Angst vor Fremden Menschen

  • Hallo,
    meine Hündin (3 Jahre, kleiner Mix, aus Griechenland, 3 Wochen bei uns) ist leider sehr ängstlich und aus ihrer Angst raus auch aggressiv. Sie schnappt nach fremden die sie anfassen wollen.
    Ein Problem vorallem, da wir für sie einen Hundesitter haben/hatten, der während der Arbeit auf sie aufpassen soll (bis 16Uhr). Die ersten Hundesitter hat sie schon vergrauelt, die Frau hatte irgendwann Angst vor ihr, da sie sich nicht anleinen lassen hat und geschnappt hat (aber noch nicht wirklich gebissen). Zum Glück kann mein Partner sie momentan noch mit zur Arbeit nehmen, aber das geht auch nicht immer.

    Nächste Woche Mittwoch kommt eine Hundetrainerin zu uns, aber vielleicht kann ich mir ja vorab hier schon mal nützliche Tipps abholen, wie ich daran arbeiten kann, dass sie nicht so panische Angst vor anderen Menschen und auch Hunden hat. Immerhin lässt sie sich von ausgewählten Leuten, die sie schon öfters gesehen hat, anfassen.

    Zu uns ist sie gaaaanz anders. Sie liebt es zu schmusen und lässt sich wirklich überall anfassen. Sie ist ein ganz anderer Hund in unserer Anwesenheit ohne Ängste (solange kein Dritter dabei ist).

    Ich weiß so gar nicht wie ich mit ihr an dem Thema arbeiten kann. Sie ist aber sehr lehrreich, dass ich denke, dass wir das mit den richtigen Übungen sicher irgendwann in Griff bekommen.

  • Moin,

    mich beschleicht da schon der Gedanke, das Ihr Euch nicht viele Gedanken über einen Hund aus dem Süden gemacht habt? Kann das sein?

    3 Wochen sind für eine solche Maus rein gar keine Zeit......

    Im Süden sind es oft Männer die die Hunde verjagen und mit Steinen werfen, treten oder sonst etwas tun. Fremde, die sich über einen solchen Hund beugen sind grundsätzlich erst einmal gefährlich. Jemand, der ihn anfasst ohne ihn vorher anzusprechen bedeutet Gefahr.

    Kaum Zeit sich an Euch zu gewöhnen, kommen schon Fremde - Sitter - die vielleicht auch nicht über die speziellen Umgangsweisen mit derartigen Hunden verfügen?

    Die panische Angst geht mit der Zeit, viel Ruhe und Geduld verloren. Ich selbst hab einen spanischen Straßenhund gehabt, Menschen, die neu waren wurden angebellt - solche die er kannte irgendwann nicht mehr, Fremde die ihn anfasen wollten. oder schlimmer noch, sich über ihn beugten - wurden verbellt - er zeigte deutlich "lass das!" und das ist okay so..... das sind stark traumatisierte Hunde, denen wir da begegnen. Bis zuletzt (und da war er vier Jahre bei uns) hatte er starke Furcht vor südländischen, dunklen Männern.... zwei Jahre hat es gedauert bis der Hermes-Postbote, trotz Leckerchen, ihn streicheln durfte.... ich hab selten einen Menschen mit soviel Geduld und Verstand erlebt.

    Ein Hundetrainer sollte sich mit Hunden aus dem Ausland auskennen, das ist ganz wichtig und bis dahin empfehle ich Fachliteratur "Hunde aus dem Süden" und was es da so gibt, schau mal bei Amazon und besorge Dir etwas. Nicht immer ist es die Angst, die hier die größte Rolle spielt, auch wenn das vielfach so gesehen wird, oft genug sind es einfach grottenschlechte schlimmer Erfahrungen.

    Es gibt auch überhaupt keinen Grund, das Fremde so einen Hund anfassen oder bekuscheln, er hat damit genug zu tun, Euch kennen zu lernen und Vertrauen aufzubauen, alles andere - findet sich.

    Sundri

  • Hallo,
    danke für die Antwort.
    Wie viele Gedanken muss ich mir denn machen um einen Hund aus dem Süden nehmen zu dürfen? Egal was ich hier in dem Forum schreibe, es kommt am Anfang immer irgendein Vorwurf.
    Man muss ja auch nicht immer davon ausgehen, dass die Hunde schwer traumatisiert sind. Vielleicht haben sie einfach nur schlechte Erfahrung und sind unsicher.
    Der Hundesitter war angedacht, dass sie nicht so lange alleine ist, wenn ich arbeite. Ich wollte sie ja nicht damit ärgern, sondern ihr einen Gefallen tun. Momentan lasse ich sie dann lieber 8 Stunden alleine bevor ich das mit dem Hundesitter nochmal probiere und es so schief geht.
    Gut, dass mein Hund Ruhe und Geduld braucht ist klar, aber alleine davon wird sich ihr Verhalten ja nicht bessern, ich denke schon es wird sicherlich Übungen geben mit denen man ihr Vertrauen in Menschen geben kann oder zumindest es bessern kann. Uns mochte sie ja auch von Anfang an und ließ sich anfassen und war super lieb.
    Es gibt aber einen Grund, warum ich darauf hin arbeiten möchte, dass sie sich von anderen Menschen anfassen lassen möchte. Angenommen wir sind irgendwo draußen und ein Kind oder irgendwer anderes der nicht glauben kann, dass ein hund auch beißen wird, kommt an und fasst sie unvermittelt an, wenn sie dann beißt wäre das ja super schlimm.

  • Moin,

    entschuldigem bitte, wenn Du Dich angegriffen fühlst, das war nicht meine Absicht. Ich bin immer nur wieder überrascht, das solche Probleme irgendwie nicht einkalkuliert werden. Ich meine das nicht böse.

    Mit Auslandshunden geht manches einfach nicht - und manches braucht extrem viel Zeit und Geduld. Everybodies Darling geht in den meisten Fällen wirklich nicht.

    Mein Diego war Fremden gegenüber immer reserviert, bestenfalls hat er sie ignoriert - draußen - kamen sie ihm zu Nahe - sah ich es als meine Pflicht dafür zu sorgen, das er geschützt wurde. Niemand fasst meinen Hund an - da bin ich vor. Und eine Situation mit Kindern, er mochte keine Kinder - die hätte es einfach nicht gegeben. Es hat ein gutes Jahr gedauert, bis er sich von einer Freundin, die wir beim Spazierengehen mit ihrem Hund oft getroffen haben, anfassen ließ - geliebt hat er es nie. Bei ihr wollte ich es, weil sie in der Nähe wohnt und ich es sinnvoll fand, jemanden zu haben, zu dem er Vertrauen hat, falls er mal türmt - das kam öfter vor. ;) Sie war auch die Einzige, der ich zugestand, ihm Leckerlies zu geben.

    Zu Hause aber brauchte er einfach seine Zeit, wer öfter kam, gehörte auch irgendwann dazu - wer viel öfter kam, wurde auch freudig begrüßt, Fremde hatten es schwer. Ich konnte damit gut leben, mein Hund muss nicht jedermanns Liebling sein und ob nun traumatisiert oder schlechte Erfahrungen - macht keinen Unterschied. Wichtig ist nur, wie gehe ich damit um.

    Natürlich kannst Du Fremde sich schön füttern lassen - aber überleg Dir, ob Du einen Hund möchtest, der dann von jedem alles nimmt? Sitter sind nichts Schlimmes, aber sie sollten die wichtigsten Verhaltensregeln solchen Hunden gegenüber kennen - dann geht auch nichts schief. Das schrieb ich schon, nie anfassen ohne vorherige Ansprache, nie über den Hund beugen.... laute oder harsche Stimmen können reichen, das der Hund sich bedrängt fühlt, auch körperliche Anspannung kann bedrohlich wirken.

    Ansonsten glaube ich, das solche Dinge wie Du sie möchtest vor allem eines brauchen - Zeit..... viel Zeit und noch mehr Geduld. Wie gesagt, der Postbote brauchte 2 Jahre....

    Sundri

  • Ich habe hier selbst 2 Spanierinnen sitzen und kenne auch mehr als genug südländische Hund und diese sind völlig umgängliche, soziale und unproblematische Hunde. D.h. nicht jeder Hund aus dem Süden hat irgendwelche Traumata, aber man muss sich einfach auch darauf einstellen dass es anderes kommen kann. Hunde werden in diesen Ländern meisten sehr schlecht behandelt, verjagd, geschlagen und schlimmeres, d.h. je nach dem was sie erlebt haben und wie ihr Charakter ist kann so etwas durchaus prägend sein und im Nachhinein zu solchem Verhalten führen.
    Hier hilft vermutlich nur viel Geduld. Ich würde bei deinem Hund auch versuche so viel wie möglich über positive Bestätigung zu erarbeiten. Bestätige jedes positive Verhalten fremden Menschen gegenüber, sorge aber auch dafür dass der Hund von Fremden Menschen nicht angefasst oder bedrängt wird.
    Die Kleine ist erst 3 Wochen bei euch, es wird noch einige Zeit dauer bis der Hund wirklich bei euch angekommen ist und Vertrauen zu euch hat.
    Bevor ich den Hund dem nächsten Hundesitter anvertrauen würde, würde ich erstmal mehrere Begegnungen mit der Person planen so dass der Hund Zeit hat diese Person in eurem Beisein kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Erst wenn es der Person möglich ist den Hund anzuleinen und alleine mit ihm Gassi zu gehe würde ich den Hund mit gutem Gewissen dort hingeben.Alles andere wird vermutlich sonst eh zum selben Ergebnis wie bei Hundesitter Nummer 1 führe.
    Das mit dem Trainer finde ich gut, pass aber auf dass er auf den Hund eingeht und nicht mit Druck und Strafe irgendetwas zu erzwingen versucht.

  • Also dein Problem kenne ich nur zu gut...

    Ging mir mit Eliot vor 20Monaten genauso...
    Er hatte wahnsinnige Angst vor Menschen und wurde aus der Unsicherheit heraus aggressiv...

    Ebenfalls ein Problem mit dem ich nicht rechnete, denn er wurde ganz anders beschrieben...
    Anfangs war es echt ein Schock für mich, doch wir haben es mittlerweile so gut in den Griff bekommen, dass sogar eine fremde Physiotherapeutin ihn behandeln durfte...

    Wir haben erst einmal intensives Maulkorbtraining gemacht, um ihn je nach Situation stressfrei sichern zu können...
    Das und die Eingewöhnung brachte dann schon gute Erfolge, doch den richtigen Druchbruch haben wir mit dem Mantrailing erreicht...

    Durch eine sehr erfahrene Trainerin, die ganz genau wusste was zu tun ist und die gut auf ihn einging, haben wir es geschafft ihm seine Unsicherheit zu nehmen...

    Die Idee mit dem Trainer finde ich super... der wird euch sicher gute Impulse geben können

    Und ganz wichtig, gebt dem Hund ganz, ganz viel Zeit...
    Selbst jetzt nach 20 Monaten gibt es immer wieder Situationen, die für Eliot und mich nicht einfach sind

  • Zitat


    Es gibt aber einen Grund, warum ich darauf hin arbeiten möchte, dass sie sich von anderen Menschen anfassen lassen möchte. Angenommen wir sind irgendwo draußen und ein Kind oder irgendwer anderes der nicht glauben kann, dass ein hund auch beißen wird, kommt an und fasst sie unvermittelt an, wenn sie dann beißt wäre das ja super schlimm.

    Ich würde das fremden Kindern/Menschen rigoros verbieten! Selbst wenn sie sich gut eingewöhnt hat und sich auch von Bekannten in sicherer Umgebung und eurem Beisein anfassen lässt, würde eine solche Situation nur Stress bedeuten. Um ihr mehr Sicherheit zu geben sollte sie lernen, das andere Menschen sie in Ruhe lassen und das ihr als Herrchen und Frauchen dafür sorgt. Wie du schon sagst wäre es ziemlich schlimm, wenn sie ein fremdes Kind beißt und da ihr nicht genau wisst was für Erfahrungen sie gemacht hat und nie 100%ig sich er sein könnt, wie sie unter einer solchen Stresssituation reagieren würde, halte ich das aus reinen Sicherheitsgründen für die beste, wenn ihr solche Kontakte einfach unterbindet.
    Natürlich solltet ihr trotzdem üben, aber mit viel Ruhe und Sicherheit arbeiten.
    Sie muss lernen, das es abblockende Verhaltensweise vor dem schappen/beißen gibt, die von den neuen Menschen in ihrer Umgebung verstanden werden. Besonders sowas solltet ihr mit eurem neuen Hundesitter üben, so dass sie gleich versteht das die 'Neue' ihr gegenüber nichts macht was sie nicht möchte.
    Ansprechen, bevor sie angefasst wird ist, wie schon weiter oben erwähnt wurde, ganz wichtig und auch, das der Hunde dem Mensch im Blick hat und dieser nicht bedrohlich wirkt (also nicht von oben kommt). Beim Anleinen könntet ihr mit eurer Hundesitterin üben, das sie sich hinhockt, sie ruft und ihr erstmal ein Leckerlie gibt um Kontakt zu den fremden Händen aufzubauen. Sie sollte dann ruhig und natürlich, ohne schnelle Bewegungen in der Hocke anleinen und sie dabei vielleicht bestätigend loben, bzw. wenn ihr dabei seid, solltet ihr sie auch ganz doll zur Kontaktaufnahme loben.
    Das wäre jetzt so mein Vorgehen, aber eure Situation ist möglicherweise anders. Ich hoffe ich konnte euch trotzdem ein paar Ideen geben :) Viel Glück!!

  • Unsere Spanierin mag Menschen, aber sie lässt sich nicht von jedem anfassen. Es wird immer besser und ich weiß nicht, nach welchen Kriterien sie auswählt, aber bei Männern ist es schwieriger als bei Frauen.
    Sie ist jetzt fast 1 Jahr bei uns, aber sie ist immer noch vorsichtig.
    Ich würde vorschlagen, dass der Hundesitter sich einfach bei euch reinsetzt, mit dem Halsband und der Leine spielt und es belohnt wird, wenn sie vielleicht kommt und Kontakt aufnimmt oder schnüffelt. Mit der Zeit fasst sie Vertrauen und wird sich anleinen lassen.
    Es hat sehr lange gedauert, bis wir unsere mit dem Handtuch abtrocknen konnten oder sie bürsten konnten. Abduschen geht nur mit "Gewalt".
    Man muss solchen Hunden viel Geduld und Zeit geben und darf nichts erzwingen!
    Ach, noch eine Kleinigkeit...wenn Fremde sie anfassen möchten oder auch Kinder, dann "warne" ich immer und die meisten gehen dann auch vorsichtig an sie ran. Kinder mag sie mittlerweile und lässt sich gerne rumführen :D

  • Eine Freundin von mir hat auch einen spanischen Tierschutzhund, bei der ist es so krass, dass der Hund ständig bellt, eigentlich immer,

    und wenn wer zu besuch kommt, (z.B. ich) und am Tisch sitzt und die Hand bewegt, ist das schon bedrohlich.

    Viele der Tiere sind schwer traumatisiert und da muss man auch Abstriche machen, was das Verhalten angeht.

    Wg. des ständigen Bellens ( der Hund ist ständig nur aufgeregt) hat ein wohlmeinender Nachbar ein anti- bell-Halsband geschenkt, da kommt jedesmal, wenn der hund bellt, Zitronenduft raus...der Hund bellt weiter, bis er kotzt, weil er den Geruch nicht verträgt...

    Sicher ist jeder Hund verschieden, hat auch unterschiedliche Erfahrungen und Sozialisationsprozesse hinter sich...und manches lässt sich durch Liebe und Geduld verbessern oder auflösen, aber man muss auch das Nicht- Verbesserbare liebevoll hinnehmen ( können) .

  • Zitat


    Die ersten Hundesitter hat sie schon vergrauelt, die Frau hatte irgendwann Angst vor ihr, da sie sich nicht anleinen lassen hat und geschnappt hat (aber noch nicht wirklich gebissen).

    Die Frau hatte anscheinend überhaupt keine Ahnung von ängstlichen Hunden.....und wenn man von einem kleinen Hund Angst bekommt, wenn er nur nach einem schnappt, sollte man die Hundebetreuung ganz schnell sein lassen.

    Bei mir tragen die Hunde am Anfang alle ein Geschirr und bekommen eine längere Leine ran, so muss ich die Hunde nicht direkt am Geschirr greifen oder erst das Geschirr anziehen. Ich nehme das Ende der Leine in die Hand und die Hunde folgen mir dann oder ich kann sie an etwas hindern, was sie nicht tun sollen, ohne ihnen auf die Pelle zu rücken. Gerade scheue/ängstliche Hunde, welche noch nicht die menschliche Körpersprache interpretieren können, noch keine Signale kennen usw. kann man so gut eingewöhnen.

    Neue Hunde lernen auch mich und den Platz zuerst kennen, dann meine Hunde, dann nach und nach die anderen Hunde. Die Eingewöhnung muss individuell auf den Hund erfolgen.

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