Fremdeln - wer kennt sich aus?

  • Ich bräuchten mal eure Hilfe. Haku ist jetzt 17 wochen alt und sein Fremdeln macht mir langsam sorgen. Also, ich muss keinen hund haben, der zu jedem hin rennt, das ist klar. aber ich beschreib mal folgendes verhalten von ihm.

    Spazieren ohne Leine:

    Spazieren gehen in der stadt mit entgegen kommenden Menschen - kein Problem. Hund läuft entspannt und ruhig und interessiert sich gar nicht für die Menschen.

    Spazieren gehen im dorf mit vereinzelt entgegen kommenden menschen - hund ist vorsichtig bis sehr mißtrauisch, macht einen bogen um die menschen und geht an ihnen mit spannung vorbei.

    spazieren gehen im wald mit nur sporadisch entgegen kommenden menschen, oder aus dem wald tretenden pilzesuchern - hund macht ein wuff, rennt weg vom menschen (und damit leider auch mir), bleibt in entfernung stehen und ist hoch mißtrauisch. auf mein rufen kommt er dann zu mir und geht mit mir am menschen vorbei aber mit hochspannung im körper.

    Spazieren mit Leine:

    in der stadt - keine probleme

    in dorf und wald - Hund ist in jedem Falle mißtrauisch, aber macht keine Anstalten sich aus der leine zu winden oder ähnliches. Er läuft mit mir am menschen vorbei, wobei er jedoch das Potenzial der Leinenlänge auszuschöpfen versucht - jedoch ohne zu ziehen!
    Bleibe ich stehen und rede mit der person, kommt haku orgendwann von sich aus heran und schnuppert vorsicht aus kurzer entfernung an der person.


    Leider treffen wir als Dorfbewohner nunmal eher selten einzelne Menschen (stadt ist ja kein problem). und ich will nicht, dass sich dieses verhalten bei ihm festigt. wie kann ich dem vorbeugen? mir reicht es, wenn er vorsichtig oder auch mißtrauisch am menschen vorbei läuft, aber ich möchte nicht, dass er wegrennt, sobald sich ein entgegenkommender mensch irgendwie bewegt.

    wie gesagt, ich rufe ihn dann zu mir und wir gehen gemeinsam dann vorbei, wobei ich ihn durchgehend motivieren muss mitzukommen und nicht wieder zurück zu rennen. ich versuche dabei alles so normal zu halten wie möglich.

  • Zitat


    Spazieren ohne Leine:

    Spazieren gehen in der stadt mit entgegen kommenden Menschen - kein Problem. Hund läuft entspannt und ruhig und interessiert sich gar nicht für die Menschen.

    ...

    Spazieren mit Leine:

    in der stadt - keine probleme


    Belohnst du ihn in diesen Situationen, damit er weiß, welches Verhalten gewünscht und lohnenswert ist?

  • Meine Kleine war genau so. Ich habe frühzeitig die Leine dran gemacht und bin zügig an Leuten vorbei. Kam es zu einem Gespräch habe ich sie neben mir ins SITZ geholt und fertig. Sie hat sich schnell daran gewöhnt. Das Kommando FUSS haben wir geübt bis es klappte. Allerdings ist sie heute noch ein Hund der sich von Fremden nicht anfassen lässt. Einige Bekannte dürfen ganz kurz streicheln, aber nur wenn sie mag. Ist halt so. Wir sind viel unterwegs in Sachen Hundesport und begegnen dort vielen Menschen und Hunden. Einen Bogen macht sie bei niemanden, aber sie hält Abstand. Damit kann ich besser leben als mit distanzlosen "Ich-hab-alle-lieb-Hunden". :gut:
    Bei meinem Rüden hatte mein Verhalten einen großen Einfluss. War ich cool, war er es auch. Bei ihm habe ich manchmal vor mich hin gepfiffen. Das hat ihn sehr beruhigt, und mich auch.

    Gruß Terrortöle

  • Vielleicht hilft es auch, wenn du sie an die Leine nimmst, wenn jemand kommt und fast immer stehen bleibst und redest. Viele Leute machen doch mit, wenn du ihnen deine Situation erklärst. Oder du fragst ein paar Bekannte, die euch "zufällig" über den Weg laufen. Wenn sie dann nach einiger Zeit schnuppert, dann lobst du sie.
    Wenn das an der Leine gut klappt, dann anfangen ohne Leine oder mit Schleppleine zu probieren.

  • Wenn Dein 17wöchiger Welpe/Junghund in der Stadt und im Dorf ohne Leine fremden Menschen begegnen muss, kann er doch gar keine Sicherheit von Dir erhalten! Jedes Mal wenn er weg rennt (und sich so selber retten muss) wird sein Misstrauen grösser und das Vertrauen in Dich, dass Du ihn problemlos durch solch "gefährliche "Begegnungen leiten kannst, kleiner......

    Leine ihn in Stadt und Dorf unbedingt an (ist das bei Euch nicht vorgeschreiben?), im Wald und freien Feld rufe ihn zu Dir, sobald Euch jemand entgegen kommt, leine ihn an, grüsse die Leute freundlich und gehe mit dem Kleinen ruhig und suverän vorbei. So lernt er mit der Zeit, dass er bei Unsicherheit nicht davon rennen muss, sondern sich neben Dir sicher fühlen kann.

  • Bei uns ist keine Leinenpflicht ;-)
    Er rennt nicht jedesmal weg. Im Dorf läuft er auch ohne leine neben mir an menschen vorbei, aber mit größter Vorsicht. Wenn ich sehe es kommt jemand entgegen leine ich ihn soweit ja immer schon an, mein Ziel ist es aber, dass er auch ohne Leine an menschen vorbeiläuft ohne gleich nen herzkasper zu bekommen.
    schlechte erfahrungen hatte er nie.
    ein wenig vertrauen dürfte er schon in mich haben, denke ich, sonst würde er auf zuruf nicht zu mir kommen und MIT mir die menschen passieren, wobei ich ihn dann auch nicht festhalte, er läuft dann auch frei neben mir.

    belohnen kann ich ihn nur mit worten, das sieht bei uns eher so aus, dass ich ihn mit sehr ruhiger stimme an den menschen vorbeilotse und dann im abgang, wenn er ohne mucken vorbeigegangen ist ein "so ist fein, prima." in passendem partyton sage, dass ist unser lobewort.

    heute hatte ihn ich mit im einkaufszentrum und er hat hochinteressiert alles beobachtet. ganz prima fand ich, dass dort auch kinder gerannt sind, was bei ihm noch so ein unruheauslöser zu sein scheint, und er hat nur geguggt. wir haben einfach auf einer banke gesessen und 20 minuten lang alles angeguggt. dann auch noch durchgelaufen.

    mal ne frage...warum interessieren ihn die menschen in der stadt keine bohne, während im wald oder im ruhigen dorf jeder mensch als angstauslöser gesehen wird? kann ich nicht ganz nachvollziehen.
    wobei ich auch nicht wirklich angst sagen würde, denn er zieht den schwanz nicht ein dabei, macht sich nicht klein und legt die ohren nicht an, sie scheinen ihm eher unheimlich zu sein.

  • Zitat


    mal ne frage...warum interessieren ihn die menschen in der stadt keine bohne, während im wald oder im ruhigen dorf jeder mensch als angstauslöser gesehen wird? kann ich nicht ganz nachvollziehen.
    wobei ich auch nicht wirklich angst sagen würde, denn er zieht den schwanz nicht ein dabei, macht sich nicht klein und legt die ohren nicht an, sie scheinen ihm eher unheimlich zu sein.

    Wenn du dich in einer Menschenmenge aufhältst, dann guckst du dir die einzelnen Menschen auch nicht so genau an, wie wenn dir nach ner halben Stunden in der Pampa plötzlich jemand entgegen kommt. Der Reiz ist ganz anders, in der Stadt gibts so viele Menschen, Geräusche, Gerüche, da gilt "Kopf runter und durch". Denn mit all dem ist seine Kapazität überfordert. In weiter Flur jedoch wird er diesen Reizen dosierter ausgesetzt und kann sich dadurch gezielter damit auseinander setzen.

    Ich würd also auch nicht darauf gehen, dass ihn nun rennende Kinder hinter nem Bauernhof nicht mehr interessieren, nur weil das im EZ so ist.

    Ich würde an den Begegnungen arbeiten, kennst du "Zeigen & Benennen"? Und freue dich – für ihn spürbar – über Begegnungen. Ich mein, mach kein Halligalli draus aber sei freundlich und lächle.

  • Zitat

    mal ne frage...warum interessieren ihn die menschen in der stadt keine bohne, während im wald oder im ruhigen dorf jeder mensch als angstauslöser gesehen wird? kann ich nicht ganz nachvollziehen.
    wobei ich auch nicht wirklich angst sagen würde, denn er zieht den schwanz nicht ein dabei, macht sich nicht klein und legt die ohren nicht an, sie scheinen ihm eher unheimlich zu sein.


    In der Stadt gibt es eine Reizüberflutung!
    Da kann er sich dann nicht entscheiden, was ihm zu erst unheimlich sein soll.
    Bei Euch "auf dem platten Land" hat er viel mehr Zeit, so das ihm einzelne Menschen unheimlich sein können.
    Ein ganz normales Verhalten in dieser Phase.

  • Zitat

    Das ist eine ganz typische Unsicherheitsphase.

    Ich würde so, wie Du es beschrieben hast, weitermachen. Das hört sich gut an.
    Das gibt sich dann wieder.

    Noch eine Ergänzung zu meinem Beitrag:

    Deine Beschreibung:

    Zitat

    Spazieren gehen im dorf mit vereinzelt entgegen kommenden menschen - hund ist vorsichtig bis sehr mißtrauisch, macht einen bogen um die menschen und geht an ihnen mit spannung vorbei.

    Du solltest Deinem Hund in dieser Phase auch den großen Bogen um die Menschen gewähren. Er sollte selbst den Abstand bestimmen können.

    Ideal ist der Abstand zu fremden Menschen, wenn die Anspannung bei ihm nachlässt.
    Dann kann man langsam, in seinem Tempo, die Abstände mit der Zeit verringern.

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