Wie zeigen, dass ein Verhalten unerwünscht ist?

  • Hi,
    Im Freilauf rufe ich meine Hündin mit "Hier" zu mir. Sie kommt sofort angesprintet, rennt aber an mir vorbei, dreht noch ein paar Extrarunden und lässt sich irgendwann neben mir fallen - oder schnüffelt gaaaanz intensiv in meiner Nähe herum. Wie kann ich dann reagieren um ihr zu zeigen, dass ich ihr Verhalten nicht toll finde? Wenn ich sie ignoriere bedeutet es ja, dass es mir egal ist. Wenn ich sie - positiv oder negativ - bestärke, dann kommt das einem Lob für's falsche Verhalten gleich. Also was muss ich machen? *verwirrt*
    Und kann man Hunde"erziehung" generell mit Kinder"erziehung" vergleichen? Interessant wäre der Ansatz schon ;)

  • Ich persönlich würde sie erst einmal nicht mehr frei laufen lassen und mit der SL einsammeln. Also wie einen Fisch ranholen und sie dann nicht vorbeilaufen lassen.
    Wie alt ist sie denn überhaupt? Klingt irgendwie ein bisschen jugendlich-übermütig bzw. auch nach "ähm, du kannst mich". Da sie schnüffelt, könnte sie aber auch überfordert sein. Weiß sie denn sicher, was "hier" bedeutet?
    Wie gesagt, ich würde sie an die SL nehmen und ihr gar keine andere Chance lassen, als "richtig herzukommen".

    Was mich aber interessiert: Wie hast du denn die Übung aufgebaut? Wenn du dann, rechtzeitig bevor sie da ist, ein Leckerchen zückst, rennt sie dann auch weiter?

  • Sie ist fast drei Jahre alt, aber noch ziemlich übermütig. Sieht auch arg wie "Du kannst mich mal" aus :) Sobald ich Leckerchen dabei habe, macht sie plötzlich alles. Bekommt sie mal keines, bin ich ihr egal. In der HuSchu, die wir im Moment besuchen, wurde mir geraten, ganz ohne Leckerchen zu arbeiten, was ich eigentlich besser finde, als den ganzen Tag mit vollen Taschen durch die Gegend zu laufen... naja.

    Mit Leckerchen bleibt sie wie eine 1 vor mir sitzen und ist ganz aufmerksam.

  • Deine Hündin hat ganz einfach verknüpft, dass Gehorsam sich nur nach einem Leckerliewedeln lohnt. Sorge für eine neue Verknüpfung über Futter auf einen Pfiff o.ä. und baue dann das Futter ab bzw. gib es in unregelmäßigen Abständen.

  • Ok, das ist natürlich eine blöde Situation. Sie wägt ab, ob es für sie von Vorteil ist zu kommen. Und wenn nein, dann tut sie es nicht.
    Ich würde vermuten, dass dein Fehler war, ihr das Leckerchen immer vorher schon gezeigt zu haben. So konnte sie sehen, ob es sich lohnt.

    Ganz ohne Belohnung arbeiten - da scheiden sich die Geister. Ich persönlich würde es nicht tun wollen, grad bei so einer wichtigen Übung wie dem Herkommen. Du musst ja bedenken, dass du in dem Moment vermutlich gegen diverse andere Dinge konkurrierst, sie soll kommen, egal was gerade viel spannender für sie wäre. DAS ist gar nicht so einfach für einen Hund und verdient meiner Meinung nach eine Belohnung (es muss und sollte ja nicht immer Futter sein und man könnte zB. auch dazu über gehen, variabel zu belohnen, sodass der Hund nie weiß, ob er was kriegt). Hund sollte nur merken, dass es bei dir spannend ist und es sich lohnt zu kommen, auch wenn du grad kein Leckerchen in der Hand hast.

    Wie benimmt sie sich denn sonst?
    Rein vom Gefühl her würd ich es wie gesagt mit der Schleppleine versuchen. Rufen (ohne Leckerchen) [oder pfeifen] und dann ranholen. Und wenn sie dann da ist, dann erst kriegt sie eine tolle Belohnung. Spielen, Rennen,...

  • das mit dem leckerchen...

    wie hast du das denn "erarbeitet"?

    ich frag mich nämlich grad, woher dein hund weiss, dass er jetzt ein leckerchen bekommt und dann keines?

    der hintergrund meiner frage ist schlicht der, ob du deinen hund wirklich belohnt hast für "erbrachte leistungen" oder ob du ihn schlicht mit leckerchen "gelockt" hast? (ich mein das nicht böse, aber ich seh den fehler so oft, drum frag ich)

    ein richtiges belohnen (egal ob mit leckerchen oder spiel oder was auch immer) findet ja eigentlich punktgenau NACH etwas belohnenswertem statt. d.h. eigentlich dürfte dein hund sich gar nicht sicher sein, ob nun ein leckerchen im spiel ist oder nicht......was ja sinn der sache ist: ich mache etwas und erwarte dafür eine belohnung. mach ichs besonders gut, bekomm ich eine besondere belohnung. mach ich etwas nicht - gibts eben nix.

    wenn es "andersrum" läuft - dann hat dein hund nämlich unter umständen DIR beigebracht, dass er dich für "erbrachte leistung" ("guck ich hab da ein leckerli, das bekommst du") belohnt (ui, schön, das ist interessant ich biete dir ein schönes komm an) und damit ist das falschrum gelaufen und du hast da einen schlauen hund.

  • Eine Möglichkeit wäre, daß du den Rückruf in nächster Zeit konsequent immer mit einem Leckerlie belohnst und zwar mit einem sehr guten, den es nur für einen tadellos ausgeführten Rückruf gibt. Halte ihn zunächst ruhig in der Hand bevor du rufst. Wichtig hierbei wäre, daß sie in der nächsten Zeit die Verknüpfung aufbaut: 1. Rückruf befolgen lohnt sich für mich immer absolut. 2. Um den Rückruf gibt es keine diskusionen, den befolge ich immer sofort ohne Umscheife. 3. Der Rückruf endet mit einem Sitz vor Frauchen oder Herrchen.
    Da der Rückruf mit Leckerlie super funktioniert würde ich sie weiter frei laufen lassen mich aber eben darauf einstellen und immer sehr gute Leckerlies dabei haben. Wenn du das eine ganze Zeit durchgezogen hast, kannst du das ganze langsam wieder abbauen in dem du sie rufst und das Leckerlie immer später aus der Tasche holst. Zunächst gleich nach dem sie zu dir lossprintet, so daß sie es beim herkommen sieht und sich dann setzt. Später dann erst wenn sie fast da ist. Am Ende holst du es erst aus der Tasche wenn sie schon vor dir sitzt. Dann kannst du beginnen mal ab und zu mal keine Belohnung zu geben. Aber lasse dir Zeit dabei, damit die Verknüpfung Rückruf=Super Futter sich wirklich verfestigen kann. Wenigstens 1-2 Monate. Gehe auch beim Abbau langsam und behutsam vor. Später wirst du dann keine mehr brauche.

    LG Franziska mit Till

  • Also so wie es im ersten Beitrag für mich klingt, setzt sich deine Hündin zwar prompt in Bewegung und läuft auch in deine Richtung, aber kommt nicht wirklich ran und entscheidet selbst, wann es genug "hier" war ;) Verstehe ich das richtig?

    Wenn ja, halte ich die Schleppleine für überzogen und ich würde mir auch erstmal keinen großen Kopf um Belohnung machen, da sie ja im Prinzip nicht völlig auf dem Holzweg ist. Für mich klingt es eher nach "ich schau mal nach, was mit Hier ganz genau gemeint ist und wieviel Luft da noch für eigene Interessen ist". Ist ja prinzipiell auch nicht doof und macht mir deinen Hund erstmal sympathisch.

    Ich würde sie ranrufen und genau an dem Punkt, an dem sie weiter rennen will klar und deutlich unterbrechen. Danach dann nochmal ein Hier bei dem ich direkt vor mich zeige, um ihr zu verdeutlichen, dass sie sich mit ihrer Interpretation des Kommandos auf dem Irrweg befindet. Und wenn sie dann richtig da ist, gibts Kekse, Spiel, Streicheln oder was auch immer.

    Viele Grüße
    Frank

  • Wir hatten schonmal mit Schleppleinentraining angefangen, aber das Ganze ist dann gescheitert, weil wir irgendwie nicht weiter gekommen sind ;) Im Moment lese ich allerdings "Mit 10 Metern zum Erfolg"; vielleicht bin ich ja dann schlauer ;)

    Ich habe ihr die Leckerchen nicht schon vorher gezeigt, aber ich glaube, dass sie sie zumindest gerochen hat. Doof ist sie ja nicht.
    Sie hat das Lecker bei mir für's Herankommen bekommen. In unserer alten HuSchu wurde es aber so gemacht, dass die Hunde mit den Leckerchen gelockt worden sind. Shepherd fragte ja, ob sie kommt, wenn sie das Leckerchen sieht, deswegen habe ich nochmal extra erwähnt ( LaBellaStella)

    schnappi42: Also würdest du das Kommando einfach noch mal geben? Das funktioniert nämlich folgendermaßen: Ich rufe "Hier", sie kommt ein Stück heran, läuft woanders hin. Ich rufe dann ihren Namen und nochmal "hier!", und dann sitzt sie meistens auch da, wo sie sein soll. Aber... wie bringe ich ihr dann bei, dass sie sich beim ersten Kommando zu bequemen hat? Ich ahne nämlich schon, dass ich dann demnächst eine halbe Stunde lang "Hier, hier, hiiiieeeer!" rufen muss, bis sie überhaupt losläuft ;)

    Aber was muss ich denn machen, wenn sie eben nicht direkt zu mir kommt? Ignorieren?

  • Zitat

    das mit dem leckerchen...

    wie hast du das denn "erarbeitet"?

    ich frag mich nämlich grad, woher dein hund weiss, dass er jetzt ein leckerchen bekommt und dann keines?

    der hintergrund meiner frage ist schlicht der, ob du deinen hund wirklich belohnt hast für "erbrachte leistungen" oder ob du ihn schlicht mit leckerchen "gelockt" hast? (ich mein das nicht böse, aber ich seh den fehler so oft, drum frag ich)

    ein richtiges belohnen (egal ob mit leckerchen oder spiel oder was auch immer) findet ja eigentlich punktgenau NACH etwas belohnenswertem statt. d.h. eigentlich dürfte dein hund sich gar nicht sicher sein, ob nun ein leckerchen im spiel ist oder nicht......was ja sinn der sache ist: ich mache etwas und erwarte dafür eine belohnung. mach ichs besonders gut, bekomm ich eine besondere belohnung. mach ich etwas nicht - gibts eben nix.


    Genau da liegt wahrscheinlich der Hase im Pfeffer! Dadurch hat der Hund wahrscheinlich auch falsch verknüpft, dass bei Hier! nur in die Nähe kommen gemeint ist.

    Wie ich es machen würde:
    Nochmals das Hier sauber verknüpfen, angefangen in der Wohnung oder einem öden Hinterhof. Wenn der Hund bei dir ist, dies mit Lobwort markern, und erst dann zum Leckerli greifen und grosszügig belohnen. Kaspert er rum, sich mit bedauerndem "schade" abwenden - Chance verpasst! Aber die Übung so einfach gestalten, dass dies eigentlich nie notwendig wird. Denn es geht weniger darum, unerwünschtes Verhalten abzustellen, als dem Hund zu zeigen, was gewünscht ist. Keinenfalls Leckerli weglassen, es sei denn, es gibt ein Spiel, was der Hund als ebensotolle Belohnung empfindet. Rückruf sollte immer belohnt werden, es muss sich lohnen für den Hund! Belohnung auch variieren, mal ein Spiel, mal ein normales Leckerli, mal Super-Jackpot - aber der Hund weiss vorher nicht, was kommt.

    Keinenfalls den Hund an der Schleppleine ranziehen, so verbindet er das Rankommen bloss mit etwas Unangenehmem, und wird nicht freudig zu dir kommen. Herkommen soll keine Strafe sein! Nach deiner Beschreibung halte ich es für möglich, dass du den Hund bereits mit widersprüchlichen Signalen verwirrst, eventuell blockst du unabsichtlich mit deiner Körpersprache das nahe herankommen. Das Wälzen und Schnüffeln könnten durchaus Übersprunghandlungen sein, weil der Hund nicht recht weiss, was tun.

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