Rückschritt oder "Der Wunderhund wird zum Problem"

  • Wird, sowie ich mich kenne, sicher ein längerer Beitrag. Es geht um meinen Rüden Poco, der im März 6 Jahre alt werden wird, mit 11 Monaten damals zu mir kam. Im Moment ist er fast wieder so, wie er zu Anfang war, als ich ihn bekam und ich weiß nicht wirklich warum.

    Als ich ihn damals zu mir nahm, war er ein junger Kerl, der ausser Sitz und seinem Namen nichts kannte. Auch die Umwelt war nicht immer so zu seiner Zufriedenheit. Busse und Laster fand er zum in die Büsche springen, er hatte Angst, Mülltüten, Pflanzenkübel in Vorgärten, komisch geschnittene Büsche wurden angeknurrt, vorallem in der Dämmerung und im Dunkeln. So verhielt es sich auch mit dunkel gekleideten Personen.
    Durch den Stress und vorallem wohl auch durch die Futterumstellung (Pedigree zu mäßig besseren Futter) litt er die ersten 3 bis 4 Monate praktisch nur unter Durchfall. Mal mehr oder weniger stark. Wir waren öfter beim Tierarzt um einfach nichts zu übersehen. Er wurde von mir nochmal komplett durch geimpft (da ich nie einen Impfpass erhielt, Poco ist schließlich ein Vermehrerhund) und er wurde entwurmt. Darmaufbauende Medikamente gab es ebenso wie Mittelchen, die gegen den Durchfall halfen. War auch alles gut, solange bis es abgesetzt wurde. Er nahm natürlich auch ab in der Zeit.

    Psychisch war er auch sehr angeschlagen. Hibbelig, nervös und ängstlich (Rute sehr, sehr oft unterm Bauch), er machte unter sich, wenn ihm irgendwas nicht geheuer war. Ich nahm ihn damals mit zur Arbeit, was er meiner Meinung nach toll fand. Denn im Gegensatz zu der Welt "draußen" zeigte er sich meinen Senioren gegenüber stets freundlich und ließ sich bevorzugt von ihnen streicheln.

    Wie dem auch sei. Ich habe ihn soweit hinbekommen, dass er sehr souverän durch den Alltag geht und auch neue, unvorhergesehene Situationen mit Bravour meistert.

    Am längsten dauerte es, seine Schreckhaftigkeit von schnell bewegenden Händen und Leinen einzugrenzen. Immer wieder kam es vor, dass er beinahe eine Bauchlandung machte, wenn sich eine Hand schnell über ihn hinwegbewegte.

    Auch war er, bis er ca 2 Jahre alt wurde, ein Haudrauf für andere Hunde. Er wurde so oft dumm angemacht von anderen Hunden, obwohl er sie immer ignorierte.

    Nun ist es seit ein paar Wochen so, dass mir auffällt, dass er sich wieder "zurückentwickelt". Seine Schreckhaftigkeit kommt zurück und heute war es sogar so, dass er sich richtig weg geduckt hat, als ich die Leine nachfassen wollte. Und gestern Abend hat er beim Kraulen sogar wieder ein paar Tropfen verloren.
    Er ist nervös, hibbelig, fiept und nörgelt praktisch ununterbrochen auf der Arbeit. Im Auto wird alles kommentiert von ihm und wehe mich spricht jemand von ausserhalb des Autos an. Dann wird ein riesen Fass mit Gekläffe und Geknurre aufgemacht. Er reagiert zwar auf ein "Aus", reduziert das Bellen aber auf Wuffen.

    Unterm Strich: Er kommt mir momentan wieder richtig unsicher vor. Und ich weiß nicht, woran ich es festmachen kann, was der Grund dafür sein könnte. Kann Rosie (meine Hündin, die ich seit Juli habe) dran Schuld sein? Wenn ja, wie? Ich kümmere mich nicht weniger um Poco. Ich behandel ihn genauso wie vor Rosie auch. Und vor Rosie gab es noch Pauline und da war Poco "normal" die ganze Zeit, obwohl ich mich um Pauline vermehrt kümmern musste, da sie krank war.

    Ich bin im Moment richtig ratlos. Und ich muss zugeben, dass mich die Fieperei auf Arbeit kollossal nervt, weil einfach alles kommentiert wird. Ich kann ihn nicht mehr ableinen auf der Arbeit, weil er dann sofort losstürmt, ich Angst haben muss, dass er mir einen Senior umschmeißt, weil Poco wegen des Laminates nicht rechtzeitig bremsen kann.

    Maßregeln des Gefiepes geht nach hinten los. Ansprache = größeres Theater, da Willen bekommen. Ignorieren nutzt GAR NICHTS. Ich ignoriere ihn seit Wochen wenn er fiept. Heute wurde er belohnt wenn er ruhig war. Schnüss zu, Wurst kam geflogen. Denn wenn ich ihn verbal lobe, dreht er wieder auf. Die Futtermethode wirkte genau 3 Mal, danach nicht mehr.

    Draußen ist alles relativ beim Alten. Obwohl mir da seit zwei, drei Monaten auffällt, dass ich ihn meist 2 Mal rufen muss, damit er ran kommt. Oder ich muss regelrecht brüllen. Ich habe schon an die Ohren gedacht, ob diese irgendwas haben. Aber dann hört er auch wieder auf das leiseste Kommando. Es ist nicht so, dass er Angst hat zu mir zu kommen wenn ich ihn rufe. Es ist jetzt schon paar Mal aufgefallen (mir und sogar Gassibekannten), dass er beim Rückruf erstmal eine Reaktion zeigt und sich dann zu denken scheint "Ich war nicht gemeint!" und es offenbar einfach ignoriert das ich ihn gerufen habe. Wenn ich dann noch mal rufe, kommt er.

    Lese ich das alles, denke ich mir: Mein Gott Olle, hast DU Probleme. Aber Poco ist einfach nicht der Hund, der er sonst immer ist. Und ich frage mich, was falsch läuft. Ich brauch einfach mal ein paar Denkansätze. Wäre nett, wenn mir die einer geben könnte, denn ich glaube ich bin leicht betriebsblind. :/

  • Das ist ja schon eine massive Veränderung, die Dein Poco zeigt...

    Ich würde wohl darüber nachdenken, ihn zunächst tierärztlich durchchecken zu lassen (Blutbild), um auszuschließen, dass es eine organische Ursache für seine Veränderungen gibt.

    Wenn das nicht der Fall ist, würde ich versuchen, mit Fachleuten (Hundetrainer,-psychologe) zu schauen, was die Ursache für seine (dann wohl psychsich bedingte) Veränderung ist. Möglicherweise ist es tatsächlich das neue Gefüge, dass sich durch Rosie ergeben hat. Denn es ändern sich ja schon einige Dinge mit einem weiteren Hund, die man vielleicht selbst gar nicht so wahrnimmt, wie es der Hund tut.

    LG

  • Da Du nicht rausbekommen wirst, was ggf. der Anlass für die Rückentwicklung war, würde ich ihn erstmal medizinisch durchtesten lassen: Blutbild inkl. aller Schilddrüsenwerte, Schmerzen am Bewegungsapparat und falls es immer schlimmer wird evtl. zu einem späteren Zeitpunkt ein CT, aber das sollte der Arzt ja einschätzen können. Falls er medizinisch ohne Befund ist, weißt du wenigstens, dass Du mit dem Training auch was erreichen kannst. Ich drücke die Daumen, dass es nur eine Phase ist ;-)

  • Witzig...also, nicht wirklich lustig, aber ich hab mit Corey sowas ähnliches, obwohl sich fast nix in seinem Leben verändert hat.
    Ich hab ihn, seit er ca 11 Monate alt ist und im nächsten April wird er 6 Jahre.
    Seit einigen Wochen frag ich mich, was mit ihm los ist.
    Dinge wie Vom Boden Fressen fängt er wieder an (Knallerbsen und Eibenbeeren :verzweifelt: , sowie Maisgeschredder vom Trecker ) und er hat taube Ohren.

    Ich bin auf weitere Antworten gespannt und ganz vielleicht fällt mir ja auch noch was ein :D

  • Zitat

    Ich würde wohl darüber nachdenken, ihn zunächst tierärztlich durchchecken zu lassen (Blutbild), um auszuschließen, dass es eine organische Ursache für seine Veränderungen gibt.


    Also er wurde kürzlich vom Blutbild her gecheckt, weil er abgenommen hatte und ich leichte Paranoia habe, seit meine erste Hündin ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse hatte. Laut dem Blutbild ist organisch alles okay mit ihm.

    Zitat

    Schmerzen am Bewegungsapparat


    Hm. Mir ist jetzt bei seinen Bewegungen nichts weiter aufgefallen. Also keine leichte Steifigkeit oder Bewegungsunlust. Aber auch kein vermehrter Bewegungsdrang. Aber die Möglichkeit wird im Auge behalten.

    Zitat

    Ich drücke die Daumen, dass es nur eine Phase ist ;-)


    Danke. Eine nervige Phase zwar, aber hoffentlich nur das. :)

    Zitat

    Witzig...also, nicht wirklich lustig, aber ich hab mit Corey sowas ähnliches, obwohl sich fast nix in seinem Leben verändert hat.
    Ich hab ihn, seit er ca 11 Monate alt ist und im nächsten April wird er 6 Jahre.
    Seit einigen Wochen frag ich mich, was mit ihm los ist.


    Das nenne ich ja mal ein Zufall. Bei Poco war es so, dass er mit 2 Jahren eine Wesensänderung hatte (Spielen mit anderen Hunden war plötzlich bäh) und mit 4 Jahren auch wieder (Spielen mit anderen Hunden plötzlich wieder Hit). Vielleicht geht was im 2 Jahresrhythmus mit ihm vor?

  • Zitat

    Kann Rosie (meine Hündin, die ich seit Juli habe) dran Schuld sein? Wenn ja, wie?

    Ich behaupte - ja, der Zweithund ist Schuld!

    Egal, ob du versuchst, sie gleich zu behandeln....oder mit dem Ersthund wie immer umgehst, (geht aber nicht wirklich).

    Die Ursache kann dir bestimmt jeder Tierarzt über einen entsprechenden Test bestätigen (Cortisolausschüttung).

    Das wieder herunter zu fahren, braucht Zeit - und vorallem Geduld.
    Mit Schimpfen geht da garnix.

    Du hast dir ein kleines Sorgenkind geholt und viel Bindungsarbeit geschaffen - aber jetzt ist es eine neue Konstellation....ohne dir den Mut zu nehmen, es gibt Hunde, die daran kaputt gehen und der Neuling wurde wieder vermittelt...

    Nicht immer sind unsere Wünsche und Vorstellungen mit denen konform, die unser Hund benötigt, um stressfei (so gut es eben in unsrere Menschenwelt geht) zu leben.

    Deshalb schließe ich mich meinen Vorschreibern an, einen kompetenten Trainer aufzusuchen, um eine Analyse machen zu lassen und eine faire Einschätzug einzuholen (inklusives Durchchecken beim TA).

    Alle Gute für Euch !

    L.G., Claudia.

  • Zitat

    Die Ursache kann dir bestimmt jeder Tierarzt über einen entsprechenden Test bestätigen (Cortisolausschüttung).


    Ist dieses nicht in einem großen Blutbild enthalten? Muss man extra anfordern? Und dann frage ich mich, warum er das Verhalten nicht beim ersten Zweithund gezeigt hat, mit der er sich zwar gut, aber nicht so gut wie mit der aktuellen Hündin verstanden hat. :ka:

  • Zitat


    Ist dieses nicht in einem großen Blutbild enthalten? Muss man extra anfordern? Und dann frage ich mich, warum er das Verhalten nicht beim ersten Zweithund gezeigt hat, mit der er sich zwar gut, aber nicht so gut wie mit der aktuellen Hündin verstanden hat. :ka:

    Wenn ich deine Signatur lese, frage ich mich, ob es vielleicht insgesamt zu viel war - eine Hündin 'geht' und es kommt direkt eine neue. Könnte Rosie läufig werden?

  • Wenn ich deine Hunde kenne würde, könnte ich evtl. darauf antworten....

    Dazu reichen Kleinigkeiten, die deinen Hund viell. an sein altes Leben erinnern...

    Soviel ich weiß, kann man einen Hund direkt auf Cortisol b.z.w. Stressfaktoren durchecken lassen (davon abgesehen - bei deiner Beschreibung brauchst du keinen TA - ist doch offensichtlich).

    Du kannst jetzt nur noch abwarten u. evtl. mit viel konditioniertem Ruhesignal arbeiten.....vorallem schimpf den Hund nicht....verhalte dich wie sonst auch, egal, ob es erstmal funzt od. nicht....du machst sonst zuviel kaputt.

    Viell. ist er auch ein Hund, der laaange Zeit braucht....

    Ich kenne einige zusammengewürfelte Rudel - das war immer Monate lang Chaos pur....

    Na ja, ich kann das schlecht beurteilen bei Euch...., es kommt auf soviele Dinge drauf an - wie bist du? Wie ist der eine oder andere Hund?

    Ich würde dir so gerne versuchen zu helfen - bin aber der Meinung, das es schwierig wird, wenn man kein Bild von den Verhältnissen hat....

    Deshalb bleibt mir nix anderes zu sagen - Kopf hoch....entweder es geht oder du musst dir ernsthaft Gedanken machen....alles andere wäre in meinen Augen purer Egoismus (sorry).

    Gute Nacht!

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