Mensch, oder sie bellen einfach aus Angst.

    Stehe ich da mit meiner Meinung alleine, oder gibt es welche die mir da zu stimmen könnten?

    Wie erklärst Du Dir (oder mir *gg) dann, daß bestimmte Rassen von Hunden für Aufgaben im Schutzbereich bevorzugt werden? Das liegt sicherlich nicht nur an der Größe, sondern weil sie schon eine bestimmte Veranlagung mitbringen!

    Sicher kann ich auch nem Chihuahua beibringen, Geräusche außen zu melden. Aber ob der sich dann vor mich stellt, wenn der Einbrecher reinkommt, wage ich zu bezweifeln. und das nicht etwa, weil er wüßte, er wäre zu klein (glaub, die sind eher größenwahnsinnig), sondern einfach weil die Neigung dazu schlichtweg nicht vorhanden ist.

    Es ist ja auch nochmal ein Unterschied, ob der Hund nur bewacht (also meldet), oder beschützt, sich also aktiv gegen die Gefahr wendet....

    Schutztrieb heißt ja auch nicht notwendigerweise, daß der Hund dann bellt. Gibt ja auch Hunde, die sich einfach vor dem vermeintlichen Gegner oder der vermeintlichen Gefahr aufbauen und dort souverän stehenbleiben, etvl. noch leise grummelnd oder mit gestelltem Nackenhaar.

    Verbellen hat also erstmal überhaupt nix mit Schutztrieb zu tun. Meine Biene bellt auch gerne, wenn draußen im Hausflur wer vorbeikommt. Aber die würde deswegen nie nach vorne gehen, solang sie net getrietzt würde, Sie meldet, daß da wer ist - alles Andere ist mein Job. Checken, was da los ist, Gegenmaßnahmen ergreifen, egal. Interessiert sie nicht. Sowas nenn ich nicht Schutztrieb.

    Einmal haben wir mit einer anderen Rettungshundestaffel zusammen trainiert. Dabei war ein wunderschöner schwarzer Riesenschnauzer. Draußen im Training war der toll mit allen Leuten, und völlig ok. Anschließend kam ich dann an seinem Auto vorbei, als Fraule irgendwo im Versteck lag, und quatschte den gewohnheitsmäßig an (die Staffelhunde bei uns kenne uns ja, dann gibts ein leichtes Wedeln und gut ist, wenn man dran vorbeigeht und was sagt) - ääähm, ja, - das hab ich dann gleich mal wieder unterlassen...... "MEIN Auto, da hast Du nix dran zu suchen - hast mich????" Ich glaub, wenn der in dem Moment rausgekonnt hätte, hätt er mich gerne nach Timbuktu gescheucht. Der hat nicht nur gebellt, der hätte sein Auto schon auch verteidigt. Sicher nicht mit Zähnen, aber doch effektiv, schätz ich mal *gg

  • Hm...sehr interessante Frage..wir hatten vorwiegend Hündinnen in der Familie aber aktuell sind beide Geschlechter vertreten.

    Also hier: Hündin macht schonmal viel Theater um nichts, bellt auch manchmal ein imaginäres Vögelchen an.
    Der Rüde steigt dann schonmal mit ein (lässt sich anstecken)
    Wenn der Rüde anfängt Rabatz zu machen ist wirklich was im Argen (zB jemand fremdes auf dem Grundstück)

    Beide Hund sind territorial...wie schon gesagt macht die Hündin öfter Theater, für an sich harmlose Situationen. Der Rüde ist differenzierter.

    Bei den Hunden meiner Eltern (2 Hündinnen 1 Rüde) ist es hingegen anderum. Die älteste "Chefhündin" schlägt nur Alarm wenn es sich auch lohnt...der Rüde hingegen plustert sich schonmal wegen nicht und wieder nichts auf und macht ein wahnsinns getöse dabei. Dafür wäre die Hündin konsequenter bei einer "Attacke" während der Rüde laut aber harmlos ist.

    Unter Artgenossen kenne ich es so, dass Hündinnen sich seltener Prügeln aber wenn dann gehts wirklich ans eingemachte. Bei Rüden knallts schonmal öfter, ist laut mit viel Getöse, passieren tut aber meistens nix.
    Das deckt sich in dem Fall mit meinen Hunden absolut..aber gibts bestimmt auch Gegenbeispiele

  • Meine Hündin hat schon mit vier oder fünf Monaten angefangen zu melden. Zumindest im Haus. Sie ist jetzt 8,5 Monate und gerade wenns dunkel ist, werden dunkle Gestalten angeknurrt. Sie differenziert Geräusche sehr gut und meldet nur wenn auch was ist.

    Meine Rüden waren auch alle wachsam, aber keine Kläffer. "Anerzogen" habe ich das keinem Hund. Sie haben es mitgebracht und ich fands auch immer gut. Mit meinem weißen Schäfi-Rüden konnte ich nachts durch den Wald gehen ohne Schiss zu haben :D

    Ich vermute Mia wird sich auch in diese Richtung entwickeln, allerdings ist sie empfindsamer und achtet mehr auf mich, ich kann sie jederzeit aus der Situation abrufen.

  • Was ihr hier so beschreibt, ist aber alles mehr Wachtrieb.
    Wach- und Schutztrieb sind zwei verschiedene Dinge. Ein Hund, der wachsam ist und komische Geräusche oder Personen meldet, muß aber im Ernstfall nicht unbedingt Schutztrieb haben. Er meldet nur.

    Mir ging es in meinem Eingangspost eigentlich darum, ob eine Hündin, wenn Mensch angegriffen wird, eher konsequenter zupacken würde als ein Rüde. Viele Hündinnenhalter behaupten das so.

    Ich hab bisher immer nur Rüden gehabt, und jetzt meine erste Hündin. Habe also keine Vergleiche.

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