• Zitat

    Ich war nicht da in der Zeit. Sie sagte: "Ich wollte Lina dann wieder raus lassen und hab sie gerufen. Sie dreht sich um und guckt und "sagt": Ja, ich komm gleich, aber erst muss ich jetzt hier noch was gucken. Dann hat sie weiter gemacht den Raum zu erkunden. Da musste ich dann schon etwas deutlicher werden, als bei den Border Collies."

    Das kommt mir bekannt vor... hast du meine Labbidame? :-)
    Ich komme wenn ich fertig mit meinen geruchstest bin...haha.. Unsere Labbidame braucht hin und wieder auch einen tiefen befehlston.. dann klappt das ohne Probleme.

  • Wir hatten zu unseren Vorstehern auch mal zwei Labradore.

    Ich fand die Labradore sehr sehr süß, auch wenn es eigentlich nicht meine Rasse ist. Gemessen an den Vorstehern fand ich sie sehr genügsam und die Erziehung fiel viel leichter. Wir mussten einfach wesentlich weniger erziehen, weil man nicht so viel potentiell gefährliche Triebigkeit kontrollierbar machen mussten. Der Vorsteher lernt oft durch reine Arbeitsgeilheit, Arbeit ist Motivation. Beim Labrador war eigentlich jederzeit was zu machen, man musste nur Leckerlies parat haben! :D Teilweise fand ich das sehr praktisch, teilweise fand ich sie etwas "begriffsstutzig". In dieser Hinsicht waren die Vorsteher wieder einfacher, weil sie einfach schneller verstanden haben und wesentlich weniger Wiederholungen brauchten. Allerdings haut die Verfressenheit der Labbis das wieder raus, jederzeit startklar. Die Distanzlosigkeit und das "grobe Spiel" war bei unseren auch vorhanden, aber das empfinde ich als typisch und im Rassezusammenhang irgendwie auch sympathisch.
    Was ich beim Labrador als Hundehalter einfach sehr schön fand, war das sehr geringe Aggressionspotential und die "Unkompliziertheit" verglichen mit den Vorstehern. Hätte ich keine Zeit mehr für einen Vorstehhund, wäre der Labrador eine Option. Selbst der Jagdtrieb war im Vergleich sehr mäßig, obwohl wir Arbeitslinie hielten (allerdings nie im Einsatz). Natürlich hängt die Entwicklung jedes Hundes vom Halter ab, aber ich finde eigentlich nicht, dass der Labrador seinen Ruf als "Familienhund" zu Unrecht hat. Ich habe die Hunde als sehr liebe, eigentlich perfekte Familienhunde empfunden, mit geringem Aggresionspotential, wenig Triebigkeit und wir mussten wesentlich weniger Arbeit in die Hunde investieren, um sie zu tollen Begleitern zu machen und das empfinde ich als großen Pluspunkt. Dass manche Menschen den Labrador als "treudoof" bezeichnen, finde ich eigentlich gar nicht so unpassend, ich finde sie manchmal einfach unglaublich "trottelig-süß". Letztendlich klaffen Labrador und Vorstehhund für mich weit auseinander, die Vorstehhunde waren bei uns immer die sehr arbeitsintensiven, die Labradore waren die lieben Familienhunde, die für alles zu haben waren und irgendwie immer lieb, oft kleine Clowns. Ich mag sie und für mich sind diese Eigenschaften genau das, was den Labrador so sympathisch macht.

    Dass es so viele unerzogene Labradore gibt, grade die, die einfach immer angerannt kommen, liegt ganz sicher einfach an der Masse. Der Labrador wird gerne und oft gehalten, und wo viele Hunde einer Rasse vertreten sind, ist eben auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Menge an nicht erzogenen Hunden zunimmt. Wäre der Labrador genauso selten vertreten wie der Deutsch Kurzhaar oder Mali, würde sich diese Zahl drastisch reduzieren. Und, ich glaube es wurde hier schon gesagt, ein unerzogener Labrador birgt einfach oft Problemfelder, die die meisten Menschen akzeptabel und nicht weiter schlimm finden. Ist der Deutsch Kurzhaar nicht unter Kontrolle, sieht das schon ganz anders aus. Da liegt es sicherlich nicht am Labrador als solchem, sondern einfach an der Masse und der damit steigenden Zahl an Hundehaltern, die bestimmte Erziehungsdinge nicht für notwendig halten.

    Verfressen waren unsere übrigens auch. Fressen ging und das immer und in jeder Situation und was, war eigentlich auch eher zweitrangig! :D Ich finde aber, es ist gut in den Griff zu kriegen. Im Prinzip lief das über dieselbe Schiene wie bei allen anderen Hunden auch und irgendwann hatte auch der Labrador verstanden, dass man nicht einfach alles frisst, sondern erst nachfragt. Die meiste Zeit war das gut kontrollierbar.

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    Wo das Gerücht mit dem selbsterziehend herkommt, frag ich mich ganz ehrlich.
    Klar, haben Labbis will-to please, bei der Arbeit. Das heißt noch lange nicht, dass sie immer nur gefallen wollen. Lina z.B. hat durchaus ihren eigenen Kopf.
    Ich habe Praktikum gemacht dieses Jahr auf einem Hof. Dort leben Border Collies und Lina durfte immer mit kommen und lief frei auf dem Hof mit den BCs. Meine Anleiterin musste sie mal kurz reinsperren, weil sie den Traktor raus holen mussten. Ich war nicht da in der Zeit. Sie sagte: "Ich wollte Lina dann wieder raus lassen und hab sie gerufen. Sie dreht sich um und guckt und "sagt": Ja, ich komm gleich, aber erst muss ich jetzt hier noch was gucken. Dann hat sie weiter gemacht den Raum zu erkunden. Da musste ich dann schon etwas deutlicher werden, als bei den Border Collies."


    Das frage ich mich allerdings auch wo dieses Gerücht der Selbsterziehung herkommt :ua_nada:
    Aber ich finde das kommt auch ein bisschen durch die Rassebeschreibung (Familienhund, will to please, keinesfalls aggressiv etc.). Ich hab bis jetzt in keiner Beschreibung zum Labrador gefunden dass sie sturköpfig sind und eigenwillig, und das sind sie auf jedenfall. Meiner ist auf jedenfall sturer als ein Esel :headbash:

  • Naja ist ja ne Auffassungssache...wenn ich meiner Huendin vermittel, was sie tun soll, setzt sie das viel schneller um als meine Jungs.
    Bei denen muss ich mich penetrant dahinter klemmen.

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  • Zitat

    Ich vermute mal ganz stark, dass es auch einfach Kausalzusammenhänge gibt zwischen der gewählten Hunderasse und dem wählenden Individuum. Will sagen, die Familie mit 2 kleinen Kindern will einen Hund. Dann wird ein Labbi genommen, die haben ja das Prädikat "kinderfreundlicher Familienhund". Da es ja "nur" ein Familienhund ist, wird dann auf die Erziehung weniger Wert gelegt bzw. diese bleibt neben der Erziehung der 2 Kinder einfach auf der Strecke. Da man eh ziemlich eingespannt ist mit Familie und Beruf, gibt es für den Hund auch nicht mehr, außer 2-3 Mal am Tag um den Block geführt zu werden.
    Unter'm Strich haben wir nun - nachdem wir alle gängigen Klischees bedient haben - einen Labrador mit Arbeitseifer, aber ohne Arbeit und rassetypischer Auslastung. Kein Wunder also, dass der nicht mehr weiß wohin mit seiner Energie und sich auf alles und jeden mit freudiger Begeisterung stürzt, was nur im Ansatz nach Beschäftigung aussieht.

    GENAU diesen Fall haben wir leider in der Nachbarschaft. Haus da, Kind da....fehlt nur noch der Hund, also n Labbi geholt. Kein Stück erzogen. Ich glaub die arme Maus kann nicht mal Sitz und Platz. Die einzige Abwechslung, die sie bekommt ist ein paar mal die Woche mit bekannten Hundebsitzern zum Spazieren. Aber normalerweise "darf" sie nur ein paar mal am Tag raus aufs unbebaute Nachbargrundstück zum K*****. Und die "Halter" beschweren sich noch, dass sie so hibbelig und aufgedreht ist....komisch! :mute: Dabei sehen wir sie (also die Besitzer) fast täglich um den Block spazieren...ohne Hund! :explode: Als sie mal stehengeblieben sind, weil wir mit Emma (grad 3 Monate alt) vom Gassi kamen, meinten sie nur "Oh, so süß WAR unsre auch mal!" Ich bin dann schnell rein, sonst wär ich geplatzt! Und sowas ist schuld dran, dass Labbis so nen schlechten Ruf haben.

  • Huh - das war jetzt ein sehr aufschlussreicher Thread.
    Ich habe eigentlich einen Border - die Mama war ein Border - aber wie man auf dem Avatar sieht, hat sie sich höchst vermutlich mit einem Labrador eingelassen. Da es sich bei der Mutter um eine Notfallhündin handelt, kennt man den Vater nicht, kann also nur nach dem Aussehen gehen. Die Mutter war eindeutig Border - ich habe ein Foto gesehen. Und netterweise war Mama auch wohl recht klein und zart.
    Mit Bordern - oder Schäferhunden - kenne ich mich aus, denn mein alter Herr, der vor einigen Monaten starb, war ein Deutscher Schäferhund-Border-Mischling.
    Der Jungspund nun kam zu mir mit 10 Wochen. Es gab vier Welpen - alle vier waren äußerlich sehr Labbiähnlich, einer war schwarz. Heute ist mein Kerl knapp 10 Monate alt.
    Doch offensichtlich hat sich nicht nur äußerlich der Vatergen durchgesetzt, sondern auch vom Wesen, wenn ich hier so lese. Ich denke, jeder Hund ist ein Individuum und nicht alles Verhalten ist rassebedingt - aber na ja, einiges natürlich schon. Was ich nun gelernt habe: Diese überschwängliche Liebe für alle Fremden - die ich von meinem vorigen Kumpel nicht kannte - ist wohl der Labbi im Hund. Das beruhigt mich etwas, denn es nervt - und wenn ich nun weiß, dass es so ist, kann ich anders an die Sache rangehen.
    Heute hatte ich mal wieder tolle, spannende und extrem nervige Erlebnisse diesbezüglich. Ich muss dazu sagen: Wir sind im Moment für 2 Monate am Atlantik. Vor unserer Abreise machten wir beide - Hund und ich - eine Schulung in Einzelstunden, in der wir viel gelernt haben - von wegen der Labbi ist selbsterziehend. Für meine Hunde vorher hatte ich nie Hilfe gebraucht.
    Und seither arbeiten wir auch viel und gezielt zusammen. Der Gehorsam klappt also ganz gut.
    Nicht aber wenn Leute in der Nähe sind.
    Heute liefen wir um eine Bucht herum. Ich konnte ihn nicht von der Leine lassen, denn hier sind im Moment Herbstferien, und so trifft man halt doch immer mal wieder auf Leute.
    Den Rückweg ging ich durch die Bucht - quer über den Meeresboden, vor dem auflaufenden Wasser her. Und ich ließ ihn von der Leine, denn weit und breit war niemand. Außer ganz weit weg am Ufer. Und dann noch ganz weit weg irgendwo auf dem Meeresboden. Und ganz weit weg in den Felsen.
    Wenn niemand in der Nähe ist, lässt er sich gut abrufen, kommt, setzt sich, lässt sich anleinen.
    Doch wenn er jemanden sieht - durchaus einen halben Kilometer weit weg - dann ist kein Halten. Er saust wie eine Rakete über die Ebene zu den Leuten hin und begrüsst sie aufdringlich. Nach einiger Zeit kommt er zurück, sieht sich um, schaut, ob er nicht noch jemanden entdeckt - und bevor ich ihn packen kann, rast er wieder los, zu den nächsten Leute hin. Im Fall von der Familie in den Felsen sass er dann ganz als gehöre er dazu auf dem Felsen neben der Frau, die ihn knuddelte, und steckte die Nase in die Tasche. Das war immerhin nahe genug, dass ich sah, was er tat. Ich lief dennoch weiter, denn ich wusste, dass es keinen Sinn macht, mich zu nähern - ich bin gar nicht schnell genug.
    Irgendwann kam er dann wieder, entdeckte die nächsten und war weg. Als er alle besucht hatte, die in der Bucht unterwegs waren, kam er und ließ sich an die Leine nehmen. Bewegung hatte er so gut bekommen. Lustig war es nicht.
    Ich muss dazu sagen: Wir sind in Frankreich - und alle Leute lieben ihn. In Deutschland hätte ich vermutlich schon die Polizei am Hals. Mir wäre es lieber, sie würden ihn nicht so lieben. "Mignon - mignon" - heißt es, denn natürlich sehen sie, dass es ein junger Hund ist. Selbst der alten Mann im Wald neulich, den er auf dem steilen Felsenweg beinahe umgeschmissen hätte, war nur lieb. Ich hatte ihn nicht gesehen, weil er plötzlich von hinten kam, nachdem wir vorher absolut alleine gewesen waren und ich den steilen Abstieg lieber ohne Hund an der Leine machen wollte.
    Heute war ich schon verzweifelt, weil ich nicht wusste, wie ich das Problem lösen kann. Doch nun weiß ich Dank dieses Threads, ich kann es gar nicht lösen, es ist wohl seine Natur - ich wünschte, er hätte mehr Borderverhalten. Das hat er auch - er treibt fürs Leben gerne Schafe in Form von Menschen ein und ist sehr wendig, nicht wie hier beschrieben motorisch ein Trampelchen. Und er ist sehr leicht und zart. Aber anscheinend hat er doch viel mehr vom Labbi. Zumindest zur Zeit.
    Wasserbegeistert ist er inzwischen auch, aber nicht so wie andere Labbis, die sich wie ein Landungsboot ins Wasser stürzen. Neulich fiel er hinein und musste kurz schwimmen - da hängte er sich mit den Vorderpfoten an einen Felsen und rührte sich nicht weg, panisch, weil er nicht hochkam. Ich musste ihn retten. Doch ich denke, einiges ist seiner Jugend geschuldet.
    Wie auch immer - ich bin froh, das hier gelesen zu haben, denn nun weiß ich, ich muss an diesen Liebe - auch diese Überschwänglichkeit bei direkten Begegnungen - doch anders rangehen. Er wird es lernen - aber halt anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es wird noch weniger Wanderungen ohne Leine geben können.
    (Wenn ich bedenke, dass ich meinen alten Kumpel vor 14 Jahren auch hier zum ersten Mal dabei hatte - etwa im selben Alter - und der damals problemlos ohne Leine zu halten war, allerdings außer wenn Hunde kamen. Die fand er immer toll! Aber das Theater so hatte ich nicht).

  • Zitat


    Ich mag sowas nicht,schon gar nicht dass mein Hund fremde mag,im Prinzip jeden,immer si anbiedernd freundlich ist,das eckelt mich einfach an und passt voll nicht zu meinem Typ,
    denn ich kann fremde Menschen so gar nicht leiden.

    Manchmal find ich dich übertrieben aber hab ich schonmal erwähnt das du mir auch herrlich sympathisch bist :D

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  • Zitat


    Heute war ich schon verzweifelt, weil ich nicht wusste, wie ich das Problem lösen kann. Doch nun weiß ich Dank dieses Threads, ich kann es gar nicht lösen, es ist wohl seine Natur - ich wünschte, er hätte mehr Borderverhalten.

    Warum solltest du das Problem nicht lösen können :???: ? Gerade das wird hier ja in dem Thread beschrieben, dass viele Labbihalter einfach sagen "Der ist halt so" und nichts dagegen tun. Wenn du die Sache nicht angehst wird sich wirklich nie was ändern. Als Junghund war meiner nicht anders, alles was sich am Horizont bewegte, musste erstmal Hallo gesagt werden. Mittlerweile ist er 3 Jahre und wir gehen heute ohne Leine an fremden Menschen vorbei und die sind ihm egal. Natürlich sieht das ganze anders aus bei Menschen die er kennt ;) Aber da weiß er dass er es darf.

  • Hm natürlich kann man das Lösen.
    (Schlepp)Leine dran als Absicherung und Vorrausschauend Spazierengehen.
    Ruhiges Verhalten bei Begegnungen loben. Das wird!
    Draußen macht Lina das inzwischen sehr gut, außer die Leute animieren sie.
    Das ist alles Impulskontrolle.
    Wenn man eine grobe Vorstellung von Retrieverarbeit hat, dann sollte dich erschließen, dass man ruhiges Verhalten, warten und Impulskontrolle ganz gut üben kann mit Labbis. Dafür sind sie gezüchtet.
    Allerdings muss man es eben üben.

  • Bei uns war es auch ein langes langes Training..da unsere Dame sehr sturr war... und immer mal wieder probiert hatte.. Aber mittlerweile funktionierts bei Menschen vorbeizugehen ohne irgendwelche Probleme.

    Aber... es braucht beim vorbeigehen nur mal einer unsere Dame ansehen zum lächeln anfangen und irgendwas in freundlicher stimme wie "du bist ja eine süsse maus"... dann kann sie sich nicht mehr halten. (Aber ich sag dann einfach dreist, selber schuld)

    Wenn wir auf Berg gehen, Hundeschule, Urlaub... dann ist mal ganz am anfang 5min riechen, Leute ansehen, wirklich nervös alles begutachten... wenn das vorbei und geschafft ist... dann funktioniert alles prima und man kann mit ihr arbeiten.

    Aber man kann dies einen Labrador schon beibringen... man muss halt wirklich aufpassen das man es nicht einreißen lässt und immer brav trainiert.
    Bei einen Labbi ist halt Goodies mithaben beim spazieren fast ein muss. (Ich habs gegen ein Spielzeug ausgetauscht, funktioniert auch sehr gut)

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