Der Weg zum "perfekten" Hund?! Glück oder Können?

  • Zitat

    ich glaube, einen Teil traegt auch die eigene Erwartungshaltung bei. Ich habe von meinem Hund nie erwartet, dass er mir jedes Kommando von den Augen abliest, ich habe oft Intuition statt vermarkteten Erziehungsweisheiten den Vorzug gegeben und bin insgesamt einfach bereit, meinen Hund so zu lieben, wie er ist. Ich renne weder gedanklich noch wortwoertlich einem Traum vom Idealhund nach und habe vielleicht gerade deshalb "mein Ideal" in ihm gefunden.

    Das trifft es recht gut.

    Menschen betonen immer, dass sie nicht perfekt sein können. Warum sie es vom Hund erwarten, weiß ich nicht.

    Und eigentlich gilt es den Begriff Perfektion zu definieren. Ich denke, mit dem Hund glücklich zu sein, ist definitiv mehr Können als Glück.

  • Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem ;) ich bin an meineme rsten Hund gescheitert, wobei ich mich nicht toal doof angestellt habe, denke ich, der Hund war einfach ne Nummer zu doll für mich- meine Trainerin sagte auch mal, dass ich wohl mit 90% aller Hunde kein Problem hätte und auch viele Problemhunde wieder hinkriegen würde, aber nun habe ich einen aus diesen 10%, die eben zu dolle sind :headbash:
    Andererseits denke ich, dass jemand, der sich wirklich doof anstellt auch nen alten, treudoofen Hund versauen könnte...

  • Zitat

    Wie mit der "ersten großen Liebe", was? :D

    Sehr schönes Zitat!!!!


    Direkt notiert! Sehr schönes zitat!
    Lumpi ist um längen besser erzogen als mein erster Hund. Mein erster Hund hat trotzdem eine Stellung die wohl nie wieder eind Hund erreichen kann.

    Für mich waren/sind beide perfekt. Wahrscheinlich mit Glück Können und meiner Einstellung zu "meinem" perfektem Hund

  • Hallo,

    nun ja Können oder Glück? Ich denke es gibt beides.
    1997 zog der erste Hund hier ein. 8 Monate aus dem Tierschutz, panisch ängstlich, aber süß. Sie hat alles was ich über Hunde wusste und konnte und erwartete über den Haufen geschmissen. Es war eine Katastrophe die über uns hereinbrach. Hilfe ohne Zeiten des Internets gab es erst einmal nicht wirklich. Es hat gute zwei Jahre gedauert, aber sie wurde toll und hat 16,5 Jahre mein Leben geteilt.
    Drei Jahre später habe ich mir die nächste Aufgabe ins Haus geholt, auch aus dem Tierschutz und noch einen Schlag schlimmer. Auch dieser Hund wurde super, trotz seiner Jagdleidenschaft und Eigenständigkeit.
    2006 zog dann ein 5monatiger Junghund aus dem Tierschutz ein. Es war einfacher, aber nicht einfach. Die drei zusammen waren ein tolles Team.
    Mein Rüde verstarb leider Ende 2012.
    Im letzten Sommer trat dann ein BC von 4 Monaten in unser Leben. Das ordne ich dann mal unter der Rubrik Glück ein. Arbeit er nie gemacht. Baustellen gab es auch keine. Er war von Anfang an perfekt, lernte super schnell und benahm sich so wie wir es immer gewünscht haben.
    Nach dem Tod meiner alten Dame Anfang Dezember kam dann ein Welpe ins Haus, meine Wunschrasse - ein DSH.
    Beklagen will ich mich nicht. Die Kleine ist schon klasse, aber ich fange noch mal ganz von Vorne an. Ich habe noch nie so einen bockigen Hund gehabt. :hust: Ich denke, ich packe sie mal unter Glück.
    Alle waren und sind Herzenshunde.

    Gruß Terrortöle

  • Zitat

    Das trifft es recht gut.

    Menschen betonen immer, dass sie nicht perfekt sein können. Warum sie es vom Hund erwarten, weiß ich nicht.

    Und eigentlich gilt es den Begriff Perfektion zu definieren. Ich denke, mit dem Hund glücklich zu sein, ist definitiv mehr Können als Glück.

    :gut:

    So würde ich das auch sehen. In den Augen manch anderer Menschen ist mein Hund sicherlich nicht perfekt, aber für mich ist er es, weil es so passt, wie es ist.

  • Bis jetzt war jeder meiner Hunde mein perfekter Hund. Und das, obwohl sie alle drei sehr unterschiedlich waren/sind.

    Benny, der Genügsame, mein Collie, mein Lehrmeister. Er hatte es nicht leicht in seinem Leben, ging durch viele Hände, saß eine Zeitlang im Zwinger, wurde zu irgend einem Zeitpunkt sicher geschlagen, von der Vorbesitzerin, von der ich ihn übernahm, vernachlässigt und ihrer kleinen Tochter zum Spielen überlassen. Das alles hat er jedoch weggesteckt und war für mich der perfekte Anfängerhund. Er war genügsam, geduldig, sanftmütig und wundervoll. Das war nicht so sehr mein Verdienst wie sein Wesen.

    Senta, meine Schwarze, war das absolute Gegenteil von Benny. Sie kam als Angsthündin mit der Tendenz, nach vorn zu gehen, zu uns ins Tierheim, und es hat lange gedauert, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie so weit zu stärken, dass ich sie mit zu mir nehmen konnte. Die meisten Normal-Hundehalter haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen über eine Hündin, die Angst bekam, wenn ein anderer Hund auf sie zu stürmte, die nicht von jedem dahergelaufenen Passanten gestreichelt werden wollte und die vor Kindern riesige Angst hatte. Doch für mich war sie perfekt. Sie und ich harmonierten auf einer Ebene, die ich gar nicht erklären kann. Wenn ich dabei war, war ihre Welt in Ordnung, ganz gleich, ob wir in Bremen bei Starbuck's saßen oder mitten in unseren vertrauten Wäldern. Für viele Menschen hätte ein Hund wie sie eine riesige Herausforderung bedeutet, jede Menge Einschränkungen im Leben, aber für mich war sie einfach mein Hund, mein Mädchen. Perfekt.

    Der Spinner. Er war in seiner vorigen Familie vermutlich eine vierbeinige Katastrophe, denn er konnte kein einziges Kommando, verbellte alles, was ihn verunsicherte, egal, ob Mensch oder Hund, war grundunsicher und konnte Schaukelpferde zum Durchgehen bringen mit seiner Nervosität.
    Inzwischen ist er super. Dadurch, dass ich als Mensch von meinen vielen Tierheimhunden gelernt habe, ruhig und souverän zu sein, dadurch, dass Senta mir beigebracht hat, immer und überall bereit zu sein, den eigenen Hund zu schützen, konnte ich dem Spinner eine Menge Sicherheit geben, die er dringend brauchte. So allmählich entwickelt er sich zum Traumhund, den jetzt auch andere Leute nehmen würden, die am Anfang die Augen verdreht haben. Er ist sensibel, anhänglich, reagiert oft auf bloße Blicke oder ganz leise Töne. Seit ich auch das Gefühl habe, dass er MEIN Hund ist, harmonieren wir zwei ganz wunderbar.
    Icephoenix schrieb was von Arsch auf Eimer, und sie hat recht.


    Ich glaube, wenn man an den neuen Hund keine anderen Erwartungen stellt als die, einfach "mein Hund" zu sein, kriegt man den perfekten Hund, denn dann geht man mit einer gewissen Grund-Entspanntheit an die Sache heran, die nur gut tun kann. Wenn die Erwartungshaltung an den Hund zu groß ist, macht man sich und dem Vierbeiner nur Stress.
    Meine drei Hunde habe ich "da abgeholt, wo sie standen", wie man in der Pädagogik so schön sagt, ich wusste, worauf ich mich einlasse (beim Spinner noch am wenigsten, aber auch da hab ich einfach gar nichts erwartet) und konnte mit dem, was kam, umgehen.

    Meine Philosophie zu dem Thema ist ganz banal: Solange mein Hund für mich perfekt ist, reicht mir das. Allen anderen muss ich nichts recht machen.

  • Zitat

    ich glaube, einen Teil traegt auch die eigene Erwartungshaltung bei. Ich habe von meinem Hund nie erwartet, dass er mir jedes Kommando von den Augen abliest, ich habe oft Intuition statt vermarkteten Erziehungsweisheiten den Vorzug gegeben und bin insgesamt einfach bereit, meinen Hund so zu lieben, wie er ist. Ich renne weder gedanklich noch wortwoertlich einem Traum vom Idealhund nach und habe vielleicht gerade deshalb "mein Ideal" in ihm gefunden.

    Wieviele der Probleme anderer hausgemacht sind, wieviel in Genetik, Aufzucht und Co. begruendet liegt weiss ich nicht, aber es ist sicher auch ausschlaggebend.


    kann ich nur zustimmen :)

  • Für mich kein Glück, sondern beginnt mit der sinnvollen Wahl einer Rasse, die zu einem passt...

    Wähle ich einen Podenco oder Beagle und erwarte leinenfreie und trainingsfreie Spaziergänge bei Kadavergehorsam......wähle ich einen Mops und erwarte 30km am Rad und Agility bis zur Meisterschaft.....wähle ich einen Mali und möchte keinerlei Hundesport betreiben.....wird das in die Hose gehen.

    Passt der Hund zu meinem Lebensstil, stimmt die Chemie und Bindung, wird ein Hund für mich zum pefekten Hund, den andere fürchterlich fänden.

    Das geht doch schon beim Temperament los: Die temperamentvolle "Triebsau" ist für manche die Horrorvorstellung schlechthin, für andere sind ruhige Hunde "langweilig".

    Es liegt immer im Auge des Betrachters!

    Und Genetik spielt für mich insofern eine Rolle, als dass Hunderassen eben für bestimmte Zwecke gezüchtet wurden. Wähle ich rein nach Schönheit, will den Hund dann aber entgegen seiner Anlagen verbiegen, kann das für beide Seiten nicht gut sein.... (Z.B. überspitzt gesagt einen hübschen Weimaraner haben wollen, dann aber aus ihm einen Sofanhund ohne Jagdtrieb oder "Job" machen wollen...)

    LG

  • Zitat

    Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem ;) ich bin an meineme rsten Hund gescheitert, wobei ich mich nicht toal doof angestellt habe, denke ich, der Hund war einfach ne Nummer zu doll für mich- meine Trainerin sagte auch mal, dass ich wohl mit 90% aller Hunde kein Problem hätte und auch viele Problemhunde wieder hinkriegen würde, aber nun habe ich einen aus diesen 10%, die eben zu dolle sind :headbash:
    Andererseits denke ich, dass jemand, der sich wirklich doof anstellt auch nen alten, treudoofen Hund versauen könnte...

    Mir geht es ähnlich, um die Auto-Analogie aufzugreifen habe ich hier einen Ferari, aber fahren kann ich aktuell nur nen Kombi.

  • möglicherweise ist unser hund in den augen anderer eine katastrophe - gerade neulich meinte noch eine kollegin, dass der total unerzogen sei.

    aber - für meine/unsere bedürfnisse und ansprüche sind wir zufrieden. von perfekt sprechen zu wollen ist sicherlich zu hoch gegriffen - wer ist das schon? - aber uns reicht es.

    ok, diego ist ein leinenpöbler - das stört uns aber nicht, weil wir relativ selten andere hunde treffen.
    er macht immer noch radau, wenn es klingelt und kriegt sich kaum ein - das stört mich persönlich schon, aber nicht so sehr, dass ich mit striktem training daran arbeite in dem sinne, dass wir das üben. und er bettelt ohne ende nach eßbarem - aber ich fürchte, das haben wir uns selbst eingebrockt ;) .

    dafür kann er problemlos allein bleiben (von anfang an, ohne, dass wir großes tamtam darum gemacht hätten), ist total streßresistent auch in zeiten, als hier noch horden von kleinen kindern durchs haus rannten (natürlich habe ich trotzdem immer aufgepaßt), verträgt essenstechnisch alles, was man ihm vorsetzt und kommt auch mit tagen, an denen hier nur wenig geht, weil der alltag in großen wogen über uns zusammenbricht, klar. grundkommandos sitzen, auch wenn er öfter mal hinterfragt, er ist im feld abrufbar, hat null jagdinstinstinkt, was vieles erleichtert ... tja, für uns ist er schon perfekt und wir werden jeden hund, der nach ihm kommt (sofern hier überhaupt nochmal einer einziehen wird danach) sicherlich an ihm messen.

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