Wer ist hier der Rudelführer?

  • Hi, Tim,

    erstmal Glückwunsch zum Nachwuchs! Ich finde es klasse, wenn jemand gegebene Tips auch umsetzen kann und bereit ist, bisherige Methoden/Einstellungen zu hinterfragen ;-)

    Zitat

    ........
    Unser kleiner hält uns natürlich gut auf Trab. Wir sind ab und zu auch mal 1 stunde spazieren. Unsere "Große Runde" drehen, viel Spiel etc.


    Das ist zu viel! Ein Welpe ist doch erstmal vollauf damit beschäftigt, die Umgebung überhaupt kennenzulernen. Ab und an mal ein kleines Spiel von 5 Minuten zwischendurch, ok - aber keine Dauerbespaßung.

    Und zum Thema Laufen gibt´s ne allgemeine Faustregel, die besagt, daß der Hund max. 5 Minuten pro Lebensmonat am Stück laufen soll. Also mit 4 Monaten 4x5 = 20 Minuten am Stück. Und dabei geht es nicht darum, wie viele denken, daß der Hund sich nicht bewegen oder nicht toben darf, sondern um eine gleichförmige Bewegung, die den Körper an immer denselben Stellen belastet und schließlich überlastet. Wenn Du also ne Stunde draußen bist, und nach 15 Minuten gehen mal 15 Minuten Pause einlegst und auf ner Bank sitzt und er im Gras schnuppern gehen darf, anschließend ne Runde mit anderen Hunden rennt, ist das vollkommen ok - aber nicht eine Stunde am Stück nur laufen. Damit werden (gerade bei schweren und großen Rassen wie dem Rotti) schnell mal Bänder und Sehnen so überlastet, daß das zu Folgeschäden führen kann. Klar, wenn Du mal an einem Tag länger unterwegs bist oder eine 2-stündige Wanderung machst, wird der Hund nicht davon sterben. Es wird auch niemand verhaftet, wenn er mal länger als 20 Minuten Gassi geht mit dem Hund *gg Und es dürfen auch mal 22 Minuten sein - das ist eben als Anhaltspunkt gedacht, keine strenge Vorschrift.

    Aber in der Regel sollte man gleichförmige Bewegungsabläufe erst langsam von der Zeitdauer her verlängern, damit die Muskulatur Zeit hat, sich daran zu gewöhnen, und den ganzen Bänderapparat etc. halten kann, damit´s eben keine Spätschäden gibt. Stell Dir einfach vor, Du machst nie Sport, und ich komm her und verlange von heute auf morgen, daß Du untrainiert 20 km joggen gehst, und frage Dich, wie Deine Muskeln/Sehen/Bänder das aushalten würden.... Irgendwann verknackst man sich das Fußgelenk, weil die Muskeln die erhöhte Belastung nicht tragen können, oder holt sich Muskelfaserrisse in der Wade, oder nen Bänderriß vom Umknicken. Vielleicht zeigt Dir dieser Vergleich, worauf mit der Regel abgezielt wird.

    Zitat

    ........Das typische halt mit den beachteten Punkten: Ich fang an und beende das Spiel etc etc etc. AAAAAllleesss perfekt...


    Um Gottes Willen, hör mit dem veralteten Zeugs auf.... Wo auch immer Du das her hast - ignoriere den Menschen, der das erzählt hat, für immer und ewig, oder wirf das Buch, in dem das steht, in den Mülleimer. KEIN Hund der Welt will die Weltherrschaft an sich reißen, auch nicht, wenn er Dich mal zum Spielen auffordert oder gar ungebeten aufs Sofa hüpft! Weißt Du, warum ein Hund aufs Sofa hüpft? Na? Genau - weils bequem ist..... Hat nix mit einer sogenannten Dominanz zu tun oder irgendeinem Käse, daß der Mensch der "Rudelführer" sein muß. Im Wissensstand ist man heute wesentlich weiter, der Hund lebt als Teil der Familie, als Familienmitglied, nicht streng hierarchisch à la "Du Chef und Hundi springt". Ein Trainer, der sowas erzählt, den würd ich nicht mal mehr fragen, wie das Wetter heute ist....*gg

    Zum souveränen Führer wirst Du für den Hund nicht, indem Du möglichst viele Vorschriften generierst, Dir ein Schild "Chef" an die Brust hängst, und ihn möglichst gut herumscheuchst und möglichst nicht ohne schriftlichen Antrag an Dich atmen läßt, sondern indem Du verläßlich und berechenbar und konsequent bist (und das ist auch noch dazu viel weniger anstrengend, und macht mehr Spaß, als ständig um seine imaginäre "Rudelführerschaft" fürchten zu müssen - wie angenehm....).

    Lieber ein paar weniger Vorschriften, und dann konsequent auf deren Einhaltung bestehen. Immer ruhig bleiben, sich nicht provoziert fühlen, wenn Welpi mal rumspinnt - hey, das ist ein Baby, der WILL nunmal toben und spielen und auch austesten, was er bei Euch darf und was nicht. Souverän bist Du, wenn Du ihm dann einfach geduldig immer wieder zeigst, was erwünscht ist und was nicht, notfalls zwanzig Mal am einen Abend. Und zwar immer dasselbe, nicht heute darf er dies, morgen aber nicht. Das verunsichert und gibt kein gutes Bild vom "Führenden" ab. Gilt beim Führen von Hunden genauso wie in der modernen Personalführung - auch wenns immer noch net jeder Personaler mitgekriegt hat..... :headbash:

    Zitat

    ... das er nicht bei uns im Schlafzimmer schlafen darf.

    Und Du wunderst Dich, wenn der plärrt? Ein Hund lebt ab der Geburt im sicheren Familienverband. Ein Welpe in dem Alter ist, wenn er draußen leben würde, ohne seine Familie vollkommen ungeschützt jeglichen Feinden ausgeliefert - der hat erstmal Todesangst, wenn er alleingelassen wird! Ein Hund muß es erst lernen, alleinzubleiben, er muß die Erfahrung machen, daß ihm dann nichts passiert, wenn niemand da ist. Oder daß Ihr in Rufweite seid, während er schläft. Der braucht Sicherheit! Alles Andere ist Streß pur für den armen Zwerg und schafft auch nicht wirklich Vertrauen Euch gegenüber, wenn Ihr ihn immer solchen gefühlt "gefährlichen" Situationen aussetzt. Der Kleine weiß ja nicht, daß niemand in Eure Wohnung kommen kann, der ihn fressen wollen könnte..... Er empfindet es so, daß Ihr ihn ausschließt aus der Familie, also sozusagen "Höchststrafe", oder als würde Ihr ihn aussetzen.

    Normalerweise dauert es monatelang, bis ein Hund gelernt hat, alleinzubleiben, wenn Du das Haus verläßt - und Du verlangst von dem Zwerg, daß der 2 Zimmer weiter (für nen Welpen "ewig weit weg"), wo er Euch wahrscheinlich nicht mal hören kann, und sich noch nicht sicher fühlt, problemlos schläft? Wenn Du Kinder hast: hast Du die vom ersten Tag an in ihr Zimmer gesperrt, und Dich dann beschwert, wenn sie geweint haben? Vielleicht erklären Dir meine Fragen ein bisserl, warum der Kleine heult. Dann kannst Du ja künftig entsprechend vorgehen: erstmal mit ihm zusammen dort schlafen für die ersten Wochen, bis er dort sicherer ist. Dann mal zum Einschlafen mit reingehen, kurz rausgehen, wieder reinkommen - sodaß er merkt, egal, wenn Du gehst, Du bist immer da und kommst auch wieder zu ihm, er kann entspannen. Wenn er allein dort drin ist und leise meckert, ruf ihm zu "ich bin da, alles ok", und komm nach ein paar Minuten wieder rein, um ihm zu zeigen, Du bist bei ihm. Vertrauen schaffen, daß er sich auf Dich/Euch verlassen kann. Das Zimmer soll vom Gefühl her zu einem Rückzugsort für ihn werden, nicht zur Strafe.

    So wird das dann langsam aufgebaut. Wenn ein Welpe Panik hat, alleinzubleiben und verlassen zu werden, dann hat das nichts mit Weltherrschaft -Verzeihung, Rudelführerschaft zu tun (obwohl - selbst in einer "Rudeltheorie" wäre es ja Aufgabe des "Rudelführers", sein "Rudel" zu beschützen, oder?). Der hat einfach Angst, der braucht Eure Sicherheit, Euren Schutz, Eure Führung. Das heißt nicht, Ihr müßt Euch auf der Nase rumtanzen lassen, keinesfalls. Aber man muß den Hund nicht rund um die Uhr mit tausend Regeln einschränken, damit er auch nicht auf der Nase rumtanzt, das geht auch mit liebevoller Konsequenz. Klare Regeln ja, aber in Maßen und lieber konsequent eingehalten. Wäre ja auch super anstrengend, wenn man den ganzen Tag nur darauf achten müßte, daß der Hund nicht Regel 1 bis 99 irgendwo verletzt... In der Hinsicht könnt Ihr Euch das Leben einfacher machen, indem Ihr es auch ihm vereinfacht.

    Und ein Tip noch, der mir sehr am Herzen liegt: glaubt nicht alles bedingungslos, was Ihr irgendwo lest, aufschnappt oder neunmalkluge Halter und Trainer Euch erzählen (das hat schon so manchen Hundehalter anfangs verrückt gemacht). Laßt ein bißchen Euren gesunden Menschenverstand walten und Euren Bauch mitentscheiden. Lest Euch selbst ins Thema Hundeerziehung und Körpersprache des Hundes ein, lernt die Bedürfnisse Eures eigenen Hundes kennen. Wenn sich was komisch anfühlt, was jemand sagt, oder Euch oder den Hund in Streß bringt - laßt es lieber. Beobachtet Euren Hund und lernt, was er Euch wie sagen möchte - er zeigt Euch, was er braucht ;-) Nämlich Eure Nähe.... Ihr macht das schon! ;-)

  • BieBoss:
    Ein sehr schöner Text. Allgmein sehr super Antworten die mir die Augen soweit öffnet und einfach mal von dem Rudeldenken wegzerrt. Wir waren bis zum diesem Zeitpunkt so von unser Einstellung überzeugt, zumal es bei unseren damaligen Hunden gut klappte. Wobei ich zugeben muss, das wir beim Rotti bloooooß nix falsch machen wollen und deshalb vielleicht umso mehr falsch gemacht haben.

    Aber dafür muss man einfach Fragen und die Erfahrung machen. Ich werde defenitiv eure Tipps und Ratschläge annehmen, verarbeiten und anwenden; Einfach den kleinen mal KLEIN sein lassen. Das ganze ein wenig zurückfahren, ihm mehr geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Die Hund-Mensch-Bindung fördern.

    Puh ich bin richtig erleichtert :)

  • Litmann: find ich klasse - entspannt Euch einfach und genießt Euer Baby.

    Kann schon verstehen, daß man gerade bei einem Hund, der oft für Angst sorgt unter Passanten, alles richtig perfekt machen möchte. Aber warum mit viel Aufwand, wenns entspannt auch und sogar einfacher und besser funktioniert und Vertrauen schafft... ;-)

    Ich freue mich, daß ich ein bißchen dazu beitragen konnte, das Leben für Euch etwas enntspannter zu gestalten, und Ihr Euch gegenseitig wieder genießen könnt. :gut:

  • wir haben es immer so gehalten, das wir den Welpen mit ins Bett genommen haben. Hatte nur Vorteile. Wir haben sofort gemerkt wenn er unruhig wurde wenn er musste und sind raus. Er hat sich zusammengerissen und die Zeiten von alleine verlängert. Somit hatten wir immer schnell die Stubenreinheit erreicht und eine super Bindung geschaffen.

    Irgendwann sind sie von alleine abgewandert und haben sich ihre eigenen Schlafplätze gesucht. Das war nie ein Problem.

    Das Wichtigste was ein Welpe lernen muss ist eigentlich nur ein Wort: "NEIN" und das in allen Lebenslagen :lachtot: Wenn das geschafft ist geht der Rest fast von alleine.

    Ich habe Rottis immer als sehr ausgeglichene Hunde kennengelernt. Sie sind sich ihrer Körpermasse durchaus bewußt und agieren entsprechend vorsichtig. Daher glaub ich nicht das dein Welpe/ Junghund jetzt schon die Knute brauch.

    Und den Tip den Trainer schnellstens zu wechseln hast du ja schon ausgiebig erhalten :lol:

    Jetzt zurücklehnen, entspannen und dem Knirps bei seinem Unsinn zuschauen. Das macht einfach nur super Spaß.

  • shivalein: Hehe genau, zuschauen beim Unsinn machen. Das werden wir tun ;) Ja im Bett muss ich nun nicht haben, zumal unser schon von 22 - 5 Uhr durchhält... Echt super schnell gelernt. Aber ich glaube das es für ihn trotzdem besser ist wenn er ab sofort bei uns im Schlafzimmer schläft. Meine Frau hat´s gerad auch abgesegnet und somit bin ich guter Dinge das der kleine sicht besser fühlen wird und dadurch auch evtl stressfreier schläft?!

    Ich bin echt gespannt und werde regelmäßig berichten und mal Fotos posten ;)

  • Zitat

    Und ich werde den kleinen im Schlafzimmer schlafen lassen. Das fördert auch sicherlich die Bindung zum Hund als ihn Nachts auszuschließen.

    :gut: :gut:
    Daumen hoch für Deine Einsicht.
    Eine gute Bindung ist die beste Grundlage für eine spätere Erziehung.

    Ich weiss nicht, ob schon jemand etwas zu den 30 Minuten Aufdrehen am Abend geschrieben hat. Diese halbe Stunde hat fast jeder junge Hund.
    Ich bin mit meinen Welpen dann nochmal in den Garten gegangen. Sie konnten das dann einfach rauslassen.

  • wow, ich bin positv von dir überrascht lieber Litmann. Ich finde es gut das du dir die Ratschläge durchliest, schaust was du für die umsetzen kannst und diese nicht als persönliche Kritik nimmst. :)

    Dafür ein: Hut ab.

    Ich denke mit dieser Einstellung und Gelassenheit werden ich das Kind äh den Welpen schon schaukeln.

    Meiner hat es super geholfen wenn sie ihre 5min hatte, Körperkontakt. In den Arm nehmen etwas festhalten und sanft streicheln, meistens ist sie eingeschlummert. wenn nicht, dann hat sie meine Haare gefressen. :D

    Auch schön so als Einstimmung zum ruhig werden, ein paar Leckerlis "verstecken" und den Kleinen suchen lassen. oder ein schöner Kauknochen, das baut Streß ab und macht müde.

    Der Hund muss ja nicht zu dir ins Bett, zumal es dann doch etwas eng wird. Eine Box oder ein Korb neben das Bett stellen und eine Hand rein, dann bekommst du auch mit wenn er mal raus muss oder schlecht träumt.

    Auf die Fotos freue ich mich schon :D

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