Aufregungs- und / Frustbellen

  • Hallo,
    ich hab ein Problem mit meiner fast 3 Jahre alten Hündin.

    Sie bellt allgemein viel. Jede Emotion wird bei Ihr durch Bellen ausgedrückt. Ob Angst, Freude, Aufregung, Frustration.
    Und sie hat einen Reizmagen.
    Vom Charakter her cholerisch ängstlich hypersensibel.


    Nun ist das Bellen aber fast unerträglich, wenn wir irgendwo hingehen, was etwas besonderes ist. Hunderunde, Training etc. Das sind feste Termine (die ich ja auch nicht verlegen kann, da sie ja andere Leute machen) .
    Sobald sie merkt, daß es dahin geht (Zeit, ort kennt sie ja) regt sie sich immer mehr auf. Es beginnt mit fiepen im Auto und endet in einer Belltirade vor Ort. Wir haben schon einiges probiert, von ignorieren über ablenken und verbieten - aber inzwischen hat sich das so ritualisiert, daß sie kein Ende findet. (Asche auf mein Haupt, aber ich kann es nicht rückgänig machen). Bellen vor Aufregung. Bellen vor Frust weil es nicht losgeht.

    Erst wenn wir dann im Programm sind (also Runde oder Training) hört sie auf und ist wieder normal.

    Ich habe schon Frustrationstoleranztraining gemacht - mußte aber aufhören damit, da jeglicher Stress in Kotztiraden endet, was ich ja auch tunlichst vermeiden möchte.....

    Ich hab irgendwie keine Ideen mehr und suche auf diesem Weg noch den einen oder anderen Tip.

    vg kpaima

  • Also, ich finde flying-paws Einwand auch überlegenswert.

    Zwar habe ich einen Hundesenior bekommen, also einer bei dem man auch mal fünf grade sein lassen kann... Den Social Walk haben wir inzwischen sausen lassen. Erstens, weil wir seine Angstaggression gegenüber Artgenossen recht gut im Griff haben. Und zweitens, war er beim Social Walk mittlerweile so unmotiviert, liess sich unbeeindruckt von jedem Hund anpöbeln und wollte auf der zweiten Hälfte der Strecke nur noch schnurstracks zum Auto zurück. Kein Schnüffeln, kein markieren, nichts.

    Beim Grundgehorsam-Training war ich auch mit ihm ein paarmal. Die anderen Hunde mit "Will to please" ausgestattet, meiner kennt sowas nicht. Während die anderen freudig ihre Übungen ausgeführt haben, schaute mich mein Opa nur an "Was gibt das jetzt wenn's fertig ist?".

    Statt Hundeschule darf er zuhause nun tief schlafen, im Garten mal Leckerli suchen und zu Gassizeiten mit mir durch Wald und Flur. Er macht einen zufriedenen Eindruck :-)

  • Wenn das Frustrationstoleranztraining nix hilft, war die Anforderung für den Hund noch zu hoch. Einfach noch einen Schritt weiter zurückgehen, und nur absolut minimal Frust verursachen, sodaß der Hund so wenig Streß bekommt, daß er damit umzugehen lernt. in dem Moment, wo Du die Toleranzschwelle schon überschritten hast, ist er nicht mehr in der Lage, etwas aufzunehmen und zu lernen. Abbrechen, später, wenn er sich beruhigt hat, nochmal versuchen mit reduzierter Anforderung - so weit reduziert, daß er auf alle Fälle Erfolg haben kann.

    zB beim Abendessen: Hund muß 2 Sekunden im Sitz warten, bis er den Napf kriegt - bellt. Dann halt beim nächsten Mal nur noch 1 Sekunde warten lassen, - bellt er dann immer noch, dann besser sofort, wenn er sich setzt, Napf hinstellen. Und dann, wenn das gut klappt, weiter ausbauen, wieder mit 1 Sekunde anfangen etc. etc.

    Da gibts tausend Möglichkeiten, das auch im Alltag zu trainieren: Absitzen und warten, bevor man die Haustür zum Gassi öffnet. Absitzen und warten, bevor der Hund Freilauf kriegt.
    Absitzen und warten, bevor der Hund durchgeknuddelt wird.
    Absitzen und warten, bevor der Hund sein Spielzeug bekommt.

    Ansonsten: prüf generell mal, ob Ihr evtl. zu viel mit dem Hund macht, wenn der immer auf 180 ist. Denn ist seine Grundstimmung generell gereizt, oder er überfordert mit einem Zuviel, wird er bei jedem Blätterrascheln losbellen. Ist er unterwegs gechillt, dann ist die Reizschwelle meist höher.

    Gib dem Hund Alternativen zum Käffen - bevor er loslegt. Wenns klingelt und er springt auf - Kommando "Körbchen" o.ä., dort mit Kauknochen bestätigen. Sodaß er lernt, das ereignis hat nix mit Aufregen zu tun.

    Geh nicht aus dem Haus, solange der Hund kläfft. Sobald er zu kläffen beginnt, setz Dich wieder hin, zieh die Schuhe aus.

    Wenn er am Tor zur HuSchu kläfft, kehr auf dem Absatz um und geh zumindest zurück ans Auto. Wird er ruhig, nächster Versuch. Kann sein, daß Ihr die Stunde damit zubringt - dann fang halt einfach ne Stunde vor Beginn des Trainings damit an.

    Wenn ers dann echt bis auf den Platz geschafft hat: nur ruhige Sachen machen, nix, was hochpusht, kein Agility oder sowas, eher Konzentrationsaufgaben. Kein Hundegerenne oder Gespiele, sondern ruhige Dinge - Suchaufgaben o.ä.

    Wenn Du jedes Mal, obwohl der kläfft, weitergehst bzw. raus gehst zum Gassi, lernt der Hund: wenn ich kläffe, komme ich irgendwann dort hin (der weiß ja nicht, daß er ohne Gekläffe auch oder viel eher hinkäme).

    Ansonsten: was ist der Hund für ne Rasse? Manche Rassen neigen zum Käffen oder zum Aufgeregtsein. Dann wirst es nicht ganz wegbekommen.

    Und wenn sie, wie Du schreibt, ängstlich und hypersensibel ist, dann gib ihr Sicherheit. Wenn sie merkt, Du kümmerst Dich um ihre Sicherheit, braucht sie nicht mehr zu kläffen und dreht nimmer so hoch. Wenn sie so sensibel ist, dann achte darauf, daß erstmal keiner mehr an den Hund drankommt, damit sie nicht aufdrehen muß. und ich denke, darauf wollte flying-paws hinaus: wenn der Hund in der HuSchu nur hcohdreht, weil er dort unsicher ist - dann geht erstmal nimmer dort hin, sondern arbeitet an der Sicherheit in Deiner Gegenwart. Macht doch keinen Sinn, wenn der Hund da hochgepusht wird, weil er dauernd unsicher kläffen muß, und damit mehr unter Streß gesetzt wird, als nötig. Vollkommen kontraproduktiv.

  • Also. Danke für die Tips.

    Sie ist ein Kleinpudel in apricot......bekannt für Kläffer.

    1.) im alltag hab ich alles ganz gut im Griff.
    Türklingeln, futter abwarten etc sind alles keine probleme.
    da ist sie lieb wie ein deckchen.

    2.) wenn ich mit ihr weniger trainiere, wird sie rammeldösig und unausgeglichen. sie braucht etwas forderung. sie ist ein junger kluger hund, der auslastung möchte.
    ich denke ich mache nicht zuviel.

    3.) ich denke nicht, dass es unsicherheit ist, wenn sie so aufdreht. eher die ungeduld endlich etwas machen zu dürfen.
    wenn sie sich dann konzentriert, ist sie still.
    sie fordert, sobald wir aus dem auto steigen aufmerksamkeit und belohnung für irgendwas, was sie machen darf. bietet auch tricks z.b. an.

    die anderen hunde interessieren sie gar nicht.

    4.) mit den alternativen wenn sie anfängt aufzudrehen. ich bekomme sie, wenn ich z.b. leckerlis schmeise und sie suchen lasse , also sie muss sich konzentrieren , abgelenkt.sie sucht aufgeregt nach dem futter und wartet sofort aufs nächste, ansonst geht das kläffen wieder los. ich kann sie aber nicht mit zuvielen leckerchen "vollstopfen" da sie ja wegen ihres magens auch nicht zuviel bekommen darf.


    was ich mir eigentlich "wünsche" ist, dass sie sich nicht so aufputscht. das ich irgendetwas machen kann, dass sie sich eher konzentrieren kann und somit gar nicht erst in das bellen reinkommt.


    p.s. wir machen ruhige sachen.
    mantrailing und zur zeit einen physiotherapiekurs in der huschu.
    also volle konzentration und kopfauslastung.
    nix aufputschendes.

  • Oh mein Gott..... *ggg Jetzt versteh ich *zumzwergpudelhintermirschiel.......

    Meine Biene ist auch so, aber hauptsächlich, wenn wir arbeiten in der Rettungshundestaffel. Nehm ich sie aus dem Auto, geht´s los: *kreischspringkläff....... Grad noch, daß ich ihr die Kenndecke anziehen kann, aber auch nur, weil ich das Gewicht halten kann *gg Die hüpft und wendet sich wie ein Fisch, weil sie los will.

    Aber ansonsten ist sie zum Glück net sooo schlimm. Problem: das bei der Arbeit auszubremsen, ginge glaub ich nur über massiven Druck. Und dann würde sie mir höchstwahrscheinlich nicht mehr suchen.

    Andere Variante: sie darf nicht mehr losstarten, bevor sie nicht ruhig sitzt. Dann fährt sie mir aber so weit runter, daß die Suchfreude sicherlich ebenfalls leiden würde - da will ich mir nix reinbringen. Also laß ich sie - ist ja nicht so, daß ich 5 vor Freude tobende Kilos nicht 2 Minuten bis zum Ansatz halten könnte... *gg Und beim Kleinsthund hat das Rumgehüpfe meist eher ein Grinsen des Prüfers zur Folge, als daß da jemand was gegen sagen würde - steadyness vorm Start gehört nicht zu den Anforderungen an einen Suchhund *schwitz.....

    Würde sie das aber immer machen, ich glaub, ich würde Variante 2 versuchen, umzusetzen - daß sie nichts mehr arbeiten darf, wenn sie nicht vorher anständig mit mir zum Start geht.

    Punkt 3 und 4 kenne ich auch - hab ich Leckerli dabei, rennt sie überall hin, will auf Pfosten springen, irgendwo untendurch krabbeln, Büsche umrunden, oder auf nen Baum klettern - weil sie als Welpe dafür halt Leckerli bekommen hat. Da gehts dann aber mehr ums Futtern als um die Aufgaben an sich, obwohl sie es auch suptertoll findet, wenn sie mit mir arbeiten darf - egal, was. Und da bellt sie dann auch gern mal auffordernd, wenn ich ihr die Aufgaben nicht schnell genug zuteile. Folge: ich geh nur noch ohne Leckerli raus, um diese Erwartungshaltung nicht zu haben. Dann geht´s gut und sie kann völlig entspannt Gassigehn.

    Ansonsten: gib ihr keine Aufgaben mehr, solange sie plärrt. Sondern immer dann (unvorhersehbar), wenn sie grad komplett gechillt am Schnüffeln ist unterwegs oder so. Das kannst dann auch bestätigen. Und dann ein deutliches Zeichen für "jetzt gibt´s nichts mehr zu arbeiten", damit sie sich wieder entspannen kann.

  • Naja..aber deinem Hund mehr Frustrationstoleranz beibringen, wird sie sicher erstmal genug auslasten! Warscheinlich anfangs sogar mehr, als der Hundeschulkurs etc.!

    Unsere Dobine fährt nur zu gerne sehr schnell hoch! Sie bellt, sie fiept, sie jammert sobald sie in bestimmte Erwartungshaltungen kommt... Also trainieren wir nach wie vor daran, diese Erwartungshaltungen runterzuschrauben und ruhig zu sein (und die Klappe zu halten)!

    Sobald sie hibbelig wird, werden wir ruhig...sehr ruhig...und tun mit Sicherheit nicht das, was sie möchte!

    Fiept sie an der Tür um raus zu kommen (weil ich meine Jacke angezogen habe), setze ich mich mit Jacke aufs Sofa und warte bis sie ruhig ist (wenns mir zu warm wird, zieh ich sie halt lieber aus), ist sie ruhig, gehen wir sofort raus!

    Kläfft sie, weil sie am Hundeplatz merkt das sie dran ist, häng ich die Leine wieder weg und gehe einfach wieder...ist sie ruhig, darf sie auf den Platz

    Ich belohne also in keiner Art und Weise ihr Hochdrehen, sondern jegliche Ruhephasen!

    Das ging so weit, dass wir zwischenzeitlich das Hundeplatztraining für 2 Monate ausgesetzt haben, weil sie nur noch hogepusht war! Sie wollte etwas machen, sie wollte Action (Unterordungstraining, also auch volle Konzentration), selbst beim Fährten drehte sie hoch... Also gabs wochenlang nur Ruhe und Ruhe und Ruhe!

    So wie BieBoss das mit dem Napf schon erklärt hat, muss man da Anfangs allerdings schnell sein mit der Belohnung! Wir haben also zunächst wirklich jede Sekunde in der sie ruhig war sofort belohnt (mit rausgehen etc.) und erst mit der Zeit diese "Ruhephasen" ausgebaut..

    Mit diesen einfachen Aufgaben zur Ruhe und Frustrationstoleranz war unsere Maus vollkommen ausgelastet...das ist nach wie vor viel anstrengender als tolle Tricks ausführen oder Sachen suchen etc.

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