Rückruf trainieren - wie?

  • Hallo ihr Lieben,

    ich würde gerne mit meiner Hündin den Rückruf trainieren, nur weiß nicht wie...

    Rika ist ca. 7 Jahre alt und seit 1,5 Jahren an unserer Seite. In den Jahren zuvor lebte sie auf der Straße - das schon mal vor weg.

    Ich habe mich ewig nicht getraut sie ab zu leinen, weil ich einfach Angst hatte, dass sie davon läuft. Ein altes Gefühl von Freiheit auftaucht oder so. In den letzten Wochen, habe ich mich nun aber des öfteren getraut, sie an abgelegenen Wiesen ab zu leinen und was soll ich sagen, sie bliebt bei mir in einem Radius von ca 5 m und sucht auch ständig den Blickkontakt. Wenn ich die Richtung wechsel, läuft sie sofort neben mir Fuß. Ich muss dazu sagen, dass Rika an der Leine zieht. Ohne Leine läuft sie viel besser als mit.

    Die Freiheit, ohne Leine zu laufen, würde ich ihr gern viel öfter geben. Nur habe ich wirklich Angst, dass etwas passieren könnte. Was wenn ein Radfahrer auf taucht, ein anderer Hund ect? Dadurch das sie sich ja nicht weit von mir entfernt im Freilauf, weiß ich gar nicht wie ich da einen Rückruf üben soll und ob sie überhaupt zurück kommen würde, wenn Radfahrer und Co auftauchen.

    Denn an der Leine wird alles, was sich schnell auf uns zu bewegt massiv verbellt, aus Angst. Jedoch denke ich nicht, dass sie jemanden etwas tun würde. Aber denken ist nun mal nicht wissen... Bis Ende letzten Jahres hat sie sich noch benommen an der Leine... Dann kam Tag X und Rika wurde wirklich sehr arg schlimm von einem anderen Hund verletzt, der sich los Riss. Rika hat alles über sich ergehen lassen, ohne dem anderen Hund auch nur ein Haar zu krümmen... Seitdem haben wir dieses Problem, dass fremde Hunde, Autos, Radfahrer usw von ihr verbellt werden. Da sind wir nun beide vorbelastet, denn auch ich habe jetzt oft Angst wenn uns fremde pöbelnde Hunde begegnen, dass sie sich los reißen und der Alptraum von vorn beginnt. Das merkt Rika sicherlich und bestärkt sie wohl auch in ihrem Verhalten...

    Da ich aber nun gemerkt habe, dass es ihr im Freilauf super geht und sie es einfach nur genießt und sie viel entspannter wirkt, möchte ich es ihr so gern ermöglichen. Aber eben nur, wenn ich weiß, dass sie auch abrufbar ist...

    Hat jemand ein paar Ratschläge für mich? :gott:


    (Das war bisher ihr weitester Abstand von mir) :roll:

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  • Rückruf trainierst du ganz einfach. Warte bis sie ein wenig weg ist, dann ruf sie. Wenn sie eh so aufmerksam ist wie du beschreibst wird sie sich sicher mindestens zu dir umdrehen. Und dann brauchst du dich nur noch zu freuen und zb in die Hocke gehen. Wenn sie da ist mach irgendwas was sie gnaz toll findet. Spielen, zusammen laufen, ein tolles Leckerli... Gerne auch abwechselnd. Anschließend schickst du sie mit einem Freigabekommando (das du auch beim Ableinen immer geben solltest) wieder weg. Du kannst sie auch belohnen, indem du sie schnuppern schickst, falls sie das gerne tut.
    Wenn sie das Prinzip verstanden hat kannst du warten bis sie ein wenig abgelenkt ist, und sie dann rufen, und so langsam die Schwierigkeit steigern. Beweg du dich selbst dabei auch und steh nicht nur rum :)
    Das kannst du auf einer Wiese oder so üben.
    Für die Spaziergänge lege ich dir eine Schleppleine ans Herz. Meiner ist an der kurzen Leine auch schrecklich nervös. An der Schlepp tiefen entspannt. Dann siehst du auch mal wie sie mit mehr Bewegungsfreiraum reagiert auf Radfahrer usw. Und trotzdem hast du sie unter Kontrolle.
    Dann würde ich an der Schlepp anfangen ein paar Kommandos für den Freilauf zu trainieren. Wichtig ist vorallem "weiter", das verwende ich zb wenn er zurück bleibt weil er wo schnüffeln will, oder wenn jemand auf uns zu kommt und ich merke er interessiert sich, dann sag ich weiter und er weiß er soll jz nicht hin sonder weiter gehen. Auch wichtig wäre etwas wie "warte" oder "stop" dass sie stehen bleibt. Ich verwende auch noch "langsam" falls er zu schnell ist und zu weit vor kommt. Das kannst du alles mit der Schlepp super trainieren. Beim weiter lockst du sie einfach weiter und schickst sie dann vorwärts wieder frei. Wenn sie nicht weiter will kannst du sie an der Schlepp ein wenig zupfen um ihr die Richtung zu weisen. Bei Warte solltest du sie auf dich aufmerksam machen, dann bleibt sie vermutlich eh kurz stehen, und ich steig dann einfach auf der Schleppleine zu ihm hin, so dass er stehen bleiben mus und deute ihm mit Körpersprache, dass er bleiben soll. Dann lob ich und schick ihn weiter.
    Unter dem Spaziergangn kannst du auch den Rückruf üben. Aber so lange du in der Übephase bist ist wichtig: ruf nur wenn du sicher bist sie kommt. Also Anfangs möglichst nicht zb wenn sie gerade ihren Hundekumpel gesehen hat. Falls du sie doch mal in einer falschen Situation gerufen hast und sie nicht kommt, angel sie mit der Schleppleine her.
    Wichtig: Schleppleine mit Geschirr

    Nur Mut, hab ein wenig Vertrauen in deine Hündin, das wird schon :)

  • Zwischen nicht ableinen und auf einmal ableinen, müsste eigentlich erst das Rückruftraining stehen.

    Anfangen würde ich wie bei einem Welpen, erst mal zu Hause und ein Rückrufsignal konditionieren (oder halt auf eine Pfeife).

    Also rufen-Futter, rufen-Futter usw. Dann die Ablenkung steigern.

    Draußen auf Spaziergängen würde ich schon mal anfangen, jeden Blick in Deine Richtung zu belohnen oder wenn sie freiwillig zu Dir kommt, das Signalwort sagen und belohnen.
    Dazu würde ich zur Absicherung erst mal eine Schleppleine nutzen und gleichzeitig ein bisschen Radiustraining mit einbauen.

    Dann auch da die Ablenkung langsam steigen. Funktioniert das alles zuverlässig, kannst Du die Schleppleine fallen lassen oder auch nach und nach verkürzen.

    An der Leinenführigkeit würde ich trotzdem auch arbeiten. Also Hund mit Hund an normaler Leine los gehen, ordentliche Leinenführigkeit abverlangen (z.B. durch Richtungswechsel) und dann da, wo Du sie normalerweise frei laufen lassen könntest, auf Schleppleine umschnallen.
    Laufen lassen, immer mal wieder rufen, belohnen.
    Dann Schleppleine wieder gegen normale Leine tauschen und zwischendurch immer mal wieder Leinenführigkeit üben in kleinen Schritten.

    Wenn Du bisher zum Thema Leinenführigkeit noch nichts gemacht hast, würde ich Dir vorschlagen, mit zwei Systemen zu arbeiten und eine Leine benutzen, die man verstellen kann. An langer Leine darf sie noch ziehen, an kurzer Leine wird ordentlich gegangen.

    In Situationen wie mit Radfahrern und anderen Hunden, würde ich sie erst mal kurz und auf die abgewandte Seite nehmen, größtmögliche Distanz einhalten, zügig dran vorbei und ruhiges Verhalten belohnen.

    Wenn das klappt, kannst Du ihr nach und nach vielleicht auch ein bisschen mehr Leine geben.

  • Also ich würde auch sagen, erst kommt das Rückruftraining und dann der Freilauf, vor allem an Stellen an denen ihr Jogger, Radfahrer etc. trefft. Alles andere ist verantwortungslos.
    Ein Rückrufsignal konditionierst du ganz einfach. Nimm Futter in die Hand und stell dich neben sie. Dann gehst du einige Schritte zurück. Sie wird dir bestimmt folgen. Wenn sie fast bei dir ist, kommt das Signal. Wenn sie bei dir ist, loben und belohnen. Dann wiederholst du bis zum Erbrechen und vergrößerst den Abstand zwischen euch. Wenn sie es verstanden hat, rufst du sie auch einfach mal, wenn sie nicht damit rechnet oder aus der Ablage. Zuerst das alles nur in der Wohnung. Dann verlegst du das Training nach draußen. Wichtig ist jetzt, dass du sie draußen erstmal nur in Situationen abrufst, in denen du dir 1000-prozentig sicher bist, dass sie kommt. Wenn die Ablenkung noch zu groß ist, geh hin und sammel sie ein. Wenn sie jetzt nämlich zu oft nicht auf das Signal reagiert, machst du dir den ganzen Rückruf kaputt und er wird nie zuverlässig funktionieren. Also die Ablenkung langsam steigern. Wichtig ist auch, dass du ein Auflösekommando, wie "Lauf" etc., gibst bevor sie sich wieder von dir entfernen darf. Sonst hast du einen Hund, der schnell das Leckerli inhaliert und auch schon wieder durchstartet. Also ruhig auch mal nicht nur das Kommen, sondern auch das bei dir bleiben belohnen.
    Und bis der Rückruf auch in kritischen Situationen sitzt, Schleppleine dran! Damit kannst du auch über die Distanz auf sie einwirken. 10 m finde ich einen guten Radius um zu beginnen. Der Hund hat dann trotzdem das Gefühl von Freilauf und man kann vernünftig üben.

    Die Leinenführigkeit würde ich trotzdem auch separat üben. Leinenaggression ist ein ziemlich vielschichtiges Thema. Ich bin immer der Meinung, dass der Mensch lernen muss dem Hund Sicherheit aber auch Grenzen zu vermitteln. Das läuft viel über Körperhaltung und -sprache. Das muss dir jemand vor Ort zeigen. Such dir einen guten Trainer, einen der auch mal ohne Leckerli und Spieli arbeiten kann und dir zeigt, wie du wann auf deinen Hund wirkst. Ferndiagnosen sind bei sowas immer schwierig.

  • Erstmal danke für die tollen Rätschläge!
    Ich habe sie bisher nur an wirklich seeehr abgelegenen Wiesen abgeleint zwischen Waldstücken, wo es keine Radwege gibt und man kilometerweit gucken kann und die Gefahr jemanden zu begegnen eher unwahrscheinlich ist. Alles andere wäre mehr als fahrlässig. Auf gut Glück in der Nähe von Wandernwegen ect. würde ich sie unter gar keinen Umständen ableinen. Niemals.
    Definitiv werde ich mir nun eine Schleppleine besorgen und mich mit Leckerlies bewaffnen! Sie nur abzurufen, wenn ich weiß, dass sie auf jeden Fall zurück kommt, werde ich dann auch beherzigen. Ich bin recht zuversichtlich und denke, dass wir das prima hin bekommen werden, eben weil sie so stark darauf achtet wo ich bin.

    Natürlich übe ich mit ihr auch schon an der Leinenführigkeit und in Kleckerschritten wirds auch schon besser. Sie bellt zb nicht mehr jeden Radfahrer an, sondern nur noch die, die wirklich von vorn auf uns zu rasen und die, die sie permanent anstarren. Kommt jemand gemütlich vorbei geradelt und beachtet sie gar nicht, ist ihr das mittlererweile völlig Hupe. Über diesen kleinen Fortschritt bin ich schon sehr froh. Es kommt aber auch drauf an, ob ich mit ihr alleine gehe oder ob mein Sohn dabei ist. Denn wenn mein Sohn dabei ist, läuft sie zwischen uns Fuß, von ganz alleine und ist auch entspannter als wenn ich mit ihr allein unterwegs bin. Radfahrer und Co sind dann auch eher Nebensächlich zu 90%. Ich weiß nicht woran es liegt, aber wenn wir alle zusammen raus gehen hab ich kaum solche Probleme mit ihr. Könnte es damit zusammenhängen, dass ich an dem Tag, als sie so schwer verletzt wurde, mit ihr allein unterwegs war? Und sie es quasi damit verknüpft? Mit Frauchen raus = es könnte was passieren - Mit der Familie raus gehen = mehr Sicherheit? Denn wie gesagt, vor diesem Vorfall war sie nicht so...

  • Zitat

    Könnte es damit zusammenhängen, dass ich an dem Tag, als sie so schwer verletzt wurde, mit ihr allein unterwegs war? Und sie es quasi damit verknüpft? Mit Frauchen raus = es könnte was passieren - Mit der Familie raus gehen = mehr Sicherheit? Denn wie gesagt, vor diesem Vorfall war sie nicht so...

    Prinzipiell ist das schon möglich. Ich glaube aber mittlerweile, dass wir und unsere Haltung einen viel größeren Einfluss auf das Verhalten unserer Hunde haben, als es uns manchmal lieb ist. Könnte es nicht sein, dass du dich insgesamt sicherer und entspannter fühlst, wenn noch jemand zweites dabei ist und sich das auf den Hund auswirkt?

    Viele Grüße
    Frank

  • Zitat

    Könnte es damit zusammenhängen, dass ich an dem Tag, als sie so schwer verletzt wurde, mit ihr allein unterwegs war? Und sie es quasi damit verknüpft? Mit Frauchen raus = es könnte was passieren - Mit der Familie raus gehen = mehr Sicherheit? Denn wie gesagt, vor diesem Vorfall war sie nicht so...


    Kann ich mir nicht vorstellen, eher, dass DU diese Verknüpfung hast( was ja auch normal wäre) .

  • Ich würde vorallem nicht nur mit Futter belohnen. Das funktioniert meistens nicht bei eher selbstständigen Hunden.

    Versuche mit etwas zu belohnen, was dein Hund gerade tun wollte : war sie schnüffeln, belohne sie mit schnüffeln oder Suchspielen, war sie gerade rennen und toben, belohne sie mit Action, usw.

    Ich persönlich benutze einen doppelten Rückruf mit Wort oder Pfeife, aber das ist wohl Geschmackssache :smile:

  • Ohne jetzt die Beiträge alle gelesen zu haben, hier nur mal kurz, wie wir zur Zeit den Rückruf üben/neu aufbauen:

    Ziel: sofort, direkt und freudig zu mir düsen! :gut:

    Und dabei richte ich mich relativ streng nach einen Rückrufprotokoll von Celina del Amo. Sie hatte darüber ein Webinar gegeben. Man kann es über dog-ibox.com erwerben und anschauen. Es würde hier den Rahmen sprengen, alles aufzuschreiben.
    Weil der Rückruf das wichtigste Signal ist, welches am besten sitzen sollte, halte ich mich da recht streng dran.

    Ein paar wichtige Grundsätze sind:
    >>Rückruf-Wort klassisch konditioneren: Signal+Futter etc. siehe oben!
    >>Erstmal mit minimaler Ablenkung üben und es dem Hund möglichst einfach machen.
    >> Immer - wirklich immer, bis das Signal zu 99% sitzt - hochwertigste belohnen!
    >>Ein guter Rückruf muss 1-2000 Mal geübt werden, bis man es in wirklich brenzligen Situationen anwendet!
    >>Untergründe (Gras, Weg, Asphalt), Distanzen (auch 1-2 m ist eine Distanz!), außer Sichtweite .. variieren

    Und erst wenn der Rückruf sitzt, dann kann ich variabel belohnen, sprich vom Mäuseloch abrufen und mit Mäuseloch belohnen; Ball werfen, Rennspiel etc.

    Rückruf ist übrigens bei uns HeyHey … uns zwar nur einmal! Ich rufe nicht 5mal Hiiiiiiäääääää … :D

    Hier in unserem Gassigebiet (und es gibt wirklich viele Hunde hier!!) kenne ich keinen Hund, der so zackig und schnurstracks kommt auf einmal rufen, wie meine Keiko. Und ja, ich belohne immer noch megahochwertig und höre oft: Der Hund soll doch nicht fürs Leckerchen kommen. :muede2:
    Ja, aber ich habe noch keinen Hund getroffen, der so angerast kommt für ein laues "Fein" oder einen öden Keks.

    Übrigens: Futter bietet sich besser an als Ball/Spiel, denn den Ball würde ich ja von mir weg werfen. Ich bin aber das Ziel beim Rückruf, bei mir gibt es die Belohnung! Zudem ist meine extrem verfressen und null interessiert an Bällen oder so .
    Außerdem beruhigt kaufen …

    Ach ja, Ankersignale sind auch gut! Stichwort Doppelter Rückruf! Ist quasi ein Anfeuerungssignal, wenn der Hund schon auf mich zuläuft. Ich habe bei meiner kleinen Flitzemaus, die sich etwas schwerer tut, Go go go …. das halte sie auf Strecke zu mir!

    Dann gibt es noch ein Suchsignal, welches eine Futtersuche um meine Beine herum ankündigt. Und es gibt noch den Superrückruf, den habe ich nicht. Das wäre da 5-7000 Mal klassisch konditionieren und dieses Signal reisst den Hund quasi vom Hasenhintern weg. Dafür war ich zu faul bei zwei Hunden. Und Keiko würde auch vom Hasen wegkommen auf den normalen Rückruf.

    Ich denke, vieles davon wurde schon gesagt. Frau del Amo rät übrigens vom Einsatz der Schleppleine ab, die muss man nämlich wieder ausschleichen …. Ein guter Rückruf ist immer ohne Leine. Ist Ermessenssache, ich lasse sie daher auch weg, habe aber ganz gut hörende Hunde.

    Viel Spass beim Trainieren!!
    lg sam

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