Kleiner Vorfall... abwarten?

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    Ich finde der Vergleich hinkt etwas ;) Besser passen würde aus meiner Sicht: Klein Sören sitzt mit der Schere auf dem Teppich und kürzt fröhlich alles was übersteht. Ich sehe das und es gibt ein Nein. Sören, denkt nicht daran aufzuhören (vielleicht versteht er auch analog zum Hund nicht, was ich meine oder er hat analog zum Hund keinen Bock. Ist aber auch egal) und streckt mir die Zunge raus. Ich gehe hin, sage »Ey« und nehme ihm die Schere aus der Hand. Sören spuckt mir auf den Fuß. Ich hebe den kleinen Punk hoch und setze ihn vor die Tür. Fertig.

    Da kommt kein Geschrei und Gemecker vor. Und danach scheint auch wieder die Sonne.

    Viele Grüße
    Frank

    :lol: - wattn genialer Vergleich! :gut:

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    Wir halten also mal fest - mein Hund darf meine Einrichtung zerstoeren und mir drohen wenn ich das nicht moechte, er darf drohen wenn ich an etwas will von dem er denkt es waere sein, er darf mir in jeglichen Situationen drohen wenn ihm etwas nicht passt.

    Hm nach der ersten Beschreibung im Eingang hat der Hund gedroht, weil man bedrohlich auf ihn zugegangen ist. Das ist eine Situation in der mein Hund mir sagen darf, Stopp du machst mir Angst.
    Das Knurren als solches hatte nichts damit zu tun, das er eine Beute verteidigt hat.

    Zum anderen muss ich einen Hund eine Fehler machen lassen, damit ich ihn Maßregeln kann? Kann ich nicht schon vorher ansetzten und es im Ansatz mit einem Verhalten verknüpfen das ich für angemessen halten? Ich lasse mein Kind doch auch nicht an die Heizungsrohre, an den Kamin, auf die Herdplatte packen oder am Kabel vom Wasserkocher ziehen, nur damit es lernt was "heiß" ist und riskiere dabei Verbrennungen. Da greife ich auch vorher ein und wenn ich es dem Kind 100x erklären muss. Ebenso lasse ich doch auch nicht erst zu, das mein Kind im Teenyalter eine Straftat begeht, nur damit es bestraft und gemaßregelt werden kann, sondern erziehe es im Vorfeld entsprechend so, das es Respekt hat.
    Bei einem Hund funktioniert das auch, das man ihn im Vorfeld zeigt oder sagt, was man von ihm erwartet - zeigt uns ja, das es die Sportler immer wieder hinbekommen, wenn sie Übungen aufbauen, weil falsch aufgebaut ist es ein Umweg und kostet unnötig Zeit.

    Um mal zu sagen was passieren kann: Ich hatte vor kurzem mit einer Familie zu tun. 3 eigene Kinder im Haus, das 4. Unterwegs plus hin und wieder noch 1 oder 2 Kinder zusätzlich. Dazu hatte der Mann sein Geflügel als Hobby und die Frau marderartige Tierchen. Im Haushalt lebten 2 Hunde, eine alte DobiDame und ein Rotti von 6 Monaten. Diese Familie kannte ich privat schon und ich wusste das die Frau schon immer Hunde hatte und auch Hundeplatzgänger war. Ihr Umgang mit den Hunden war nicht meiner, aber das steht auf einem anderen Blatt. Als ich die Familie kennenlernte hatte der Rotti bereits einmal zugelangt und für blaue Flecke gesorgt. Ich sah eine Hund mit potential der total verwirrt war und Stress pur hatte. Für mich war da schon klar, das der Hund besser in einer anderen Familie als Einzelhund mit mehr Ruhe und Verständnis aufgehoben wäre. Die Leute wollte es noch mal probieren, haben aber nicht die Kurve bekommen und der Hund biss noch 2 mal in völlig normalen Situationen - für den Hund - in denen er gemaßregelt wurde und zwar so heftig, das es Verletzungen verursachte.
    Der Hund wurde dann an einem Bekannten vermittelt, die diesen Hund - trotzt der Vorfälle - gerne haben wollten. auch dort sind Kinder im Haus und mit einem Unterschied, es wird ein ganz anderer Umgang gepflegt. Der Hund war auf die Minute unauffällig, ruhig und rücksichtsvoll.

    Da stellt sich dann die Frage ob ruppig und deutliche Ansage oder ruhig und bedacht besser sind. Klar mag das Ansichtssache sein. Aber Grenzen und Signale muss ich nicht etablieren, das mich ein Hund aus was auch immer anknurrt.
    Ich sage immer noch, dass das Nein in dem Zusammenhang gar nicht generalisiert war und nicht 100% saß und das ist in dem Alter und in dem ganzen Zusammenhang nicht verwunderlich.

    Es wurde ja schon gesagt, das Hunde untereinander Erziehung in Spiele verpacken. Warum kann der Mensch das nicht? Wenn der Mensch mal etwas entspannter wäre und mehr mit den Hunden "spielt" und sich in den Kopf ruft, das man bei einem Spiel auch mal verliert, dann hätten viele viele Menschen wieder viel mehr Spaß an der Erziehung ihrer Hunde und wären deutlich entspannter. Und die Hunde hätten viel mehr Spaß an ihren Menschen und würden unter Umständen schneller lernen.
    Ich persönlich finde nichts schlimmer als hysterisch schreiende Menschen, die bei jedem Signal lauter werden oder gar nicht mehr wissen was sie tun sollen.
    Und mit den Hunde spielen heißt nicht, das es keine Regeln, keine Grenzen, keine Verbote oder ähnliches gibt. Sie werden nur anders etabliert und meist darüber schneller und dauerhafter und auch völlig egal wer sie dann gibt.
    Lernen in einer entspannten Atmosphäre ist einfach effektiver als in einer mit Druck.

  • Also Cerredwen, deine wunderbaren Erziehungsvorsätze in Ehren - und das meine ich nicht ironisch, sondern solch eine Erziehung ist wirklich erstrebenswert. Trotzdem hinken auch hier Deine Vergleiche. Du vergleichst hier einen gestressten, turbulenten Haushalt mit hysterischem Gekreische mit einer Tat, die wohl geistesgegenwärtig, schnell und deutlich verlaufen ist - wie Schnappi's Vergleich mit dem kleinen Punk Sören.

    Was würdest Du tun - selbst wenn Dein Kind so harmonisch erzogen wird - wenn es im Begriff ist, die heisse Herdplatte anzulangen oder aber die hübsche, s...teure Statue von allen Seiten begutachtet und dabei ist, sie vom Sockel hochzuhiefen? Geistesgegenwart ist doch nicht Hysterie und der Lerneffekt für Kind oder Hund ist ein enormer, wenn der Schreck dazu kommt.

    Entscheidend für das Lernen ist eine souveräne Reaktion - ruhig, sehr schnell und je nach Situation, auch streng ausgeführt. Es ist nicht mehr als fair, dem Kind oder Hund wirklich deutlich zu machen, dass eine Situation bedrohlich ist und nicht: "Hach Schatzi, kuck ma, ich hab was viiiiiel interessanteres für Dich!" - Letzteres führt sicher zu einer Wiederholungstat, ersteres bleibt als feste Grenze haften.

  • Ich denke, wichtig bei dem Ganzen ist, dass man nicht wütend wird. Das ist ein Gefühl, das deutlich fehl am Platze ist. Denn Wut macht Angst.

    Ich gehe davon aus, dass bei allem, was Schnappi, Zookies Frauchen und bordy zB schreiben, sie nicht hysterisch schreiend auf ein junges Lebewesen zudonnern und es wegzerren.
    Es wird aber deutlich gemacht, dass das Verhalten unerwünscht war. Souverän und ohne hochkochende Wut.

  • Cerridwen
    Ich kann deinen Ausführungen folgen und stimme in vielen Teilen auch zu. Aber ich glaube, dass wir auf Grund bisheriger Erfahrungen und unserer Einstellung einfach unterschiedliche Bilder der eingangs beschriebenen Situation im Kopf haben. Wer von uns beiden richtiger liegt, kann keiner beurteilen. Nicht einmal die TE, da selbst diese die Situation nur aus einer Erzählung kennt.

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    Ich denke, wichtig bei dem Ganzen ist, dass man nicht wütend wird. Das ist ein Gefühl, das deutlich fehl am Platze ist. Denn Wut macht Angst.

    Diesen Satz kann ich voll unterschreiben. Wut und überkochende Gefühle haben in der Hundeerziehung (und auch im Umgang mit anderen Lebewesen) nichts zu suchen. Sie machen nicht nur Angst sondern sie sorgen auch dafür, dass ich nicht mehr klar und verständlich reagieren kann.

    Viele Grüße
    Frank

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    Was würdest Du tun - selbst wenn Dein Kind so harmonisch erzogen wird - wenn es im Begriff ist, die heisse Herdplatte anzulangen oder aber die hübsche, s...teure Statue von allen Seiten begutachtet und dabei ist, sie vom Sockel hochzuhiefen? Geistesgegenwart ist doch nicht Hysterie und der Lerneffekt für Kind oder Hund ist ein enormer, wenn der Schreck dazu kommt.

    Ich lasse es erst gar nicht dazu kommen. Weder das mein Kind in die Verlegenheit, kommt auf die Platte zu langen, noch das ich ein Kind in einem Alter der Trotzphase mit einer Schere durchs Haus rennen lasse, noch das dieser irgendwelche Einrichtungsgegenstände von irgendwas herunter hieft. Wenn ich Hund und Kind in einem Zeitraum nicht beobachten kann, ist der Bereich verschlossen. Und auch ein Kind das sich so etwas anschaut, würde ich mit einem komm her und schau mal was ich hier habe zu mir holen. ganz einfach.

    Ich frage mich immer wieder was jemand durch einen Schreck lernen soll, außer meiden.

    Bemerkenswert ist auch, das in der Beschreibung kein Wort von hysterisch oder turbulent steht. Aber der Mensch geht automatisch davon aus, das wenn viele Kinder und Tiere auf einem Haufen sind, das der Alltag turbulent ist. Dort war es der Umgang - der war wie der der hier gefordert wird, mit Maßregeln und deutlichen Ansagen für den Hund für jede Kleinigkeit - der den Hund in Streß versetzte, nicht der Haushalt. Es fehlte das Verständnis, das dieser Hund Angst hatte und schon gar nicht mehr wusste, was er eigentlich machen sollte oder konnte oder ob er überhaupt noch atmen durfte. Dort war auch, Nein ist Nein und wenn ich sage du bleibst da, dann bleibst du da. Das dieses der Hund in dem Alter aber nicht leisten konnte, kam den Leuten so nicht in den Sinn.

    Ich frage mich wirklich, wo ein bedrohliches auf den Hund zugehen eine souveräne Reaktion ist.
    Wir vergessen dabei eins, das ein Kind auch etwas aufgibt, wenn es damit nie Erfolg hat und das es irgendwann in ein Alter kommt, wo es versteht was man von ihm möchte und es ihm erklären kann. Während der Hund sich Strategien zurecht legt und wenn etwas nie zum Ziel führt, in dem ich etwas von vornherein verhindere, dann wird dieses aus dem "Plan" gestrichen.

    Eine andere Alternative dem Hund das Kauen an den Fransen madig zu machen, wäre ruhig hin zugehen und die Füße auf die Fransen zu stellen und das Nein als Mantra zu wiederholen und zwar so lange, bis der Pubs die Lust an dem Teppich verloren hätte. Damit hätte man einen 5 Monate alten Hund auch nicht in die Enge treiben müssen, das er meint knurren und schnappen zu müssen. Das wäre dann auch dem Alter entsprechend gewesen.

  • Zitat

    Bemerkenswert ist auch, das in der Beschreibung kein Wort von hysterisch oder turbulent steht. Aber der Mensch geht automatisch davon aus, das wenn viele Kinder und Tiere auf einem Haufen sind, das der Alltag turbulent ist. Dort war es der Umgang - der war wie der der hier gefordert wird, mit Maßregeln und deutlichen Ansagen für den Hund für jede Kleinigkeit - der den Hund in Streß versetzte, nicht der Haushalt. Es fehlte das Verständnis, das dieser Hund Angst hatte und schon gar nicht mehr wusste, was er eigentlich machen sollte oder konnte oder ob er überhaupt noch atmen durfte. Dort war auch, Nein ist Nein und wenn ich sage du bleibst da, dann bleibst du da. Das dieses der Hund in dem Alter aber nicht leisten konnte, kam den Leuten so nicht in den Sinn.

    Umgekehrt ist es aber nicht anders. Nur weil ich sage, dass ich einem Nein durchaus auch körperlich Nachdruck verleihe, heißt das nicht, dass mein Hund in einer Diktatur lebt, in der er von morgens bis abends gedeckelt wird und keinen Raum mehr hat, eigene wichtige Erfahrungen zu sammeln.

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    Eine andere Alternative dem Hund das Kauen an den Fransen madig zu machen, wäre ruhig hin zugehen und die Füße auf die Fransen zu stellen und das Nein als Mantra zu wiederholen und zwar so lange, bis der Pubs die Lust an dem Teppich verloren hätte. Damit hätte man einen 5 Monate alten Hund auch nicht in die Enge treiben müssen, das er meint knurren und schnappen zu müssen. Das wäre dann auch dem Alter entsprechend gewesen.

    Ich kann natürlich nur mutmaßen, aber ich behaupte, dass Klein-Mozart auch bei diesem Vorgehen seinen Unmut geäußert hätte. Und ich kenne mindestens einen Hund, der dadurch erst recht in Stress geraten wäre. Manchmal ist ein klares - wenn auch weniger nettes - Vorgehen für beide Seiten der schnellere, ruhigere und stressfreiere Weg.

    Viele Grüße
    Frank

  • Cerridwen: Ein solchermassen geschütztes Kind (oder Hund) tut mir leid, wenn es in's reallife entlassen wird und ist dort sicher nicht überlebensfähig.

    Ein Kind im Glauben zu lassen, die ganze Welt wäre eine Insel der Glückseeligkeit halte ich für das Falscheste, was man machen kann. Um ein Kind oder einen Hund auf die Welt vorzubereiten, gehört auch, dass es weiss, was Angst, Wut, Ungerechtigkeit, Stress etc. ist.

    Es ist bewiesen, dass Schreckmomente und auch eine gewisse Angst (die nicht in Terror oder dauerhaften Angststress ausartet) gut ist für's Gehirn. In diesen Schreckmomenten werden neuronale "unkaputtbare Autobahnen" direkt und in's limbische System (Angstzentrum) gelegt, die den Menschen, Hund davor bewahren, sich in Gefahr zu begeben. Dies ist nicht zu bewerkstelligen, mit einem "vernünftigen Gespräch".

    Ein zweiter Punkt ist, dass ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass es für ein Kind nichts Schlimmeres gibt, als wenn die Elternteile sich nicht authentisch verhalten - also im Falle der Herdplatte den Schreck mit allen daran hängenden Emotionen und die Wichtigkeit des Erlebten nicht teilen. Es ist unaufrichtig und gelogen, wenn der Schreck nicht geteilt wird.

  • Falbala: :gut: Danke für deine guten Posts!!

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    Ich sah eine Hund mit potential der total verwirrt war und Stress pur hatte. Für mich war da schon klar, das der Hund besser in einer anderen Familie als Einzelhund mit mehr Ruhe und Verständnis aufgehoben wäre

    Das legt schon den Schluss nahe, das es dort sehr unruhig ist. Und zwischen ständig deckeln und ein paar klaren Ansagen liegen ja Welten.

  • Zitat

    Cerridwen: Ein solchermassen geschütztes Kind (oder Hund) tut mir leid, wenn es in's reallife entlassen wird und ist dort sicher nicht überlebensfähig.

    Ein Kind im Glauben zu lassen, die ganze Welt wäre eine Insel der Glückseeligkeit halte ich für das Falscheste, was man machen kann. Um ein Kind oder einen Hund auf die Welt vorzubereiten, gehört auch, dass es weiss, was Angst, Wut, Ungerechtigkeit, Stress etc. ist.

    Hat das wer behauptet? Es geht um die Erziehung dem Alter entsprechend. Jeder darf Fehler machen die a dem Alter angepasst sind um zu lernen und b die keine Gefahr darstellen.
    Kinder werden älter kommen in die Kita und in die Schule und dort werden Regeln und Grenzen angepasst und trotzdem werden sie dahin gehen erzogen das Klauen, Schlagen und ähnliches nicht geht und zwar ohne das ich sie vorher klauen lassen, damit sie von der Polizei nach Hause gebraucht wird.
    Ich kann dir versichern, wir sind alle so aufgewachsen, meine Geschwister und ich und auch mein Kind ist so aufgewachsen und ich kann dir versichern wir sind alle überlebensfähig und standen alle sehr früh und sehr sicher auf eigenen Füßen und keiner kann sich in irgendeinerweise beklagen.

    Bei Hunden ist es ähnlich, die Erziehung dem Alter angepasst. Bei einem 5 Monate alten Hund geht man eben noch ganz anders vor als bei einem Hund von 21 Monaten. Und wenn man die Basis im Spiel legt und ohne "Druck" - ja ich nenne es mal so - arbeitet, hat man es später - meine Erfahrung - um einiges leichter.
    Es hat keiner gesagt, das der Mozart den ganzen Tag gegängel und gedeckelt wird, sondern es wird nur gesagt, das die Reaktion der Situation und dem Alter entsprechen total überzogen war.

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