Welpe bellt, wenn er nicht zu mir kann

  • Huhu

    ich brauche leider noch einmal Hilfe...kann sein dass er mit seinen 4 Monaten einfach ein normales Verhalten zeigt aber er bringt mich langsam an den Rande des Wahnsinns. Milo kann partout nicht ohne mich sein. Alleinebleiben können wir also schonmal ganz hinten anstellen. Aber auch wenn er nicht alleine ist, sondern andere Leute die er kennt aufpassen, jammert er rum. Ein Beispiel, wir haben gerade eine Woche Hausbooturlaub gemacht, meine Eltern, Freunde und ich. Ich konnte nirgendwo ohne ihn hingehen, waren wir alle draußen und ich wollte nach drinnen gehen was holen, gab es ein riesen Theater. Jemand musste jedesmal auf ihn aufpassen, weil er nicht alleine auf dem Boot rumspazieren konnte. Genauso ist es wenn ich ihn kurz bei meiner Mutter lasse.
    Ein weiteres Beispiel, bin ich zum Beispiel bei mir im Garten um Blumen zu gießen und er auf der Terrasse, die höher liegt und zu ist, bellt er die ganze Nachbarschaft zusammen und hört auch nicht damit auf. Habe es mal über längere Zeit versucht zu ignorieren. Ich glaube er möchte in dem Moment einfach seinen Willen haben, nämlich mit mir im Garten zu sein als "alleine" auf der Terrasse. Ich weiß langsam nicht mehr weiter :verzweifelt: ist das normal in dem Alter und kann ich davon ausgehen dass es von alleine weggeht oder wenn nicht wie kann ich ihm das abgewöhen? Ignorieren, ausschimpfen? Habe alles probiert.
    Das mit dem Alleinesein üben wir immer, und es klappt auch schon dass er alleine in einem Raum bleibt, solange er mich hört und ich in der Wohnung bin. Klar, theoretisch kann ich ihn auch einfach in den Garten mitnehmen, aber ich will dass er es lernt. Außerdem kann ich ihn jedesmal danach baden weil er durch die nasse Erde rennt
    Bin ich zu ungeduldig? Demnächst fängt meine Uni wieder an, insofern muss er sich eh daran gewöhnen paar Stunden zu anderen Leuten zu gehen...

    lg

  • Das ist ein normales Welpenverhalten. Von allein geht das aber nicht weg.

    Wenn dein Hund schon in einem Raum bleiben kann wenn er dich hört würde ich jetzt anfangen kurz das Haus zu verlassen. Erstmal nur eine Minute und dann wiederkommen. Deinen Hund beim Zurückkommen nicht begrüßen, damit es für ihn ganz normal wird, dass du kurz weg bist.

    Die Zeit die du weg bist ganz langsam steigern.

  • Ja habe ich schon paar Mal probiert, schon alleine wenn ich mal den Müll rausbringe. Er bellt natürlich sobald ich draußen bin. Manchmal warte ich bis er kurz ruhig ist (wobei ich nicht weiß ob er das schnallt, dass ich nur gerade deshalb reinkomme) und ich ignorier ihn dann auch immer

  • Ich weiss, Du hättest jetzt gerne eine Methode, wie man das abstellen kann.
    Die habe ich nicht für Dich.

    Ich habe es schon mal hier im Forum geschrieben:
    Wenn ein Hund nicht ohne seine Bezugsperson sein kann, dann liegt das m. E. an einer mangelnden Bindung. Das will leider immer niemand glauben.

    Ein sicher gebundener Hund ist selbstbewusst und voller Vertrauen. Er kann ohne Probleme - altersentsprechend - auch mal ohne seine Bezugsperson sein.

    Die Bindung wird erschwert, wenn der Welpe zu früh alleine gelassen wird.
    Darum halte ich auch nichts davon, das Alleinebleiben zu früh zu üben.

    Aber auch ein Ignorieren von typischen Welpenbedürfnissen führt zu einer mangelnden Bindung.

    Mir ist als Beispiel einer Deiner Beiträge aufgefallen:

    Zitat

    Milo ist jetzt 16 Wochen alt und macht das auch noch mit dem Beißen :mute: wobei es schon etwas besser geworden ist. Ich schubs ihn dann auch immer weg oder tu ihn vom Sofa runter und sag laut Nein aber irgendwie versteht er das oft als Spiel, bzw. ich habe das Gefühl dass seine Ohren in dem Moment auf Durchzug stehen...wenn er gar nicht aufhört fliegt er aus dem Zimmer...

    Das sind so Sachen, die einer Bindung sehr schaden. Dein Welpe versteht Deine Abweisung nicht, weil er sich nicht falsch verhält. Dadurch kann er Dir nicht vertrauen. Auch das Aussperren aus dem Zimmer ist eine unverständliche Strafe für einen Hund.

    Darum kann ich Dir nur raten, erstmal eine enge Bindung zuzulassen, den Welpen z. B. nicht auf der Terrasse warten zu lassen, auf seine Bedürfnisse einzugehen.
    Wenn Du ihn als das siehst, was er ist: Nämlich ein Hundekind von 4 Monaten, dann musst Du auch nicht mehr genervt sein.

    Genervtsein und Ungeduld sind Stimmungen, die ein Hund auf jeden Fall spürt.

  • So habe ich da noch gar nicht drüber nachgedacht. Wie kann ihm denn Vertrauen geben? Ich habe ihn eigentlich nie alleine gelassen, nur wie gesagt um mal den Müll wegzubringen. Aber ich merke dass er ständig Angst hat ich könnte weggehen, weil er immer den Kopf hebt sobald ich mich bewege, dafür habe ich ihm aber keinen Grund gegeben. Ich war jetzt auch 6 Wochen permanent mit ihm zusammen, leider gibt es aber keine andere Möglichkeit, als dass er paar Stunden woanders hin geht, wenn die Uni wieder anfängt...hilft es vielleicht die Bindung zu stärken, wenn er mit mir ihm Bett schläft? Im Moment hat er sein Körbchen neben dem Bett.
    Wegen dem Beißen, wie soll ich dass den sonst unterbinden? Im Urlaub hat er andauernd von allen die Füße angegriffen. Nein hilft nicht, obwohl er inzwischen weiß was es bedeutet, da bin ich mir sicher, denn wenn es um andere Sachen geht gehorcht er

  • Ich find, man muss auch unterscheiden: ist man komplett weg oder nur für den Welpen nicht erreichbar, aber noch sichtbar? Klingt vielleicht blöde, aber bei unserem Welpen ist es so, dass er ca. 15 Min. schon gut allein bleibt. Meine Mutter geht einkaufen und ich beobachte wie ein Einbrecher von draußen :lol: Da guckt er kurz: wie, keiner da? Ok, dann penn ich weiter.

    Aber wenn meine Mutter im Garten ist und gießt und er sieht das und kann da aber nicht hin wegen einer Barriere, dann ist aber Terror angesagt. Aber nicht, weil er Null Allein-sein kann, sondern weil er sieht, was da Spannendes geschieht und er darf nicht hin. Bei uns darf er jetzt mit zum Gießen. Macht ihm und auch uns tierisch Spaß. Auch wenn hinterher alle etwas versaut sind :lol:

    Und das Beißen. Klar tut das weh. Ich halte das aber für völlig normal in dem Alter. Ich würd da nicht schimpfen oder so, sondern lieber lauter andere Sachen anbieten: Kauknochen, Spielzeug etc.

    Mit Hundewelpen kenne ich mich jetzt nicht sooo aus, wir hatten zwar immer Hunde, aber da war ich immer Kind und meine Eltern haben die Erziehung übernommen. Abver von Katzen weiß ich: die beißen sich fest, wo sie nur können. Keinen Schritt konnte ich tun ohne Katze an den Hacken. Bei den Katzen hat es von selbst aufgehört mit entsprechendem Alter.

    Bett könnte helfen, würde ich aber nur machen, wenn er da eh später mal schlafen soll. Unserer pennt seit er 9 Wochen ist nachts im Bett 6 Stunden durch. Und gestern nach viel beißen und toben um Mitternacht stand meine Mutter auf und dachte: mir reichts, ich geh jetzt ins Bett, soll er doch die Hütte zerlegen. Und ja, kaum lag sie im Bett, legte er sein Köpfchen aufs Bett, guckte so lieb...und dann hat er brav seine 6 Stunden geschlummert.

    Ich find Bett durchaus hilfreich, aber nur, wenn man das eh möchte, dass der Hund da schläft.

  • Zitat

    So habe ich da noch gar nicht drüber nachgedacht. Wie kann ihm denn Vertrauen geben?


    Indem man ruhig,souverän und berechenbar ist!
    Nur den Welpen im Bett schlafen lassen hilft gar nichts, wenn man tagsüber sein Vertrauen nicht gerecht wird.

    Zitat

    Milo ist jetzt 16 Wochen alt und macht das auch noch mit dem Beißen :mute: wobei es schon etwas besser geworden ist. Ich schubs ihn dann auch immer weg oder tu ihn vom Sofa runter und sag laut Nein aber irgendwie versteht er das oft als Spiel, bzw. ich habe das Gefühl dass seine Ohren in dem Moment auf Durchzug stehen...wenn er gar nicht aufhört fliegt er aus dem Zimmer...


    Durch solche Aktionen zum Beispiel.

  • Zitat

    Ich habe es schon mal hier im Forum geschrieben:
    Wenn ein Hund nicht ohne seine Bezugsperson sein kann, dann liegt das m. E. an einer mangelnden Bindung. Das will leider immer niemand glauben.

    Damit bist nicht allein. Denn auch für mich gibt es keine andere logische erklärung :smile:

  • Zitat

    Ich find, man muss auch unterscheiden: ist man komplett weg oder nur für den Welpen nicht erreichbar, aber noch sichtbar? Klingt vielleicht blöde, aber bei unserem Welpen ist es so, dass er ca. 15 Min. schon gut allein bleibt. Meine Mutter geht einkaufen und ich beobachte wie ein Einbrecher von draußen :lol: Da guckt er kurz: wie, keiner da? Ok, dann penn ich weiter.

    Aber wenn meine Mutter im Garten ist und gießt und er sieht das und kann da aber nicht hin wegen einer Barriere, dann ist aber Terror angesagt. Aber nicht, weil er Null Allein-sein kann, sondern weil er sieht, was da Spannendes geschieht und er darf nicht hin. Bei uns darf er jetzt mit zum Gießen. Macht ihm und auch uns tierisch Spaß. Auch wenn hinterher alle etwas versaut sind :lol:


    Da sprichst du einen wichtigen Unterschied an: Verlustangst oder mangelnde Frustrationstoleranz. Bei Verlustangst geht es primär darum, dem Welpen Sicherheit zu geben. Das extreme Kleben an der Bezugsperson ist bei jungen Welpen zunächst normal, und gibt sich mit wachsender Selbstsicherheit UND Vertrauen von selber. Meilensteine sind für mich da die Momente, in denen der Welpe mal in einem anderen Zimmer als dem, in dem ich gerade bin ein Nickerchen macht.

    Frustrationstoleranz müssen alle Welpen erst lernen, nur wie schwer es ihnen fällt ist teilweise genetisch bedingt. In einer intakten Hundefamilie würden das die Althunde übernehmen, indem sie den Welpen so ab ca.10, 12 Wochen nicht mehr jeden Betreuungswunsch direkt erfüllen, sondern auch mal sagen: Nada! Die Mutterhündin fängt schon früher damit an, indem sie die Milchbar temporär schliesst. Diese Übungen sollte man in kleinen Dosen weiterführen - bei vielen welpen ergibt sich das ganz automatisch aus dem Alltag, andere brauchen etwas Nachhilfe.

    Verlustängste müssen anders angegangen werden. Leider geht der aktuelle Trend zum Erwerb von unsicheren Hunden, die Nachfrage nach Welpen wird aus sehr dubiosen Quellen gedeckt, es wird mit wesensschwachen Hunden vermehrt, die Welpen dann auch noch schlecht sozialisiert und zu früh von der Mutter getrennt... Diesen Welpen muss man erst mal Sicherheit vermitteln, die brauchen länger, um einen vergleichbaren Entwicklungsstand zu erreichen (falls überhaupt möglich) als selbstsichere Welpem. Ihr Selbstvertrauen und ihre Selbständigkeit müssen angemessen gefördert werden. Leider geht der aktuelle Trend der Hundeerziehung in die Gegenrichtung: totale Kontrolle und Unselbständigkeit des Hundes wird angestrebt, alle Entscheidungen trifft der Mensch, dem Hund wird jegliche Kompetenz abgesprochen. Die bei so vielen Welpen dringende Förderung der Selbständigkeit findet kaum je Erwähnung in den vielen Welpenbüchern - wohl aber Massnahmen, die Selbständigkeit überall zu unterbinden. Wenn der so erzogene Hund dann auf den Verlust seiner alles entscheidenden Bezugsperson mit Panik oder allerlei Übersprunghandlungen reagiert, wird ihm flugs Kontrollwahn unterstellt....

  • Zitat

    So habe ich da noch gar nicht drüber nachgedacht. Wie kann ihm denn Vertrauen geben? Ich habe ihn eigentlich nie alleine gelassen, nur wie gesagt um mal den Müll wegzubringen. Aber ich merke dass er ständig Angst hat ich könnte weggehen, weil er immer den Kopf hebt sobald ich mich bewege, dafür habe ich ihm aber keinen Grund gegeben.

    Erstmal finde ich es normal, dass Welpen in der Wohnung hinterherlaufen. Sie wollen in den Alltag eingebunden sein.
    Wenn ein Welpe genug Bewegung und Beschäftigung hatte, dann schläft er auch und lässt sich durch nichts stören. Sobald er munter ist, läuft er hinterher.

    Ich sage meinen Hunden Bescheid, wenn ich die Wohnung verlasse. Sie sollen wissen, dass ich gehe. Nach meiner Ansicht gibt es nichts Schlimmeres, als wenn die Bezugsperson auf einmal weg ist. Wenn man immer den gleichen Satz sagt, z. B.: Ich komme gleich wieder - dann versteht der Hund recht schnell, dass er nicht mit kann.

    Zum Vertrauen:
    Wenn Du Deinem Hund vertraust, dann vertraut er Dir auch.
    Man sollte darauf vertrauen, dass der Hund genau richtig ist, wie er ist.

    Die allgemein übliche Welpenerziehung geht immer in die Richtung, dass ein Welpe erst ein guter Welpe ist, wenn er sich wie ein erwachsener Hund benimmt. Das bedeutet, er soll schnell stubenrein sein, er soll nicht zu doll toben, er soll nichts ins Maul nehmen, er darf nichts anknabbern und schon gar nicht darf er beim Spielen beissen.

    Ein Welpe bringt aber einen genetischen Plan mit auf die Welt. Sein Verhalten ist ihm von der Natur mitgegeben, damit er alles lernt, was er für das Leben braucht.
    Darum ist es für die Entwicklung und auch für die Bindung sehr hinderlich, wenn er nicht typisch Welpe sein darf.

    Das Spielbeissen hat er mit seinen Geschwistern gemacht, das ist für das Lernen des Sozialverhaltens wichtig. Wird er von den Geschwistern getrennt mit 8 Wochen (oder später), dann muss ihm dieses Spiel ersetzt werden - idealerweise mit anderen Welpen oder mit seinem Menschen. Er soll lernen, seine Zähne sanft einzusetzen. Es geht nicht darum, dass man ihm das Beissen abgewöhnt oder ihn gar straft deswegen. Kausachen befriedigen nicht!!! dieses Bedürfnis.

    Alle Welpenhalter sind verzweifelt, dass ihr Welpe draußen alles in die Schnauze nimmt.
    Alles wird weggenommen, man "unterbindet" es. Damit verhindert man das wichtige Erkunden der Umwelt, welches mit den Zähnen, mit der Schnauze stattfindet.

    Das wilde Spiel des Welpen stärkt sein Körpergefühl, seine Kondition, macht ihn stark und selbstsicher.

    Im Spielen und Erkunden liegen nahezu alle wichtigen Entwicklungsvorgänge, die für das spä-
    tere Erwachsenenleben gebraucht werden. Das Verhalten von Welpen hat also einen "ernsten" Hintergrund.

    Ein Welpe, der nicht ausreichend spielen kann, weil er keinen Spielraum, keine Spielkameraden oder keine innere Freiheit dazu hat, weil er immer gedeckelt wird, kann nicht lernen. Wer nicht lernen kann, wird unsicher.

    All diese Dinge sind wichtig für eine sichere Bindung. Man setzt dem Welpen ein paar wenige Grenzen und lässt ihm dort, wo es ungefährlich ist, den möglichen Freiraum zur Entwicklung.
    Körperkontakt und Geborgenheit sollten selbstverständlich sein.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!