Rückschritt oder "Der Wunderhund wird zum Problem"

  • Ich würde tatsächlich vermuten, dass es an Rosie liegt. Bei Max lief es ähnlich, als Mr. Big hinzukam, obwohl er Biggi heiß und innig liebt, trotzdem ist es was anderes. Nur ein Beispiel ... wir waren bei ihm mit der Leinenaggression durch und plötzlich ging es wieder los, als hätten wir das nie trainiert. Der Spuk war nach einem Monat zuende (in Bezug auf die Leinenaggro) aber insgesamt ist er deutlich zurückgefallen, ohne das wir den Eindruck hatten, dass wir uns groß verändert hätten im Umgang und im Verhalten. Ob man will oder nicht, es ändert sich trotzdem viel für den Hund.

    Was haben wir gemacht? Eigentlich nichts besonderes. Wir haben weitergemacht wie bisher. Für ihn ist es mit Sicherheit auch etwas schwierig gewesen, weil Big ja nun ein besonderes problematischer Hund ist, deshalb ist seine Veränderung kaum verwunderlich.

    Mittlerweile ist Big 10 Monate bei uns. Max ist immer noch nicht 100% der Alte aber er ist schon fast wieder der Alte und ich denke ein paar Monate werden noch ins Land ziehen müssen.

  • Zitat

    eine Hündin 'geht' und es kommt direkt eine neue. Könnte Rosie läufig werden?


    Es lagen schon ein paar Monate dazwischen, bis Rosie da war. Rosie ist kastriert.

    Zitat

    Du kannst jetzt nur noch abwarten u. evtl. mit viel konditioniertem Ruhesignal arbeiten.....vorallem schimpf den Hund nicht....verhalte dich wie sonst auch, egal, ob es erstmal funzt od. nicht....du machst sonst zuviel kaputt.


    Also wenn es das ist, dann ist das Ruhesignal bei uns "Pause". Ich verwende es momentan immer dann, wenn er wirklich komplett entspannt ist. Hier zu Hause ist er ruhig. Fiept nicht, meldet nichts. Liegt und kuschelt mit Rosie (die ebenfalls und vorallem ÜBERALL immer komplett entspannt ist). Daher eignet es sich gut, dann zu versuchen diese Entspannung zu konditionieren. Bisher ist es soweit, dass er sich bei "Mach Pause" hinlegt. Ob es schon ein Erfolg ist, weiß ich nicht.

    Eine andere Situation in der Poco entspannt ist (und eben oft auch nur auf den zweiten Zuruf reagiert), ist das Treffen mit unseren Gassi-Bekannten und Gassi allgemein. Es sei denn ich zwinge ihn zum Stillstand. Dann fiept er schon. Aber das hat er schon immer gemacht, mittlerweile ignoriere ich es einfach nur noch.

    Seine Probleme mit der Unruhe liegen einfach im Auto (wenn wir die ihm bekannten Strecken fahren und wenn ich im Auto angesprochen werde) und auf der Arbeit. Nun, ich könnte ihn ja auch einfach zu Hause lassen, oder zu einem der Sitter geben. Aber da reagiert er dann mit der selben Unruhe. Zu Hause bellt er mittlerweile alles zusammen. Aber ich denke er wurde mal zu Hause gereizt durch jemanden an der Tür und weil er dann von meiner Tante aus der Wohnung geholt wurde, denkt er sich jetzt, dass wenn er Krach macht jemand kommt und ihn holt. Er war zu Hause alleine noch nie komplett entspannt.

    Jetzt habe ich natürlich auch schon drüber nach gedacht und da ich und die Hunde nun fast 24 Stunden am Tag zusammen sind, mache ich mir zusätzlich ein wenig Gedanken, ob sein alter "Kontrollwahn" den er damals mal hatte wieder aufflammt. Nicht ganz so extrem wie damals, aber spürbar. Nur bin ich etwas überfragt, wie ich dem entgegen treten sollte, sollte es sich so verhalten.

    Zitat

    Na ja, ich kann das schlecht beurteilen bei Euch...., es kommt auf soviele Dinge drauf an - wie bist du? Wie ist der eine oder andere Hund?


    Von Weiten und ohne die Protagonisten zu kennen ist es unmöglich DEN Tipp zu geben. Deswegen wollte ich ein paar Gedankengänge hören. :)
    Vielleicht nur kurz angerissen: Ich bin sehr streng (ich weiß es und versuche diese Strenge in die richtigen Bahnen zu lenken) aber dabei auch wieder sehr "herzlich", liebe den Kontakt mit meinen Viechern und brauche Kontaktliegen fast genauso sehr wie sie, denke ich manchmal. Ich bin seeeehr ungeduldig und versuche auch dies zu Gunsten der Hunde runter zu schrauben. Ich vergesse schon mal gern, dass es sich um Hunde handelt und nicht um Wesen die komplett perfekt sind. An Konsequenz mangelt es nicht und Poco setzt eigentlich alle Regeln/Grenzen und Kommandos sehr gut um. Er ist ein Streber. Er ist wirklich gut in allem was er gelernt hat. Er liest mich und meine Körpersprache sehr, sehr präzise und genau. Wenn er nicht so nervös ist wie im Moment, kommt es sogar vor, dass er Kommandos ausführt, die ich noch nicht verbalisiert habe oder gerade erst per Gestik andeute. Mit Rosie kommt er (meiner Meinung nach) sehr gut klar. Es wird sich gegenseitig geputzt, die Ohren gesäubert, sanft geplänkelt im Spiel, viel Kontaktliegen betrieben. Man kann sagen: Wo der eine Hund, so auch der andere. Ich fand eigentlich immer, dass sie ihm gut tut. Seit sie da ist, ist er meiner Meinung nach aufgeblüht. Agiler, spielt wieder mehr, Spaziergänge bestehen nicht mehr nur aus Schnüffeln (abgesehen von den Dingen die er mit mir schon immer gemacht hat. Suchspiele, laienhafte Unterordnung etc). Er sucht Rosie wenn sie nicht dort ist, wo er sie vermutet und all solche Dinge. Und vorallem alles Dinge, die er mit der anderen Hündin nie getan hat. Wenn die sich zu ihm legte, ist er aufgestanden und hat sich woanders hingelegt. Zu Rosie geht er allerdings auch von sich aus. Deswegen denke ich nicht unbedingt, dass es an der Person Rosie liegt, sondern wenn, dann an den anderen Umständen.
    Rosie ist ein Ruhepol. Sie ist so ausgeglichen, das komplette Gegenteil von (dem immerhin schon immer etwas hibbeligen, Hummeln im Arsch) Poco. Sie legt sich überall hin und entspannt. Draußen legt sie sich ins Gras und schläft. Etwas das Poco nie täte. Sie malträtiert ihn nicht, schränkt ihn nicht ein (er sie auch nicht). Maßregelungen finden so gut wie nie statt. Nur einmal, als der Herr sich mit dem vollen Gewicht auf ihre Bauchpartie hat fallen lassen und das wohl weh tat. Aber selbst da war es sofort wieder gut.

    Vielleicht rede ich mir das jetzt auch alles nur schön. :D Deswegen betriebsblind. Im Auge wird er auf jeden Fall behalten.

    Ist Hibbeligkeit eigentlich auch Fütterungsbedingt? Kann das auch mit Futter zusammen hängen?

    Zitat

    Was haben wir gemacht? Eigentlich nichts besonderes. Wir haben weitergemacht wie bisher. Für ihn ist es mit Sicherheit auch etwas schwierig gewesen, weil Big ja nun ein besonderes problematischer Hund ist, deshalb ist seine Veränderung kaum verwunderlich.


    Danke für deine Einschätzung. :) Sicher, es ist für den Hund eine Umstellung, wenn ein zweiter Hund dazu kommt. Mich irritiert es nur, dass er bei der ersten Hündin nicht so reagiert hat, obwohl er mit ihr, wie bereits geschrieben, nicht so ein tiefes Verhältnis aufbauen konnte wie mit Rosie (und wer weiß was Poco damals schon gespürt hat, bei Paulchen).

    Ich denke ich werde auf Null zurück gehen mit ihm und einfach so mit ihm arbeiten wie ich es anfangs gemacht habe.

  • Zitat

    Sieht und hört er normal, oder hat er da vielleicht schleichende Probleme, die ihn unsicher machen?

    Diese Gedanken sind mir auch gekommen :???:

  • Mein Leihhund ist im Alter auch etwas "komisch" geworden.
    Bestimmte Geräusche fand er "plötzlich" ganz schlimm, obwohl sie früher ihm nichts ausgemacht haben.
    Er war auf einmal in manchen Situationen recht unsicher, etwas, was ich von ihm so gar nicht kannte.

    Tierärztlich untersucht worden war er damals.
    Es war alles soweit ganz in Ordnung mit ihm gewesen.

    :ka:
    Ich schätze mal, daß gehört irgendwie zum "Älter werden" bei den Hunden dazu. Warum sollten sie nicht auch ein wenig "merkwürdig" werden dürfen?
    Das Gehör läßt bestimmt etwas nach, so daß vertraute Geräusche plötzlich sich "merkwürdig" anhören.
    Hund erschreckt sich schneller, weil er nicht mitbekommen hat, daß da was war.
    Und die Augen sind bestimmt auch nicht mehr das, was sie mal waren.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Guten Morgen!

    Zitat

    Ist Hibbeligkeit eigentlich auch Fütterungsbedingt? Kann das auch mit Futter zusammen hängen?


    Also es gibt Hunde, die bei (zuviel) Kohlenhydraten hibbelig und aufgedreht werden- hast Du denn das Futter umgestellt?

    Eigentlich habe ich da aber noch was anderes "rausgelesen" und da Du ja Denkanstösse wolltest...

    Du schriebst von einem (früher) vorhandenen Kontrollzwang von Poco und außerdem davon, dass beide Hunde irgendwie ständig zusammen sind. Könnte es sein (und das soll echt nur ein Denkanstoss sein, fiel mir beim Querlesen auf) dass Poco seinen Johnny-Kontroletti ;) an Rosie quasi auslebt?
    Das könnte, wenn er gesundheitlich ok ist, zusätzlich zur veränderten Situation seit Rosies Einzug, schon zu deutlich erhöhtem Stress-Level führen. Und dabei wären dann Fiepsen, Ohren mal auf Durchzug schalten und Hibbeln sein "Kanal" über den er versucht, den Stress abzubauen.
    Aus der Ferne sicherlich schwer zu beurteilen, deshalb wirklich nur mal zum Nachdenken ;)

    Ich wünsch Euch jedenfalls alles Gute,
    Uli

  • Zitat

    Eigentlich habe ich da aber noch was anderes "rausgelesen" und da Du ja Denkanstösse wolltest...

    Du schriebst von einem (früher) vorhandenen Kontrollzwang von Poco und außerdem davon, dass beide Hunde irgendwie ständig zusammen sind. Könnte es sein (und das soll echt nur ein Denkanstoss sein, fiel mir beim Querlesen auf) dass Poco seinen Johnny-Kontroletti ;) an Rosie quasi auslebt?
    Das könnte, wenn er gesundheitlich ok ist, zusätzlich zur veränderten Situation seit Rosies Einzug, schon zu deutlich erhöhtem Stress-Level führen.

    Das war auch mein Gedanke

  • Guten Morgen,

    nur so ein Gedankengang der mir beim lesen aufgefallen ist. Du schreibst, dass Poco mit Rosie ja anscheinend aktiver geworden ist. Mit spielen bei den Gassigängen etc. Er ist wie du so schön schreibst ja von hausaus ein kleiner Hibbel. Jetzt fährt er sich beim Spielen mit Rosie hoch, dann geht er mit in die Arbeit und du machst noch Spielchen mit ihm. Vielleicht kommt er so auf ein Level wo er sich nicht mehr gut runterfahren kann und deswegen wenn er mit dir in der Arbeit ist ständig fiept und eben mehr fordert.

    Geben deine zwei denn in der Früh schon Gas?

    Vielleicht die Gassirunden in der Früh etwas ruhiger halten, damit er gar nicht erst auf ein bestimmtes Level kommt und somit die Zeit in der Arbeit ruhiger übersteht?

  • Ich bin grad auf der Arbeit und versuche mich kurz zu fassen und zu antworten. :)

    Zitat

    Sieht und hört er normal, oder hat er da vielleicht schleichende Probleme, die ihn unsicher machen?


    Ohren und Augen sollen die nächste Zeit geprüft werden. Im Alltag merke ich allerdings keine Einschränkungen (was ja nichts heißen mag). Mit dem Hören ist es so, dass Poco auf die leisesten Geräusche reagiert. Da ich allerdings selbst schwerhörig bin, weiß ich, dass Schwerhörig nicht gleich Schwerhörig ist. :gut: Notiert.

    Zitat

    Das Gehör läßt bestimmt etwas nach, so daß vertraute Geräusche plötzlich sich "merkwürdig" anhören.
    Hund erschreckt sich schneller, weil er nicht mitbekommen hat, daß da was war.
    Und die Augen sind bestimmt auch nicht mehr das, was sie mal waren.


    Das ist mit Sicherheit so. Aber ich finde ihn mit noch nicht ganz 6 Jahren ehrlich gesagt noch nicht alt. Eher so in der Mitte seiner Blüte. Wie früh fängt ein mittelgroßer Hund mit dem "Alt werden" an?

    Zitat

    Könnte es sein (und das soll echt nur ein Denkanstoss sein, fiel mir beim Querlesen auf) dass Poco seinen Johnny-Kontroletti ;) an Rosie quasi auslebt?


    Du, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Möglich wäre es auf jeden Fall. Hier auf Arbeit fressen beide getrennt und da hat er einen riesigen Terz veranstaltet. Aber ich habe es auf das Futter bezogen, von dem er wusste das es das gleich gibt. Interessante These! Danke!

    Zitat

    Also es gibt Hunde, die bei (zuviel) Kohlenhydraten hibbelig und aufgedreht werden- hast Du denn das Futter umgestellt?


    In sofern als das ich momentan mehr Trockenfutter fütter (ist besser zu transportieren und hygienischer auf der Arbeit). Die Zusammensetzung habe ich grad nicht zur Hand, da muss ich heute Abend mal schauen.

    Zitat

    Jetzt fährt er sich beim Spielen mit Rosie hoch, dann geht er mit in die Arbeit und du machst noch Spielchen mit ihm.


    Also wenn wir arbeiten müssen, mache ich keine gesonderten Spiele mit ihm, weil ich eben denke, dass es ihn überforden könnte und er mir zu sehr hochfahren würde. Es sieht so aus, dass wir im Frühdienst nur eine Löserunde drehen und dann zur Arbeit fahren und nach der Arbeit einen Spaziergang mit den Gassiebekannten machen (bei denen er ja optisch entspannt scheint). Im Spätdienst gehen wir die große Runde vorher alleine. Dabei werden auf große Aufgaben verzichtet. Bei solchen Spaziergängen hält sich auch das Spielen der Hunde in Grenzen. Danach geht es auf die Arbeit und danach laufen wir noch mal eine gute halbe Stunde zum Entspannen, was er (meiner Meinung nach) gut toleriert. Die anderen Lösegänge sind nicht aufgezählt.

    Zitat

    Geben deine zwei denn in der Früh schon Gas?


    Nein. Gar nicht. Sind wir zu Hause, wird lange geschlafen. Richtig aktiv werden sie erst nachmittags und das auch nur draußen. In der Wohnung wird nicht getobt. Höchstens mal leicht geplänkelt, aber nicht getobt.


    Aber eins muss ich sagen. Entweder haben wir beide heute einen guten Tag, oder es hat mir einfach nur mal gut getan den Stress runter zu schreiben. Aber er ist heute wunderbar an der Leine gelaufen. Der Rückruf war auch was besser als sonst. Und hier auf der Arbeit ist er im Moment ruhig. Er fiept nicht, nur dann wenn ich ein paar Mal an der Stelle vorbei laufe, an der beide Hunde geparkt sind. Jetzt im Moment liegen sie Rücken an Rücken und machen einen entspannten Eindruck. :gut: Ich hoffe das bleibt heute auch noch so.

  • Zitat

    Aber eins muss ich sagen. Entweder haben wir beide heute einen guten Tag, oder es hat mir einfach nur mal gut getan den Stress runter zu schreiben. Aber er ist heute wunderbar an der Leine gelaufen. Der Rückruf war auch was besser als sonst. Und hier auf der Arbeit ist er im Moment ruhig. Er fiept nicht, nur dann wenn ich ein paar Mal an der Stelle vorbei laufe, an der beide Hunde geparkt sind. Jetzt im Moment liegen sie Rücken an Rücken und machen einen entspannten Eindruck. :gut: Ich hoffe das bleibt heute auch noch so

    Das klingt gut! Versuche auch du selbst ein bißchen an dir zu arbeiten (viel Ruhe ausstrahlen und Geduld üben).
    Ansonsten wurden ja sehr viele und gute Denkanstöße gegeben, auch was das Futter betrifft.

    Alles Gute,

    Claudia.

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